Konzert Filter

FIDDLER’S GREEN – IN SEARCH OF A ROSE

Ort: Bielefeld - Stereo

Datum: 14.09.2007

Zum Start ins Bilderbuch-Spätsommer-Wochenende luden die Folk Rocker FIDDLER’S GREEN aus Erlangen ins Bielefelder Stereo ein. Immerhin war die Lokalität zu diesem Anlass gut gefüllt, wenngleich sich in OWL nicht ganz so viele Fans eingefunden hatten wie noch im Februar im benachbarten Osnabrück. Ursprünglich ebenfalls aus der Nachbarschaft, nämlich aus Lemgo kommend, war IN SEARCH OF A ROSE zum wiederholten Male die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, die Anwesenden auf die richtige Betriebstemperatur für die FIDDLER’S zu bringen.

Bereits kurz vor 20.00 Uhr starteten IN SARCH OF A ROSE dann auch schon in bester irischer Tradition mit „Follow Me Up To Carlow“. Ebl Mandingo, der inzwischen in Bath lebt, bediente den Bass und sorgte daneben für den passenden Gesang, während Kollege Rudi gut behütet in die sechs Saiten griff, Maze (in Hemd & Schlips und Stoffhose mit Hosenträgern sehr irisch anzusehen) der Mandoline süße Töne entlockte, Gable auf die Felle eindrosch und die liebliche Susi mit einem roten Kopftuch angetan munter fiedelte. Zwischen den Songs sorgte meist Rudi für die Unterhaltung des Publikums, während die Band ein ums andere Mal die Instrumente tauschte. Allein Susi und Gable blieben ihrem Arbeitsgerät treu, die übrigen Herrschaften reichten fröhlich die Klampfen durch und zeigten sich an jedem Saiteninstrument versiert. Immerhin macht der Fünfer auch schon seit 1992 gemeinsam rockigen Irish Folk und kann auf annähernd 600 Konzerte verweisen, darunter auch als Headliner beim Duisburger Folk Festival vor knapp 10.000 Besuchern. Ihre Kenntnis des ostwestfälischen Menschenschlages kam dem Quintett dann bei den Vorbereitungen zu „Red Rose“ zugute. Offensichtlich hatten sie gar nicht erwartet, dass es zu überschwänglichen Meldungen auf die Frage, ob jemand eine rote Rose haben wolle, käme. Der praktisch denkende Bielefelder nimmt lieber ein Bier (die Männer) oder einen Douglas-Gutschein (die Frauen), zumindest wenn man Rudi glauben darf, der übrigens eine gewisse optische Ähnlichkeit mit Heiner Lauterbach hatte. Gegen einen irisch-flotten Song mit Mundharmonika-Einlage hatte aber niemand etwas einzuwenden. Vom ersten Album „Conquering“ ließen IN SEARCH OF A ROSE (übrigens wurde der Bandname von einem Titel der WATERBOYS übernommen) wenig später das sehr stimmungsvolle Titelstück hören, welches kräftig beklatscht und mitgetanzt wurde. Da die OWLer augenscheinlich ihre Scheu verloren hatten, durften sie zum anschließenden „Freaks“ gleich mal auf und ab hüpfen und so nahm die Party ihren rasanten Lauf und sollte bei „John Travolta“ ihren Höhepunkt erfahren. Dem Schauspieler, Sänger, Tänzer, Produzenten und Autor war die letzte Nummer gewidmet, die wie eine Irish-Folk-Variante des BILLY JOEL-Gassenhauers „We Didn’t Start The Fire“ klang. Nach 45 Minuten war Schluss, aber die Anwesenden zeigten sich tief beeindruckt und verlangten nach einer Zugabe, die mit „Shenanigans“ ansprechend präsentiert wurde. Besser hätten die FIDDLER’S GREEN-Fans wahrlich nicht auf die Franken eingestimmt werden können. Spielfreudig und unverbraucht haben IN SEARCH OF A ROSE besten Irish Folk Rock geboten und dürften so auch den ein oder anderen neuen Fan gewonnen haben.

20 Minuten später läutete Nebel, ein Intro vom Band und das Band-Faktotum im obligatorischen Schottenkaro-Gewand und mit Widdermaske das Treiben für die nächsten knapp zwei Stunden ein. Während im Hintergrund die FIDDLER’S GREEN-Statue mit dem Motiv des aktuellen CD-Covers vom plüschigen roten Bühnenvorhang des Stereos abstach, vor dem sich auch das mit einem Schottenkaro geschmückte Drumkit befand, nahm die Band in vorderster Front Aufstellung und ließ es mit „Irish Air“ auch gleich ordentlich krachen. Nach eigenem Bekunden waren die Franken lange nicht mehr in Bielefeld, ich kann mich zumindest daran erinnern, dass sie 1997 in der Pudding-Hauptsstadt waren. Damals noch vor einer Hand voll Leute in einem kleinen Club, den es heute schon gar nicht mehr gibt. Dass die FIDDLER’S inzwischen schon kurz vor Erreichen der Band-Volljährigkeit stehen, merkt man den Jungs beileibe nicht an, Ralf „Albi“ Albers kann auch wahrscheinlich gar nicht anders als singend wie ein Derwisch über die Bühne zu fegen. Wie gut, dass gelegentlich Pat Prziwara (Gitarre) und Tobias Haindl (Violine) den Gesang übernahmen, sonst wäre der ruhelose Brillenträger vermutlich überhaupt nicht zum Luftholen gekommen. Da erfuhren alte Volkslieder wie „Market Day“ ein rasantes Tuning, um vom etwas ruhigeren „Haughs of Cromdale“ abgelöst zu werden, bevor „Salonika“ wieder für High Speed sorgte. Zwar war der Publikumsgesang bei „Lukey“ noch etwas dünn, aber bereits bei „Rocky Road To Dublin“ klappte es mit dem Einstudieren der La Ola-Wellen und machte sich sogar eine spontane Polonaise auf den Weg durch den Saal. Vielleicht haben die aufmunternden Worte von Drummer Frank Jooss geholfen, der bei passender Gelegenheit immer mal wieder vermittels Megafon das Wort an Zuschauer und Band richtete. Mit „Long Gone“ ging’s balladesk weiter, wobei dies keineswegs auf den Text zutraf, der es durchaus in sich hatte. Ganz allein mit seiner Akustikgitarre ließen die Kollegen Albi bei „All These Feelings“ auf der Stage zurück, kamen zwischenzeitlich zwar wieder zurück, um es richtig krachen zu lassen, gingen dann jedoch wieder von dannen, um die Bühne Ralf, Tobias und Stefan Klug zu überlassen. Bewaffnet mit jeweils einer Grubenlampe am Baseball-Cap und einer mobilen Trommel, nebst Geige und Bodhran legte das Trio eine fulminante Instrumentaleinlage hin, die eifrig beklatscht wurde. Auf die Bodhran griff Stefan auch noch mal bei „I’m Here Because I’m Here“ zurück. Spätestens jetzt klärte sich auch der Sinn des künstlichen Schafes, das zu „Rocky Road To Dublin“ reingetragen worden war. Es eignete sich nämlich hervorragend als Fußstütze. Die Frage nach Familienstand und Zustand der Ehe wurde vom Plenum zwar sehr zurückhaltend beantwortet (lag vielleicht daran, dass der jeweilige Ehepartner zugegen war), das tat der Stimmung bei „Marie’s Wedding“ aber keinen Abbruch, wie die Damen vermutlich auch verschmerzen konnten, dass Ralf zwar noch wusste, in Zimmer 209 untergebracht zu sein, nicht aber in welchem Hotel er abgestiegen war. Zu „The Night Pat Murphy Died“ wurde bereits ausgelassen mitgetanzt, während die Kapelle sich zu einer musikalischen Vollversammlung am Drumkit traf. Bei „Into Your Mind“ glich das Stereo bereits einem Hexenkessel. Mir hat bei diesem Song besonders das Zwischenspiel von Stefans Akkordeon, der Gitarre und den Drums gefallen, welches durchaus auch in einen Tarantino-Film gepasst hätte. Das ruhige „Another Spring Song“ verlangte nach Feuerzeugen bzw. nach Handys. Neuerdings werden diese nämlich verwendet, um für die entsprechende Kulisse bei Schmusenummern zu sorgen. Zum Titelsong der diesjährigen Scheibe erschien Herr Schottenrock einmal nicht mit einem neuen Saiteninstrument, sondern mit einem Eimer Wasser, um in den ersten Reihen für Abkühlung zu sorgen. Diese wurde auch dankbar angenommen, es gab sogar ein paar Mädels, die sich wohl in einem Miss-Wet-T-Shirt-Contest wähnten und sich willig das kühle Nass in den Ausschnitt gießen ließen. Beim „Captain Song“ gab’s dann kein Halten mehr und Ralf glänzte mit einer Megafon-Gesangseinlage, bevor er seine Einschätzung kund tat, wie viele Reiterpaare sich auf dem Dancefloor wohl fänden. Sein Tipp lag bei fünf, tatsächlich waren dann siebenmal Ross und Reiter zum „Donkey Riding“ bereit, da konnte Gitarrist Pat auch nicht anders und nahm auf den breiten Schultern des Widdermannes Platz und begab sich ebenfalls in die Menge. Mit „Girls Along The Road“ war bereits die Zeit für das letzte Stück gekommen und lagen immerhin auch schon 90 Minuten Spielzeit hinter allen Beteiligten. Lautstarke Zugaberufe machten allerdings deutlich, dass hier noch eine Verlängerung erwartet wurde. Die sollte natürlich nicht fehlen. Zu „Shut Up And Dance“ durfte noch mal ausgelassen getanzt werden, während im Anschluss Albi mit einem Megafon bewaffnet den Zungenbrecher „Mary Mack“ schmetterte. Doch ein Song fehlte immer noch und der sollte jetzt folgen: „Blarney Roses“, die FIDDLER’S GREEN-Hymne überhaupt! Wie üblich, wurde die Stage für alle Fans freigegeben, wo sich umgehend ein kleiner Background-Chor vor dem Schlagzeug formierte und eifrig tanzte und lauthals sang.

Ein gelungener Abschluss der fast zweistündigen Show, die ausschließlich zufrieden dreinblickende Zuschauer in die noch junge Freitag Nacht entließ. Im Stereo wurde eiligst für den beginnenden Discobetrieb umgerüstet, während die Fans sich noch ein Autogramm bei den Irish Independent Speed Folkern holen konnten. Den ein oder anderen mag es vielleicht auch noch in einen Pub gezogen haben, gegen ein Guinness oder Kilkenny wird nach der schweißtreibenden Show bestimmt niemand was einzuwenden gehabt haben.

Setlist IN SEARCH OF A ROSE
Follow Me Up To Carlow
Misty Mountains
Shamrocknroll
Weak
Red Rose
London Days
Conquering
Red And Blue
Lucky Stupid
Freaks
Sugarpath
When Will We Be Married
Free Polka Jamboree
Rebel Town 1
John Travolta

Shenanigans

Setlist FIDDLER’S GREEN
Irish Air
Folk’s Not Dead
Market Day
Haughs of Cromdale
Rollin’
Lukey
Salonika
Rocky Road To Dublin
Long Gone
All These Feelings
Djembensolo
When Will We Be Married
Bretonix
I’m Here Because I’m Here
Marie’s Wedding
The Night Pat Murphy Died
Into Your Mind
Another Spring Song
Drive Me Mad
Captain Song
Donkey Riding
Girls Along The Road

Shut Up And Dance
Mary Mack
Blarney Roses

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu FIDDLER’S GREEN auf terrorverlag.com

Mehr zu IN SEARCH OF A ROSE auf terrorverlag.com