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FIELDS OF THE NEPHILIM – BURN

Ort: Herford - X

Datum: 28.10.2012

Wie könnte ein eiskaltes Wochenende besser ausklingen als mit einem düster-morbiden Konzert einer musikalischen Legende? Dieser Begriff wird heutzutage ja inflationär missbraucht, doch im Falle von FIELDS OF THE NEPHILILM sind solche Superlative durchaus angebracht, immerhin sind die Briten stilprägend für ein ganzes Genre. Und zudem eine Wohltat in der „modernen Bum Bum/ MP3/Kitsch-Knicklichter-Gothic“-Szene, deren Aufmerksamkeitsspanne kaum mehr als ein Album umreißt. Immerhin gut 500 Anwesende sahen dies ähnlich, wobei es sich größtenteils um männliche, ältere Semester Ü40 handelte, die augenscheinlich schon die Anfänge der Band in den 80ern mitbekommen hatten. Entsprechende Italo Western Outfits inklusive. Doch bevor Carl Mc Coy zur Totenmesse läutete, durfte sich noch eine Vorband präsentieren, die an immerhin 3 Abenden den Support geben durfte, was man wohl als Ehre bezeichnen kann.

BURN aus Münster hatten wir schon mehrfach als Vorband auf dem Schirm, u.a. für KRYPTERIA und SCHANDMAUL. Zu FOTN aber passt ihr Sound definitiv am besten, Wave Rock mit treibenden Gitarren und einer Stimme, die mehr als nur schwach an Robert Smith erinnert. Sänger und Mastermind Felix Friberg werkelt schon lange an seiner musikalischen Vision, dennoch erschien erst 2011 das offizielle Debüt „The Truth“, man ließ aber bereits Anfang 2012 mit „Black Magnolia“ einen Nachfolger von der Kette. Zusammen mit 3 Mitstreitern an den Instrumenten dauerte es ein paar Minuten, bis Band und Publikum miteinander warm wurden, dann aber löste sich die Spannung und es kam durchaus Stimmung auf. Felix, der mich optisch stark an Schauspieler Ryan Reynolds erinnerte (mit etwas höherem Haaransatz), punktete dann auch mit sympathisch-bodenständigen Ansagen. Die Setlist teilte sich einigermaßen paritätisch auf die beiden Alben auf, wobei beispielsweise „Ghost“ bereits 2007 auf einer EP namens „Cold Flames“ veröffentlicht worden ist, die auch in unserer Redaktion Beachtung fand. Ein solider Einstieg in den Abend, nicht mehr aber auch keinesfalls weniger.

Setlist BURN
Ninty-Nine Floors
The Negative Me
Burn For You
Bursting Clouds
Ghost
Colors I Can’t See
Ultraviolet
Why Don’t You Find Out For Yourself

Nach einer relativ kurzen Umbaupause – Die Bühne war lediglich mit 2 Bannern bestückt – konnte es dann auch schon mit den britischen Urgesteinen weitergehen. Noch im Sommer auf dem Amphi-Festival hatten sie uns nicht ganz in ihren Bann gezogen, Sonnenlicht und Open Air ist einfach nicht das passende Ambiente für den dreckigen Goth Rock-/ Metal-Sound im „Dust Devil“-Outfit. Ähnlich wie bei den „Sisters“-Kollegen reist man Tour um Tour mit klassischem Sound Material durch die Bühnen-Welt, das so gut wie kein Patina angesetzt hat und im Vergleich zu heutigen Outputs herrlich verschachtelt, atmosphärisch und makaber rüberkommt. Große Überraschungen natürlich ausgeschlossen. So gut wie keine Interaktion mit den Zuschauern, so gut wie keine Bühnen-Action, sieht man von Carls nach wie vor beeindruckender Aura ab, die schon kleine Gesten zu Gänsehaut-Momenten werden lässt. Der Rest des düsteren Musikanten-Stadls? Nur Staffage, die aber für den nötigen Druck sorgt ebenso wie für die vielen melodischen Parts, die immer wieder aus den Gitarrenwänden hervorragen. Das mundete an diesem Abend bestens, insbesondere die Die-Hard-Fans in den ersten Reihen breiteten immer wieder die Arme aus, um das Pathos quasi fühlbar zu machen. Der Rest wippte mit und schwelgte in Gedanken an längst vergangene Zeiten, als die Haare noch nicht grau und schütter waren. Die Setlist gab sich mit 12 Titeln relativ kurz, in Anbetracht der Song-Längen aber kaum überraschend, auch so konnte man locker 70 Minuten aus den verstaubten Ärmeln schütteln. Ein Klassiker folgte dem Anderen: Das omnipräsente „Moonchild“, das mit einem wunderschönen, repetitiven Gitarrenpart ausgestattete „Mourning Sun“ (gleichzeitig Schlussakt des Hauptteils), „Dawnrazor“, „Love Under Will“ etc. Als Sahnehäubchen dann noch der „Preacher Man“ und zum guten Finale natürlich das elegische „Last Exit For The Lost“, mit dem nicht nur dieses ostwestfälische Konzert sondern auch gleich das Ende der Deutschen Tourdaten besiegelt wurde.

In dieser Form dürfen die Düsterpriester gerne noch viele weitere Jahre aktiv bleiben, vielleicht dann auch mal wieder mit frischem Studio Material, um die alten Klassiker ein wenig „aufzuhübschen“. Dieser Sonntagabend war für die Anwesenden eine gelungene Zeitreise für vergleichsweise kleines Geld (unter 30 Euro), bevor es wieder hinaus in die karge Wirklichkeit ging…

Setlist FIELDS OF THE NEPHILIM
Shroud (Exordium)
Straight to the Light
One More Nightmare
From the Fire
Love Under Will
The Watchman
Dawnrazor
Psychonaut
Moonchild
Mourning Sun

Preacher Man
Last Exit for the Lost

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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