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FILTHFEST 2008

Ort: Dresden - Reithalle

Datum: 11.12.2008

CRADLE OF FILTH – GORGOROTH – MOONSPELL – SEPTIC FLESH – ASRAI

Das Jahr endet laut und dreckig – das Filthfest verjagt den Weihnachtsmann. 2008 neigt sich dem Ende zu – kein Grund, sich nicht die Ohren mit einer Ladung Metal der Spitzenklasse durchpusten zu lassen. Erneut geht der Blick nach Dresden, wo die Creme de la Creme der Extrem-Metal-Sektion ihr Zelt aufschlägt. Mit MOONSPELL, GORGOROTH und CRADLE OF FILTH hat sich ein besonders finsteres Triumvirat in der Reithalle angemeldet.

Also ab für den wilden Ritt. Den Anfang machen allerdings ASRAI, die sich fast gänzlich ohne Licht auf der Bühne herumtreiben. Die Halle ist auch noch sehr übersichtlich gefüllt und man wackelt nur vereinzelt den Kopf. Der uninspiriert wirkende Gothic Metal lässt auch keinen Grund erkennen, das frisch gestylte Haupthaar zu schwingen. Einzig Basser Martin kann durch seine Bühnenpräsenz für Hingucker sorgen. So ein Cowboyhut zieht ja eigentlich immer. Sängerin Margriet bemüht sich, Stimmung in den Laden zu bekommen, scheitert aber ein ums andere Mal an dem noch kalten Dresdner Publikum. So sind doch alle froh, als nach „In Front Of Me“ Feierabend ist.

Setlist ASRAI
Whisper
Your Hand So Cold
Stay With Me
Awaken
Delilahs Lie
In Front Of Me

Besser machen es da die Griechen von SEPTIC FLESH. Für manch einen Besucher mögen sie gar der heimliche Headliner sein. Seth Siro Anton wirbelt an seinem Bass herum wie ein junger Derwisch. Die ersten Reihen fressen ihm von Beginn an aus der Hand und hängen an seinen hasserfüllten Lippen. Die Musik, die ich dem symphonischen Black Metal zuordnen würde, lässt die kalten Glieder auftauen. Die Köpfe wackeln und die Biere leeren sich auf einmal ganz schnell. Mit ihrem neuen Album „Communion“ haben sie die Kritiker wieder überzeugen können und auch die Fans haben sie bereits nach den ersten Klängen auf ihre Seite gezogen. Was hier weggerotzt wird, ist einfach traumhaft. Sänger Anton kämpft sich den Wolf, um auch die letzten Reihen zum Feiern zu bewegen – mit diesem fetten Sound gar kein Problem. Ob das die anderen Bands ihnen nachmachen können? Einfach wird es nicht…

Wenn es aber jemand schaffen kann, dann die Portugiesen von MOONSPELL. Mit ihrem letzten Album „Night Eternal“ haben sie zu alter Stärke zurückgefunden. Ihre diesjährigen Auftritte beim With Full Force und beim M’era Luna waren allesamt große Klasse, daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sie vom Start weg punkten können. Die ordentlich gefüllte Reithalle verbreitet geile Stimmung, als das Intro „In Memorian“ erklingt und in den ersten Kracher „Finisteria“ übergeht. Doch lange bleibt man gar nicht in der Vergangenheit. Denn die neuen Tracks können vollends überzeugen. So versprüht „Night Eternal“ brutal düstere Stimmung und schickt den Weihnachtsmann zurück zum Nordpol. Bei „Moon In Mercury“ spielen sogar die Rentiere verrückt, und lassen ihn doch durch den Schornstein der Reithalle purzeln. Das sorgt für mächtig Nebel auf der Bühne. Die Portugiesen schnappen sich den Sack und verteilen mit „Blood Tells“ und „Opium“ leckere Geschenke. Nun aber Schluss mit der guten Laune. „Vampiria“ verbeißt sich in den Ohren der Anwesenden. Der Weihnachtsmann nimmt seine Tierchen (deren Köppe wie bekloppt durch den Raum bangen) und flüchtet. Sänger Fernando kann mit Drückebergern aber nix anfangen und lässt mit „Alma Matter“ und dem Übersong „Fullmoon Madness“ den Himmel aufreißen. Schnee fällt auf die Erde und lässt den Weihnachtsmann schwer in Gang kommen – so verabschieden sich die Portugiesen beim begeisterten Publikum und machen sich auf die Suche.

Setlist MOONSPELL
In Memorian
Finisterra
Night Eternal
Moon in Mercury
Blood Tells
Scorpion Flower
Opium
Vampiria
Alma Matter
Fullmoon Madness

Wo die Norweger von GORGOROTH für ihre Bühnenstatisten suchen mussten, will ich gar nicht wissen. Erneut darf sich der Betrachter nackte Menschen mit schwarzen Hauben auf den Kopf reinziehen. Lecker ist das nicht. Wieso die Statisten aber ihre Masken kurz vor dem Auftritt noch abnehmen und sich so für alle potentiellen Beziehungen disqualifizieren, ist mir schleierhaft. „Na meine Tochter – was macht denn dein Freund so?“ …“ach Mama, er hängt mit einer Kappe auf dem Kopf nackt bei GORGOROTH auf der Bühne“ „Ach das ist ja fein meine Tochter“. Wie schon beim diesjährigen Wacken Open Air stößt diese Art der Bühnen-Deko nicht immer auf Gegenliebe. Die meisten wollen Musik hören – diese haben die Norweger zwar auch anzubieten, aber das pseudoböse Getue lenkt doch zu sehr davon ab. Gaahl (der sich vorher vergnügt den MOONSPELL-Auftritt gab) hat sich die böse Laune übergezogen und spart mit Mimik, wo er nur kann, während seine Mitstreiter um die Wette posen. Mit „Procreation Satan“ eröffnet ein Werk des 2003er Albums „Twilight Of The Idols“ das Set. So richtig raushören kann man jedoch nicht, ob ein Song nun vom aktuellen „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ stammt (ein Blick auf die Setlist zeigt, dass es jede Menge sind) oder ab vom 97er „Under The Sign Of Hell“. Der Sound ist zwar nicht matschig, aber doch weit weg von optimal. So stampfen sich Gaahl und KING durch das elfteilige Programm und ziehen jede Menge Würstchen durch die Brötchen. Finster, finsterer, GORGOROTH? Auf jeden Fall, denn der Schmachter „Unchain My Heart!!!“ ist wirklich nicht nur was für frisch Verliebte. Nach elf Hassfetzen ist Feierabend – die Hölle öffnet sich wieder und verschluckt die Norweger mitsamt ihrer offenherzigen Statisten – See You On The Other Side!

Setlist GORGOROTH
Procreation Satan
Untamed Forces
Carving A Giant
Incipit Satan
Profetenes Åpenbaring
Sign Of An Open Eye
Wound Upon Wound
God Seed (Twilight Of The Idols)
Teethgrinding
Prosperity And Beauty
Unchain My Heart!!!

Seltsamer Weise leert sich die Reithalle bereits jetzt. Hallo? Will keiner den Headliner CRADLE OF FILTH sehen, der erst kürzlich nach einigen tristen Jahren eine feine Scheibe veröffentlicht hat? Offenbar ist es wohl einigen schon zu spät – die Geisterstunde beginnt bald und offensichtlich haben wohl einige Angst, die nächsten Opfer von Gaahl und KING zu werden. Wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird nackt aufgehängt. Als dann die Briten um Giftzwerg Dani die Bühne betreten, geht die Lucy (oder Luzifer) aber endlich ab. Mit dem brandneuen „Shat Out Of Hell“ knüppeln sie gleich erbarmungslos den Staub von den Wänden. Die Crowd tobt, Dani gleich mal mit. Mit seinen hohen Plateaus gar keine leichte Sache. Mit Hilfe einer schicken Video-Show kommt düstere Atmosphäre auf, auch wenn die nicht vorhandene Kommunikation mit der Meute für Unterkühlung sorgt. So rappeln sich die Briten durch ihr Programm, ohne sich großartige Schnitzer zu leisten. Der Sound ist für CRADLE-Verhältnisse prima. Man erkennt jeden Song, leider auch, dass viele Übersongs heute nicht auf der Setlist tummeln. So wird die geniale „Midian“-Scheibe gar nicht gewürdigt. Auch das neue Werk „Godspend And Devil’s Thunder“ wird nur selten gestreift. Mit „Priniciple Of Evil Made Flesh“ und „Under Huntress Moon“ wird tief in die Vergangenheit geschaut. Das gefällt offenbar vielen neuen CRADLE-Fans nicht, und so verlassen sie die Knüppelorgie. Schade, denn so verpassen sie mit „Cruelty Brought Thee Orchids“ einen echten Klassiker, der mir im wahrsten Sinne des Wortes das Fell über Ohren geschlagen hat.

Somit waren fünf Bands geschafft. Das Trommelfell hat es überlebt, wir den folgenden Schneesturm auch. Wer sich noch kurz vor Weihnachten den Nacken verkrüppeln will, sollte unbedingt dem Tross folgen und sich ins Getümmel stürzen. Heiße Ohren garantiert!

Setlist CRADLE OF FILTH
Intro
Shat Out Of Hell
Guilded Cunt
Dusk And Her Embrace
The 13th Caesar
Nocturnal
Twisted Nails
Principle Of Evil Made Flesh
Honey And Sulphur
Under Huntress Moon
Outro

Cruelty Brought Thee Orchids

Copyright Fotos: Enrico Ahlig

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