Konzert Filter

FILTHFEST 2008

Ort: Osnabrück - Hyde Park

Datum: 20.12.2008

CRADLE OF FILTH – GORGOROTH – MOONSPELL – SEPTIC FLESH

Das Jahr endet laut und dreckig, so hat mein Kollege seinen Bericht für die Show in Dresden begonnen. Das konnte man am letzten Abend der Tour in Osnabrück voll unterschreiben. Erstmal war’s dreckig, denn der Schlagloch-Parkplatz war eine reine Matschwüste mit nicht gerade wenigen und nicht gerade kleinen Pfützen.

Und laut wurde es dann auch. Denn als SEPTIC FLESH loslegten (ASRAI traten an diesem Abend nicht auf), wurden die schon recht zahrlich angetretenen Fans erstmal wortwörtlich plattgebügelt. So donnerten die Griechen eine derartige Soundwand von der Büne, dass einem schon beinahe übel wurde. Denn Lautstärke bedeutet nicht gleich guter Sound. Viel mehr walzte hier ein Brei aus Bass-Grollen, tiefgestimmten Riffwänden und donnernden Drums auf einen zu. Durch die diese brachiale Attacke grollten dann die infernalischen Vocals von Seth Siron Anton. So waren einzelne Songs eigentlich kaum zu erkennen, denn auch die sonst unvergleichlichen Synth-Effekte drangen nur phasenweise durch diese extreme Sound-Attacke. Wirklich schade, denn besonders die Songs des letzten Albums „Communion“ fallen mehr als stark aus. Hier allerdings konnte man sich eigentlich nur Propfen in die Ohren stopfen und genießen, wie schön theatralisch-böse der SEPTICFLESH-Fronter seine Vocals vortrug. Seine Axt-Kollegen dagegen konzentrierten sich recht einfach auf ihr Spiel und boten sonst kaum einen Grund zur Aufmerksamkeit. Wirklich schade…

MOONSPELL konnten sich ja mit ihren letzten Alben stark in der Sparte des düster-extremen Metals zurück melden und präsentieren sich auch live wieder energischer und direkter. So ging es nach dem Intro dann auch gleich mächtig mit „Finisterra“ und „Night Eternal“ los. So druckvoll und energisch habe ich die Portugiesen zuletzt bei den Shows zu den Knaller-Alben „Irreligious“ und „Wolfheart“ gesehen. Passend zu den krachenden Tracks gestikulierte Fronter Langsuyar aka Fernando Ribeiro so böse wie möglich, intonierte die Songs inbrünstig wie eh und jeh und wurde dabei noch atmosphärisch von passenden Projektionen auf der Leinwand unterstützt. Trotz starker neuer Songs bilden natürlich die Klassiker noch immer die Highlights einer MOONSPELL-Show. So bestand der zweite Teil der Show auch nur aus eben solchen. Los ging es mit dem düsteren „Ruin & Misery“, welches prompt von dem Überhit „Opium“ gefolgt wurde und beides wurde auch gut abgefeiert. „Vampiria“ ist ein dunkles Meisterwerk vom Durchbruch-Album „Wolfheart“ verlor an diesem Abend durch etwas zuviel Synth-Einsatz schon eine Menge an Wucht, schade. Dafür ging es mit „Alma Mater“ noch mal richtig in die vollen und natürlich muss ein Konzert der Portugiesen mit „FullMoon Madness“ enden. Zum Finale drischt Shouter Fernando schon seit eh und je mit auf die Becken des Drumkits ein und dieses Mal kamen noch einige andere Musiker der anderen Bands dazu, um mächtig mitzurocken. Alle zusammen ließen sich dann am Ende für ein starkes Set bejubeln, was deutlich machte, dass MOONSPELL auf dieser Tour auch locker direkt vorm Headliner hätten platziert werden können! Allerdings schmälerte auch hier der überaus laute und phasenweise sehr matschige Sound den Konzert-Genuss.

Setlist MOONSPELL
In Memorian
Finisterra
Night Eternal
Moon in Mercury
Blood Tells
Ruin & Misery
Opium
Vampiria
Alma Mater
FullMoon Madness

In den letzten Monaten waren die norwegischen Black Metal-Urgesteine GORGOROTH mehr wegen diverser Skandale (DVD-Show, rechtliche Streitereien mit ex-Kollege Infernus, Outing von Sänger Gaahl) in den Schlagzeilen als wegen ihrer Musik. Doch darum sollte es auf dieser Tour nun endlich wieder gehen und so wurden die Kreuze aufgebaut (aus Platzmangel nur drei), die nackten Menschen drangehängt (sowohl Männlein als auch Weiblein für die gesamte Tour komplett unrasiert, weil die Band den Schein der Unschuld darstellen will), das Corpsepaint aufgelegt und los ging es. So boten die Chefs King ov Hell (Bass) und Shouter Gaahl (Vocals) mit ihren derzeitigen Kollegen, dem langjährigen Session-Gitarristen Teloch (NIDINGR) sowie den „Neu-Aushilfen“ Sir ( Gitarre, TRELLDOM) und Garghuf (Drums, NEFARIUM, spielte die „Live in Grieghallen“ ein) eine klassische GORGOROTH-Show. Die beiden glatzköpfigen Gitarristen posten steif und böse in die Menge guckend, Gaahl stierte in den Scream-Pausen bitterböse in die Gesichter der Fans und ließ sich allenfalls zu einem Evil-Fingerzeig in Richtung diverser Handy-Cams verleiten und King ov Hell rockte mit seinem Bass dafür für alle 3 gleich mit. Keine Frage, GORGOROTH haben so einige der stärksten Black Metal-Songs abgeliefert und Gaahl bewies sich auch heute wieder als einer der infernalischten Sänger überhaupt, aber durch die brachialen Soundwände, die von der Bühne dröhnten, wurde es selbst für den Kenner schwer, jeden Song sofort zu erkennen. Am einfachsten wurde das noch durch die unverkennbaren Riffings oder die cleanen Gesänge von z.B. „Carving a Giant“, „Profetenes Apenbaring“ oder „Sign of an Open Eye“. So gab es am Ende der Show gespaltene Meinungen in der sehr gut gefüllten Halle. Einige meinten „Ja, so muss das sein!“ Andere schüttelten nur verständnislos mit dem Kopf. Black Metal polarisiert immer! So oder so…

Setlist GORGOROTH
Pro Creation Satan
Untamed Forces
Carving A Giant
Incipit Satan
Profetenes Åpenbaring
Sign Of An Open Eye
Wound Upon Wound
God Seed (Twilight Of The Idols)
Teethgrinding
Prosperity And Beauty
Unchain My Heart

Ein weiterer Umbau und ein neues Kreuz auf der Bühne (als Deko für Keyboarderin Rosies Instrument) später ertönte dann das Intro zu “Godspeed on the Devil’s Thunder”, dem neuen Knaller der englischen Pioniere des “unpopular Black Metal”. 2008 kommen CRADLE OF FILTH mit dem neuen Werk wieder um einiges härter und düsterer daher und das wirkt sich auch mehr als deutlich auf die Setlist aus. So warteten die Fans dieses Mal vergeblich auf Hits wie „Her Ghost in the Fog“, „Lord Abortion“, „Nymphatemine“ oder „From the Cradle to Enslave“. Die gute für die female Vocals verantwortliche Sarah Jezebel Deva war sogar gar nicht mit an Bord auf dieser Tour! So bestand das Set eigentlich nur aus Krachern der Marke „Shat out of Hell“, „Gilded Cunt“, „The Principle of evil made Flesh“ oder das herausragende „Nocturnal Supremacy“. Dazwischen hauten die legendären Bösewichter Groove-Granaten wie „the 13th Caesar“, „Under Huntress Moon“ und „Honey and Sulphur“ raus und gaben als Zugabe mit dem brachialen „Cthulu Dawn“ und dem Übersong „Cruelty brought thee Orchids“ nochmal alles. Alles gab auch Fronter Dani Filth mal wieder. Der auf dem Kopf derzeit etwas zerrumpft aussehende Kreischer brillierte mal wieder in allen Höhen und Tiefen seiner Vocals und übernahm auch gekonnt die ansonsten von der Deva gesprochenen düsteren Töne in einigen Songs. Dazu wirbelte der keine Engländer wieder wie ein Derwisch über die Bühne und die Aufbauten, poste vor der düstere Bilder und Videos zeigenden Leinwand mit einigen Extrem-Künstlern (Funkenshow) und feuerte immer wieder die etwas schwerfällig mitgehenden Fans an. Ähnlich gingen nur Keyboardin Rosie und der überragende Drummer Martin aus sich raus. Die drei Axtmänner Dave Pybus (Bass), Paul Allender und Charles Hedger (beide Gitarre) konzentrierten sich da mehr auf ihr Spiel und routiniertes Posing. Der Sound kam im hinteren Teil der Location auch richtig gut, wobei ich mir nur denken kann, wie infernalisch die Lautstärke wieder in den vorderen Reihen angekommen sein muss.

So konnten CRADLE OF FILTH ihr wiedergefundene alte Stärke auf live mehr als nur eindrucksvoll beweisen. Die Filthfest-Tour dürfte allerdings nur der Anfang gewesen sein, denn in dieser Form sollten die Engländer auch auf der anstehenden US-Tour mit SATYRICON so ziemlich alles wegpusten. Dort allerdings dann lt. Sänger Dani auch wieder mit Sarah Jezebel Deva und dem einen oder anderen etwas ruhigeren Titel im Programm.

Setlist CRADLE OF FILTH
Shat out of Hell
Gilded Cunt
Dusk… and her Embrace
The 13th Ceasar
Nocturnal Supremacy
Twisted Nails of Faith
The Principle of evil made Flesh
Honey and Sulphur
Under Huntress Moon

Chtulu Dawn
Cruelty brought thee Orchids

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CRADLE OF FILTH auf terrorverlag.com

Mehr zu GORGOROTH auf terrorverlag.com

Mehr zu MOONSPELL auf terrorverlag.com

Mehr zu SEPTIC FLESH auf terrorverlag.com