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FISH

Ort: Paris - La Locomotive

Datum: 09.12.2007

Als ich mich am späten Sonntagnachmittag auf den Weg nach Paris machte, wusste ich wirklich nicht mit Bestimmtheit, ob ich am Abend rechtzeitig im La Locomotive sein würde, um dort meinen „alten“ Helden FISH sehen zu können. Die Anreise nach Paris gestaltete sich aber derart unkompliziert mit wenigen Verzögerungen, dass ich bereits 9:15 Uhr vor der Location stehen sollte, direkt neben dem altehrwürdigen Moulin Rouge. Nach schnellen und unkomplizierten Ticketverhandlungen (die regulären Tickets, waren bereits wieder verstaut worden) gewährte man mir dann auch schnell Einlass in einen anständig gefüllten Saal, den FISH bereits mit altbekannter Souveränität beherrschte.

Leider war es mir nicht möglich, die ersten Titel wie „Slainte Mhath“, „Circle Line oder „So Fellini“ zu belauschen, da ich, obwohl die Anreise wie erwähnt Zwischenfallslos verlief, dann doch etwas spät war. FISH allerdings wusste sofort seine Zuhörer in den Bann zu ziehen. So geschehen mit mir, als ich mich mit selbstverständlicher Großkotzigkeit durch die hinteren Reihen zum Mischpult vorgekämpft hatte. Die Bühne ist im La Loco auf der unteren Ebene, so dass man beim Eintreten einen spitzen Blick darauf hat, wenn man denn bis zur Treppe kommt. Somit rettete mich meine vormals erwähnte Attitüde und brachte mich auf einen Platz auf Bühnenebene zu den dämonischen Klängen von „ The Perception of Johnny Punter“ vom Album „Sunsets on Empire“. Puh, was ein Welcome, weiter zum nächsten Opus vom neuen Werk „13th Star“: „Manchmal“… Ja, der FISH war mal mit einer deutschen Dame verheiratet und daher diese Wortspielerei. Bestens und mit Nachdruck wurde intoniert: „Manchmal I often think of you…“ Unglaublich, wie es Derek William Dick (sein richtiger Name) immer wieder schafft, seine Lyrics in ein zeitloses Rockgewand zu packen und dabei genau den Nerv seiner Zuhörer zu treffen, aber er überrascht auch mit neuen Songs, Magie verbreitend, die wirklich nur die Grossen Im Petto haben. Schonungslos auch sich selbst gegenüber wird hier persönlichen Erlebnissen Rechnung getragen, mit einer Wortgewalt, die nicht selten lyrisches Ausmaß annimmt, hier und da aber auch mal mitten ins Gesicht springt.

Kaum war das Finale des letzten Stücks verklungen, wurde „History“ revisited. Der Zuhörer war informiert und mit dem Opener des Konzertes „Slainth Mhath“ (Schottischer Trinkspruch) war ja bereits der erste Song des letzten MARILLION Albums mit FISH („Clutching at Straws“ 1987) vorgetragen worden, der übrigens auch 1987 die Konzerte eröffnet hatte. Nicht zuletzt deswegen heißt die aktuelle Tour auch „Clutching at Stars“, im Prinzip eine Melange zwischen neuem Album und 20 jährigem Jubiläum des MARILLION Albums. Mühelos gelingt der “Move back in Time“ mit den ersten 3 Stücken dieser VÖ und sind die Franzosen sonst eher zurückhaltend bei englischem Gesang, stehen sie hier doch wie ein Mann hinter FISH. Der dies zu zelebrieren weiß, immer Mittelpunkt aber auch seine Band immer in Szene setzend. Frank Usher an der Lead Gitarre weiß exakte Replika der Rothery (Git. MARILLION) Soli zu erzeugen und trotzdem hier und da seinen eigenen Stil einfließen zu lassen, was auch der Rest der Band eindrucksvoll darlegt… “So if you join me …get on your knees and pray, I show you salvation we’ll take the alternative way… Clutching the short straw!“ Weg vom Koks und seinen Geschichten hin zum Kernstück des neuen „Dark Star“. Einfach außergewöhnlich, wie dieses Set aus neuen und alten Stücken lebt und atmet, aber auch von diversen kleinst Geschichten des Barden bereichert wird. Herrlich die Ansichten FISHs, wie man Rugby spielen sollte („We don’t kick the Ball, we run with it“), oder der Bericht über die „Magic Mushroom“ auf englischen Spielfeldern, die nach vermehrter Einnahme ein ganzes Rugby Team lahm legen sollten… überflüssig zu erwähnen, dass es FISHs Team war. Die letzten beiden Stücke des Sets sind einmal mehr Exponate des Jubelalbums („Sugar Mice“/ „White Russians“). Unter tosendem Applause verabschiedet die Menge (300 – 400 Personen) ihren Helden, nur um ihn abermals zurück auf die Bühne zu holen. „Cliché“ wird geboten, eines der ehrlichsten und schönsten Lovesongs unserer Zeit. Überhaupt ist es diesem groben Klotz von fast 2 Metern mit seiner unförmigen Figur eigentlich kaum zuzutrauen, solche zum sterben schönen Liebeslieder zu verfassen. Er weiß aber immer wieder das Gegenteil zu beweisen. Eben noch der Zeremonienmeister der Apokalypse, jetzt der verletzliche Lover, der Poet im Kosmos seiner Gefühle.

„Incommunicado“ schließt die erste Zugabe und geht wie ein Ruck durch das La Loco, welches von jetzt auf gleich auf Party und Tanz-Atmo umschalten: „Sometimes it seems that I`ve been here before, when I hear opportunity kicking in my door…! Wieder schafft es die MengeFISH zurück zu holen, der mit dem letzten Stück von „Clutching“ einem Triumphzug gleich den Tourabschluss feiert. So gut gelaunt mit einer gut eingespielten Band habe ich den Herrn lange nicht gesehen. Sicher ist seine Stimme vom schier endlosen Touren und bestimmt auch einiger Trinkgelage nebst Rauchen in Mitleidenschaft gezogen, nur muss er in keinster Weise Vergleiche mit den Grossen des Musikbusiness scheuen. Bleibt zu hoffen, dass er diesen Elan mit in das neue Jahr nimmt, denn das erste Open Air 2008 auf der Loreley ist bereits bestätigt. Ich werde da sein!

Setlist FISH
Slainte Mhath
Circle Line
So Fellini
Square Go
Perception Of Johnny Punter
Manchmal
Hotel Hobbies/ Warm Wet Circles/ That Time Of The Night
Arc Of The Curve
Dark Star
Sugar Mice
White Russians

Cliché
Incommunicado

The Last Straw

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