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FIVE FINGER DEATH PUNCH – LAST ONE DYING

Ort: Köln - Underground

Datum: 19.02.2009

„Der Weg der Faust“ führte sie in den Staaten innerhalb kürzester Zeit in die höheren Gefilde der Charts: Zwei Singles in den Top Ten, die Dritte immerhin auf Platz 16. Nun schicken sich FIVE FINGER DEATH PUNCH an, auch Europa zu erobern. Anfang diesen Jahres, und damit gut 2 Jahre später als in den USA, erschien auch hier „The Way Of The Fist“ und es geht auf Europatour, wo man schon im Vereinigten Königreich mit Schwergewichten wie UNEARTH, LAMB OF GOD oder DIMMU BORGIR die Insel zum beben brachte. Anschließend zog man als Headliner durchs Land und machte am 19. Februar Halt im Kölner Underground. Dort hatten sich trotz Straßenkarnevalbeginn eine Vielzahl von „Knuckleheads“ (Bezeichnung für die 5FDP-Fans) eingefunden und so die Location problemlos ausverkauft.

Im Aufwärmprogramm standen an diesem Abend LAST ONE DYING bereit. Das Quintett rund um den sich mittlerweile auch bei den Knüppelbrüdern von CALLEJON austobenden Drummer Bodo „Rhadamanthys“ Stricker ballert ja seit 2006 von Köln aus in die Welt hinaus und stand dabei auch schon auf der Bühne mit LAMB OF GOD und UNEARTH, so dass hier eine gewisse Gemeinsamkeit mit dem Headliner bestand. Musikalisch bewegt man sich im Gegensatz dazu aber deutlich mehr im metallischen Bereich, wobei man durch das überwiegende Shouting und die Breaks aber auch ein kleines bisschen in die Metalcore-Schublade schielt. So klingt man nicht unbedingt innovativ, kann aber dennoch durch Können überzeugen. Die teilweise CALIBANischen Riffs schmetterte man druckvoll durch die Hütte und auch mit dem gerne mal eingestreuten Cleangesang gab man sich ebenso wenig eine Blöße. Dieser erinnerte dann ebenfalls an die bereits im Zusammenhang mit dem Riffing genannte Kapelle, wobei L.O.D. alles andere als eine Kopie derer darstellen. Kompositionen wie „Anthem of the lost“ weisen trotz allem noch einen eigenen, kleinen Charakter auf, der dem versammeltem Publikum merklich gut gefiel. Rotierende Haare, gestreckte Fäuste, Stage-Diver und ein gutes Maß an Bewegung ließen darauf schließen. Heimspielatmosphäre quasi, die allen Beteiligten Spaß machte. L.O.D. schienen auch sehr gut gelaunt, hatten den einen oder anderen lockeren Spruch parat, und Sänger Hades bereute es schon recht schnell, kein Handtuch bereit gelegt zu haben – so sehr machte man Dampf. Ein technisch recht sauberer, guter Auftritt der Kölner, der mit viel Applaus bedacht wurde und mit dem man rundum zufrieden sein darf.

Setlist LAST ONE DYING
The Hour of Lead
Darkness on my Trail
Legacy
Annabel Lee
Turning of the Tide
My own Machine
Exclude me from your Prayer
Anthem of the Lost
Into the Deep

Nach einer Umbaupause war die Zeit gekommen: Time to meet the monster! Wurde im Vorfeld schon durch laute und gemeinschaftliche „FIVE FINGER! – DEATH PUNCH!“-Rufe der euphorischen Knuckleheads die Vorfreude an den Siedepunkt gebracht, entfachte das Intro dann vollends das Feuer der Begeisterung. Nach und nach betraten Drummer Jeremy Spencer, Gitarrist Jason Hook, Basser Matt Snell, Bandgründer und Gitarrenvirtuose Zoltan Bathory und schließlich „the monster himself“ Ivan Moody die Bühne. Letzterer erhob auch direkt unter tosendem Jubel die Stimme: „For the next 60 Minutes, your asses are ours!!“ Anschließend forderte er mit einem lauten „Right?“ Bestätigung, was ihm mit „Riiight!“ bestätigt wurde. „Riiiight??“ – „Riiiiiight!!“ hallte es wieder durch den Raum und ein jeder wusste: Dies ist der bekannte Anfang des Openers „Ashes“. „Bring it!“, schrie Ivan und ausnahmslos kam man dem nach. Der Song preschte nach vorne, als gäbe es kein Morgen mehr, gleichermaßen taten es die Anwesenden vor der Bühne, vor der stets reichlich Bewegung herrschte. Ivan bellte herrlich wütend und in Perfektion die Lyrics heraus, begleitet von der derben Soundwand seiner Kollegen, deren Druck die Meute eigentlich aus dem Underground hätte fegen müssen. Doch man stemmte sich dagegen und schrie und sang alles mit, was auf einen da nieder hagelte. Sehr interessant auch, wie Ivan teilweise Textpassagen auch mal abänderte, ohne jedoch die stets ziemlich persönliche Bedeutung zu verändern oder sich, die Band oder die Fans zu verunsichern. So auch bei dem folgenden „Salvation“. Bassist Matt mit dem ZZ-TOP-Gedächtnis-Bart shoutete fleißig mit und ergänzte sich perfekt mit Ivan – Resultat von 250 Auftritten allein im letzten Jahr. Die dadurch gewonnene Routine merkte man den Ami-Quintett positiv an, vielmehr aber überwog der Spaß, den sie sichtlich an ihrem Tun hatten, und dass trotz der recht kleinen Stage. Besonders Matt poste in aller Herrlichkeit auf ziemlich nu-metalische-Art, Zoltan lies die Dreads kreisen und Herr Moody hatte die Transformation zum Monster ja eh schon seit der ersten Sekunde hinter sich gebracht. Der Titelsong des Albums folgte und genau so folgten alle dem „Way of the fist“. Man ließ sich keine Gelegenheit zum Singalong entgehen, genauso wenig wie das gemeinschaftliche springen: „If we jump up, you jump up!“. Wer würde es wagen, einem Ivan Moody zu widersprechen? Fantastisch, wie er die Leute im Griff hat, und wenn einer aus der Reihe, bzw. auf die Bühne tanzte, würde er deutlich zurechtgewiesen. So auch ein Typ, der es offensichtlich nicht kapiert hat, dass auf der recht kleinen Stage niemand neben der Band, dem Personal und den Fotografen etwas zu suchen hatte. Nachdem er mehrmals anfangs noch recht freundlich darauf hingewiesen wurde, musste ihn Ivan erst höchstpersönlich von der Bühne schmeißen. Da das Gehampel die Band störte und auch den Rest der Anwesenden nervte, schickte sich niemand an, den Typen aufzufangen. Wer nicht hören will, muss halt fühlen! Doch der Lerneffekt blieb aus, so dass ein nun so richtig ärgerlicher Ivan Moody, der sich vorher noch trotz seiner berechtigten Handlung entschuldigt hatte, sich den Idioten richtig zur Brust nahm und sich dann unmissverständlich ausdrückte: „I can rape you or I can beat you! Again: do NOT enter the fucking stage! I warn you! Don’t push your luck!“ Das hatte gesessen!

Nach lautem Beifall dafür konnte es dann mit weitergehen. Zwischendrin zeigte Moody, dass er auch nett kann und verteilte regelmäßig Wasserflaschen an das fleißig ackernde Publikum. Ein Monster mit Herz! Dieses stimmte dann „The Devil’s own an. Auch live jagt einem die Komposition einen Schauer über den Rücken, vor allem da sie von der gesamten Band so energisch und intensiv vorgetragen wurde. Ihr folgte „Stranger than fiction“, anfänglich schön balladesk angesungen, knallte das gute Stück wie seine Vorgänger und ebenso die Nachfolger kompromisslos los. Der Sound war recht gut, bedenkt man die Voraussetzungen in einer eher kleinen Location wie dem Underground. Das Publikum war dementsprechend auch mehr als begeistert und nutze seinen Platz so gut es ging, um richtig Party zu machen. Nicht auszudenken, wenn 5FDP, erst mal das Palladium oder ähnliches ausverkaufen! Dass das nicht mehr allzu lange dauern dürfte, zeigte allein schon das bisher Gebotene, welches dann mit „White Knuckles“ auf eine noch höhere Ebene der Begeisterung geschossen wurde. Die Groove-Granate lies keinen Nacken still stehen und keine Faust nicht in die Höhe schnellen. Fast schon unheimlich, was Jeremy Spencer alles aus seinem Schlagzeug heraus holte, durch welches sich auf wundersame weise die geschundene Doublebass noch nicht durchgebrannt hatte. Kerl, was ist der fix der Junge! Und auch Jason Hook zeigte, dass er mehr als nur ein Ersatz für den abgewanderten Darrell Roberts ist und stand mit seinen Soli denen seines Kollegen Zoltan Bathory in nichts nach. Was dann beim anschließenden „Never Enough“ abging, ließ so manch anderes Konzert wie eine der draußen stattfindenden Karnevalsveranstaltungen aussehen. Wie aus einem Munde hallte jedes Wort des Textes, Band und Knuckleheads verschmolzen gemeinsamen zu einer gewaltigen Faust, die aber auch alles atomisierte. Das vorläufige Ende wurde dann von dem Titel geprägt, der den Abend beschreibt wie kein andere: „Meet the monster“. Wohlwissend, das ein Song immer noch fehlte, holte ein jeder noch mal alles aus sich heraus, die Stimme Ivans klang frisch wie aus dem Ei gepellt und die Instrumentenaktion feuerte unermüdlich aus vollen Rohren. Nachdem die Mannen von 5 FINGER DEATH PUNCH dann kurzzeitig sie Bühne verlassen und die selbstverständlichen Rufe nach einer Zugabe kurz abgewartet hatten, tötete man mit dem abschließendem Überhit „The bleeding“ den auch noch so kleinsten Zweifel an dem Können und der enormen Ausstrahlung und Energie der Band. Auch der Song saß wie angegossen und noch bevor die letzten Worte des Songs gesungen waren, verabschiedete sich Ivan noch mal im Namen der Band, dankte sichtlich erfreut über die ausnahmslos positiven Reaktionen und stellte noch eine letzte Frage: „Do you know something they call Kölsch?“, was tosenden Beifall auslöste. „Two guys told me that that is the name of your beer here. So, in 30 minutes, let’s meet at the bar and have some!“ (Wer das wohl war? Näheres dazu könnt ihr im Interview lesen, Anmerkung des Verfassers)

Ich hatte mich ja schon sehr auf den Abend gefreut, wenngleich ich auch niemals gedacht hätte, dass sich 5 FINGER DEATH PUNCH schon so schnell über den Geheimtipp-Status hierzulande hinaus einen so hohen Bekanntheitsgrad erarbeitet haben. Man ging auf Nummer sicher und buchte für die ersten Auftritte als Headliner in Europa eher die kleineren Clubs, was sicherlich auch vernünftig ist – ich bin mir aber sicher, da wäre noch deutlich mehr gegangen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer und so kann man nun mit einem hoffentlich schnell folgendem neuen Album (man bedenke, dass „The Way Of The Fist“ in den Staaten Jahr schon 2007 erschien und nicht erst wie hier erst Anfang diesen Jahres) beruhigt größere Locations wählen. Und auch dabei bin ich mir sicher: alle, die an diesem Abend dabei waren werden es auch bei der nächsten Gelegenheit sein – genau wie viele, viele andere, die ihm noch folgen werden: dem „Way of the fist“!

Setlist 5 FINGER DEATH PUNCH
Ashes
Salvation
The Way Of The Fist
The Devi’s own
Stranger than fiction
White Knuckles
Never Enough
Meet the monster

The Bleeding

Copyright Fotos: Alexander Vogt

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