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FOR ALL THIS BLOODSHED – RESIST THE TIDE – SYMBRID – SAY GHOST

Ort: Köln - Underground

Datum: 26.03.2010

SWIMMING WITH SHARKS TOUR 2010

SAY GHOST

Los geht es mit den Proberaum-Kumpanen von FOR ALL THIS BLOODSHED: SAY GHOST. Anfang 2009 hat man sich zusammengefunden, um einen Mix aus Rock, Metal und Hardcore zum Leben zu erwecken, der sich (zumindest ein wenig) von der breiten Masse abhebt – und genau das scheint bereits zu Beginn ihres Opener-Jobs auch an diesem Abend deutlich zu werden. Zwar tritt man hier leider ohne Schlagzeuger an und muss darum auf die entsprechende Tonspur aus der Konserve zurück greifen, doch lässt man sich davon nicht im Geringsten davon abhalten, eine gute Show abzuliefern. Immer wieder schlägt derber Rock-Groove aus dem metallischen Grundgerüst, dann ist es wieder ein scharfes Metal-Riff, das über den rockigen Rahmen malt. Dazu gesellen sich dann die ähnlich facettenreichen Vocals, die von tiefen Shouts über fiese Screams bis zu gefühlvollem Cleangesang reichen. „Psycho Part I & II“ und „Leaving The Emotional Backdoor“ zockt man dabei auch mehr als konsequent und authentisch durch. Das eigentliche Quintett denkt dabei nicht einmal daran, sich in einer Schublade zu verstecken, sondern springt förmlich dort heraus und schreit einem mitten ins Gesicht. Songs wie „If there‘s no tomorrow“ bieten einen durchaus interessanten Querschnitt aus Screamo und Rock, der auch live Spaß macht – besonders wenn die Jungs so (un)artig und sicher arbeiten und posen. Dass da mal fast ein Monitor umgeschmissen, wird spricht für die frei gesetzte Energie der Jungs, die leider nicht so ganz auf das Publikum wirkt, welches sich so früh am Abend noch ziemlich zurückhaltend gibt. Trotzdem sahnen SAY GHOST verdient Applaus ab und erinnern mich wie bei „Uncounciousness“ so manches mal teilweise ein bisschen an die frühen UNCOVER aus meinem Heimatkreis Herford.

Setlist SAY GHOST
Nothing Counts
Psycho Part II
Uncounciousness
If There’s No Tomorrow
Psycho Part I
Leaving The Emotional Backdoor
A Picture In The Sandbox
The Lost Cause

SYMBRID
Aus besagtem Kreis Herford stammt dann der nachfolgende Act aus dem Programm. Schon komisch, da kämpft man sich 220 km lang durch den Verkehr zu Ferienbeginn um dann unter anderem eine Band zu sehen, die quasi vor der eigenen Haustür wohnt. Dass SYMBRID aber jede Reise wert sind, sollten sie auch an diesem Abend zeigen. Das „OWL-Allstar-Team“ um Ex-UNCOVER/ Ex-HOW SAD A FATE Gitarrist Christian Hoffmann mit Jan Sieker (u.a. Ex-BANANA BUTTS) am Bass, sowie Schlagzeuger Jan Häseler von UNCOVER und dem ehemaligen TASTE OF BLOOD-Vokalisten Philipp Simonsmeier schickt sich nun also an, auch das Rheinland von sich zu überzeugen. Mit tollem Keyboard-Intro erföffnet „Dark Section“ das Set des Vierers und zeigt, dass die beiden hier vereinten Regionen mehr gemeinsam haben als mittelmäßigen Fussball: Im Gegensatz zum 1. FC Köln und der Arminia aus Bielefeld zeigen sich sowohl Musiker als auch Publikum erstklassig. Donnernde Doublebass und tiefe Shouts werden applaudierend begrüßt, schöne Riffs und Soli durch kreisende Haare gewürdigt – und so gerät das Publikum dann langsam aber sicher in Schwung. Der Fusion Metal von SYMBRID kommt (für mich ehrlich gesagt überraschend) recht gut an, bin ich doch eher von einem Publikum ausgegangen, das solcher Experimentierfreudigkeit nicht gaaanz so aufgeschlossen ist. Doch der Kölner zeigt sich bekannt offen und feiert das Dargebotene artig ab. Das bleibt auch dem Quartett auf der Bühne nicht verborgen und so reagiert man auf die mittlerweile wirklich enorme Hitze im Underground mit „Köln, ihr macht uns heiß! Seid ihr gut drauf?“. Und auch wenn ohrenscheinlich hauptsächlich das weibliche Publikum diese Frage mit einem lauten „Jaaa!“ beantwortet, was man lachend mit „Sind nur Frauen hier??“ quittiert, haut man mit „Drugs and other lies” und “Cold love“ völlig geschlechtsunabhängig weiter kräftig auf den Putz. Erstgenanntes erinnert phasenweise ein kleines bisschen an das Intro zu KORNs „Freak on a leash“, ansonsten sind es eher derbere Elemente wie die tiefen Growls und die Shouts von Tieftöner Philipp, die den atmosphärischen Sound der Truppe beeinflussen, wobei ebenso der gelungene Klargesang absolut punktet. Zusammen mit den elektronischen Arrangements, der sauberen Saitenarbeit und den vielseitigen Drums füllt die Mischung aus SYMbiose und HyBRID ihren Auftritt mit klasse Songwriting und ihrer doch recht ausgeprägten Bühnenerfahrung. Sehr souverän zeigt man sich vor dem Publikum, Chriggel lässt die Haare fliegen und feuert ein feines Solo nach dem anderen raus, während Philipp den gefühlvollen Lyrics ausdruck verleiht, in dem er auch mal auf die Knie singt… äh… sinkt. Als besonderes Schmankerl hat man noch einen neuen Song im Gepäck, der mit trancigen Anleihen brilliert und einen guten Auftritt weiter positiv bereichert, der mit dem starken „Disregard“ und reichlich Applaus ein verdientes Ende findet.

Setlist SYMBRID
A new section
Dark Awakenig
Drugs and other lies
Cold love
(New Song)
Deamons of my soul
Disregard

RESIST THE TIDE

Nicht vom Ende sondern vom Anfang ist die Rede bei RESIST THE TIDE. Unter tosendem Applaus betritt die sich erst Ende 2009 formierte Kombo die dicht belagerte Bühne, um bei ihrem allerersten Auftritt sogleich ein paar Wirkungstreffer zu landen. Nach dem epischen Intro “Pointless Resistance” schlägt die gewaltige metallische Flutwelle umgehend auf die Anwesenden hernieder und durchflutet das Underground mit einer fetten Mischung aus Todesmetall und einer mit Hardcore-durchzogenen Progressive-Strömung. Frontschreier Burak, den der ein oder andere schon von diversen FOR ALL THIS BLOODSHED Live-Features kennen dürfte, peitscht seine Kollegen mit seinen energisch tiefen Shouts nach vorne wie der erbarmungsloser Antreiber die Sklaven auf einer Kriegsgaleere, doch diese besetzen mit ihren Instrumenten lieber die Kanonen, mit denen sie Riff um Solo, Drumschlag um Double Bass ins Publikum feuern. Angestachelt von der enormen Energie und dem Tatendrang der blutjungen Gruppierung brechen nach der anfänglichen respektvollen Zurückhaltung seitens der Eintrittzahler und den Knallern „Towers Of Mischief“ und „Grab Your Fate“ die Pits los, als wolle man die Bühne entern – doch RESIST THE TIDE hissen weiter ihre Flagge; immer höher und höher. So ist es dann Burak, der seinerseits das Schiff verlässt um sich ins Meer der tobenden Meute zu werfen und das Moshen einmal mehr anzuheizen. An Deck beackern derweil die Gitarristen Mariusz und Julian weiter gleichermaßen druckvoll wie auch melodieverliebt ihre Saiten, während Jan an der Schießbude weiter Sperrfeuer gibt und Marvin herrlich prägnante Bass-Arbeit abliefert. Dabei trägt er maßgeblich zum Progressiven Touch der Truppe bei, erinnert sein Spiel im Ansatz doch ein wenig an MUDVAYNE-Genie Ryan Martinie. All das zusammen sorgt dafür, das RTT gleich bei ihrem Debüt den wohl brutalsten Sound des Abends abliefern. Und mit „brutal“ meine ich nicht stumpfes, wahlloses Rumgeballer, sondern eine dichte, mächtige Klangwand aus tollem Songwriting (die wenigsten der Songs liegen unter 5 Minuten), gutem Gespür für Breaks und Melodie-Gefühl. Da kracht nach einer der vielen Frickel-Passagen von Mariusz so ziemlich jeder Breakdown gleichermaßen mit Gewalt und Klasse auf einen hinab, dass man nur so ins staunen gerät, vor allem wenn man bedenkt, wie sehr die Jungs noch am Anfang stehen. Dabei ist auch die Performance auf der Bühne schon mehr als souverän, vor allem Burak ist nicht ein Hauch von Nervosität anzumerken, während er neben den selbstbewussten Aufforderungen zu noch mehr Bewegung vor der Bühne auch noch ein paar Two Step-Einlagen während seiner Shouts einbaut. Die Rezipienten feiern ihre neuen Lokalhelden verdient mächtig ab und bekommen dafür unter anderem noch das von myspace bekannte „Your Apocalypse“ auf die Ohren, welche allerdings auch über den gesamten Abend bei allen vier Bands die nicht so wirklich astreine Klangqualität aus den Boxen des Undergrounds hinnehmen müssen. Trotzdem tut das der beeindruckenden Leistung des jungen Fünfers keinen Abbruch, der nach „When Life Turns Into Fear“ und dem abschließenden „Shredded Memories“ unter frenetischen Beifall seine Feuertaufe mit Bravour gemeistert hat. Dieser Welle wird man in Zulunft nur schwer widerstehen können!

Setlist RESIST THE TIDE
Intro ‚Pointless Resistance‘
Towers Of Mischief
Grab Your Fate
Your Apocalypse
When Life Turns Into Fear
Shredded Memories

FOR ALL THIS BLOODSHED

„Raus aus dem Studio und rauf auf die Bühne“ heißt es nun endlich wieder für den heutigen Headliner: FOR ALL THIS BLOODSHED haben das Recording zu ihrer neuen EP „Brawl“ hinter sich gebracht und wollen ihr Feuer jetzt auch live wieder entfachen. Aus den Wänden des Aufnahmeraums befreit merkt man dem Quintett vor heimischem Publikum die Auftrittsfreude direkt an, aus welchem sie uns auch direkt das frische „Shatterhearts“ als Opener mit bringen. Förmlich entfesselt legt man los und verbreitet so schon zu Beginn den Eindruck, dass der rasante Fortschritt der Truppe weiterhin mit Bleifuß fährt. Das neue Stückt zeigt die Kölner merklich gereifter und in sich gewachsener: Zum einen ist das Songwriting deutlich dichter und raffinierter, zum anderen tragen die zahlreichen Auftritte in der Vergangenheit dazu bei, dass man auch live eine noch festere Einheit bildet. Vor allem Rage merkt man keinerlei Unterschied mehr zu den „alten Bühnenhasen“ an den Instrumenten an, tough und Selbstbewusst katapultiert sie ihre fiesen Shouts heraus, welche sie in der Zwischenzeit besonders im Grad der Varianz noch einmal kräftig verbessern konnte. Dazu kommen noch die reißenden Pig Squeals von Bassist Marcus und auch der kleine aber feine Cleangesang-Abschnitt von Gitarrist Chris. Noch mehr Abwechslung bringt dann einmal mehr Burak mit ins Boot, der nach seinem fulminanten Bühnendebüt mit RESIST THE TIDE scheinbar richtig Blut gelegt hat und so zu „Written in Blood“ wieder einmal den Part featured, der auf CD schon von THORNs Tieftöner Den übernommen worden ist. Ebenso wie die Platzhirsche on Stage zeigt sich auch das Publikum von seiner besten Seite: der immens hohen Temperatur im Raum zum Trotz verfällt man in euphorische Raserei, lässt die Köpfe, Fäuste und Beine kreisen oder hüpft kollektiv umher – eine Wahnsinns Stimmung, die man auch auf der Bühne wahrnimmt. So will auch Rage ein Teil davon sein und stürzt sich freudig mit in den Pit; nicht nur einmal an diesem Abend. Natürlich darf auch der Chris-Signature-Move nicht fehlen, bei welchem er wie so oft (eigentlich immer) zu einem Rundgang ansetzt. Weit muss er diesmal nicht und platziert sich so in der Menge, wo er auch schnell von einer Horde Headbanger eingekreist und standesgemäß bei seinem Gitarrenspiel begleitet wird. Doch auch seine Kollegen zeigen ihren Spaß an der Sache und bereichern ihr druckvolles, souveränes Spiel mit gekonntem Posing. Gitarren-Kumpan Markus stellt sich geschickt in Pose, Drummer Ingo feuert aus allen Rohren und Marcus an der Bassgitarre glänzt mit tiefgestandenem Headbanging, mitreißenden Abgeh-Momenten und teilweise einarmiger Performance – ganz großes Kino, bei der auch mal schnell die Fußmaschine kaputt gehen kann (doch für Ersatz ist schnell gesorgt, so dass Chris nicht allzulange mit Anekdoten über backstage geklautes Vitamalz von MAROON erzählen muss, welche am folgenden Tag ihren Auftritt im Underground haben sollten)! Ebenso einsatzfreudig zeigten sich auch die Leute im vor der Auftrittsfläche und nutzen gierig die zahlreichen Crew-Shout-Gelegenheiten, inklusive des „Sickest Crew Shout EVER“: „F A T B!“. Eine Bombenstimmung, die einen aber bei der dargebotenen musikalischen Unterhaltung auch nicht wundert. Knaller wie „Only the strong shall prevail” werden ebenso astrein umgesetzt wie die neuen Granaten „The Awefull Take Of Sharon Hope” oder „Adamantine Lustre“, die live absolut Lust auf den kommenden zweite Silberling machen. Die neuen Songs seien viel mehr FOR ALL THIS BLOODSHED als es die „älteren“ sind, hat Chris in einem Gespräch vor dem Auftritt verraten – und das wird bereits bei diesem Auftritt mehr als deutlich. Der Fünfer besteht nicht mehr bloß aus fünf gespreizte Finger an einer Hand; sie sind zu einer Faust geworden, die sich auf der Bühne ballt und so ihre ganze Kraft in die Kompositionen fließen lässt, um eine frische, aggressive und dennoch melodische Mischung aus der Verspieltheit des Metal, der Wut des Hardcore, dem Groove des Rocks und der Unbändigkeit des Deathcores zu formen. Und damit wird es die Truppe auch noch ganz weit bringen, wenn sie weiterhin so wächst und derart grandiose Shows spielt wie am heutigen Abend, welcher mit „Confident“, einer unglaublich tollen Stimmung und vielen verkauften Shirts und CDs einen mehr als würdigen Abschluss findet.

Setlist FOR ALL THIS BLOODSHED (Reihenfolge ohne Gewähr)
Shatterhearts
Written in blood
Only the strong shall prevail
Words of a liar
Fire in my eyes
The Awefull Take Of Sharon Hope
Handle this
Adamantine Lustre
Confident

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