Konzert Filter

FOR ALL THIS BLOODSHED – TRIPWIRE – DAYS OF RESPITE

Ort: Oerlinghausen - JZ

Datum: 12.06.2009

Der verlorene Sohn kehrt zurück! Einst ausgezogen in die weite Welt – oder zumindest bis nach Köln – um sich persönlich, beruflich und musikalisch weiter zu entwickeln, feiert der ehemalige BURNED ALIVE-Gitarrist Chris für einen Auftritt lang seine Rückkehr nach Ostwestfalen, stellvertretend im JZ Oerlinghausen. Mitgebracht von seiner Reise hat er seine neuen Kollegen FOR ALL THIS BLOODSHED, die mit ihrem dritten Gig nun erstmals die Kölner-Grenzen verlassen und damit den nächsten Schritt ihrer verheißungsvollen Karriereleiter zu erklimmen. Innerhalb kürzester Zeit schaffte man es quasi aus dem Nichts, zu einer der interessantesten und vielversprechendsten Combos im deutschen Underground der härteren handgemachten Musik zu werden, so dass bereist jetzt große Namen wie ALL SHALL PERISH auf die Truppe aufmerksam geworden sind. Doch nun galt es die sich zu Recht immer mehr verbreitende Euphorie um das Quintett auch auf eine sehr eigene Art Menschen zu übertragen: Den Ostwestfalen!

Darum war es durchaus ein kluger Schritt, das Vorprogramm mit lokalen Gruppierungen zu gestalten. Aus Detmold und Umgebung zusammengewürfelt wissen DAYS OF RESPITE nämlich schon aus erster Hand, wie man das hiesige Publikum zu handlen hat. Die Vorgehensweise des Fünfers lag dabei dann im oldschooligem Hardcore á la MADBALL oder DISCIPLINE. Shouter Patrick schimpft in typischer Manier los, wechselt aber erfreulicher Weise auch mal in tiefe, fiese Shouts, die ihm fast noch besser gelingen. Dazu gesellen sich natürlich auch Crew-Shouts, die entweder aus den eigenen, oft aber auch aus den Reihen des Publikums erklangen. Sich aufgrund des geringen Platzes auf der Bühne ohnehin meist davor bewegend, suchte der Mann mit dem Mikro oft den Kontakt zu den sich verhältnismäßig zahlreich eingefundenen Besuchern und stellte seinen Klangverstärker jenen immer wieder bereitwillig zur Verfügung. Doch nicht nur mit Stimmakrobatik wussten die Eintrittzahler zu überzeugen: Trotz des engen Raumes ließ das Violent Dancing nicht lange auf sich warten, was die gute Stimmung entsprechend widerspiegelte. Diese wurde natürlich auch durch DOR verbreitet, die mit Songs wie „Not This Time“, „Justice“ und „Oldschool Warriors“ die Hardcore-Herzen bedienten. Darüber hinaus wurde auch direkt deutlich, warum man sich selbst auch als Spaßtruppe sieht: Von der Ernsthaftigkeit einer Einstellung wie beispielsweise Straight Edge nicht betroffen, fiel man durch den ziemlich… sagen wir lockeren Umgang miteinander innerhalb der Band auf. Da wurde spaßeshalber (!!) nicht nur einmal auf der türkischen Nationalität von Drummer Sinan rumgehackt (so beispielsweise auf die Frage Sinans nach einer Zigarette: „Ist das normal, dass Türken immer schnorren? Aber dann einen dicken Mercedes fahren, ne??“), es wurde auch kein Hehl daraus gemacht, dass man den Anfang eines Songs grad nicht im Kopf hat oder auch ansonsten sich während des knapp 30minütigem Sets – welches man selbst zur Überraschung der Band („Boah, haben wir echt 30 Minuten geschafft? Unsere Songs gehen doch alle nur ne Minute… ja gut, mit 20 Minuten Gelaber ist das machbar…“) füllen konnte – der ein oder anderen Fehler einschlich. Doch all das machte man durch seinen doch recht hohen Sympathiefaktor glücklicherweise wieder weg; und auch wenn das geforderte Stage Diving vom in dem Raum liegenden Balkon ausblieb, ging es für Shouter Patrick trotzdem mit seinen „50 kg Kampfgewicht“ (O-Ton) per „Gorilla Press“ (Wrestlingfans werden sich nun vorstellen können, was gemeint ist) eines Fans in luftige Höhe. So bot man alles in allem ein stimmungsvolles Eröffnungsprogramm, dass auch musikalisch unter anderem mit dem von Myspace bekannten Song (auch wenn man bandintern von „myscheiß“ (O-Ton) nicht allzu viel zu halten scheint) „Pull it off“ und manch einem schönen Gitarrensolo durchaus zufriedenzustellen wusste.

Setlist DAYS OF RESPITE
Friendship
Justice
Spoiled Bitch
Oldschool Warriors
Pull it off
Days Of Respite
Victim of…
Not this time
I don’t know
Betrayer

Weiter ging es mit den fast schon als OWL-Urgestein zu bezeichnenden Quartett TRIPWIRE. Seit 1992 knüppeln sich die Jungs aus Herford/ Bünde in verschiedenen Lineups schon durch die Lande – und das immer noch ohne jede Abnutzungserscheinungen oder Anzeichen von Ermüdung. Trotz des denkbar schlechtesten Beginns, nämlich als das Bier von Fronter Marcel umkippte, legte man gewohnt druckvoll los – und selbstverständlich nicht ohne ein neues Bier vom bereits erwähntem Balkon heruntergereicht zu bekommen, für dass sich Marcel natürlich freundlich bedankte: „Alles gute kommt von oben!“. Nicht mehr so freundlich hörte sich jener dann allerdings an, als es ans Musizieren ging. So pressten sich die AGNOSTIC FRONTschen Shouts dicht gefolgt vom dröhnenden Thrash-Sound durch den Raum und erreichten so zu erst die Langhaarträger, welche nun den Platz der Cappy-Besitzer in der ersten Reihe einnahmen. Letztgenannte ließen sich aber dennoch nicht lange bitten, und so war es DOR-Sänger Patrick, der auch hier das ausgelassene Geturne eröffnete. Anlass boten die diversen core-lastigen Parts von „Iron Monkey“, „Somethings Wrong“ oder dem von Myspace bekannten „Wall of lies“ ja zu genüge. Dass man es sich an diesem Abend verdienter Weise gut gehen lassen wollte, merkte man an Ansprachen wie „Was kostet eigentlich das Bier heute Abend? Wenn ich nicht singen müsste, wär ich auch schon lange besoffen“ – das nenne ich doch mal Pflichtbewusstsein. Der angesprochene Gesang fiel in seiner cleanen Varianten dann allerdings trotzdem nicht unbedingt lupenrein aus, dafür saß aber das aggressiveres Pendant auch bei „Flat“, „White Wash“ oder „Lost 138“ und wie eh und je. Man zockte so souverän durch die Setlist mit Kompositionen, die teilweise 13,14, 15 Jahre auf dem Buckel hatten, während die Stimmung unter den Anwesenden immer besser wurde und Marcel zum Ende hin sein Mikro auch gerne mit DOR-Kollege Patrick teilte. Auch wenn man sich auf der Bühne trotz der Platzprobleme etwas mehr Bewegung gewünscht hätte, boten TRIPWIRE ein gewohnt stimmungsvolles Programm, welches nach „One Life“ und „Smoke“ mit dem Klassiker „Leech“ und einem SLAYER-Zitat endete.

Setlist TRIPWIRE (ohne Gewähr)
(Neues Lied)
Iron Monkey
Somethings Wrong
Wall of Lies
Flat
White Wash
Lost 138
One Life
Smoke
Leech

Nun also war die Zeit gekommen, in der die Rheinländer FOR ALL THIS BLOODSHED beweisen mussten, dass sie nicht nur die Kölner-Frohnaturen sondern auch den bodenständigen Westfalen mit ihrem Virus infizieren können. Und so startete man gleich mal schonungslos mit „Words Of A Liar“ in den Abend, als wollte man auch das Vorurteil über das nicht gerade als Stimmungskanonen bekannte ostwestfälische Publikum als „Worte eines Lügners“ bezeichnen. Als Opener und gleichzeitig erster der Öffentlichkeit (anfangs noch als Proberaumaufnahme) präsentierte Song war das gute Stück den meisten der Anwesenden direkt geläufig, so dass auch schnell Bewegung aufkam. Frontwirbelwind Rage versuchte erst gar nicht mit dem geringen Platz auf der Bühne vorlieb zu nehmen und mutierte so vor der Bühne zum zerstörerischen Tornado, aus dem die bitterbösen Shouts nur so herauspeitschten. Bei ihrem nunmehr dritten Gig wirkte sie schon wesentlich routinierter und selbstsicherer (kein Wunder mit so einer Power in der Stimme), was man an Aussagen wie dem spaßig gemeintem „Ey, wenn ICH rede habt IHR Pause“ und Befehlen wie „Kommt ma nach vorne hier!“ doch deutlich merkte. Und in Sachen Performing machen ihr ihre Mitstreiter auf der Bühne ja schon lange nichts mehr vor. Hier groovte Schlagzeuger Ingo mächtig ohne Rücksicht auf Verluste los, so dass selbst der ein oder andere Drumstick nachgeben musste, während die Gitarristen Markus und Chris das Deathcore-Grundgerüst wieder einmal mit scharfen Melodien durchlöcherten. Marcus am Bass gab dem Ganzen dann den Todesstoß und servierte dabei nun erstmals auch live die bekannten Pig Squeals bei beispielsweise dem diesmal von Rage als „nicht Written in Cum sondern Written in Blood“ angekündigten Killersong oder dem jetzt schon kultigem „Only The Strong Shall Prevail“. Kommt saugeil und geht durch Mark und Bein! Letztgenannter Körperteil wurde ebenso wie die Fäuste fleißig von den Anwesenden geschwungen, und auch Rage mischte nicht nur einmal gehörig dabei mit. Die sich so zusammengefundene Einheit verschmolz noch mehr, als die Shouterin ihre Aufgabe mit Bereitwilligen teilte, so dass sich unter anderem „Fan Nummer 1“ Burak seinen Status wieder einmal eindrucksvoll mit gekonntem Shouting untermauerte. Ein munteres Spektakel, das eigentlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte, doch daran arbeitet man im Hause FOR ALL THIS BLOODSHED mit Songs wie „Deep Awake“ und „Fire in my eyes“, die es dann auch auf dem bald erscheinendem Debüt-Silberling zu genießen gibt, ja mit stetig und schnell wachsendem Erfolg. Neben der technisch souveränen Leistung überzeugte man auch durch gekonntes sich in Szene setzen auf der Bühne, auf welcher Chris ganz anti-ostwestfälisch wieder einmal trotz des Platzmangels mit gefälligem Posing glänzte, während Markus und Marcus trotz der Namenskombination an alles andere denken ließen, als an ein Schlagersänger-Duo. Gemeinsam hielt man auch erstmals live bei den Crew Shouts zusammen, gefolgt von Chris’ ebenfalls neuem Cleangesang-Part. Das Zusammenspiel in der Band läuft einfach exakt wie ein Uhrwerk, und die Mischung aus Deathcore, einem hohen Anteil Melodie und Rages Monster-Stimmgewalt wirkt frisch und unverbraucht, so dass spätestens mit den beiden letzten Klangwerken „Handle This“ und „Confident!“ jedem der Anwesenden klar geworden sein dürfte, was da vor gar nicht langer Zeit für ein Juwel ans Licht gekommen ist. An jenes Licht, welches wenn es so weiter geht den Jungs und dem Mädel von FOR ALL THIS BLOODSHED den Weg nach ganz oben leuchten wird!

Setlist FOR ALL THIS BLOODSHED
Words Of A Liar
Deep Awake
Only The Strong Shall Prevail
Fire In My Eyes
Written In Blood
Handle This!
Confident

Copyright Fotos: Alexander Vogt

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu DAYS OF RESPITE auf terrorverlag.com

Mehr zu FOR ALL THIS BLOODSHED auf terrorverlag.com

Mehr zu TRIPWIRE auf terrorverlag.com