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FOTOS – THE GASLIGHT ANTHEM – CARTRIDGE

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 06.06.2008

Zum letzten Mal vor der Sommerpause sollte im Bielefelder Forum eine Visionsparty mitsamt obligatorischer Live-Beschallung stattfinden. Wie üblich hatte sich einiges an Indie-Volk an der Meller Str. eingefunden. Für EUR 7,00 wurde allerdings auch erneut einiges geboten und so durften sich die Ostwestfalen auf einen abwechslungsreichen Abend freuen.

Eröffnet wurde der bunte Reigen um 21.30 Uhr von CARTRIDGE. Die vier Dänen boten flotten Alternative-Rock mit knackigen Gitarrensounds und perlenden Keyboardsequenzen. Ab und an mogelten sich wie bei „Poltergeist“ gar Calypso-Beats dazwischen, was perfekt zu den sommerlichen Außentemperaturen passte und dem Song viel Drive bescherte. Der blonde Sänger Mathias Wullum Nielsen schraubte zum treibenden „The Reverend And The Scientist“ seine Stimme auch gern auch mal in Falsetthöhen, während er in die sechs Saiten griff oder auf die Tasten haute und die Kollegen für einen groovenden Backgroundchor sorgten. Hier und da ließen sich die Bielefelder auch zum Tanzen verführen, eigentlich auch kein Problem bei den eingängigen Songs, von denen besonders „1925“ mit lieblichen Vocals und einem treibenden Rhythmus gefiel. Zur abschließenden Singleauskopplung „The Woods“ vom aktuellen Albums „Fractures“ gab es nochmals mit prickelnden Synthies, für die Bassist Thomas Vesterbæk seinen Stahlsaiter gegen ein Tasteninstrument eintauschte, und stampfenden Beats Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen, doch zeigten sich die OWLer in der ersten halben Stunde noch gewohnt zurückhaltend.

Setlist CARTRIDGE
The Twist
Rough Diamonds
Chimneys Stood Like Monuments
Nothing In Here
The Reverend And The Scientist
Poltergeist
1925
The Woods

Das sollte sich 20 Minuten später bei THE GASLIGHT ANTHEM allerdings gründlich ändern. Die vier Herrschaften aus New Brunswick/ New Jersey knallten der deutlich angewachsenen Zuschauerschar einen rasanten Mix aus Folkpunk und Emo um die Ohren, bei dem auch ein Hauch BRUCE SPRINGSTEEN-Blues mit von der Partie war. Zum derben Gitarrengeknüppel passte perfekt der raue Gesang von Fronter Brian Fallon, der besonders die Qualität der deutschen Schokolade lobte. THE GASLIGHT ANTHEM sind seit ihrer Gründung 2005 bereits das zweite Mal in Europa unterwegs und 200 Konzerte auf drei Kontinenten bescherten den Amis auch hierzulande neue Fans, die im Forum Gelegenheit hatten, ordentlich abzufeiern. Der Vierer agierte durchgängig sehr druckvoll und zeigte sich äußerst spielfreudig, was sich auch aufs Publikum übertrug. Schon bald wurde der erste Crowdsurfer gesichtet und fast durchgängig wurden in den ersten Reihen Arme gereckt und ausgelassen getanzt. Auf der Stage wurden weder Mensch noch Maschine geschont, selbst wenn die Jungs mal das Tempo drosselten, blieb der Sound stets knackig und gefiel mit einer starken Gitarrenpräsenz und einer Rhythmusfraktion, die fette Dampfwalzenbeats unters Volk brachte, das sich nach 45 Minuten nicht mit einer Zugabe zufrieden geben wollte. Ihnen wurde noch ein weiterer Nachschlag gewährt, der die Konzertstätte in einen finalen Hexenkessel verwandelte. Wer noch nicht genug hat von der Verschmelzung von HOT WATER MUSIC und SOCIAL DISTORTION, kann THE GASLIGHT ANTHEM übrigens noch bis zum 01.07.2008 auf ihrer Headliner-Tour durch Deutschland begleiten.

Setlist THE GASLIGHT ANTHEMS (ohne Gewähr für die richtige Reihenfolge)
’59 Sounds
Wooderson
Wherefore Art Thou Elvis
I’da Called You Woody, Joe
Angry Johnny And The Radio
We Came To Dance
Boomboxes And Dictionairies
Backseats
Blue Jeans
Drive
Say I Won’t
I Coul’da Been A Contender

Nun war erst einmal Warten angesagt. Da Sänger und Gitarrist Tom Hessler der Meinung war, dass FOTOS keinen Soundcheck bräuchten, waren die vier Fotografen erst spät aus Hamburg nach Bielefeld gekommen und natürlich funktionierte ein Gitarrenverstärker nicht, so dass sich die Umbaupause fast bis Mitternacht hinzog. Ob hier auch der Grund zu suchen war, dass sich die Reihen vor der Bühne gelichtet hatten, bezweifle ich eher. Offensichtlich war der überwiegende Teil wegen THE GASLIGHT ANTHEM gekommen, denn auch die Stimmung wurde im Publikum wieder etwas distanzierter. Ok, der britisch beeinflusste Indie der Hamburg/ Köln-Connection geht jetzt nicht so direkt ins Bein wie der soulige Punk-Blues der charmant-ruppigen Amerikaner. Allerdings hatten FOTOS durchaus ihre Fanbase am Start, immerhin waren die Jungs bereits zum dritten Mal im Forum. Wie es schien, hat sich Tom immer noch nicht an die vornehme Zurückhaltung der Ostwestfalen gewöhnt und scheiterte so auch mit seinem Gesangsspielchen zu „Nach dem Goldrausch“. Der Titelsong des zwei Monate alten zweiten Albums hat aber durchaus seine Qualitäten, wie auch der schrammelige Opener des FOTOS-Abend „Das ist nicht was ich will“. Mit „Serenaden“ ging es im Stakkatotakt weiter, bevor mit „Komm zurück“ vom 2006er Debüt „Fotos“ zum Tanze gebeten wurde. „Ich bin für Dich da“ vom gleichen Silberling juckte ebenfalls in den Füßen und kam gut an. Mit „Es reißt uns auseinander“ tat Tom seiner Stimme wohl keinen Gefallen. Die hohen Töne machten den Stimmbändern keine große Freunde, so dass der Gesang mitunter etwas heiser klang. Ansonsten bot das Quintett, das mit einer zweiten Drums-und Percussioneinheit unterwegs war, Vollgas-Geschrammel, von dem man sich beim ruhigen Start von „Viele“ zunächst „erholen“ konnte, bevor auch dieser Track druckvoll nach vorn schoss. „So fremd“ animierte mit knackig-flotten Sounds zum Mitklatschen, dann stand mit „Giganten“ zweifelsohne der Höhepunkt der Show an. Tom verglich sein angeschlagenes Organ zwar schon mit einem Duracell Batteriehasen, der kurz vor dem Versagen steht, für ein fulminantes Finale und eine High Speed-Zugabe zum Eintanzen für den anschließenden Disco-Betrieb reichte es aber glücklicherweise nach knapp einer Stunde Spielzeit noch.

Setlist FOTOS
Das ist nicht was ich will
Serenaden
Komm zurück
Ich bin für dich da
Es reißt uns auseinander
Viele
Nach dem Goldrausch
So fremd
Ein Versprechen
Explodieren
Giganten

Du löst dich auf

Für kleines Geld haben die Visions-Macher wieder einmal drei sehens- und hörenswerte Bands zusammengebracht. Dabei stachen THE GASLIGHT ANTHEM nicht nur aufgrund ihres musikalisch anders gelagerten Stils hervor. Für mich eine positive Überraschung des Abends, da mir die Kapelle in der Vergangenheit noch nicht über den Weg gelaufen war.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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