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FRANK GOOSEN

Ort: Osnabrück – Lagerhalle

Datum: 10.11.2015

„Durst und Heimweh“ sind keine schönen Zustände – es sei denn, die Begriffe kommen im Zusammenhang mit FRANK GOOSEN auf. Dann hat man es nämlich mit dem aktuellen Bühnenprogramm des Bochumer Kabarettisten und Buchautoren zu tun, der allein schon aufgrund seiner Lesereisen sowohl zu den Punkten Durst als auch Heimweh etwas sagen kann. Dies war auch für viele Osnabrücker von Interesse, wovon bereits der nahezu voll besetzte große Saal der Lagerhalle kündete. Der 49-jährige ist seit Jahren ein gern gesehener Gast in der Hasestadt und wurde deshalb auch freundlich begrüßt und durfte sich im Verlauf des Abends über die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Auditoriums freuen, das er mit einem dem Thema entsprechendem Gedicht willkommen hieß.

Sogleich ging’s mit der Frage weiter, welches Getränk nach so einer Lesung das Beste sei. Wein scheidet nach Bekunden des Hauptprotagonisten des Abends aus, weil’s einfach nicht gut kommt, wenn man die Rotweinflasche in einem Rutsch leer zieht. Und in südlicheren Gefilden unserer schönen Republik missfällt dem Kollegen Goosen mitunter die Qualität des Gerstensafts. Überhaupt: was ist eigentlich schön? Die bayerische Landschaft? Für den Jungen aus dem Pott eher ein großzügiges Autobahnkreuz mit meterhohen Lärmschutzwänden, womit wir auch schon beim Thema Reisen waren. Während der Oppa seine ersten Trips mit dem „Reisebüro Adolf“ gemacht hatte, war der kleine Frank über Jahre mit seinen Großeltern im Opel aus Bochumer Schmiede unterwegs, wobei das Auto ausschließlich mit Aral-Kraftstoff betankt werden durfte, weil der ebenfalls aus der Heimat kam. Es war schon amüsant, was Omma, Oppa und dem verwöhnten Einzelkind bei diesen Gelegenheiten widerfahren ist und wie gut, dass der Großvater unter der Prämisse „Man weiß ja nie, wann der Russe kommt“ immer einen Klappspaten in seiner Aktentasche mitführte – auch beim Tagesausflug nach Helgoland, warum es auch nicht mehr ganz so schlimm war, dass Franks Sandspielzeug auf dem Festland vergessen worden war. Mit der Adoleszenz folgten die ersten Annäherungsversuche ans weibliche Geschlecht, die im abgerockten Ford Taunus Baujahr 1971 fortgesetzt wurden (hier wurde dem Schaltknüppel besondere Aufmerksamkeit zuteil) und natürlich Klassenfahrten, die von Natur aus besonderen Sprengstoff bergen, was auch bei Goosen nicht anders war, der übrigens seinen Aufenthalt am Gymnasium seinerzeit gleich wegen mehrerer Fächer verlängert hat. Weiter ging’s mit schrägen Erlebnissen im Kumpels-Interrail-Urlaub, der sogar einen Zwischenstop im spanischen Knast beinhaltete, bevor es nach 45 Minuten Kurzweil zunächst in eine kleine Pause ging, in der Publikum und Künstler ihre Flüssigkeitsdefizite ausgleichen konnten.

Im Anschluss widmete sich der Humorist, der auf der wenig gut beleumundeten Alleestraße in Bochum aufgewachsen ist, der Königsdisziplin in Sachen Reisen: dem Beziehungsurlaub, der gleichzeitig auch als ultimativer Beziehungstest durchgeht. Zumindest bei FRANK GOOSEN, wenn dieser sich bereit erklärt, im R4 quer durch Europa zu fahren, um schließlich irgendwo in Südspanien zu campen. Ein absoluter Horror für den vom Kummer nicht eben verschonten Fan des VfL Bochums, der sich die berechtigte Frage stellte, warum man in den Ferien freiwillig verelenden sollte. Sehr unterhaltend war auch der geschickt eingebaute Werbeblock für den neuen Roman „Förster, mein Förster“, der im Februar 2016 erscheint. Wenn eine Fahrt, die nach Andalusien gehen sollte, aufgrund widriger Umstände schon an der Raststätte Remscheid endet, kann das sehr tragisch, aber auch unglaublich komisch sein, sofern versehentlich Normal statt Diesel getankt wird und die Versuche, den falschen Sprit wieder abzupumpen zwar kläglich, aber doch sehr spektakulär und durchaus explosiv scheitern. Und dann gab’s da ja noch die Familienurlaube nach Art der Goosens, die bereits mit Mama und Papa mit einer gewissen Tragik verbunden waren, was sich auch nach dem Wechsel von der Opfer- in die Täter-Rolle nur unwesentlich änderte. Zu unseren holländischen Nachbarn hegt Frank übrigens große Sympathien; ein Umstand, der wahrscheinlich schon in seiner Kindheit manifestiert wurde, als er noch mit Omma und Oppa, die zu Deutschland nicht nur Österreich und die Schweiz zählten, sondern seltsamerweise auch die Niederlande, in der Sommerfrische war. Den letzten Rest Zuneigung zu den Käsehäppchen hat dann wohl der Bochumer Trainer Gertjan Verbeek mit der im holländischen Zungenschlag vorgetragenen Ansage „Dem Gegner muss es dünn durch die Hose laufen!“ verdient.

Eigentlich ein schönes Schlusswort nach zwei Stunden Rede- und Lesezeit, aber die Fragestellung Fußball war natürlich bislang viel zu kurz gekommen, denn schließlich handelt es sich bei diesem Thema um eine der Kernkompetenzen des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden des zweitklassigen VfLs, der deshalb noch von einem spanischen Zweitligaspiel zu berichten wusste und auch schon im VIP-Bereich von Bayern München zu Gast war, was dank Fußball-Kumpel Scotty nicht ganz so glatt ablief, wie der ehemalige Coach der örtlichen C-Jugend es sich vermutlich gewünscht hatte, in der Lagerhalle aber erneut für Lacher sorgte. Am Ende wurde sogar deutlich, dass man gar nicht immer selbst verreisen muss, sondern sich seine Urlaubserinnerungen auch in Form von Flohmarkt-Dias aus zweiten Hand besorgen kann. Noch ein kurzer Hinweis auf den Büchertisch im Foyer mitsamt sich anschließender Signierstunde, die Homepage inklusive allerlei käuflich erwerbbaren „Killefits“ und der „Woanders is auch scheiße“-Fotoaktion und zwei absolut jugendfreien Witze, dann wurde die bestens unterhaltene Zuschauerschaft nach 135 erheiternden Minuten verabschiedet. Ich freue mich aufs neue Buch und noch viele andere Geschichten von und mit FRANK GOOSEN. Bis bald!

Copyright Foto: Ulrike Meyer-Potthoff

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