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FRONT 242 – ORANGE SECTOR – SOLDOUT

Ort: Berlin - Postbahnhof

Datum: 18.04.2010

Während FRONT 242 die letzten Jahre das deutsche Publikum mit regelmäßigen Festival-Auftritten beehrt haben, hat es sage und schreibe fast zwölf Jahre gedauert, bis sich das belgische Elektro-Urgestein mal wieder auf den hiesigen Clubbühnen blicken ließ. Welche unglaubliche Reputation sie trotz ihrer schon fast unverschämten Releasepolitik haben, kann man alleine an der Tatsache ableiten, dass alle fünf Locations entweder ausverkauft (Frankfurt und Hamburg) oder (München, Stuttgart und eben Berlin) sehr gut besucht waren. Zum Vergleich: Trotz neuen Albums haben NITZER EBB vor einigen Monaten an teils identischen Stätten wesentlich weniger Zuschauer angelockt. Da dieses Jahr noch so viele Konzerte anstehen, habe ich mir die Gigs in Hamburg und Berlin angetan. Ohne die Aussicht auf SKINNY PUPPY und FRONT LINE ASSEMBLY im Sommer wäre sicherlich auch noch ein weiteres Konzert fällig gewesen.

Der Postbahnhof in Berlin bietet einerseits eine fast schon unschlagbare Lage (direkt neben dem Ostbahnhof) und ist andererseits auch noch eine sehr schöne Location auf einem denkmalgeschützten Gelände. Ca. 700 Leute fanden an diesem Sonntag den Weg zum „Vintage 2010“ Konzert. Da ich im letzten Jahr zu oft PARADE GROUND im Vorprogramm gesehen hatte, war ich froh, dass mit SOLDOUT und ORANGE SECTOR diesmal „frisches Blut“ dabei war. Das Duo SOLDOUT machte seine Sache sehr routiniert und konnte das Publikum mit seinem Electro-Clash für sich gewinnen.

Zum zweiten Support ORANGE SECTOR hatte ich dann eher zwiegespaltene Gefühle, musikalisch im Bereich „alte NITZER EBB“ unterwegs, gefiel mir einerseits der Sound sogar teilweise ganz gut, andererseits kamen die Tracks so verwurstet rüber, dass ich den Eindruck hatte, es handelt sich um ein 40minütiges Medley eines einzelnen Tracks. Das ewige „etwas unorientiert über die Bühne rennen und was ins Mikro grunzen“ sorgte dann auch nicht für die wahre Begeisterung bei mir.

Nach einer knapp 20minütigen Umbaupause enterten dann in der abgedunkelten Halle wie gewohnt Patrick und Drummer Tim als erstes die Stage. Quasi gleich mit den ersten Klängen von „See the Future“, welches dann in den unveröffentlichten Track „98“ überleitete, hatten sie ihr Publikum im Griff. Mit „Moldavia“ gab es dann endgültig sowohl auf der Bühne, als auch im Publikum kein halten mehr. Die Setlist war von vorangegangenen Shows schon wohlbekannt und bot keine großen Überraschungen. Das Grundgerüst bildeten Klassiker wie u.a. „Welcome to paradise“, „Im Rhythmus bleiben“ und das jetzt zur Zugabe „degradierte“ „Headhunter“, die sowohl auf der Bühne, als auch im Auditorium wilde Action hervorrief. Einige Tracks wurden nicht durchgängig auf allen Gigs gespielt, so kam Berlin in den Genuss von „Gripped by Fear“ als erste Zugabe und „Quite Unusual“ als Abschluss des Gigs. Erwartungsgemäß wurde auch die ganz alten Songs wie „Commando Mix“, Funkahdafi“ phantastisch aufgenommen. Einen etwas ruhigeren Gegenpol lieferten die Titel der „Pulse“, gerade das beinahe schon im Stil einer düsteren TripHop Ballade gestaltete „Tripple X Girlfriend“ entwickelt sich immer mehr zu einem der neuen Livehighlights, aber auch „Together“ , „7rain“ oder das in Hamburg peformte „Load“ von selben Album lassen immer mehr die Klasse dieses Werkes erahnen.

Soundtechnisch fand ich den Gig in Berlin nicht ganz optimal, während in Hamburg trotz Ohropax der Sound wie von CD klang, war es in Berlin etwas dumpf, dies trübte den Gesamteindruck aber nur minimal. Ebenso ließen sich auch kleine Unterschiede beim Publikum feststellen, in Hamburg war alles eine große Party, in Berlin verstärke sich dann noch mal mein Eindruck, den ich schon bei den beiden Konzerten von NITZER EBB und SKINNY PUPPY im ColumbiaClub feststellen konnte, hier herrscht doch eine leicht aggressive Grundhaltung vor. Berlin war nun mein 26. FRONT 242 Konzert. Noch immer haben sie – obwohl alles altbekannt ist, sie ihrem Publikum keine großen Überraschungen bieten und ein Konzert so berechenbar wie der Ablauf des familiären Weihnachtszusammentreffen ist – für mich nichts an ihrer Faszination verloren.

Copyright Fotos: Grit Rümmler

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