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FU MANCHU – NAVEL

Ort: Osnabrück - Kleine Freiheit

Datum: 17.02.2010

Die Stoner-Legende FU MANCHU war über den Großen Teich gekommen und gab sich u.a. in der rappelvollen Kleinen Freiheit die Ehre, ihrem Publikum mit viel Schmackes einzuheizen. Wer schlau war, hatte sich im Vorverkauf mit Tickets versorgt und ersparte sich so eine vergebliche Anfahrt aus dem gesamten nord-westdeutschen und niederländischen Raum, wie die verschiedenen PKW-Kennzeichen vor dem Club erahnen ließen. Für alle war jedoch an diesem Abend kein Platz in der ehemaligen Bahn-Kantine und da ja eh niemand mehr reingepasst hätte, wurden auch pünktlich um 21 Uhr die Verstärker angeschmissen.

Den Anfang machten nicht die Kalifornier, sondern drei Schweizer aus der Nähe von Basel. Die Herrschaften firmierten unter dem Namen NAVEL und haben FU MANCHU in Berlin und Osnabrück supportet. Wie es sich gehörte, machten es Jungs ordentlich Druck und lieferten eine energiegeladene erste halbe Stunde ab, in der krachende Langäxte für die richtige Betriebstemperatur sorgten. Frieren musste in der Kleinen Freiheit zwar auch ohne Mucke niemand, aber mit Sicherheit ist es den Eidgenossen dank ihres krachenden Rocks mit Stoner-Attitüde gelungen, die Meute schon mal in Stimmung zu bringen, damit es beim Hauptact kurz vor 22.00 Uhr ohne Umschweife gleich in die Vollen gehen konnte.

Setlist NAVEL (ohne Gewähr – dem Bühnenzettel entnommen)
No Solution
John Q. Public
A Million Paginas
Frozen Souls
Invisible
The Strada (Road)
Light
Speed
The Boat
?
Vomiting

Nacheinander marschierten die vier Bandmitglieder dann auch durch den engen Graben, der wohl eher dazu diente, das Publikum ein wenig auf Abstand zu halten, da die Stage bekanntermaßen nur durch eine Stufe vom Zuschauerraum getrennt ist, als Fotografen die Arbeit zu erleichtern. Wobei der einzig verbliebene FU-MANCHU-Mitbegründer, Sänger und Gitarrist Scott Hill, sich mit dem Marschieren etwas schwer tat. Er humpelte leicht angeschlagen auf die Bühne und murmelte was von seinen „fucking legs“. Sollte dem sonnenverwöhnten Kalifornier etwa der deutsche Winter zum Verhängnis geworden sein? Ob er tatsächlich bei Glatteis ausgerutscht ist, wurde nicht verraten, auf jeden Fall agierte der blonde Hüne an seinem Sechssaiter und dem Mikro entsprechend bewegungsarm. Wahrscheinlich muss dem Beinleiden auch die recht kurze Spielzeit geschuldet werden, die bereits nach 65 Minuten ohne eine Zugabe endete. Die hatten es allerdings in sich, denn bereits mit dem Opener „Eatin’ Dust“ vom gleichnamigen 99er Longplayer hauten die Amis furztrockenen Stoner-Rock raus, der alsbald Schwung ins Auditorium brachte. Bereits bei „Bionic Astronautics“, das der aktuellen VÖ „Signs of Infinite Power“ entnommen war, hatte sich der Club in einen Hexenkessel verwandelt und an diesem Zustand sollte sich auch nichts mehr ändern. Der „Boogie Van“ rumpelte mit viel Bass durch die Boxen, während das 2001er „California Crossing“ mit mächtigTempo für großes Hallo sorgte. „Falcon Has Landed“ ließ es im Anschluss etwas ruhiger angehen und gefiel mit herrlichem Gegniedel, ehe das neue „El Busta“ erneut abgefeiert wurde. Beim Magenkrauler „Anodizer“ zeigte sich der erste Crowdsurfer, während nicht nur an den Fenstern das Wasser runter lief, sondern auch Scotts eigentlich durchsichtige Plexiglas-Langaxt beschlug. Namensvetter Scott Reeder lieferte hinter seiner Schießbude derweil ein amtliches Schlagzeuggewitter ab, das die Saitenfraktion mit gekonntem Gefrickel beantwortete. Klassiker wie das knackige „Hell On Wheels“ wurden ebenso abgefeiert wie der Titeltrack des zehnten Studioalbums „Signs of Infinite Power“, der durch Mark und Bein ging und noch vom tonnenschweren BLUE-ÖYSTER-CULT-Cover „Godzilla“ getoppt wurde. Leider war „Evil Eye“ der 1997er „The Action Is Go“-Langrille dann auch der letzte Track der Stoner-Veteranen, die sich nach diesem letzten Aufbäumen kurz und bündig von ihren Fans verabschiedeten und backstage verschwanden.

Setlist FU MANCHU
Eatin’ Dust
Mongoose
Bionic Astronautics
Boogie Van
California Crossing
Falcon Has Landed
El Busta
Anodizer
Hell of Wheels
Signs of Infinite Power
King of The Road
Hung Out To Dry
Evil Eye

Nach 27 „Dienstjahren” hätten FU MANCHU zweifelsohne noch einen Haufen Songs in petto gehabt, welche die nach Zugaben rufenden Fans gern noch auf die Ohren bekommen hätten. Angesichts der angeschlagenen Gesundheit von Mister Hill wird mehr vermutlich einfach nicht drin gewesen sein. Auch so konnten FU MANCHU mit ihrem Auftritt in Osnabrück selbst bei eingeschränkter Bewegungsfreiheit auf Seiten des Publikums (wegen des Platzmangels) und insbesondere des Fronters (wegen seines körperlichen Handicaps) ihren Platz im Stoner-Olymp einmal mehr manifestieren.

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