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FUNKER VOGT – ANGELSPIT – TECHNOIR

Ort: Herford – X

Datum: 24.11.2007

Der Samstag Abend steht im X häufig unter schwarzen Electro-Sternen – wenn auch meistens aus der Konserve. Heute sollte es jedoch mit FUNKER VOGT, ANGELSPIT und TECHNOIR feinste Live-Beschallung geben, der sich mir ein wenig unverständlich nicht ebensolches Discoprogramm anschloss, sondern die Generation X rockte. Als Beginn war angesichts des anschließenden Tanzvergnügens bereits 19.00 Uhr angekündigt, um diese Uhrzeit tat sich in der Herforder Kultdisse allerdings noch nichts, letztlich sollte es dann um 19.45 Uhr vor etwa 250 Zuschauern losgehen.

Den Anfang machten TECHNOIR, die Anfang des Jahres das Album „Deliberately Fragile“ vorgelegt hatten. Mastermind Steffen Gehring hatte rechts an seinen Keys Aufstellung genommen, links befand sich Stephan Altengarten, der TECHNOIR live an den Tasten unterstützt. Nach einem kurzen Intro fand auch Frontfrau Julia Beyer den Weg auf die Bühne und startete mit „Silence“ von der aktuellen Langrille. Noch hielt sich allerdings das Interesse der Ostwestfalen in Grenzen: Man wahrte den üblichen Sicherheitsabstand und klammerte sich erst einmal an ein Kaltgetränk, um von Weitem das Treiben auf der Bühne zu beobachten. Hier ging es umgehend mit „Manifesto“ weiter. Der Song war bereits im Herbst 2006 auf der gleichnamigen EP erschienen, mit der sich das Duo fünf Jahre nach dem Debüt „Groundlevel“ zurückgemeldet hatte. Leider war der Sound noch nicht optimal abgemischt, hier und da klang es etwas breiig und ging Julias Gesang ein wenig unter. Überhaupt hätte ich mir gewünscht, dass die Dame mehr Bühnenpräsenz gezeigt hätte. Für so viel Zurückhaltung, wie sie an den Tag legte, bestand doch gar kein Anlass. Nur selten huschte mal ein Lächeln über ihr Gesicht, geradezu schüchtern bedankte sie sich für den gespendeten Applaus. Der melodiöse Synthie-Pop hatte durchaus seine Stärken und auch Julias Stimme wusste zu gefallen und so verging die gute halbe Stunde wie im Fluge und endete mit einem KILLING JOKE-Cover. Keine leichte Aufgabe, einem Song wie „Love Like Blood“ ein neues und vor allem interessantes Gewand zu geben, da das Original über jeden Zweifel erhaben ist. So fehlte es der TECHNOIR-Interpretation auch etwas an Tiefe, dafür ging es hier treibender zur Sache.

Setlist TECHNOIR
Silence
Manifesto
Dying Star
Breathe
Everything I Cannot Have
Requim
Liar
Love Like Blood

Keine zehn Minuten später standen ANGELSPIT aus Australien auf der Bühne und hier waren mit dem Riot Girl am Vocoder und dem Cyberpunk an den Keys und Knöpfen zwei echte Rampensäue angetreten. Schon die Optik der beiden ließ keine Zweifel daran, dass hier keine vornehme Zurückhaltung geübt werden würde. Die hübsche Asiatin hatte sich in ein schwarz-weißes Korsett mit Totenköpfen auf dem BH gezwängt und trug dazu im Grunde nur eine Art Hüfthalter, Strapse, langschaftige, schwarze Handschuhe und hohe Stiefel. Ihr männlicher Kollege hatte seine schwarze Haarpracht zum Hahnenkamm gestylt und sich in Lack und Leder geworfen. Der schräge Industrialsound ging gleich in die Vollen und auf der Stage sangen sich die beiden Protagonisten zu „A la Modee, a la Mort“ vom aktuellen Album „Krankhaus“ die Lunge aus dem Leib. „Devilisious“ legte mehr Wert auf Computerfrickeleien, immer gekoppelt mit einem enormen Bewegungsdrang, den vor allem der weibliche Teil des Duos bei Songs wie „Sin“ oder „Meat“ anheim gefallen zu sein schien. Die Show machte fast den Eindruck, als würden kleine Geschichten erzählt, die mal vermittels Sprechgesang („100 %“) oder ausdrucksstarker Körpersprache und Mimik („Wolf“) zum Besten gebracht wurden. Bei so viel Einsatz war es verständlich, dass sich Mr. ANGELSPIT über die Bewegungslosigkeit seines Auditoriums nur wundern konnte. Trotz wirklich krachender Sounds mit wummernden Bässen, die einfach zum Tanzen animierten, blieben die Damen und Herren vor der Bühne geradezu lethargisch. Zwar wurde freundlich geklatscht, Enthusiasmus sieht aber ganz anders aus und so zogen die Australier nach 35 Minuten ein wenig unzufrieden von dannen.

Setlist ANGELSPIT
Intro
A la Mode, A la Mort
Devilsious
Elixir
Sin
Meat
100 %
Wolf
Vena Cava
Maggot

Vielleicht wollte das schwarze Volk jedoch einfach nur seine Kräfte für den Hauptact des Abends schonen. FUNKER VOGT aus Hameln sind ja schließlich bekannt für treibenden und absolut tanzbaren Electro, der zu jeder schwarzen Party dazu gehört. Um 21.30 Uhr war es dann auch soweit: Zu einem „Welcome To Destruction“-Intro enterten Sänger Jens Kästel (in weißem Oberhemd mit orangefarbener Krawatte und Military-Pants) und Keyboarder Gerrit Thomas (orangefarbenes Hemd mit schwarzer Krawatte) nebst der Live-Verstärkung Björn Böttcher (im Tarnanzug mit bewährter Kriegsbemalung an den Tasten tätig) und Gitarrist Frank Schweigert (ganz in schwarz) die Stage, welche mit zwei großen schwarz-weißen FUNKER VOGT-Bannern im Hintergrund und einem in schwarz und orange gehaltenen Backdrop auf der rechten Seite dekoriert war. Natürlich fanden sich auch an Gerrits Kanzel und an Jens Mikroständer die FV-Farben wieder, während Björn stets auf Tarnfarben abonniert war, wie auch sein mobiles Tasteninstrument in entsprechender Lackierung bewies, welches bei „Take Care“, „Child Soldier“ und „Thantatophobia“ zum Einsatz kam. Mit „Paralyzed“ von der diesjährigen „Aviator“ ging’s flott weiter, für die Ostwestfalen kein Grund näher an die Bühne zu treten oder in rhythmische Bewegungen zu verfallen. Zu „Guman“ von der 2003er „Maschine Zeit“ kam endlich etwas Leben in die Schwarzkittel, die vielleicht eher auf die älteren Sachen scharf waren. Ihnen wurde mit „Killing Fields“ aus 2001, „Date of Expiration“ und „Final Thrill“(2002 auf „Survivor“ erschienen) ebenso geholfen wie mit dem „Maschine Zeit“-Titelstück. Aber auch das neue Material hatte es in sich, wie etwa „Child Soldier“. Ein Song mit durchaus traurigem Hintergrund, der jedoch sehr flott rüberkam und einfach zum Tanzen einlud. Leider nahmen diese Einladung gerade die Damen in den ersten Reihen überhaupt nicht an, hier war man wohl um das aufwändig hergerichtete Outfit besorgt und glänzte lieber mit gelangweilter Coolness. Temporeich ging es jedoch für den feierwütigen Rest weiter, bis sich zu „Thanatophobia“ (übrigens die Angst vor dem Tod oder toten Dingen) wahre Lichtgewitter entluden und Sounddonner das X heimsuchten. Mit „The End“ fand der reguläre Part des FV-Gigs nach genau einer Stunde seinen eingängigen Schluss. Den FUNKERn (der Bandname geht auf einen Freund zurück, der zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich als Funker bei der Bundeswehr war und mit Nachnamen „Vogt“ hieß) war derweil deutlich anzumerken, dass sie gänzlich andere Publikumsreaktionen gewohnt sind, auch wenn die OWLer plötzlich in der Lage waren, lautstark um Zugaben zu bitten. Die sollten sie in Form von „Tragic Hero“ auch bekommen, dann war um 22.40 Uhr der Live-Teil des Abend beendet und wer wollte konnte sich noch vom Plattenteller berieseln lassen.

Da wurden gleich drei abwechslungsreiche Bands zu einem überschaubaren Preis an einem Samstag Abend geboten und das Ergebnis ist ein Club, der deutlich mehr Zuschauer vertragen hätte und ein Publikum, das ich selten so unmotiviert erlebt habe. Liebe Leute, wenn Ihr wollt, dass auch zukünftig interessante Live-Acts den Weg zu Euch finden, dann solltet Ihr ein bisschen mehr Begeisterung an den Tag legen, sonst machen die Veranstalter in Zukunft einen großen Bogen um Ostwestfalen.

Setlist FUNKER VOGT
Intro: Welcome to Destruction
Paralyzed
City of Darkness
Take Care
Hostile Waters
Gunman
Killing Fields
Fallen Hero
Date of Expiration
Maschine Zeit
Child Soldier
Final Thrill
Thantatophobia
The End

Tragic Hero

Copyright Fotos: Jan-Hendrik Kruse

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