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FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE – SCHULZ

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 13.04.2008

Nach 21 Jahren haben FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE beschlossen, die gemeinsame Bandgeschichte zu beenden. Für die Fans bedauerlich, aber immerhin sind die Hannoveraner noch mal auf großer Abschiedstour, die sie auch nach Bielefeld (und in einen mit 2.500 Zuschauern wieder mal ausverkauften Ringlokschuppen) führte. Mit dabei sein sollten eigentlich auch GREGORY DARLING und SCHULZ, leider war Mr. Darling jedoch nicht am Start, da er kurzfristig an beiden Augen operiert werden musste und für den Rest der Tour ausfällt.

Stattdessen übernahm SCHULZ, der ebenfalls aus Hannover kommt , gemeinsam mit Christian Decker von FURY am Bass und dem GREGORY DARLING-Drummer den Job des Einheizers. Fabian SCHULZ war ehemals Fronter der Kapelle NO SEX UNTIL MARRIAGE und ist die zweite Hälfte von Christof Stein-Schneiders Solo-Projekt WOHNRAUMHELDEN. Im Ringlokschuppen griff er zur akustischen Gitarre und startete mich „Ich“ auch gleich druckvoll. Das Publikum fasste für OWL-Verhältnisse überraschend schnell Vertrauen und ließ sich schon bald zu Gesangseinlagen bewegen. Für die Fingerbrecher-Akkorde von „Auf deiner Seite“ nahm er auf dem für Kai Wingenfelder bereitstehenden Barhocker Platz, um den ruhigen, sparsamen instrumentierten Song zum Besten zu geben. Kai hatte sich in Luxemburg das Knie zerschossen und einen Kreuzbandriss zugezogen, war aber glücklicherweise so weit wieder hergestellt, dass er nach einer kurzen Pause (das Belgien-Konzert musste abgesagt werden) wieder auf der Bühne stehen konnte. Aber erst einmal kam Kollege Christof zum Einsatz, der bei „Himmelblau“ mit einem Gitarrensolo glänzen konnte. Das Stück kam bei der Ü30-Zuschauerschaft hervorragend an. Zwar klappte es mit dem an die Hände fassen und wie Blumen im Wind wiegen nur vereinzelt, dafür zeigte sich das Auditorium gesangsstark. Diese Qualitäten durfte das Publikum auch beim letzten Track „Superman“ noch mal unter Beweis stellen, der SCHULZ 4-einhalb-jährigen Sohn Elvis gewidmet war, der nicht eben glücklich ist, dass Papa im Moment nie Zuhause weilt. Der stolze Vater hatte seinem Spross daher versprochen, diesen gutgelaunten Titel jeden Abend für ihn zu spielen und dazu durften die Zuschauer die Arme schwenken und ein lautes „Elvis“ rufen. Ein schönes Finale, dem 140 Minuten FURY vom Allerfeinsten folgen sollten.

Setlist SCHULZ
Ich
Vorbei
Auf deiner Seite
Himmelblau
Wir fliegen
Superman

Um 20.50 Uhr startete die Abschiedsvorstellung mit einem Video-Einspieler und Sequenzen aus der Band-Geschichte, die mit der getragenen Coverversion des AC/DC-Klassikers „It´s A Long Way To The Top If You Wanna Rock´N’Roll“ untermalt waren, welche die norwegische Sängerin Susanna Karolina Wallumrod gemeinsam mit ihrem MAGICAL ORCHESTRA im September 2006 aufgenommen hatte. Kam beim Anblick der Bilder möglicherweise hier und da Melancholie auf, so wischten die Herren Kai und Thorsten Wingenfelder, Stein-Schneider, Decker, Schumann (Drums) und Drnek (Keyboard, Gitarre & Mandoline) diese mit dem kraftvollen Opener „Cut Myself Into Pieces“ vom dritten Album „Hook-A-Hey“ aus 1991 gleich mal beiseite. Heute Abend sollte ein fröhlicher Abschied gefeiert werden und Bielefeld war bereit dazu. Zwar war zwischendurch auch mal ein etwas seltsamer „Wir woll’n ein Bier von dir“-Gesang aus dem Plenum zu hören, davon ließen sich die Protagonisten auf der Stage aber nicht verwirren. Den ersten Höhepunkt gab es mit „Radio Orchid“, das 1993 auf „Mono“ verewigt wurde. Der Song war für die Senioren im Publikum und alle, die sich schon Gedanken über ihre Rente gemacht haben und wurde von einer famosen Lightshow begleitet. Trotz seiner Beinschiene ließ es sich Sänger Kai Wingenfelder nicht nehmen, ein Bad in der Menge zu nehmen, die begeistert mitsang. Den Weg ins Publikum fand zu „One Good Reason“ die gesamte Kapelle, wobei Gero Drnek seinen Arbeitsplatz an den horizontalen Tasten gegen die vertikale Akkordeon-Version tauschte. Angesichts eines Zahnspangenträgers im Auditorium rief Kai begeistert, man sei doch nicht so alt wie gedacht. Vermutlich war da schon die zweite Generation FURY-Fan anwesend, die von Mama und Papa angefixt worden ist. Nun wurde jedoch erst einmal die Aufforderung rausgegeben, es mögen sich alle hinsetzen, was für Menschen jenseits der 40 mit den ersten Zipperlein ja schon mal eine Herausforderung darstellen kann. Klappte aber alles hervorragend und zur Belohnung gab’s gleich noch „Bring Me Home“ hinterher. Hier waren die Bielefelder für den letzten Refrain zuständig, zu dem sich FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE langsam wieder Richtung Bühne bewegten, um nahtlos mit dem schnellen „On Alarm“ weiterzumachen. Während sich im Hintergrund auf der Leinwand eine leicht bekleidete Dame an einer Stange räkelte, intonierten die Hannoveraner „Are You Real?“, dann folgte das nächste Highlight auf dem Fuße. Wie wir erfahren durften, verbindet Kai „Every Generation Got It’s Own Desease“ unweigerlich mit Amerika, wo sie in Kanada 1993 mit der Singleauskopplung vom Album „Mono“ sogar bis auf Platz 10 der Charts kletterten. Offensichtlich können die Kanadier mit guter Musik auch was anfangen… Dass FURY jedoch auf der technischen Höhe der Zeit angekommen sind, belegt der angepriesene USB-Stick, der nach dem Gig käuflich erworben werden konnte und das Bielefeld-Konzert für den heimischen Rechner parat halten sollte. Dies wurde bereits an zwölf Tourstationen so gehandhabt und hat immer problemlos geklappt, ganz anders als bei der Pressung der „Trapped Today, Trapped Tomorrow“-Single, die 1991 im Presswerk mit einem BONEY M.-Best of verwechselt wurde. Im Ringlokschuppen gab’s jedoch das gewünschte, immer noch erstklassige FITS-Original auf die Ohren, nur zum Schluss wurde nach einem genialen Instrumentalteil „Rivers of Babylon“ kurz angedeutet. Beides bedachten die Ostwestfalen mit Dauerklatschen, bevor Thorsten Wingenfelder den Gesang übernahm und für Gregory Darling „Haunted Head And Heart“ sang. Angeblich liebt Christof Schmuselieder und ist eigentlich ein ganz balladesker Typ, davon war bei „Cry It Out“ allerdings nichts zu spüren, stattdessen ließ er es noch mal richtig krachen, was sich auch mit „Milk And Honey“ in gleicher Weise fortsetzte. Der Song vom 1995er Album „The Hearing And The Sense of Balance” hat nach Band-Bekunden sportiven Charakter und soll den Weg in ein neues FURY-Zeitalter ebnen. Da heißt es dann nämlich „Fit mit FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE auch im hohen Alter“ – natürlich inklusive Fitness-DVD, schließlich sich FITS eine „globalisierte Scheißdreckskommerzband“ (O-Ton Christof). Dazu gab’s auf der riesigen Leinwand Fotos aller Albumcover und das alte Industriegemäuer verwandelte sich in ein Meer aus wiegenden Armen. Die konnten zur Hymne „Time To Wonder“ vom selbstbetitelten Debüt aus 1988 gleich oben bleiben, hier und da waren auch Wunderkerzen und Feuerzeuge zu sehen, während die Menge den 20 Jahre alten Hit lauthals mitsang.

Damit endete um 22.30 Uhr das reguläre Set, in dem aber noch einige Schmankerln fehlten, die in der Verlängerung zum Vortrag kamen. Dazu waren auf farbigen Säulen die Buchstaben F, U, R, Y zu lesen, so geriet auch nicht in Vergessenheit, wessen Abschied hier gefeiert wurde während es mit „Kick It Out“ und „Riding On A Dead Horse“ knackig und groovig weiterging. Dem schloss sich „Won’t Forget These Days” an, ebenfalls ein geliebter Klassiker, der inzwischen Volljährigkeit feiern kann und zu dem die FURYs erneut die Stage verließen. Puddingtown zeigte jedoch Ausdauer, klatschte und sang den Refrain solange, bis die baldigen Ruheständler (sieht man mal von diversen Solo-Projekten ab), wieder zurückkamen und das Lied zur Freude ihrer Fans noch mal anstimmten. Inzwischen hatte die Niedersachsen wohl auch ein wenig Wehmut gepackt, auf jeden Fall war die Zeit für eine Ballade gekommen. Zur passenden optischen Untermalung wurden die Fans gebeten, ihre Handys mit leuchtendem Displays Richtung Bühne zu halten, wäre in den Anfangsjahren technisch auch undenkbar gewesen… Fehlte noch das atmosphärische „Down There“, dann herrschte kurz nach 23.00 Uhr wieder Leere auf der Bühne. Kai und Gero am Akkordeon ließen es sich jedoch nicht nehmen, den Bielefeldern mit „Seconds To Fall“ noch eine Gute-Nacht-Ständchen zu bringen, während im Hintergrund der Wahlspruch der Tour „Farewell & Goodbye“ in großen Lettern zu lesen stand. Im Anschluss kehrte auch der Rest abermals zurück, um sich endgültig von ihren Fans zu verabschieden.

Ein grandioses Best Of, das in mir auch Erinnerungen an verschiedene Ereignisse wach werden ließ, die in Verbindung mit den FURY-Songs stehen. Auch auf Partys gehörten sie einfach dazu und ihre Zeitlosigkeit haben sie in der Leineweberstadt wieder ohne jeden Fehl und Tadel unter Beweis gestellt. Dazu gab es noch eine perfekte Lightshow, kein Grund also zum Klagen, außer vielleicht, dass es vermutlich so schnell FURY nicht mehr live zu sehen gibt.

Setlist FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE
Cut Myself Into Pieces
Hang The DJ
Hello And Goodbye
Radio Orchid
Jericho
Then She Said
Dancing In The Sunshine of The Dark
Should Have Known Better
One Good Reason
Bring Me Home
On Alarm
Are You Real?
Every Generation Got Its Own Disease
Trapped Today, Trapped Tomorrow
Haunted Head And Heart
Cry It Out
Milk And Honey
When I’m Dead And Gone
Time To Wonder

Kick It Out
Riding On A Dead Horse
Won’t Forget These Days

Won’t Forget These Days Reprise
Come On
Down There

Seconds To Fall

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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