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GET CAPE. WEAR CAPE. FLY

Ort: Hamburg - Prinzenbar

Datum: 20.04.2008

Sam Duckworth das erste Mal außerhalb UK auf Headliner-Tour, das zweite mal in Hamburg (nach seinem Gastauftritt mit seiner guten Bekannten KATE NASH)… und dann sogar in Begleitung eines weiteren Mitstreiters, der den quirligen Songwriter kongenial am Schlagzeug begleitete. Wer sich diesen tollen Abend in der wunderbar atmosphärischen Prinzenbar hat entgehen lassen und eigentlich zumindest einen Funken Enthusiasmus für Indie-Laptop-Pop in sich trägt, sollte jetzt beschämt in die Ecke des gerade vorhandenen Raumes gehen und dort für mindestens zehn Minuten inne halten.

Denn was der 22jährige unter seinem brillanten, wenn auch sperrigen Pseudonym GET CAPE. WEAR CAPE. FLY (entliehen einer Kapitelüberschrift eines ZX Spectrum Magazines, die eine Komplettlösung eines Batman-Videogames zum Inhalt hatte) an diesem Abend bot, verströmte eine faszinierende, intensive und positive Atmosphäre, die das ansonsten sehr redselige Hamburger Publikum komplett zum schweigen brachte, um es danach zu einem umso größeren Applaus zu verleiten. Das schafft schon einmal nicht jeder, und vor allen Dingen nicht in einem doch noch sehr jungen Alter. Aber was ist schon das Alter, wenn man auf eine so große Anzahl guter bis großartiger Songs zurückgreifen kann. Diese mit derart linkischer Inbrunst und Glaubwürdigkeit performen kann und das ebenfalls überwiegend junge Publikum dadurch bestens unterhält. Und was man auf keinen Fall vergessen sollte: Sam Duckworth ist ein verdammter guter Gitarrist und Sänger! (was er schon am Nachmittag im Beisein einiger Journalisten mit zwei „Acoustic-only“ Songs bewies)

Für mich war von vorne herein klar, dass der gute Mann aus Essex nur mit Akustikgitarre und Laptop bewaffnet aufspielen würde, denn um die gesamte Band nach Deutschland zu holen, würde wohl das nötige Kleingeld fehlen. Umso besser war dann der Umstand, dass zumindest Drummer Andy Theakstone mitgereist war und so den tanzbaren Liedern die nötige Power und unheimlich Drive verlieh (und natürlich die leichten Drum and Bass Beats auf das Schlagzeug übersetzte). Und auch das äußerst zahlreich erschienene Publikum schien sich ebenfalls nicht daran zu stören, denn Sam ist der Star und Sam gab alles. Hätte ich ihn vor meinem Treffen noch als reserviert, introvertiert und unheimlich nerdy eingestuft, belehrte er mich bereits am Nachmittag eines Besseren. Und siehe da: Bei seinem Live-Auftritt war er noch um einiges präsenter, unheimlich gut gelaunt und über die Publikumsreaktionen sehr erfreut. Lediglich seine leichte Hyperaktivität scheint real zu sein, aber schließlich ist diese für seinen hohen musikalischen Output verantwortlich (und für seine extrovertierte Art des Singens und die unnachahmlichen Emo-Rock-Offs an der Gitarre). So wurden dem andächtig lauschenden Publikum eigentlich beide Alben komplett serviert, alle Favoriten wurden gespielt, auf jeden Fall fehlte kein Hit in der Set-List. Von dem Opener „I Spy“ bis zum Schlussakkord von „War of the Worlds“ gab es fast 1,5 Stunden glasklaren Sound und geballten Einsatz. Und als ein Highlight kann sicherlich auch das Cover von „D.A.N.C.E.“ der Elektro-Dance-Kings JUSTICE erwähnt werden, denn das Gitarren-Lick grooved wie die Hölle und macht einfach Laune (und kann obendrein für lau auf der GCWCF-Website herunter geladen werden).

Nach dem regulären Set kam Herr Duckworth flugs zurück und stellte unter fragendem Blick fest, dass doch jemand seine Setlist entwendet hatte (was auch stimmte), also fing er spontan an einige Songs nur auf der Akustikgitarre zu spielen, während Drummer Andy im Publikum darauf wartete, wieder gebraucht zu werden. Auf Zuruf stimmte er „An Oak Tree“ an, mit dem Verweis, dass der Song nicht mit Andy geprobt wurde und er dementsprechend den Titel deshalb einfach alleine vortrug. Zwischendurch witzelte er, dass man CDs später bei ihm käuflich erwerben könnte, aber ihn wäre es auch egal, ob man sich die CDs illegal aus dem Netz herunterlädt… um dann gleich hinterherzuschicken, dass hoffentlich kein Abgesandter des Labels vor Ort wäre. Ein Song wurde einem Jungen in einem ebenfalls pinken Shirt gewidmet (Sam hatte ein Polo-Shirt in der Trend-Farbe Nr.1 an), während das Publikum hin und wieder erfolgreich zum mitklatschen oder mitsingen animiert wurde oder wie Sam quasi-ironisch bemerkte: Kinder schreiben Songs und demnach können Kinder sie singen (oder so ähnlich…). Wie gesagt: Nach „War of the Worlds“ war Schluss und ein wahnsinnig gutes und einnehmendes Konzert fand sein Ende: Tolle Location, guter Sound, ein sehr gutes Publikum, kein quälenden Support-Acts und ein mitreißender Sam Duckworth sorgten für einen Sonntagabend, wie man ihn nicht besser verbringen könnte!

Copyright Fotos: Michael Päben

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