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GISBERT ZU KNYPHAUSEN – DAANTJE & THE GOLDEN HANDWERK

Ort: Münster – Amp

Datum: 12.11.2010

Wenn an einem Freitagabend bereits um 20.30 Uhr die ersten Leute um Einlass in einen Club bitten, dann muss das Programm definitiv mehr bieten als ein bisschen Lala aus der Konserve. So war es auch im Münsteraner Amp, wo GISBERT ZU KNYPHAUSEN vor ausverkauftem Haus mit seiner Band spielen sollte. Der Spross einer Weinbauern-Dynastie ist spätestens seit seiner zweiten Platte „Hurra! Hurra! So nicht“, die es im Frühjahr bis auf Platz 12 der Albumcharts brachte, in aller Munde und zweifellos DIE Speerspitze einer neuen Generation von deutschsprachigen Liedermachern. Mit dabei hatte der Mitbegründer von Omaha Records einen Label-Buddy, bei dessen Namen man zunächst an einen Kollegen aus Holland denken könnte.

Tatsächlich kommt DAANTJE & THE GOLDEN HANDWERK bzw. Joachim Zimmermann jedoch aus Stuttgart und durfte den Abend um 21.15 Uhr mitsamt seiner Akustikgitarre eröffnen, nachdem er von Gisbert höchstpersönlich angekündigt worden war. Mitunter hatte es der bebrillte Wollmützenträger auf seinem Barhocker nicht ganz leicht, mit seiner rauen Stimme gegen die Geräuschkulisse im rappelvollen Amp-Gewölbe anzusingen, aber spätestens mit dem Song „Der Container“, zu dem Teile der Gisbert-Band (Jens Fricke – Gitarre und Gunar Ennen – Bass) sowie weitere Omaha-Mitstreiter (der Münsteraner Sebastian Witte – Gitarre und Utz Wellmann – Schlagzeug) die Bühne enterten. Die Nummer groovte ordentlich, bevor es mit „Wer bist Du“ wieder ruhiger und als One-Man-Show weiterging. Besonders gut hat mir der Track „Herr Wiseman“ gefallen, wobei in Bandstärke einfach mehr Drive in der Mucke war, wie das abschließende „Rampenlied“ noch einmal unter Beweis stellte. Hier übernahm Gunnar die Keys, während Frenzy Suhr sich schon einmal mit seinem Stahlsaiter vertraut machte. Insbesondere Gunnars halliges Tastenspiel sorgte dafür, dass mit dem „Rampenlied“ ein gelungener halbstündiger Einstieg seinen bravourösen Abschluss fand, dem wenig später ein grandioser Headliner folgen sollte.

Setlist DAANTJE & THE GOLDEN HANDWERK
?
Alles was wir haben
Der Container
Wer du bist
Nicht viel
Herr Wiseman
Das Rampenlied

Da im Grunde das gesamte Equipment bereits vorhanden war, fiel auch die Umbaupause mit knapp 20 Minuten angenehm kurz aus und schon um kurz nach 22.00Uhr sagte der blonde Freiherrr zu Innhausen und Knyphausen mit einem Song seines selbstbetitelten 2008er Debüt „Herzlichen Glückwunsch“, bevor es mit „Ich bin Freund von Klischees und funkelnden Sternen“ nicht minder treibend weiterging. Erst der Titeltrack des aktuellen Longplayers „Hurra! Hurra“ So nicht“ präsentierte sich zunächst etwas zurückhaltender, um es schließlich doch wieder amtlich krachen zu lassen. Für das besonders intensive „Morsches Holz“ wechselte Gunnar an eine Slide-Guitar, bevor er zu „Gute Nachrichten“ wieder den Sechssaiter zupfte. Wie wir erfahren durften, hat Gisbert für diesen Song bei den amerikanischen Indie-Rockern MODEST MOUSE geklaut und auch beim Wahlberliner und seiner Crew klang der Track alles andere als zurückhaltend. In Anbetracht der Tatsache, das die Stage im Amp von drei Seiten mit Publikum bevölkert war, drehte sich die Kapelle an dieser Stelle auch einmal zur linken Seite, um die Fans dort auch in den Genuss der Frontalansicht zu bringen, während im späteren Verlauf auch mal die rechte Seite dran war. Für „Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten“ überließ die Band dem Hauptprotagonisten das Feld und so sang Gisbert sein Lied über Fluch und Erlösung des Unterwegsseins allein bzw. mit der Unterstützung seines Publikums und im Laufe von „Verschwende deine Zeit (Gisbert Blues Nr. 135)“ kehrten auch die Instrumentalisten wieder zurück, auf dass es umgehend auch wieder in die Vollen gehen konnte. Fließend ging’s mit „Hey“ weiter, ehe sich temporeich und mit allerlei Schrammelgeräuschen, für die Drummer Sebastian Deufel verantwortlich zeichnete, „Flugangst“ anschloss. Sein treibendes Schlagwerk machte auch das knackige „Grau, grau, grau“ aus, bei dem Herr Ennen mehr oder minder gleichzeitig Tasten und Saiten bediente, während es mit „Kräne“ ruhiger zur Sache ging. Hier mussten jedoch auch erst die bestellten Biere für die Band verteilt werden, bevor es mit „Sommertag“ dank viel Gefrickel und jeder Menge Spielfreude ein weiteres Highlight zu hören gab. Gefühlvoll präsentierte sich wenig später „Neues Jahr“, das sich nach ruhigen Passagen ohne Gesang krachend entlud und mit viel verdientem Applaus belohnt wurde. Dass Jens bei „Nichts als Gespenster“ mit technischen Problemen zu kämpfen hatte, wird vermutlich nur den vorderen Reihen aufgefallen sein. Wahrscheinlich haben auch nur die erkennen können, dass Sebastian seine Schießbude mit zwei Handfegern bearbeitete, ehe er zum Schluss sogar das Mikro verwendete, um seinem Instrument ganz spezielle Töne zu entlocken. Mit diesem Wechselspiel aus ruhigen und lauten Abschnitten verabschiedeten sich die Musiker für einen ganz kurzen Moment, mussten jedoch alsbald feststellen, dass sie es sowieso nicht durch die Menge bis zum Backstage-Bereich schaffen würden, weshalb Gisbert umgehend mit „Cowboy/Melancholie“ weitermachte. Derweil versuchte sich Jens erneut an der Reparatur seiner Effektgeräte und der Rest schaute vom Bühnenrand aus zu, wie der Chef gemeinsam mit seinen Fans sang. Für „Der Blick in deinen Augen“ waren dann alle wieder mit von der Partie und so konnte mein persönlicher Höhepunkt mit vereinten Kräften abgefeiert werden, um schließlich mit „Seltsames Licht“ den Live-Abend mit der gebotenen Schwermut zu beenden. Hier wechselte Gisbert erstmals an die E-Gitarre und übergab seine schon arg mitgenommene Akustikklampfe mit dem „Musik ist scheisse“-Aufkleber an den Kollegen Fricke.

Es gibt Leute, die werfen GISBERT ZU KNYPHAUSEN vor, seine Musik sei nur geeignet, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Diese Leute haben zweifelsohne noch nie genau hingehört und waren ganz sicher noch nie bei einem Konzert des begnadeten Singer-/Songwriters, der sicherlich auch jede Menge melancholische Momente in seinen Gigs hat, gleichzeitig aber auch mit aller Kraft nach vorn prescht, so dass auch die rund 100 Minuten im kuscheligen Amp wieder eine uneingeschränkte Freude waren.

Setlist GISBERT ZU KNYPHAUSEN
Herzlichen Glückwunsch
Ich bin Freund von Klischees und funkelnden Sternen
Erwischt
Hurra! Hurra! So nicht
Morsches Holz
Gute Nachrichten
So seltsam durch die Nacht
Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten
Verschwende deine Zeit (Gisbert Blues Nr. 135)
Hey
Flugangst
Grau, grau, grau
Kräne
Sommertag
Neues Jahr
Nichts als Gespenster

Cowboy/Melancholie
Dreh dich nicht um
Der Blick in deinen Augen
Seltsames Licht

Copyright Fotos: Ulrike Meyer Potthoff

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