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GISBERT ZU KNYPHAUSEN & KID KOPPHAUSEN BAND

Ort: Münster – Sputnikhalle

Datum: 21.05.2015

Ja, ich bin Wiederholungstäter. Ich kann mir problemlos lieb gewonnene Bands und Musiker mehrfach anschauen. Gern auch in zeitlich kurzen Abständen. Erst recht, wenn das Konzert nur 50 Kilometer entfernt von der Heimat stattfindet. Also war es gar keine Frage, dass ich auch beim Münsteraner Gig von GISBERT ZU KNYPHAUSEN & der KID KOPPHAUSEN BAND mit von der Partie war. Anders als bei anderen Konzerten der Truppe gab es in der westfälischen Friedensstadt sogar für die Kurzentschlossenen noch Karten an der Abendkasse, doch am Ende hieß es auch in der Sputnikhalle „ausverkauft“. Eigentlich sollte es eine Tour der KID KOPPHAUSEN BAND ja schon Ende 2012 geben, doch dann starb der Mitbegründer NILS KOPPRUCH ganz plötzlich mit nur 46 Jahren viel zu früh und das Projekt wurde kurz nach Erscheinen des Albums „I“ zunächst einmal auf Eis gelegt.

Aber so richtig davon verabschiedet hatten sich GISBERT ZU KNYPHAUSEN (Gesang & Gitarre), Alexander Jezdinsky (Drums), Marcus Schneider (Gitarre) und Felix Weigt (Bass) von KID KOPPHAUSEN dann wohl doch nicht, den schließlich wurde zum Jahresanfang eine Konzertreise anberaumt, die so erfolgreich startete, dass alsbald zusätzliche Termine gefunden werden mussten. In diesem Zuge wurde dann auch Münster bedacht, wo sich an einem schönen Donnerstagabend am Hawerkamp rund 1.000 Leute unterschiedlichen Alters tummelten, die um 20.40 Uhr mit einem „Haus voller Lerchen“ vom bereits erwähnten Silberling emphatisch begrüßt wurden. Für das rhythmusbetonte NILS-KOPPRUCH-Cover „Staub und Gold“ sorgte derweil eine halbe Disco-Kugel am Bühnenboden für die passende Glitzeratmosphäre, ehe sich „Meine Schwester“ mit viel Drive und druckvoller Percussion anschloss. Auch diese Nummer stammte von der „I“-LP, die für die Bühne noch einmal nachbearbeitet worden war und durchaus neue Akzente bekommen hatte. Um etwa das Fehlen des Banjos auszugleichen, das bei „Zieh dein Hemd aus Moses“ im Original von Nils gespielt wurde, griff Gisbert zur E-Gitarre und absolvierte gleichzeitig einen kleinen Kampf mit dem Mikrofonständer, den er jedoch schlussendlich für sich entscheiden konnte. Vielleicht hat ihn der Zuruf: „Zieh du dein Hemd aus, Gisbert!“ so aus dem Konzept gebracht, dass er nicht nur darüber nachdachte, ob das jetzt wohl sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz war, sondern auch für einen kurzen Moment mit der Technik überfordert war. Für Lacher auf und vor der Stage war der Einwurf auf jeden Fall gut auch sonst machen sowohl die Herren an den Instrumenten als auch das Auditorium einen sehr aufgeräumten Eindruck. Nach dem straighten „Erwischt“ von GISBERT ZU KNYPHAUSENs selbstbetitelten 2008er Debüt und dem knackigen, englischsprachigen „Punkrocker“, sorgte die „Mörderballade“ mit sachtem Groove nicht nur dafür, dass die Anwesenden allesamt wieder ein bisschen runterkamen; mit großem Schrammelfinale war der Song auch ein echter Ankommer, was aber in gleichem Maße auch für das beschwingte „Jeden Montag“ oder auch das nachdenkliche „Schöne Grüße aus Kao Lak, Thailand“ galt, welches im Übrigen zu den neuen, noch unveröffentlichten Liedern zählt. Ein herausragendes Highlight war jedoch zweifellos das wunderbare „Sommertag“, das es ordentlich krachen ließ, nachdem der Winzerssohn aus dem Rheingau es mit zarten Akustikakkorden eröffnet hatte. Währenddessen gab beim leicht countryesken „Verschwende Deine Zeit“ das Schlagzeug die Richtung vor, ehe die Bühne für das reduzierte „Kräne“ vom zweiten Soloalbum „Hurra! Hurra! So nicht.“ aus 2010 in blaues Licht getaucht wurde. Gleichzeitig gingen die überdimensionalen „Glühbirnen“ an, während die Saiteninstrumente für ein gerüttelt Maß an Dramatik sorgten. Auch hierfür wurde ausgiebig und verdient Applaus gespendet. Gleich darauf wurde „Flugangst“ bejubelt, das sich nach einem verhaltenen Auftakt enorm steigerte, bevor die „Kleine Ballade“ als unaufgeregtes Kleinod daherkam. Der Vortrag ermutigte einen männlichen Fan zu einem „Gisbert du geile Sau!“ – die Münsteraner meinten es wahrlich gut mit dem 36-jährigen Singer-Songwriter. Der bedankte sich zunächst mit dem aufs Wesentliche reduzierte „Ich sag ja“, ehe „Das Leichteste der Welt“ noch einmal in die Vollen ging und mit tosendem Beifall bedacht wurde. Mit lässigen Vibes und viel Gefrickel markierte „Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten“ um 22.00 Uhr das Ende des regulären Sets, aber der Abend war ja noch jung und so legte Gisbert zunächst allein nach.

Auf dem Zettel hatte er mit „Ich bin ein Freund von Klischees und funkelnden Sternen“ und
„Dreh dich nicht um“ zwei eigene Stücke, die mit dem akustischen Sechssaiter begleitet bestens zur Geltung kamen und andächtig bestaunt und mitgesungen wurden. „Seltsames Licht“ blieb ebenfalls getragen, hier fanden sich jedoch auch die drei Mitstreiter wieder an ihren Plätzen ein, um schließlich dem Kollegen zu Knyphausen bei der Vorbereitung seiner Zweitkarriere als Crossover-Hip-Hopper zu helfen. Erstmals an diesem Donnerstag legte dieser nämlich seine Klampfe zur Seite und präsentierte sein „Immer muss ich alles sollen“, das es demnächst auch auf einer alternativen Kinderlied-Platte zu hören gibt und das in der Live-Version etwas härter ausgefallen ist als die Studio-Vorlage. Der coole Track kam in dem alten Industriegemäuer gut an und so rechnet der Herr Künstler auch damit, dass der Song demnächst in jeder Kita läuft. Zum Runterkommen gab’s wenig später nicht nur eine rot illuminierte Stage, sondern auch das zauberhafte „Wenn ich dich gefunden hab“, mit dem sich das Quartett nochmals kurz unter Verbeugungen verabschiedete. Da es draußen inzwischen aber einfach zu kalt geworden war, standen die Vier ratzfatz wieder vor ihrem dankbaren Publikum, dem als charmanter Rausschmeißer noch das finale „Schritt für Schritt“ verehrt wurde.

Es war mir wieder mal ein ganz großes Vergnügen, ein Konzert mit GISBERT ZU KNYPHAUSEN und der KID KOPPHAUSEN BAND erleben zu dürfen. Die Jungs haben den Songs wahrhaftig noch mal einen ganz besonderen Schliff verpasst – mal ganz davon abgesehen, dass auch die Studio-Varianten schon absolut hörenswert waren. Tja, wenn’s passt, bin ich gern bei nächster Gelegenheit wieder am Start, aber ich fürchte, jetzt muss ich mich zunächst ein wenig gedulden. Vielleicht braucht’s jetzt auch ein bisschen Zeit für eine neue Langrille, auch darüber würde ich mich sehr freuen!

Setlist
Haus voller Lerchen
Staub und Gold (NILS-KOPPRUCH-Cover)
Meine Schwester
Erwischt
Punkrocker
Mörderballade
Jeden Montag
Zieh dein Hemd aus Moses
Sonnige Grüße aus Kao Lak, Thailand
Sommertag
Verschwende deine Zeit
Kräne
Flugangst
Kleine Ballade
Ich sag ja
Das Leichteste der Welt
Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten

Ich bin ein Freund von Klischees und funkelnden Sternen
Dreh dich nicht um
Seltsames Licht
Immer muss ich alles sollen
Wenn ich dich gefunden hab

Schritt für Schritt

Copyright Fotos: Holger Ebert

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