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GISBERT ZU KNYPHAUSEN – LICHTER

Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 04.03.2011

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, da waren GISBERT ZU KNYPHAUSEN und LICHTER bereits gemeinsam zu Gast in Bielefeld. Waren es 2009 etwa 150 bis 200 Leute, die den Falkendom füllten, so war das Forum heuer mit 700 Besuchern vollständig ausverkauft. GISBERT ZU KNYPHAUSEN ist momentan DER angesagte Star am deutschen Liedermacher-Himmel und davon profitierten auch LICHTER, die vor ungewohnt großer Kulisse spielen durften. Anlass für die kleine Neuauflage der gemeinsamen Tour war das Release der Split-EP, die Gisbert und LICHTER gemeinsam gemacht haben und die beim Bielefelder Label Kapitän Platte erschienen ist. Auf dem schicken Silberling covern die Musiker jeweils ein Stück des anderen, eine schöne Gelegenheit auch mal wieder zusammen auf der Bühne zu stehen.

Den Anfang machten um 21.20 Uhr jedoch zunächst LICHTER allein, die mit „Das Gespenst ist o.k.“ von ihrem selbstbetitelten 2008er Debüt starteten. Der Vierer aus Köln, Bonn und Paderborn, der 2005 in Hamburg gegründet wurde, brachte vertrackten Indie zu Gehör, zu dem Mathias Mauersberger Gitarre spielte und sang. Bisweilen changierte seine Stimme in falsettartige Höhen, was für meine Ohren gelegentlich etwas anstrengend wirkte, zumal wenn Fräulein Hess am Keyboard und der Posaune das Ganze auch noch lautmalerisch unterstützte. Auf dem Programm stand ebenfalls der Song „Leerer Raum“, dessen sich GISBERT ZU KNYPHAUSEN auf dem gemeinsamen CD-Projekt angenommen hat, den es an diesem Freitag jedoch ausschließlich in der Originalversion zu hören gab. Für das dramatische Finale von „Unter Tieren“ griff Judith zu ihrem Blechinstrument und wurde für ihren Vortrag mit viel Applaus belohnt, ehe es mit flotten Synthieklängen und „Amphetamin“ weiterging. Mein Favorit war zweifelsohne „Platz“, das mit seiner halligen Orgel die Füße wippen ließ, bevor LICHTER mit ihrem letzten Stück „Radar“ noch mal Gas gaben. Das sollte es eigentlich um 22.00 Uhr gewesen sein, doch das Auditorium verlangte lautstark Nachschlag und den sollten die Damen und Herren (in deutlicher Minderheit) auch bekommen. Auf der Setlist stand noch das „Spieglein, Spieglein“-Cover aus der zu-Knyphausen-Schmiede, welches sogleich von vielen Indie-Mädels begeistert mitgesungen wurde. In der LICHTER-Variante präsentierte sich die Nummer deutlich verquerer als beim ursprünglichen Schöpfer, hatte jedoch ebenfalls sehr viel Charme und wurde deshalb auch mit ausgiebigem Beifall belohnt.

Setlist LICHTER
Das Gespenst ist k.o.
Uns
Leerer Raum
Unter Tieren
Amphetamin
Ich bleibe ruhig
Platz
Radar

Spieglein, Spieglein

Nun hieß es noch ein knappes halbes Stündchen auf die unbestrittene Hauptperson des Abends zu warten, dann betrat Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen die Stage für die ersten zehn Songs allein mit seiner akustischen Gitarre. Schon die ersten Akkorde von „Ich bin ein Freund von Klischees und funkelnden Sternen“, das dem aktuellen zweiten Longplayer und Chartstürmer „Hurra! Hurra! So nicht“ entnommen war, wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und schon für „Verschwende Deine Zeit (Gisbert Blues Nr. 135) vom 2008er selbstbetitelten Debüt gab es tosende Akklamationen, während die Zuschauer bei „Melancholie“ in andächtiger Stille verharrten. Die meisten jedenfalls, denn ausgerechnet in der zweiten Reihe meinten ein paar Leute, erst einmal das Neueste vom Tag austauschen zu müssen. Die Ermahnungen der umstehenden Gisbert-Fans brachten sie schließlich jedoch zur Räson, mir wird es allerdings immer ein Rätsel bleiben, warum man zum Quatschen gerade bei so einem Konzert nicht einfach an die Bar geht. Bei aller Schönheit der reduzierten Solo-Intonationen des blonden Frauenschwarms: Bei „Sommertag“ habe ich wieder bemerkt, dass ich seine Lieder noch mal so gern mag, wenn eine Band im Hintergrund für etwas mehr Druck sorgt. Aber auch so war der Song wieder herausragend und in der zweiten Hälfte wurde der Wahlberliner mit Wurzeln im Rheingau, wo sich auch das elterliche Weingut befindet, schließlich von LICHTER begleitet.

Judith Hess brachte bei „Herzlichen Glückwunsch“ sogleich ihre Posaune ins Spiel, während sie sich im weiteren Vortrag auf ihr Tasteninstrument beschränkte und gemeinsam mit den Kollegen der Saiten- und Rhythmusfraktion (Mathias Mauersberg – Gitarre, Philipp Gosch- Bass, Claus Schulte – Drums) für eine gelungene instrumentale Begleitung des Herrn an der Akustikklampfe sorgten. Insbesondere das grandiose „Der Blick in Deinen Augen“ gefiel ohne jede Einschränkung, aber auch „Erwischt“ ließ wohl nicht nur mein Herz höher schlagen. Mit „Grau, Grau, Grau“ startete das Quintett zunächst etwas ruhiger, um es dann wieder krachen zu lassen. Immerhin hatte GISBERT ZU KNYPHAUSEN ja auch Rock’N’Roll versprochen, wobei mit einem Song wie „Neues Jahr“ natürlich auch die Gefühle nicht zu kurz kamen.

Da die LICHTER-Members kurz rauchen mussten (Ansage Gisbert) spielte er „Wer kann sich schon entscheiden“ und „So seltsam durch die Nacht“ wieder allein, bevor seine Begleitung zu „Flugangst“ wieder auf die Bühne zurück gefunden hatte. Zum Abschluss gab es noch eine sehr coole, erstaunlich synthetische Interpretation vom Titeltrack „Hurra! Hurra! So nicht“, der eigentlich im 23.50 Uhr den Abend beenden sollte, aber die Ostwestfalen hatten lange noch nicht genug und so gab es noch eine Zugabe, die ohne Gisberts gerissene Basssaite auskommen musste (ich glaube, mindestens eine Saite reißt bei jedem seiner Konzerte, muss an der Inbrunst liegen, mit der er die Saiten seiner Gitarren bearbeitet). Als sehr schönen Rausschmeißer hatten Gisbert und LICHTER ein JOHN-PRINE-Cover ausgewählt und so gab’s um kurz vor Mitternacht mit „Crazy As A Loon“ sogar noch ein wenig Country-Feeling im Forum.

Setlist GISBERT ZU KNYPHAUSEN
Ich bin ein Freund von Klischees und funkelnden Sternen
Dreh Dich nicht um
Verschwende Deine Zeit (Gisbert Blues Nr. 135)
Melancholie
Seltsames Licht
Sommertag
Morsches Holz
Spieglein, Spieglein
Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten
Kräne

Herzlichen Glückwunsch
Der Blick in Deinen Augen
Erwischt
Grau, Grau, Grau
Neues Jahr

Wer kann sich schon entscheiden
So seltsam durch die Nacht

Flugangst
Hurra! Hurra! So nicht

Crazy As A Loon (JOHN-PRINE-Cover)

Ein schöner Abend war’s mal wieder mit dem Gisbert und seinen wunderbar melancholischen Liedern. Die jungen Damen hingen dem Aushängeschild der jungen deutschen Liedermacher-Gilde sowieso an den Lippen, aber auch die männlichen Besucher schienen ihr Herz für die gefühlvolle Musik des modernen Barden geöffnet zu haben. LICHTER boten einen netten Einstieg in den musikalischen Freitag und machten auch ihre gemeinsame Sache mit Gisbert sehr gut. Man merkte den Protagonisten auf der Stage an, dass sie nicht nur bei ihrer Tour vor zwei Jahren viel Spaß hatten (lt. zu Knyphausen die beste, die er bisher gemacht hat), sondern immer noch gern zusammen spielen. So darf das Wochenende gern häufiger beginnen!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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