Konzert Filter

GISBERT ZU KNYPHAUSEN – STEFFEN

Ort: Bielefeld – Forum

Datum: 11.03.2012

Anfang des Jahres scheint es GISBERT ZU KNYPHAUSEN einfach nach Bielefeld zu ziehen. Im letzten Jahr war der Wahlberliner am 04. März in der Leineweberstadt, 53 Wochen später stand der Winzersohn wieder auf der Stage des Forums und abermals war die Location rappelvoll. Keine Frage, Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen ist nach wie vor (und zurecht) einer der ganz Großen unter den deutschsprachigen Liedermachern. Nicht nur in Studentinnen-Kreisen weiß der blonde Barde mit seinen Weltschmerz-Songs zu begeistern, auch die männliche Fanbase wächst stetig und so durfte natürlich auch der Terrorverlag nicht fehlen, als die März-Tour in Bielefeld ihre Eröffnung erlebte. Der zweite Abschnitt der kleinern Winter-Konzertreise präsentierte das Beste aus fünf Jahren GISBERT ZU KNYPHAUSEN – will sagen, es gab Lieder vom selbstbetitelten 2008er Debüt und vom Nachfolger „Hurra, hurra! So nicht.“ aus 2010, sowie zwei B-Seiten und einen neuen Track auf die Ohren. Vorher stand zudem noch eine kleine One-Man-Show vom Kollegen STEFFEN Nibbe an, der üblicherweise mit seiner Kapelle STARING GIRL auf der Bühne steht, heuer aber auf die Unterstützung der vier übrigen Bandmitglieder verzichten musste.

Stattdessen enterte „der bärtige Mann mit der Gitarre“ kurz nach 21.00 Uhr allein die Stage und legte mit ruhigen Akustikklängen los. Der „Omaha-Records“-Aufkleber ließ bereits ahnen, woher die Verbindung zu Gisbert stammt: STARING GIRL sind auf Gisberts 2005 gegründeten Label zuhause und fast könnte man meinen, dass es dort gewisse optische Vorgaben gibt, um unter Vertrag genommen zu werden, denn Herr Nibbe könnte im schlimmsten Fall auch als Double für den Herrn Freiherrn einspringen. Bei den jungen Damen im Publikum dürfte das Nordlicht schon allein deshalb gepunktet haben, aber auch musikalisch konnte er mit seinem getragenen, zum Zuhören einladenden Liedgut überzeugen. Gelegentlich griff STEFFEN auch zur Mundharmonika, beispielsweise bei „Jeder geht allein“ – einer Nummer über eine Liebe, die nicht wachsen kann, weil’s einfach an der erforderlichen Zuneigung der beiden Beteiligten fehlt. Auch beim abschließenden „Diebe, Halunken und Leute“ kam die Mundharmonika noch einmal zum Einsatz, dann waren „seine“ 25 Minuten für Steffen Nibbe auch schon wieder Geschichte. Dass er noch nie vor so vielen Zuschauern (knapp 700 werden es wohl gewesen sein) gespielt und sich deshalb auch ein wenig Sorgen gemacht hat, dürfte zu diesem Zeitpunkt schon kein Thema gewesen sein. Die Ostwestfalen zeigten sich auf jeden Fall als aufmerksame Zuhörer und bedachten den Singer-/Songwriter, der mit seiner Band STARING GIRL gerade eine neue Langrille in die Plattenläden bringt, mit freundlichem Applaus

Setlist STEFFEN
?
Sieben Stunden und 40 Minuten
Türgriff abgebrochen
Jeder geht allein
Auf dem Weg nach zuhaus’
Ich weiß ein Mädchen
Diebe, Halunken und Leute

Lange musste das Auditorium im Anschluss nicht auf GISBERT ZU KNYPHAUSEN und seine vierköpfige Band warten. Schlanke 15 Minuten später war alles für „Herzlichen Glückwunsch“ vom bereits erwähnten Erstling präpariert und man startete äußerst fesselnd mit unter die Haut gehenden Melodien und kraftvollen Hooks. Belohnt wurde der Opener mit viel verdientem Beifall, den es auch für das groovende „Gute Nachrichten“ und das druckvolle „Erwischt“ gab. Bislang am elektrifizierten Sechssaiter tätig, wechselte Gunnar Ennen links außen zum beschwingen „Ich bin ein Freund von Klischees und funkelnden Sternen“ (auf „Hurra, hurra! So nicht.“ erschienen) an die Wurlitzer-Orgel, während der Bandleader seine arg ramponierte Klampfe mit dem „Musik-ist-scheiße“-Sticker gegen eine weniger mitgenommene Langaxt tauschte. Der Titeltrack des zweiten Albums war sozusagen die Fortsetzung des eben gehörten Songs. Gerade noch verliebt, hatten die Protagonisten sich bei „Hurra, hurra! So nicht.“ bereits wieder entliebt und entsprechend „bösartig“ und „beleidigt“ offenbarte sich auch diese knackige Nummer. Leise schloss sich das wunderbare „Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten“ an, bevor „Der tödliche Schlaf“ auf dem Programm stand. Dieses Lied ist seinerzeit für das Tübinger Zimmertheater als düsterer Abschluss eines Theaterstücks entstanden und machte sich auch ohne Schauspieler ganz hervorragend. Für das krachende „Grau, Grau, Grau“ nahm Gunnar (der übrigens im nahen Enger aufgewachsen ist) erneut an den Tasten Platz, um dort auch beim fantastischen „Der Blick in deinen Augen“ zu verweilen. Erneut gab es jede Menge Applaus, mit dem auch das folgende „Sommertag“ mit seinen jaulenden Krachlatten bedacht wurden. Nach meinen beiden Favoriten der Knyphausen-Discografie schlug „Kräne“ ruhige, aber nicht weniger intensive und hörenswerte Töne an, ehe „Morsches Holz“ mit einer Slide Guitar und gehörigem Drive veredelt wurde. „Dreh dich nicht um“ absolvierte Gisbert fast in Gänze im Alleingang, bevor zunächst Herr Ennen an das E-Piano zurückkehrte und „Flugangst“ wieder von der gesamten Mannschaft performt wurde. Die besteht übrigens neben Gisbert und Gunnar nach wie vor aus dem „fünfarmigen Drummer“ Sebastian Deufel, Gitarrist Jens Fricke und dem Bassisten Frenzy Suhr. Für „Seltsames Licht“ wurden die Rollen ein wenig vertauscht; so fand sich Gunnar neben Sebastian an der Schießbude ein und Gisbert und Jens stöpselten ihre Gitarren um, bevor Herr von Knyphausen sich im Folgenden ganz aufs Singen konzentrierte. Diese Nummer war eine Vorausschau auf den Longplayer, der im September erscheinen soll und für den es im April zusammen mit NILS KOPPRUCH ins Studio geht. Wenn der Song exemplarisch für das kommende Album war, darf mit treibendem Rock gerechnet werden, während die erste Zugabe „Frau Himmelblau bittet zum Tanz“ (ein Split mit CLICKCLICKDECKER) um 23.05 Uhr wieder die Slide Guitar bemühte und sich getragener gab. Dramatisch ging’s „So seltsam durch die Nacht“ und bei „Neues Jahr“ durfte ein langes Instrumental nicht fehlen.

Noch ein kleiner Abstecher ins Off, wo schnell ein Kurzer gekippt und ein paar Zigarettenzüge genommen wurden, um dann zunächst noch einmal den Cheffe allein in den Ring zu schicken. Der hatte bei „Verschwende deine Zeit (Gisbert Blues Nr. 135)“ zwar ein kleines Textproblem, doch mit den aufmunternden Akklamationen seiner Fans kam sofort die Erinnerung wieder und schon bald auch die fehlenden Instrumentalfraktion, um mit geballter Manpower „Hey“ und „Spieglein, Spieglein“ zu intonieren. Auf der Zielgeraden wurde nach allen Regeln der Kunst gejammt und schon waren einmal mehr zwei Stunden mit GISBERT ZU KNYPHAUSEN wie im Fluge vergangen. Dass seine Band dabei nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern ein Garant für eine besondere Dynamik ist, machte den Abend umso gelungener. Für alle Fälle werde ich mir den Februar/März 2013 schon mal frei halten und hoffe, dass Gisbert und Konsorten dann wieder in Ostwestfalen und/oder Umgebung Halt machen.

Setlist GISBERT ZU KNYPHAUSEN
Herzlichen Glückwunsch
Gute Nachrichten
Erwischt
Ich bin ein Freund von Klischees und funkelnden Sternen
Hurra! Hurra! So nicht.
Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten
Der tödliche Schlaf
Grau Grau Grau
Der Blick in deinen Augen
Sommertag
Kräne
Morsches Holz
Dreh dich nicht um
Flugangst
Seltsames Licht
? (neuer Song)

Frau Himmelblau bittet zum Tanz
So seltsam durch die Nacht
Neues Jahr

Verschwende deine Zeit (Gisbert Blues Nr. 135)
Hey
Spieglein, Spieglein

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu GISBERT ZU KNYPHAUSEN auf terrorverlag.com