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GOGOL BORDELLO – DEVOTCHKA

Ort: Dortmund - FZW Club

Datum: 01.12.2010

Der erste Dezember Mittwoch gestaltete sich extrem kalt und ungemütlich und man musste schon gute Gründe haben, um vom warmen Kamin in die Kälte gelockt zu werden. Ein Konzert von GOGOL BORDELLO im FZW in Dortmund war für uns ein solcher und so machten wir uns auf dem Weg in die Noch-Kulturhauptstadt, um ein wahrscheinlich letztes Mal die Lichtinstallationen auf dem Dach der ehemaligen Brauerei neben dem FZW bewundern zu können.

Eröffnen sollte ALAIN JOHANNES den Konzertabend, wie wir dachten um 20 Uhr, doch als wir gegen 19.45 Uhr das FZW betraten, war dieser gerade fertig. Sehr schade, hätten wir uns doch sehr gerne den Gitarristen angeschaut, der unter anderen bei den QUEENS OF THE STONE AGE oder zuletzt an der Seite von namhaften Musikern wie Josh Homme, Dave Grohl und John Paul Jones in der Supergroup THEM CROOKED VULTURES tätig war.

Bereits um 20.15 Uhr begann mit DEVOTCHKA dann bereits die zweite Vorband des Abends ihr Set. Die Indie Folk Band aus Denver vereinte unterschiedlichste Einflüsse verschiedener Musikrichtungen und die Mitglieder wechselten dabei auch fleissig ihre Instrumente von Song zu Song. Tom Hagerman spielte dabei die Violine genauso wie das Akkordeon oder das Keyboard, Jeanie Schroder bediente den großen Kontrabaß und eine Tuba, die sich mehrfach um ihren ganzen Körper wickelte und Schlagzeuger Shawn King wurde auch schonmal an der Trompete tätig. Lediglich Sänger Nick Urata blieb seiner Gitarre treu. Meistenteils war die Musik gefärbt von osteuropäischen und östlichen Einflüssen und stimmte so gesehen schon einmal bestens auf GOGOL BORDELLO ein, allerdings waren die Songs insgesamt ruhiger und gerade bei eher epischen, getragenen Passagen erinnerten DEVOTCHKA gerade auch durch den Gesang dann das ein oder andere Mal entfernt sogar an MUSE. Gegen Ende des Sets unterstützte dann der Drummer von GOGOL BORDELLO die Band. Mit insgesamt 45 Minuten gestand man DEVOTCHKA auch eine für eine Vorband amtliche Spielzeit zu und die Amis wusste diese auch durchaus überzeugend zu nutzen.

Setlist DEVOTCHKA
Honcho
Clockwise
Venus
Basso
Sand / Sea
Poland
We´re leaving
Ends
Mexican

Es folgte eine leider viel zu lange und etwas zähe Umbaupause, bis gegen 21.45 Uhr endlich das erlösende Intro erklang und großen Jubel im gut gefüllten FZW auslöste. Die Bühne war entsprechend des Mottos der neuesten CD „Trans-continental hustle“ mit einem Schiffssteuerrad mit der Aufschrift „TC Hustle“ und einem ca 4 Meter hohem Leuchtturm dekoriert, im Hintergrund prangte ein großes Bachbanner mit einer Zwille, die mit einen roten Stern ins Publikum zielte. Dann stürmten die 8 Gypsy Punks aus der New Yorker Lower East Side auf die Bühne, legten mit „Tribal“ und „Not a crime“ gleich richtig los und gaben damit einen Vorgeschmack darauf, was die Fans erwarten würde. In der folgenden Stunde gab es kaum Zeit, nach Luft zu schnappen. Man performte einen Hit nach dem anderen – das Publikum nahm jeden dankbar auf und entgegen der eisigen Kälte draußen wurde das FZW in eine Sauna verwandelt. Jeder Song wurde lauthals mitgesungen und man sprang mit Eugene Hütz und seinen Leuten um die Wette. Stillhalten schaffte auch die Band nicht und so kam es nicht selten vor, dass Percussionist Pedro Erazo sich ein Mikro schnappte, auf eine Box am Bühnenrand sprang und einige Zeilen ins Publikum rappte oder zusammen mit Background-Sängerin Pamela Jintana Racine mit Bassdrums den Rhythmus unterstützte. Erster ganz großer Höhepunkt war das langsam beginnende und sich dann immer weiter steigernde „Companiera“, das begeistert aufgenommen wurde. Diese Begeisterung wusste die Band mit dem gleich folgenden „Last one goes the hope“ zu halten und gerade Geiger Sergey Ryabtsev lief langsam zu Höchstform auf. GOGOL BORDELLO waren nicht einfach nur musikalisch gut und mitreissend, es machte auch optisch Spaß, diesen bunt zusammen gewürfelten Haufen anzuschauen. Bei allem Spaß traf die Band aber auch deutliche politische Aussagen. Dies fand zum einen Ausdruck auf einem T-Shirt von GOGOL BORDELLO mit dem Bildnis von Eugene Hütz und der Aufschrift „This mustache kills fascism“, zum anderen aber auch in vielen Ansagen, wie „No man is illegal“. Altbekannt aber doch immer wieder wichtig zu betonen und bei GOGOL BORDELLO war es an diesem Abend eine wahre Freude zu beobachten, wie Multi-Kulti in ihrem kleinen Band-Mikrokosmos funktioniert und sich die unterschiedlichen Charaktere und musikalischen Einflüsse sich befruchteten. Nach einer Stunde Spielzeit beendete die Band mit „Purple“ dann das reguläre Set und verliess die Bühne.

Natürlich gab sich niemand im Publikum damit zufrieden und es wurde lautstark Zugabe gefordert. Die Band liess sich etwas länger bitten, doch dann begann der Leuchtturm zu strahlen und mit „Sun is on my side“ sowie dem Johnny Cash Cover „Ghost riders from the sky“, das im neuen Gewand seinen ganz eigene Reiz entfaltete, begannen GOGOL BORDELLO den Bonuspart für ihre Verhältnisse ungewohnt ruhig, steigerten sich dann in den folgenden Songs wieder zu altbekannten Schnelligkeit und beendeten mit „Darling“ gegen 23.30 Uhr dann endgültig das Konzert. Das Publikum wurde alsbald aufgeheitzt in die kalte DortmunderNacht entlassen.

Setlist GOGOL BORDELLO
Intro
Tribal
Not a crime
Wonderlust kings
Companiera
Last one goes the hope
TC Hustle
Immigraniada
Break the spell
Rise the knoledge
Universes
Pala tute
Purple

Sun is on my side
Ghost riders from the sky (Johnny Cash)
American wedding
Mishto
Darling

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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