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GRAND MAGUS – AUDREY HORNE – ZODIAC – THE VINTAGE CARAVAN

Ort: Geiselwind – Musichall

Datum: 28.03.2014

Aufregung, ja fast schon Übersprungshandlungs-fördernde Ekstase stellt sich ein beim Anblick des heutigen Line-Ups hier am Ende der zivilen Welt in Geiselwind. Das Örtchen mit dem skurrilen Namen an der A3 zählt nicht nur einen Freizeitpark, eine Autobahnkirche und einen unheimlichen Autohof zu seinen Highlights, sondern auch eine Music Hall, die an diesem ehrwürdigen Abend so ziemlich alles beherbergt, was an Ur-nordischen metallisch rockigem Klanggewitter Seh- und Hörenswertes durch die Lande tourt.

Die ehemals eher doomig angehauchten Schweden GRAND MAGUS begeistern nach klassischen Hammer-Alben wie „Iron Will“ (2008), „Hammer of the North“ (2009) und zuletzt „The Hunt“ auch mit „Triumph & Power“ spielend Hardrock’sche Redaktionen und Metal-Traditionalisten. Die Kombination mit den party-erprobten norwegischen AUDREY HORNE rund um Frontsau Torkjell „Toschie“ Rød, den melancholischen Blues-Veteranen ZODIAC aus Münster und den verdächtig nach LED ZEPPELIN klingenden blutjungen Isländern THE VINTAGE CARAVAN lässt den obligatorischen Haarschüttler-Nackenmuskelkater schon vor Konzertbeginn erahnen.

Auf diese Aussicht erst mal ein Beruhigungs-Bier, bevor junge Wilde Punkt 19 Uhr auf die leider noch spärlich beobachtete Bühne sprinten. Holla! Was geht denn da ab? Was da so herrlich unbedarft und energetisch aus den Boxen dröhnt, klingt nach gutem alten Classic Rock der Marke DEEP PURPLE, LED ZEPPELIN, BLACK SABBATH oder CREAM, nicht aber nach den drei kleinen Jungs, die da oben derart den Bühnennebel verwirbeln, dass das Bier allein vom Zuschauen den Weg auf den versifften Hallen-Boden findet. Denn Óskar Logi (Gitarre, Vocals), Guðjón Reynisson (Schlagzeug) und Basser Alex Örn Númason waren unglaubliche 12 Jahre (!) alt, als sie beschlossen, so zu klingen wie der elterliche Plattenschrank. Schön allerdings, dass die Isländer nicht so aussehen wie die vierzig Jahre Musikgeschichte, deren durchaus hörenswerter Kurzabriss Warm-Up-Headbangen und staunenden Beifall zur Folge hat. „Voyage“ nennt sich bezeichnenderweise das aktuelle Album der vier Retroisten, dessen Opener „Craving“ auch heute Abend die mittlerweile aufgewachte Meute mit bluesigen Hard Rock der 70er, markanten Riffs und Logis eindringlicher Stimme zu begeistern weiß. Spätestens nach „Expand Your Mind“ und dem großartigen „Cocaine Sally“ erobern THE VINTAGE CARAVAN dank einprägsamer Refrains, unwiderstehlicher Rhythmen und vor allem verdammt viel Duracell im Hintern ganz Metal-Franken quasi fliegenden Haupthaares.

Setlist THE VINTAGE CARAVAN
Craving
M.A.R.S.W.A.T.T
Expand Your Mind
Let Me Be
Cocaine Sally

Nach Sturm und Drang folgt Romantik, solchen Gesetzmäßigkeiten ist zwingend zu folgen. Deshalb verlegen nach kurzer Umbaupause ZODIAC um 19:50 den Perserteppich, knipsen das Licht aus und den schwermütigen Blues an. Die Band rum um Trommel-Promi Janosch Rathmer (LONG DISTANCE CALLING) und Klangwunder Nick van Delft war bereits mit den SPIRITUAL BEGGARS und THE SWORD unterwegs. Ihr vielbeachtetes Debut „A Bit Of Devil“ hat 2013 glücklicherweise Zuwachs bekommen: Auch „A Hiding Place“ glitzert nur so vor großartigen Melodien und bombastischen Riffs. ZODIAC verzaubern jedoch erst einmal mit Altbewährtem, dem Opener ihres Debutalbums „A Bit Of Devil“, bevor die Münsteraner im über 7-minütigen „Free“ dem Zocker- und Jammer-Gen freien Lauf lassen. Wer da jetzt droht, die Haare schlafen zu legen, bekommt beim folgenden ZZ-TOP-Cover „Blue Jean Blues“ große Augen. Und solch verzückt-entrückte Gesichts-Ekstasen setzen sich fort, bis ZODIAC zu den gottgleichen Klängen von „Coming Home“ würdig das leider nur halbstündige Set beenden.

Setlist ZODIAC
Intro
A Bit Of Devil
Free
Blue Jean Blues (ZZ TOP Cover)
Moonshine
Coming Home

Wer Musik und insbesondere jegliche Art metallischer Herausforderungen liebt, sollte nach Skandinavien ziehen. Egal ob Schweden, Finnland, Dänemark oder gar Norwegen, keine andere Region verzeichnet eine höhere Dichte an erstklassigen, meistens durch nur eine Stilrichtung unterforderten Talenten. Das führt zwangsläufig zu bisweilen über die Landesgrenzen hinaus sehr erfolgreichen Zweitkarrieren. AUDREY HORNE bilden da keine Ausnahme. So beherbergen die Alternative-Rocker rund um Sänger Toschie so prominente Mitglieder wie die beiden Gitarristen Thomas Tofthagen und Arve “Ice Dale“ Isdal (auch bei ENSLAVED und I) sowie Drummer Kjetil Greve (sonst bei DERIDE). Vier Alben haben die Musikusse mittlerweile abgeliefert, „Youngblood“ 2013 stellt kommerziell den wohl größten Erfolg dar, lässt den einzigartig melancholischen Stil der ersten drei Scheiben irgendwo zwischen LED ZEPPELIN, MONSTER MAGNET UND AUDIOSLAVE doch leider komplett vermissen. Trotzdem: die neue knackig-trockene Produktion begeistert mit zehn einfach sauber perlenden Hymnen ohne große kompositorische Ausrutscher, die sich jeder Classic-Rocker nicht perfekter hätte wünschen können. AUDREY HORNE garantieren so vor allem live, dank Frontsau Toschie, einfach nur Party, deren rotzrockige Songs vor Energie nur so strotzen. Also Bier abgelegt und Haare in Startposition gebracht, um kurz vor neun starten AUDREY HORNE ihren gut 40 Minuten Poser-Arschtreter-Slot und zocken mit der Singleauskopplung „Redemption Blues“ des aktuellen Albums vom Fleck weg mindestens genau so gut wie die großen MAIDEN oder PRIEST. Was leider gar nicht gut klingt, ist der Sound. Der Typ am Mischpult in der Mitte der Metal-Gesellschaft will vom glasklar perlenden Gitarrenspiel der AUDREY HORNE-Saitenfraktion wohl noch nie was gehört haben. Wie live direkt aus Muttis Waschtrommel klingen die Norweger, worunter auch das wunderbare „Bridges And Anchors“ vom selbstbetitelten 2010er Werk ordentlichst zu leiden hat. Wenigstens auf der Bühne sind Profis am Werk und so lassen sich AUDREY HORNE nicht beirren und rocken sich durch eine vornehmlich von Songs des neuen Albums dominierte Setlist, als wäre alles in himmelsgleicher Ordnung. Diese Ansammlung arschcooler Riffs und hymnischer Refrains mit Ohrwurmgarantie lässt schnell die Füße wippen, Hüften wackeln und die Haare fliegen. Keine Frage, Toschies explosive Bühnenakrobatik, die bisweilen auch mal auf dem versifften Hallenboden endet, hat die Meute fest im Griff. Kurz streifen AUDREY HORNE bei „Youngblood“ und besonders „There Goes A Lady“ und „This Ends Here“ die herrliche Schwermut vergangener Dunkeltage, nur um dann wieder brachial leichtfüßig und mit ihrem einzigartigen und grandiosen Gespür für treffsichere Hooks und Ohrwurm-Melodien zu glänzen. Diese unsägliche Talent spiegelt sich auch in den zwei neuen Songs wieder, die AUDREY HORNE der jubelnden fränkischen Metalfront vor das haarige Haupt knallen: „Gravity“ und „A Wolf In My Heart“ werden genau so frenetisch empfangen wie das bewährte „Blaze Of Ashes“, bevor die wahrlich rockenden Helden zu „Straigt Into Your Grave“ verschwitzt und ausgepowert unter fordernden Zugabe-Geheul die Bühnenbretter verlassen.

Setlist AUDREY HORNE
Muppets-Intro
Redemption Blues
Bridges And Anchors 2010
Youngblood
There Goes A Lady
Pretty Little Sunshine
Cards With The Devil
Gravity
This Ends Here
A Wolf In My Heart
Show And Tell
Blaze Of Ashes 2010
Straight Into Your Grave

Puh! Diese Rock-Explosion nun noch zu toppen, ist eine fast unlösbare Aufgabe, derer sich GRAND MAGUS gegen halb elf annehmen. Zum Glück aber liegt Geiselwind im Herzen von Metal-Franken, Die-Hard’sche Anhänger von Doom, klassischen Metal und gewaltigem Eier-in-der-Hose-Pathos sind zum Glück nicht weit und auch schon ordentlichst vorgewärmt. So werden die drei Schweden empfangen, wie es echten Heroen gebürt – „MAGUS“ Schlacht-Rufe durchhallen den Saal und der Teufelsgruß bietet die perfekte Choreographie zu den ersten Klängen von „Conan“. Huh! Adrenalin! Doch mit „I, The Jury“ und „Sword Of The Ocean“ sorgen Janne „JB“ Christoffersen, Basser Max „Fox“ Heden und seit 2012 Neu-Trommler Ludwig Witt erst mal mit Traditions-Material für Schweißperlen auf dem haarigen Haupt, bevor erstmals mit „Hoofes Of Gold“ neuere triumphatische Gefilde erobert werden. Trotz anfänglicher Soundprobleme – grummel!!!!! – sorgen die GRAND MAGUS typischen urgewaltigen Riffs, pathetische Rhythmen und JBs ungemein charismatisch tiefe Stimme für ordentlich Gänsehaut-Puschel auf den Armen, euphorische Jubelei und verklärte Blicke gen Bühne. „Ravens Guide Our Way“’s mitreißende Hookline erinnert erneut an druckvolle epische Doom-Hymnen der MAGUS’schen Schaffenskraft. Doch auch das eingängige „Steel Versus Steel“ vom neuen „Triumph & Power“ wird genauso stürmisch besungen, wie „Like The Oar Strikes The Water“ oder das packende „Iron Will“. Weniger ergreifend allerdings ist der schnelle Abgang der drei kauzigen Musikusse. Knapp eine Stunde ist einfach viel zu wenig, um die Sucht nach energiegeladenen Metal-Hymnen ausreichend zu befriedigen. Schön also, dass zu den doomigen Tönen von „Arv“ erneut die Kutte gerichtet und die Matte in Stellung gebracht werden darf. Dann endlich ertönt donnernd der Titeltrack des neuen Silberlings. „Triumph & Power“ lässt erneut die Fäuste in den Himmel fliegen und das fette Riff tut sein Übriges, um die Stimmung auf den Zenith zu treiben. GRAND MAGUS selbst können es kaum glauben, stehen ob der fortdauernden „MAGUS“-Rufe immer wieder ungläubig am Bühnenrand und setzen mit „Hammer Of The North“ ein letztes beeindruckend doomig-metallisches Ausrufezeichen, bevor sie zu „Ymer“ um kurz nach elf endgültig die umnebelte Bühne und die treue fränkische Anhängerschaft verlassen. Und während die nassen Haare trocknen, die Kehle nach Bier und die Kutte nach einem neuen Backpatch giert, hallt der GRAND MAGUS’sche Triumph so richtig nach: Der Essenz aus betörendem Metal in seiner reinsten, mitreißenden Form, grandiosen, kraftvollen Riffs und unendlich viel Pathos kann einfach niemand widerstehen – dem tut auch der JB-Waldschrat-Look keinen Abbruch.

Setlist GRAND MAGUS:
Conan (Intro)
I, The Jury
Sword Of The Ocean
Hooves Of Gold
Ravens Guide Our Way
Like The Oar Strikes The Water
Drum Solo
Steel Versus Steel
Valhalla Rising
Iron Will

Arv
Triumph And Power
Hammer Of The North
Ymer (Outro)

Sound: Auch ein Mischpult will beherrscht werden.
Publikum: Ur-Metaller in Reinform, von der Kutte bis zum Haupt.
Vom Konzert gelernt und ganz ketzerisch: Ist GRAND MAGUS nicht so etwas wie die Helene Fischer des Heavy Metal?

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