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GROSSSTADTGEFLÜSTER – LAST CALL FOR DISCO

Ort: Osnabrück - Lagerhalle

Datum: 11.01.2008

Bereits zum zweiten Mal waren GROSSSTADTGEFLÜSTER aus Berlin zu Gast in der Osnabrücker Lagerhalle. Während sie vor zwei Jahren noch als Duo auf der Bühne standen, kamen Jen und Raphael diesmal mit Drummer Chriz, mit dem GROSSSTADTGEFLÜSTER zum Trio gewachsen sind.

Außerdem waren noch LAST CALL FOR DISCO mit am Start, die den Abend erstaunlich pünktlich um 20.35 Uhr eröffneten. Die Hauptstädter machen elektronischen Indie Rock, der beim jugendlichen, überwiegend weiblichen Publikum gut ankam und umgehend in Ohr und Bein ging. Zwar hielten sich die Anwesenden in gewohnter Weise eher bedeckt und beharrten auf einem gewissen Sicherheitsabstand zur Bühne, doch vermochte das Dreigestirn um Sänger Jake Bishop, der aus Brighton stammend für den britischen Touch der Combo verantwortlich zeichnet, mit frischen Melodien zu überzeugen. Nach einem knackigen Brit-Pop-Auftakt mit „Tiger 1984“ ging es vermittels „Messy Girl“ mit lasziven Elektrospielereien weiter, die Philipp Lange seinen Keys entlockte, während Mathias Thien die Gitarrensaiten zupfte. „We Surrender“ brachte wieder mehr Drive ins Geschehen, während „More Is More“ sich als ruhige, jedoch sehr eindringliche Elektronummer empfahl, zu der Jake zu Beginn des Stückes am Boden kniete. Das flotte „Atmosphere“ animierte die eine oder andere Dame gar zum Tanzen. Gleiches bot sich auch bei „Busy In The City“ an, bevor „Shock Horror!“ den halbstündigen Gig von LAST CALL FOR DISCO effektreich beendete: Nachdem Mr. Bishop sich im Robotertanz geübt hatte, legte sich Dunkelheit über die Stage und wurde die farbige Illumination des Geschehens von Lichtquellen übernommen, die sich am Arbeitsgerät der Herren Lange und Thien befanden. Ein sehr gelungener und passender Einstieg, der Lust auf mehr machte! Leider haben die Berliner bislang keine Konserve vorrätig, bleibt zu hoffen, dass sie demnächst einmal Gelegenheit haben, ihre Songs auf kleine Silberlinge zu pressen.

Setlist LAST CALL FOR DISCO
Tiger 1984
Messy Girl
We Surrender
More Is More
Atmosphere
Busy In The City
Shock Horror!

Zwanzig Minuten später legten dann GROSSSTADTGEFLÜSTER vor inzwischen knapp 100 Fans los. Wie nicht anders zu erwarten, zappelte die kleine Jen zu „Für Dich“ gleich gewaltig los und war auch in den kommenden 80 Minuten nicht zu bremsen. Dies übertrug sich auch aufs Auditorium, welches sich schon erstaunlich nahe an den Bühnenrand gewagt hatte und fast von ganz allein auch die letzten zwei Meter bis zur Stage zurücklegte – sehr zur Freude der Band, die ihre Zuschauer mit einem neuen Song vom jüngst eingespielten neuen Album belohnte. „Komm schon“ ging dann mit erheblichem Gesangsanteil von Raphael an den Tasten auch gleich in die Vollen und verführte die HasestädterInnen zum Tanzen. Etwas gewöhnungsbedürftig war der Stakkatosound von „Overdressed & Underfucked“, welches ebenfalls auf dem Nachfolger der Debütscheibe „Muss laut sein“ zu finden sein wird. Jens Mimik und Gestik erinnerte mich dabei stellenweise an die Lokalmatadoren DIE ANGEFAHRENEN SCHULKINDER, bevor sie bei „Basssbox“ das schüchterne, kleine Mädchen spielte, allerdings nicht ohne zwischendrin auch den verführerischen Vamp zu geben. Es folgte der Dancefloor-Füller „Ich muss gar nix“, der mit Jubel aufgenommen und heftig abgefeiert wurde. Chriz hatte sich bereits in Schweiß gespielt und zog es vor, sich seines T-Shirts zu entledigen, dann konnte es mit „Lebenslauf“ weitergehen. Offensichtlich darf sich Raphael auf der neuen Platte gesanglich mehr einbringen, denn auch hier war er stimmlich gefordert, während das Publikum dem Text entsprechend die Arme heben und senken durfte. Mit Klaviergeklimper begann „Komm zu Mama“, um dann im 80er-Style und recht aggressiv aufzudrehen. Als Gegenpol servierten GROSSSTADTGEFLÜSTER einen Heile-Welt-Song namens „Dein Flow“ und schon folgte das hochenergetische „Komm zu Mama“. Währenddessen besannen sich die Musiker auf ihre Aufgabe, die Fans zum Durchdrehen zu bringen und hatten für diesen Zweck „Haufenweise Scheiße“ parat. Immer wieder schön, Jens Berliner Kodderschnauzen-Geschimpfe beizuwohnen… Nicht weniger flott ging’s mit dem „Trommelfellkiller“ zur Sache, der von „Meine Freundin, die Maschine“ abgelöst wurde. Damit war auch schon die Zeit gekommen, LAST CALL FOR DISCO zu danken und die eigene Kapelle vorzustellen, bevor der letzte Song des regulären Sets auf den Plan trat. „Wir rocken trocken“ verzichtete auf nennenswerten Text, eignete sich aber wie von Raphael angekündigt, hervorragend zum Dancen.

So war eine Stunde wie im Fluge vergangen, die Fans hatten jedoch längst noch nicht genug und entsprechend kam mit „Die Stille“ und recht harten Klängen die Verlängerung. Zu „Liebe schmeckt gut“ durfte erneut ausgelassen getanzt werden, was sich die Damen und Herren auf dem Parkett auch beim zweiten Durchlauf von „Ich muss gar nix“ nicht nehmen ließen. Hier wurde es noch mal interaktiv, durfte doch die Zuschauerschaft in Teilen den Gesang übernehmen. Damit wollten sich die Berliner dann auch in gewohnter Weise verabschieden, durften jedoch in Osnabrück eine Premiere erleben und wurden von ihren Fans zu einer weiteren Zugabe auf die Bühne geholt. „Die Straßen“ widmeten GROSSSTADTGEFLÜSTER der Love Parade 1995 und verwandelten damit die Lagerhalle ein letztes Mal für diesen Abend in eine Dancehall.

Ohne Zweifel macht sich Neuzugang Chriz hervorragend in der Band und die neuen Songs schüren die Vorfreude auf das kommende Album, für das es leider noch kein VÖ-Datum gibt. Die alten Stücke taten ein Übriges, um den Konzertabend und den Start ins Wochenende perfekt zu machen. Für die Band war es nach eigenem Bekunden ein gelungener Abschluss von acht arbeitsreichen Wochen im Studio und der Bühne, Zufriedenheit also auf alles Seiten, was will man mehr?!

Setlist GROSSSTADTGEFLÜSTER
Intro
Für Dich
Fehler
Komm schon
Overdressed & Underfucked
Basssbox
Ich muss gar nix
Lebenslauf
Komm zu Mama
Dein Flow
Haufenweise Scheiße
Trommelfellkiller
Meine Freundin, die Maschine
Wir rocken trocken

Die Stille
Liebe schmeckt gut
Ich muss gar nix

Die Straßen

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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