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GUS BLACK – ANDREW PAUL WOODWORTH – ERIK PENNY

Ort: Hamburg - Logo

Datum: 27.04.2008

In was für einem musikalischen Rahmen der Abend stattfinden würde, lässt sich im Logo ganz einfach daran festmachen, ob es Bier vom Fass gibt oder nicht. Und da das kühle Nass an diesem schönen Abend aus eben diesem Fass floss, konnte man davon ausgehen, dass die auftretenden Künstler alle in eher ruhigeren Fahrgewässern unterwegs sind, denn dann besteht nach Meinung des Logos keine Gefahr von herumfliegenden Gläsern…

Also ein weiterer Sonntag, ein weiterer schöner Konzertabend… aber im Mittelpunkt sollte heute ein hierzulande, auf das sträflichste unbekannter, aber dafür überproportional talentierter, Ausnahmekünstler im Mittelpunkt stehen. Selbst der euphorische Rezensent ist nur durch Zufall und durch Bemusterung der Promo-CD auf ANDREW „7 inches“ PAUL WOODWORTH aufmerksam geworden, da das doch sehr geschmacksneutrale Cover mich sicherlich von einem Kauf abgehalten hätte. Doch dazu an anderer Stelle mehr: Haltet nach einem Interview mit dem Über-Sänger, Songwriter und verhinderten Stand-Up-Comedian Ausschau! Demnächst auf diesen heiligen Seiten zu finden!

ERIK PENNY

Beginnen sollte dieser Abend aber ein gewisser ERIK PENNY, der die musikalische Stimmung schon einmal festlegte: Gediegener Singer-Songwriter-Stuff mit leichten bis mittelschweren Americana-Einflüssen. Das Ganze solo auf der Gitarre vorgetragen begleitet von Pennys sonorer, angenehmer Stimmfarbe, die schon zu leichtem Augen schließen einlud. Dies ist aber natürlich nur in einem positiven Kontext zu verstehen, denn die Sehnsuchts-Lyrics gepaart mit seinem unspektakulären, schüchternen Auftreten bot genau die richtige Stimmung für ein gepflegtes, frühsommerliches Abhängen… So gab es auch freundlichen Applaus für den ebenfalls aus Los Angeles stammenden Penny, wenngleich er noch nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums genoss. Auch schön: Eine Demo-CD des Künstlers gab es für schlappe zwei Euro zu erwerben. Einen Plattenvertrag hätte der labellose Penny auf jeden Fall verdient. Aber das muss heutzutage ja kein Muss mehr sein… Auf jeden Fall mag der gute Mann Deutschland so sehr, dass er im Sommer nach Berlin ziehen wird. Ich wüsste ja eine schönere Stadt, aber na ja.

ANDREW PAUL WOODWORTH

Relativ zügig daran anschließend betrat ANDREW PAUL WOODWORTH die Bühne, leider ohne vollen Band-Support, dafür mit einem wundervollen Tastenmann, der den Songs den nötigen Feinschliff gab. Nicht dass die Songs von APW dies nötig hätten, aber es ließ die Brillanz der Arrangements der Solo-Debüt-Scheibe „Eddy ate Dynamite“ des Ex-Grungers durchscheinen. Und das ist eine gute Sache. Und ein Fakt ist unumstößlich: Dieser Mann gehört auf die Bühne. Dieser Mann ist ein gnadenloser Performer, der sein Herz auf der Zunge trägt. Überdies schüttet er absolut süchtig machende Melodien über die völlig perplexen Zuschauer aus, die den Orkan, die der relativ kleine, unscheinbare, aber unbestreitbar gut aussehende, Mann da auf der Bühne des Logos lostritt, mit großen Augen verfolgen. Dieser Mann lebt seine Texte in dem Moment, in dem die Worte seinen Mund verlassen… und dieser Mann ist ein unverschämt guter Sänger, der an die größten Momente eines JEFF BUCKLEY erinnert. Wenn APW in seine Kopfstimme wechselt, kann man nur mit großen Augen ungläubig auf die Bühne starren. Man kann es nicht anders sagen: Dieser Mann ist Wahnsinn (und das in mehrfacher Hinsicht)! Songs wie „Thick Black Mark“, „The day after the day after tomorrow”, “Everything to everyone”, “I hate Music”, “Ropemaker’s daughter, “Pleasure to meet you” sind reines Balsam für die Ohren. Unter der melodieverliebten Oberfläche, die einen in Sicherheit wiegen soll, befinden sich zutiefst traurige, wunderschöne, hinterfragende Lyrics, die seinerzeit sogar LED ZEP-Legende JOHN PAUL JONES zu Lobpreisungen hinreißen ließen. Das Ganze vorgetragen unter permanentem Kaugummikauen und einer entwaffnenden Chuzpe sollte der gute Mann nicht nur unter den Besuchern seiner Plattenfirma für Begeisterung gesorgt haben. Zum Abschluss kam natürlich, das offiziell von den BEASTIE BOYS abgesegnete Jahrhundert-Cover von „Fight for your right to party“, welches in dieser Fassung einen tatsächlich glauben lässt, APW hätte den Song wirklich selbst geschrieben… Also ihr, die ihr diese Zeilen lest: Kauft euch die Scheibe, falls ihr nur einen Funken für gut gemachte Pop-Musik, mit dem nötigen Twist versehen, übrig habt. Ihr werdet es nicht bereuen (und vielleicht lernt man sogar das Cover der CD irgendwann lieben)!

GUS BLACK

Wenn man einmal ganz ehrlich ist, konnte GUS BLACK naturgemäß mit seinen dunklen, leicht monotonen, aber dennoch schönen Liedern das vorangegangene Highlight nicht mehr toppen. Aber irgendwie schwebt GUS BLACK in etwas anderen Sphären und kann deshalb auch nicht unbedingt mit dem eher extrovertierten WOODWORTH verglichen werden.
Mit Erik Penny am Laptop, Soundmachine, Gitarre und Backing Vocals, sowie zwei Damen namens „ht heartbreak“ und Constance Baker, die als hübsches optisches Beiwerk dienten, darüber hinaus aber auch lakonische Background-Vocals zum besten gaben und zwischendurch auch an der Gitarre und am Glockenspiel zu finden waren, wurde die Live-Band vervollständigt. Es hätte auch ein Schlagzeuger mit an Bord sein sollen, dieser fehlte aber aus persönlichen Gründen… Herr Black erschien wie erwartet, gedeckt gekleidet und mit wenigen Worten ausgestattet auf der Bühne und ließ hauptsächlich seine Songs sprechen. Schon früh brachte er die besten Songs seines neuen Albums, „Today is not the day“ und „Little Prince town“, mit dem wunderschönen „It’s hard. Life is hard. So hard to believe sometimes you can’t find the word“. Aber auch “I’m fucked” und “Hurrah Hurrah Hurrah Hurray Hurray” kommen live zur optimalen Geltung. Zwischendurch verabschiedet sich der Rest der Bande und Gus versucht, das Publikum alleine zu unterhalten. Dieser Abschnitt gehört zu dem etwas schwächeren Teil, den selbst die anwesenden, nicht gerade sehr zahlreichen Zuschauer, werden ein wenig unruhig während des Solo-Sets. In diesem holt der Schwarzträger seine elektrisch verzerrte Gitarre aus der Ecke und hobelt zwischendurch eine Psycho-Version von BLACK SABBATHs „Paranoid“ heraus. Das machte dann schon mehr Spaß. Nachdem die „Band“ zurückkehrte, wurde „ht heartbreak“ die Akustikgitarre umgehängt und durfte einen Song zum Besten geben, der nicht gerade durch Virtuosität bestach, aber durchaus ein gewisses charmantes Flair verströmte. Da hilft es natürlich immens, dass den Blackschen Privat-Lolitas ein gewisses französisches Model-Flair umwehte (Wie Mme heartbreak in ihre Hose kommen konnte, bleibt wohl ihr Geheimnis…). So war es wohl auch kein Zufall dass „Bonnie et Clyde“ von Serge Gainsbourg im Duo mit Brigitte Bardot als Pausenmusik ausgewählt wurde… Die anwesenden Zuschauer waren im Endeffekt aber recht angetan von diesen seltsam mysteriösen Darbietungen und verlangten dementsprechend nach einigen Zugaben, die auch erfüllt werden sollten.
Alles in allem also ein schöner Auftritt, der mit Schlagzeuger vielleicht ein wenig peppiger daher gekommen wäre, aber die gediegenen Kompositionen konnten durchaus auch in diesem reduzierten Outfit bestehen. Und da man GUS BLACK nicht ficken sollte, versuche ich es gar nicht erst… Coole Sau, das ist mal sicher!

Copyright Fotos: Michael Päben

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