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A-HA – MARCEL BRELL

Ort: Halle (Westf.) - Gerry Weber Stadion

Datum: 19.04.2016

Helden meiner Jugend, die x-te… Über 30 Jahre nach Bandgründung sollte nun auch meiner Einer endlich die Chance bekommen, die Norweger A-HA live auf der Bühne zu erleben, deren bekannte Klassiker in meinem Jugendzimmer auf und ab liefen. Nach einer wechselvollen Bandgeschichte, 10 Studioalben und einer ersten Auflösung 2010 soll die aktuelle Tour nach Bekunden Morten Harkets nun auch tatsächlich die endgültige sein. Ob sich das bewahrheitet, wird man in einigen Jahren sehen. Jedenfalls machten wir uns am frühen Abend auf nach Halle im schönen Westfalen und erreichten das Stadion bei besten äußeren Umständen. In dem weiten Rund war bereits der Support Act zugange, der auf der riesigen Bühne doch etwas verloren wirkte. MARCEL BRELL – das ist ein offensichtlich frankophiler Herr aus einer Kleinstadt am Niederrhein, dem die Musik schon in die Wiege gelegt wurde und der bereits mehrere musikalische Anläufe gestartet hat. Mit einer Hinwendung in Richtung Singer/ Songwriter und seinem etwas sperrig betitelten Debütalbum „Alles gut, solang man tut“ konnte er bereits Achtungserfolge erzielen. Und Support Slots für etwa SUZANNE VEGA oder die ALIN COEN BAND ergattern. Hier und heute hatte er noch 2 Mitstreiter dabei, die allesamt hoch motiviert erschienen, doch im Kontext eines riesigen, zu dem Zeitpunkt auch noch vergleichsweise spärlich gefüllten Stadions eher untergingen. So schön es ist, wenn Weltstars Talente mit auf Tour nehmen, in einem kleinen, verrauchten Club ergeben MARCEL BRELL sicherlich mehr Sinn…

Nun aber zu den skandinavischen Weltstars, die 2015 mit „Cast in Steel“ ein neues musikalisches Lebenszeichen von sich gegeben haben, das in Deutschland immerhin auf Platz 4 in die Charts kletterte. Und auch wenn das Trio hierzulande sicher auf ein sehr treues Publikum blicken kann, war der Besucherandrang in Halle eher ein klein wenig enttäuschend. 4400 Zuschauer sind absolut in Ordnung, doch beispielsweise war der Innenraum nur zu 2/3 gefüllt, was im Zusammenspiel mit der Helligkeit zu Beginn des Konzerts etwas irritierend wirkte. Aber nicht nur deshalb trug Morten sicherlich zu Beginn seine verspiegelte Sonnenbrille, die er erst später mit einem modischen Normalgestell tauschte, als die Fotographen den Graben längst wieder verlassen hatten. Über 30 und immer noch die Originalbesetzung – das soll den Herren erstmal einer nachmachen! Und für die Mitte 50 waren die Protagonisten auch noch sehr gut in Schuss, insbesondere Morten sieht durchtrainiert aus, wobei mich sein Gesicht immer wieder an die besseren Zeiten von David Hasselhoff erinnerte. Leider begann die Darbietung ein wenig kühl und reserviert, Herr Harket schien teilweise gar nicht zu wissen, wie und wo er sich auf der Bühne aufhalten sollte. Der Gesang war zwar von Beginn an tadellos, auch in den hohen Passagen, doch immer wenn es grad nichts zu tun gab, trippelte er nervös bis teilnahmslos an den Rand und schien auch zudem mit dem Sound nicht zufrieden zu sein. Ansagen gab es ebenfalls zunächst keine, so musste also die Musik für sich sprechen, und hier hatte man zumindest seine Stärken gebündelt. Mit „I’ve Been Losing You”, “Cry Wolf”, “Stay on These Roads” und dem grandiosen “The Swing of Things” hatte man gleich zu Beginn vier wunderbare Klassiker am Start, nur unterbrochen von dem deutlich unbekannteren „Move to Memphis“. Das Ganze wurde untermalt von einer stimmungsvollen Lichtshow und großen Leinwänden im Hintergrund, auf denen neben Live-Bildern der Band auch Videos und Animationen liefen. Irgendwann war es aber dann doch an der Zeit für Publikumsansprache und das übernahm zunächst mal Magne zur Linken, der in sehr akzeptablem Deutsch darüber parlierte, dass man in diesem Stadion zumindest nahe dran sei, wie Tennis-Stars zu wirken. Ansonsten fiel auf, dass die Drei miteinander so gut wie gar nicht kommunizierten, die Show war überaus professionell, keine Frage, doch richtiges Feuer unter- bzw. miteinander wurde nicht entfacht. Möglicherweise ist das aber typisch für A-HA-Gigs, mangels Vergleichsmöglichkeiten halte ich mich da mit meiner Interpretation lieber zurück.

Durchaus bewegungsfreudig kamen die 4 Begleitmusiker rüber, neben Schlagzeug, „Keyboard 2“ und Bass ist hier besonders Anneli Drecker zu nennen, deren Vater aus Bielefeld stammt und die als Background-Sängerin für Furore sorgte. Hin und wieder „durfte“ sie auch ganz nach vorne und ihre stimmlichen Qualitäten einbringen. Zunächst bei „Crying in the Rain“ und später auch bei „Here I stand and face the Rain“ stand sie Morten als Duett-Partnerin in nichts nach. Dieser war zwischenzeitlich auch kurz verschwunden, als seine Bandkollegen jeweils „eigene“ Songs präsentieren durften. Pål intonierte „Velvet“, eine Quasi-Cover-Version seines eigenen Nebenprojektes SAVOY und Herr Furuholmen sorgte mit dem intensiven „Lifelines“ für Furore. Nach Mortens Rückkehr in neuem, weißem Gewand schien auch die Stimmung deutlich besser zu werden. Er wirkte lockerer und irgendwie befreiter, auch kamen die Ostwestfalen mehr aus sich heraus. Seine einzige längere Ansage tätigte er vor „We’re Looking for the Whales“, wo er einerseits mit seinem Alter (56) kokettierte, andererseits die Bedeutung des Stücks hervorhob, das als Erstes den Sound von A-HA definiert habe. So langsam befanden wir uns auch schon im letzten Drittel des Konzertes, das mit dem proggig-rockigen „Sycamore Leaves“ und dem überaus dynamischen „Scoundrel Days“ weitere Highlights zu bieten hatte. „Foot of the Mountain“ sorgte dann als vorletzter Track der Setlist erstmals für Standing Ovations und stehende/ tanzende Besucher, während das eher ruhige „Hunting high and low“ mit Handy-Licht-Unterstützung einen runden Abschluss des Hauptteils bot.

Doch es fehlten ja noch mindestens 3 absolute Klassiker. Ich muss zugeben, dass “The Sun Always Shines on T.V.” mir mittlerweile eher aus den Ohren rauskommt, die allermeisten Anwesenden sahen dies anders und sangen aus voller Kehle mit. „Under the Makeup“ vom aktuellen Werk kann da bekanntheitstechnisch natürlich nicht mithalten, aber in der reduzierten Form dieses Abends kam die kompositorische Klasse durchaus an. Man will ja auch keine Oldie-Band sein… Und dann natürlich noch DER Bond-Track: „The Living Daylights“, ein nahezu perfekter Pop-Song, der von endlosen Haller Chören noch unterstützt wurde – endlich Gänsehautfeeling! Bevor dann final in einer zweiten Zugabe das noch mehr totgenudelte „Take on me“ die Veranstaltung beendete, machen wir uns schon auf den Heimweg, die bekannten Klänge als Wegbegleitung.

Das Fazit fällt etwas zwiespältig aus, zumal man möglicherweise A-HA nie wieder live erleben wird. So wirkte der Auftritt in der ersten Hälfte doch relativ kühl und uncharmant, ebenfalls schien die Chemie untereinander nicht die Beste zu sein. Später aber riss man das Ruder herum und konnte dann mit einer energetischen Performance punkten. Das Liedgut steht zudem eh außer Zweifel. Von daher kein überragender aber mit Sicherheit unterhaltsamer Abend mit einer Band, die noch kein Schatten ihrer Selbst ist…

Setlist A-HA
I’ve Been Losing You
Cry Wolf
Move to Memphis
Stay on These Roads
The Swing of Things
Cast in Steel
Crying in the Rain (CAROLE KING)
Mother Nature Goes to Heaven
We’re looking for the Whales
Velvet (SAVOY)
Lifelines
Here I Stand and Face the Rain
Scoundrel Days
Sycamore Leaves
She’s Humming a Tune
Foot of the Mountain
Hunting High and Low

The Sun Always Shines on T.V.
Under the Makeup
The Living Daylights

Take on Me

Copyright Fotos: Christina Falke
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