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HEATHER NOVA – BEN TAYLOR

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 28.10.2009

Die Musik von HEATHER NOVA ist ja so ein „Love it or hate it“-Ding. Während die einen nur „Heulbojen-Alarm“ denken und sich in Sicherheit bringen, finden andere den Sirenen-Gesang zum Niederknien schön. Ich gehöre ja zur letzteren Fraktion und das konnte man auch getrost mehrheitlich von den ca. 400 anderen Zuhörern annehmen, die heute Abend in den Ringlokschuppen gekommen waren, um der hübschen Frau Nova von den Bermudas zu lauschen. Doch zunächst hieß es sich in Geduld zu üben, denn ein Blick auf einen an der Kasse ausliegenden Zeitplan verriet, dass die Dame noch bis 21.30 Uhr auf sich warten lassen würde. Zum Glück war der mittlere Saal bestuhlt, also was zu Trinken organisiert, feines Plätzchen gesucht und abgewartet.

Ab 20.30 Uhr war es dann der Job von BEN TAYLOR, die Wartezeit zu verkürzen. Lässig nahm er auf einem Barhocker Platz, stöpselte seine hübsch verzierte Akustik-Gitarre ein und behielt erst mal seinen schwarzen Anorak an, als wäre er auf dem Sprung oder wollte gleich noch auf dem Boulevard weiterspielen. Auf die Ohren bekamen wir nun eine Hand voll recht launiger Songs in bester Singer/ Songwriter-Manier, die sich im Wesentlichen um Frauen, die Liebe, ins besondere ihren Anfang und ihr Ende drehten. Zwischendurch erzählte er gerne, wer oder was ihn zu einem Song inspiriert hätte. So ist er zum Beispiel neidisch auf die Band OUTKAST, die immer völlig ungeniert über Sex singen würden, so was wollte er auch gerne tun, nun wäre das aber in seinem Genre eher unüblich. Es folge daher jetzt mit „Wicked way“ ein „Outkast meets Simon & Garfunkel“ Song, in dem er dann zu butterweichen Gitarrenklängen mit wohl nicht immer jugendfreien Worten beschrieb, was er gerne so alles mit der Frau seiner Wahl anstellen wolle. Nach dieser Performance war ihm dann warm genug geworden, sich des Anoraks zu entledigen, um anschließend auf seine Art ein Loblied auf seine Heimat Amerika anzustimmen. Die nächsten Songs widmete er seinen Eltern, keine geringen als JAMES TAYLOR und CARLY SIMON. Zwischendurch zog er dann immer mal wieder sein Handy aus der Tasche, um nachzuschauen, wie viel Zeit er wohl noch hätte, um nach 35 Minuten mit dem passenden „After it’s over“ zu schließen, nicht ohne vorher darauf hinzuweisen, dass man gleich noch seine CDs erstehen könnte – Preis sei Verhandlungssache. Ein kurzweiliger Auftritt eines leicht verschrobenen aber nicht unsympathischen jungen Mannes, der versucht, in die Fußstapfen seiner erfolgreichen Eltern zu treten, um mit einem Augenzwinkern seinen eigenen Weg zu gehen.

Um 21.30 betrat dann unter aufbrandendem Applaus endlich HEATHER NOVA zusammen mit Multiinstrumentalist Arnulf Lindner die Bühne, der sie nun zunächst sehr zurückhaltend mit Cello zu „Ride“ und Beautiful Storm“ aus dem aktuellen Album „The Jasmine Flower“ begleitete. Mit Kontrabass und passender Dramatik ging es weiter mit „Walk this world“. Für „Talk to me“ setzte Herr Lindner dann ein paar technische Spielereien ein, nahm zunächst das Klopfen auf seinen Kontrabass auf, zupfte dann ein wenig darauf herum, um sich schließlich zu diesem Loop auf dem E-Piano zu begleiten, ehe Frau Nova dann ihren Gesangseinsatz hatte. Im Gegensatz zum Anfang der Tour klappten diese technischen Raffinessen heute perfekt und ernteten entsprechenden Applaus. Im Grunde genommen könnte HEATHER NOVA auch nur allein mit ihrer Stimme den Saal verzaubern, in sofern kam mir diese oft sehr sparsame Instrumentalisierung sehr entgegen. Bei „Gloomy Sunday“ sang sie zwischendurch z.B. nur zum Jaulen eines Schlauches, den sie entsprechend schnell oder langsam drehte. Mit der Rhapsodie „Sugar“ ging es an die Anfangstage zurück, keine leichte Kost, aber vom Publikum nicht minder goutiert. Sowieso mögen wohl viele ihrer Fans gerade die alten Stücke, die sich noch nicht so (wie zwischendurch z.B. auf dem Album „Redbird“) dem Pop anschmiegen, wie eine Web-Umfrage nach Wunschtiteln für eine Setlist ergab. Aus dieser Wunschliste gab es nun „My fidelity“ mit dem Banjo begleitet. Auch „Doubled up“ von meinem Lieblingsalbum „Oyster“ wurde mit anhaltendem Applaus bedacht. Durch viele E-Mails erzählte Heather nun (die sich ansonsten mit Ansagen sehr zurückhielt), wüsste sie, wie viele ihrer Fans selbst Musiker seien. Dies hätte sie für diese Tour auf den Gedanken gebracht, einen Wettbewerb zu veranstalten. So konnten sich Leute, die gerne mal ein Lied zusammen mit ihr performen wollten, bei ihr bewerben. Für Bielefeld hatte sich ein gewisser Mario qualifiziert, der nun bei „Paper Cup“ seinen großen Auftritt mit seinem Digideroo hatte und diesen souverän meisterte. Schnell noch ein Händedruck mit Frau Nova – eine prima Erinnerung! Und für ihn und alle anderen gibt es dann den Konzertmitschnitt als mp3 auf Heathers Homepage zu erstehen, was dann gleich einen Fan dazu veranlasste, sich mit den Rufen „Heather, you are amazing!“ zu verewigen. Weiter ging es mit sehr leisen Tönen, „Drink it in“ trug Frau Nova sitzend mit einer Art elektronischem Glockenspiel auf dem Schoss vor, sehr dynamisch hingegen dann das darauffolgende „Motherland“. Zum Ende des Sets hieß es dann die Taschentücher gezückt, denn „Frontier“, „Maybe tomorrow“ und „Out in New Mexico“ sind wahre Tränendrücker.

Frau Nova verließ daraufhin auch nur kurz die Bühne, um sogleich mit „Island“ die Zugaben zu eröffnen. Wie so oft am Abend war das Publikum während ihrer Darbietung mucksmäuschenstill, anschließend brauste jedoch euphorischer Applaus auf. Nach „Walking higher“ gab es dann als Schluss-Statement noch den Anti-Kriegssong „Every soldier is a mother’s son“, ehe die Fans mit warmen Herzen in die Novembernacht entlassen wurden.

So wurde es für mich trotz des späten Anfangs ein lohnenswerter Konzertabend, besonders da im Set viel altes Songmaterial bedacht wurde, Herr Lindner versiert aus dem Hintergrund für den passenden Klangteppich gesorgt hatte und Frau Novas Stimme einmal mehr über jede Kritik erhaben war!

Setlist HEATHER NOVA
Ride
Beautiful storm
Walk this world
Talk to me
What a feeling
Gloomy sunday
Sugar
Heart and shoulder
My fidelity
Fool for you
Doubled up
Paper Cup
London Rain
Drink it in
Storm
Motherland
You left me a song
Frontier
Maybe tomorrow
Out in New Mexico

Island

Walking higher
Every soldier is a mother’s son

Copyright Fotos: Holger Ebert (HEATHER NOVA 1-5)/ Karsten Rzehak (Rest)

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