Konzert Filter

HEAVEN 17 – GOLDKINT

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 16.12.2012

An diesem Abend sollte sich der Kreis für unseren Fotografen schließen, hatte er doch erst wenige Wochen zuvor THE HUMAN LEAGUE im Herforder X vor der Linse gehabt, aber auch ich freute mich mit HEAVEN 17 auf eine weitere 80er-Jahre-Formation in meiner Konzertsammlung. Viele der in den letzten Jahren wieder tourenden 80er-Bands hatte ich in meiner Jugend eher aufgrund eines klammen Geldbeutels nie auf einer Bühne zu Gesicht bekommen, bei HEAVEN 17 kommt der Umstand hinzu, dass sie sich 20 Jahre lang geweigert haben, überhaupt live zu performen. Wohl dem also, der die Chance nutzte, die Wave-Popper erster Stunde in heimeliger Clubatmosphäre des Forums zu sehen.

Die Aufgabe des Eisbrechers übernahmen kurz nach 20 Uhr wie schon bei THE HUMAN LEAGUE das Duo GOLDKINT aus Hannover, das mit seiner sehr NDW-inspirierten Elektromucke gleich bei den zu dieser Zeit etwa 200 Anwesenden punkten konnte. Das Publikum natürlich mehrheitlich Ü40, mit leichtem Männerüberschuss und wahrscheinlich mit großer Schnittmenge zum HUMAN-LEAGUE-Gig. Sängerin Jana Kint mutierte nach einem eher ruhigen Einstieg ins Set alsbald zur Wibbelfott und wirbelte barfuss über die Bühne, während Knöpfchendreher Lübke für den passenden Klangteppich sorgte. Geboten wurden neben Titeln aus ihrem Debüt-Album „Kopfkino“ (z.B. „Kammerflimmern“) auch weitere, neue Stücke. Zwischendurch griff Jana auch zur Gitarre, bei „Paris“ sorgten einige Harmonika-Einlagen, sowie französische Textpassagen fürs passende Flair. Ein Titel zu dem auch überaus gut Janas Garcon-Schnitt passt. Des Weiteren wurde noch launig über „Das Mädchen und der Roboter“, Luftballons und Karussells gesungen, so dass nach einer halben Stunde das Publikum die passende Betriebstemperatur für den Hauptact erreicht hatte. Goldkint dürften mit den Reaktionen zufrieden gewesen sein und die Terror-Abordnung war sich einig, die weitere Entwicklung dieses Duos unter Beobachtung zu halten.

Punkt 21 Uhr enterten dann HEAVEN 17 mit 7 Personen die Bühne, vorn in der Mitte Sänger Glenn Gregory, flankiert von Urgestein Martyn Ware an den Keys und Backgroundsängerin Billie Godfrey. Auf der Setlist stand nun zunächst ihr komplettes Erfolgsalbum „The Luxury Gap“ aus 1983 in exakter Reihenfolge. Los ging es folglich mit „Crused by the wheels of industry“ und wer sich die Texte von H17 näher anschaut, wird feststellen, dass sie durchaus einen politischen, linken Ansatz haben. Trotzdem ist es dann nach 30 Jahren das „Huhu“ am Ende des Refrains, an das sich das Publikum erinnerte und nun gleich mitgrölte. Inzwischen war die Zuhörerschaft auch aufs Doppelte angewachsen, so dass Glenn sich bei seiner Begrüßung überaus erfreut über die Resonanz zeigte. Nach „Who’ll stopp the rain?“ ging es mit dem Lieblingsstück der Band “Let me go“ weiter, das auch entsprechend vom Publikum abgefeiert wurde. Glenn präsentierte sich bei bester Stimme, so auch bei „Key to the world“, ehe er für den Überhit das Heft kurzzeitig aus der Hand geben musste. Für „Temptation“ lief dann Billie Godfrey zur Höchstform auf und die Crowd fühlte sich gleich nur noch halb so alt. Sich seines Jackets entledigt, sang Glenn nun das ruhigere „Come live with me“, gefolgt von „Lady Ice and Mr. Hex“, das Berenice Scott gekonnt am Piano veredelte. Bei „We live so fast“ wurde dann wieder kräftig das Tanzbein geschwungen und ein glücklicher Fan ergatterte am Schluss noch Glenns Signatur auf seiner alten Vinylscheibe. Schlusslicht unter den ersten Teil setzte gemächlich „Best kept secret“, an dessen Ende die Akteure für eine kurze Verschnaufpause die Bühne verließen.

Part zwei wurde mit einem Cover eröffnet: „You’ve lost that lovin’ feelin’“ im Original ein Nr. 1 Hit der RIGHTEOUS BROTHERS aus dem Jahre 1964, an diesem Abend dargeboten von Glenn und Martyn im gelungenen Duett. Dann ging es zurück zu den Wurzeln der eigenen Diskographie mit der Debütsingle „Fascist groove thang“ aus 1981, aufgepeppt durch ein Bass-Solo von Julian Crampton. Nach „Geisha boys an temple girls“ wurde es mit „I’m your money“ wieder richtig funky und mein Langzeitgedächtnis kramte noch alte Textfragmente hervor und konnte sich erinnern, diesen Titel während eines Adria-Urlaubs rauf und runter gehört zu haben. Nach „We’re going to live for a very long time“ bog die Performance mit dem treibenden, sehr tight vorgetragenen „Crow and a baby“ in die Zielgerade ein und auf keiner Ü40-Party hätte bessere Stimmung herrschen können. Das Ziel nun mit „Penthouse and Pavement“ die Decke des Forums runterzuholen, wurde zwar knapp verfehlt, dennoch gaben Glenn und Billie noch mal alles an den Mikros und die Menge ging steil. War das noch zu toppen? Es war. Schamlos wurde in Richtung der Kollegen von THE HUMAN LEAGUE geschossen mit einer grandiosen (und nach Meinung des Fotografen mit mehr Seele ausgestatteten) Version von „Being boiled“. Frenetischer Applaus begleitete Heaven 17 beim Gang von der Bühne und ging gleich in Zugabe-Rufe über.

Für die erste Zugabe wurde stimmungstechnisch allerdings zurückgerudert. „Party fears two“, ein Stück von THE ASSOCIATES wählte die Band, um die Erinnerung an ihren Freund und charismatischen Sänger Billie Mackenzie hoch zu halten, der sich 1997 das Leben genommen hatte. Doch mit derartiger Deprimucke sollte der Abend zum Glück nicht enden und so rief Glenn noch eine „Special club version“ von „Temptation“ aus, zu der sich Band und Publikum noch einmal mit Vollgas zu einem großen Chor vereinigen konnten.

Wollte man nun partout etwas Negatives finden, dann höchstens, dass Titel aus späteren Jahren (z.B. „Trouble“ aus 1987) an diesem Abend keine Verwendung fanden, ansonsten kann man nur von einer famosen 80er-Party sprechen, die jeden Cent des Eintritts wert war. Für mich gleichsam Highlight wie würdiger Abschluss des Konzertjahres 2012.

Setlist HEAVEN 17
Crushed by the wheels of industry
Who’ll stop the rain
Let me go
Key to the world
Temptation
Come live with me
Lady Ice and Mr. Hex
We live so fast
Best kept secret

You’ve lost that lovin’ feelin’ (THE RIGHTEOUS BROTHERS-Cover)
Fascist groove thang
Geisha boys and temple girls
I’m you money
We’re going to live for a very long time
Crow and a baby
Penthouse and pavement
Being boiled

Party fears two (THE ASSOCIATES –Cover)

Temptation (Special club version)

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu GOLDKINT auf terrorverlag.com

Mehr zu HEAVEN 17 auf terrorverlag.com