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HEIDENFEST 2011

Ort: Oberhausen - Turbinenhalle

Datum: 08.10.2011

SKÀLMÖLD

Den Anfang vom diesjährigen Heidenfest in der Turbinenhalle zu Oberhausen machten die aus dem kalten, hohen Norden von Island angereisten SKÀLMÖLD, die sozusagen die ehrenvolle Aufgabe hatten, die ersten Ankömmlinge erwartungsgerecht willkommen zu heißen. Nachdem sie mit ihrem Debüt „Baldur“ eine Punktlandung hingelegt hatten, von dem sie etwa eine Handvoll Songs spielten, lockten sie so die Besucher direkt von Bier und Met-Ständen weg zur Bühne. Selten habe ich bei einem Opener die Reihen so gut gefüllt gesehen. Nicht nur die bangwütige Meute vor der Bühne sah diesen Auftakt als durchaus gelungen an – auch der Sechser auf der Bühne bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Weiter so!

Setlist SKÀLMÖLD
Heima
Arás
Upprisa
Kvaðning
Hefnd
Valhöll

TODTGELICHTER

TODTGELICHTER – ganz in Weiß und mit einer reichlich unterkühlten weiblichen Stimme – da drängt sich der Vergleich zu Leichen schon ein wenig auf. Ähnlich regungslos sah es im Publikum aus – irgendwie passte das Ganze weder vom Stil noch von der Stimmung zu der sonst so feucht-fröhlichen Feierstimmung der Pagan Metaller. Klar hat die Band gute Songs, nur hier passte das Ganze trotz vereinzelter Fans in der Menge nicht so ganz. Immerhin ließ sich die Band von den eher verhaltenen Reaktionen nicht viel beeindrucken und brachte eine solide Show auf die Bretter, die bei einem anderen Line Up sicher als grandios zu bezeichnen gewesen wäre.

TROLLFEST

Es ging nach einer kurzen Umbaupause direkt mit dem totalen Kontrastprogramm weiter – passend zum Heidenfest stürmten die Jungs von TROLLFEST die Bühne. Frontmann Trollmannen poste als „singende Bierflasche“ und auch die anderen Norweger (alle mehr oder weniger im „Penner Look“) hatten sichtlich ihren Spaß und verbreiteten ausgelassene Party-Stimmung, die das abgekühlte Publikum schnell wieder auf Betriebstemperatur brachte. Vor und auf der Bühne wurde reichlich Hopfenblütentee genossen und ein paar Minuten nach dem Auftritt war nach eigener Aussage keiner der Trolle mehr in der Lage geradeaus zu schauen. Verbuchen kann man also eine Wahnsinns Party mit dem ersten Circle Pit des Tages und ordentlich True Norwegian Balkan Metal auf die Ohren sowie eine Horde feiernder, betrunkener Trolle auf und vor der Bühne. Ich würde sagen: Alles richtig gemacht.

ARKONA

Nach so einer Trollparty hatten die Russen von ARKONA es schwer, die Stimmung zu halten. Ihre russische Polka-Folklore ist doch nicht ganz so eingängig wie das „Gegröle“ betrunkener Trolle. Seit dem letzten Auftritt beim Paganfest 2010 hat man ein neues Album im Gepäck und zudem neue Dudelsack- und Flötenspieler. Bühnenchefin ist aber nach wie vor Sängerin Masha, die grimmig schauend über die Bühne fegt und auf die am Mikroständer befestigten Trommeln einschlägt. Ich war als erstes von der kraftvollen Stimme fasziniert – so groß sieht Masha nämlich nicht aus. Auf mich wirkte das Ganze aber dennoch leicht unterkühlt, vielleicht auch weil die russischen Texte nicht unbedingt zum Mitsingen einladen. Aber immerhin ist das mal was anderes. Sängerin Masha sagte in einem Interview, dass sie sich auf ihrer Muttersprache besser ausdrücken kann. Dann soll das besser so bleiben, damit die Stücke nichts von ihrer Ausdrucksstärke verlieren. Davon haben sie im Gegensatz zur Partyanimation einiger Kollegen nämlich einiges. Zu hoffen bleibt nur, dass nicht allzu viele militante Tierschützer im Publikum zu finden waren – Masha trug nämlich ein Fuchs/ Wolf/ Wasweißich-Fell um den Hals – sonst gibt’s da bestimmt Protest E-Mails oder so was.

DORNENREICH

Wieder eine Band, die ich mir vom Stil her so gar nicht auf dem Heidenfest vorstellen konnte. Das letzte Mal, dass ich DORNENREICH live gesehen hatte, lag nun schon ein paar Jahre zurück und ich erinnere mich an eine äußerst langweilige Akustik-Show nach Krachern wie AMORAL, NORTHER oder ONE MAN ARMY… So irgendwie wollte das nicht so in mein Bild vom Heidenfest passen… Ergo war ich natürlich doppelt gespannt. Dass sie wohl keine Akustik Show als totalen Stimmungskiller spielen würden, war mir klar, aber auch die anderen, wenngleich sehr starken Songs sind eher welche, die man sich zur Entspannung denn zur Party anhört. Auch wenn die 3er Fraktion ihre Sache gut machte – irgendwie leerte sich die Halle und der benachbarte MC Donalds füllte sich merklich. Irgendwas passte da nicht. Die Verbliebenen wurden mit starken Songs und einer schicken Show belohnt und die Band verabschiedete sich unter verdientem Applaus. Wieder eine Formation, die besser in anderem Zusammenhang auftreten sollte, damit sie entsprechend gewürdigt wird.

Setlist DORNENREICH
Jagd
Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz
Flammenmensch
Der Hexe flammend‘ Blick
Erst deine Träne löscht den Brand
Trauerbrandung
Wer hat Angst vor Einsamkeit?

ALESTORM

Sauft aus Piraten! ALESTORM stehen vor der Tür – ähm… auf den Brettern der Turbinenhalle. Aber was wäre auch ein Heidenfest ohne diese Freibeuter? Genau – nicht komplett. Damit Sänger Christopher Bowles noch mehr Faxen machen kann, hat er Verstärkung von einem zweiten, nicht mobilen Tastenmann bekommen, so dass Christopher auch mal die Menge animiert – was an sich kaum nötig ist, denn irgendwie baute sich sogar die gewünschte Wall of Death von ganz allein auf. Um es kurz zu machen – es wurde gefeiert, was das Zeug hielt und die Stimmung erreichte einen neuen Höhepunkt. Nur bitte – wenn man schon jemandem beim letzten Song mit auf die Bühne zum mitsingen lässt, sollte man denjenigen auch ankündigen – sonst wird schnell die Frage laut, wer oder was da oben gerade stattfindet. Und böse Zungen behaupten, dass es gut war, dass man besagte Person nicht wirklich hören konnte (ob nun absichtlich oder aus Versehen weiß man nicht) – so wie die rum gesprungen ist, hätte man eh kaum was Vernünftiges erwarten können.

Setlist ALESTORM
Back Through Time
Shipwrecked
Wenches & Mead
Captain Morgan’s Revenge
The Sunk’n Norwegian
Death Throes Of The Terrorsquid
Wolves Of The Sea
Keelhauled
Rumpelkombo

TURISAS

Einmal auf den Höhepunkt gebracht war es nun an TURISAS, die Stimmung zu halten. Die Finnen, die erst kürzlich zwei gravierende Veränderungen im Line Up zu vermelden hatten und nun mit neuem Keyboarder und Bassist das diesjährige Heidenfest bestritten. Wer nach bisher reichlich genossenen Kaltgetränken noch in der Lage wa,r konnte die Veränderung von Akkordeon auf Keyboard ganz gut raushören – dennoch macht das die Songs nicht schlechter. Rampensau Warlord poste wieder wie verrückt über die Bühne – flankiert von Geiger Olli und Seitenmann Jussi. Sehr gefreut hat mich, dass man im Gegensatz zum Summerbreeze einige Songs mehr vom neuesten Werk „Stand up an fight“ zu hören bekam. Klar waren auch die Klassiker wie „Battle Metal“ oder „Rasputin“ zu hören. Diese Songs sind einfach unverwüstlich und wo man sie zu hören bekommt, wird gefeiert. Ich für meinen Teil kann die Finnen gar nicht oft genug sehen und abfeiern – ich habe bisher noch keine schlechte Show gesehen – auf das dies so bleibt! Die Stimmung heute blieb jedenfalls unverändert kochend.

Setlist TURISAS
The March Of The Varangian Guard
One More
The Great Escape
Stand Up And Fight
Sahti-Waari
To Holmgard And Beyond
Rasputin
Battle Metal

FINNTROLL

Lang, lang ist’s her, dass ich die zweite Finnische Kapelle des heutigen Abends gesehen hatte. Erster Schreck – irgendwie sehen die alle ein bisschen anders aus… Sänger Matthias, der übrigens am Rande bemerkt dem TURISAS-Shouter, der ja den gleichen Vornamen trägt, recht ähnlich sieht, hat sich erstmal einen Bart stehenlassen und sah damit irgendwie anders aus. Auch die Musik klang für mich „anders“. Irgendwie war alles komisch mit FINNTROLL an diesem Abend. Dass ich nicht der einzige war, der so empfand, stellte sich bei folgendem Gespräch unter Fotografen raus: „Irgendwie sind FINNTROLL heute komisch…“ – „wie die spielen doch gleich erst“ – „Ähm ne, die stehen grad auf der Bühne“ – „Mist, hab die gar nicht erkannt – dann muss ich noch mal eben los“. Dass es wirklich FINNTROLL waren, war dann spätestens beim Überhit „Trolhammeren“ klar, der von Anfang an verlangt wurde und den die Band hasst – schließlich wird sie nur zu oft auf diesen Song reduziert und das mag schließlich keiner. Der Applaus viel hier verhaltener aus – es war ja schließlich schon spät und die Partystimmung war einer Spannung auf die letzte Band des Tages gewichen.

Setlist FINNTROLL
Avgrunden Öppnas
Manniskopesten
Kitteldags
Nedgång
Nattfödd
Solsagan
Slaget Vid Blodsälv
Midnattens Widunder
Under Bergets Rot
Insects
The God That Failed
Trollhammaren
Rivfader
Jaktens Tid

WINTERSUN

Ja, die letzte Band des Tages waren WINTERSUN, die um 23 Uhr ihr Set mit „Beyond the Dark Sun“ starteten. Eine gewisse Spannung lag deutlich in der Luft – würde es endlich mal neues Material zu hören geben? Die neue Scheibe „Time“ wird mittlerweile schon seit gefühlten 10 Jahren immer wieder nach hinten verschoben und nachdem das Debüt 2004 (!) so dermaßen eingeschlagen hatte, sitzen viele Fans auf heißen Kohlen – bei anderen, die die Band bisher nicht kannten, wurde sie sogar als „Geheimtipp“ gehandelt. Ich hatte einige Tage vorher mit dem Drummer der Band, Kai Hahto, gemailt, der mich wissen ließ, dass es kein besonders einfaches Los ist, vor einer schon fast wieder leeren Halle zu spielen. In Oberhausen war es irgendwie nicht so schwer, aus der Menge noch mal das Letzte rauszuholen. Fronter Jari und Flitzefinger Teemu posten um die Wette, Basser Jukka überzeugte mit Grimassen und Kai gab an den Drums alles. Auch wenn es für den Riesen-Jubel sicher zu spät war, spürte man die Freude darüber, dass WINTERSUN wieder da und hoffentlich bald mit den Arbeiten am neuen Album fertig sind. Mit „The Way of Fire“ gab es immerhin schon mal einen Vorgeschmack, der Lust auf mehr macht. Es wäre schön, die Jungs mal wieder öfter aus deutschen Bühnen zu sehen. Und mit dieser Meinung bin ich sicher nicht allein.

Setlist WINTERSUN
Intro
Beyond The Dark Sun
Battle Against Time
Sleeping Stars
Winter Madness
Death And The Healing
The Way Of The Fire
Starchild

Und nun? Fait? Wieder mal eine weitestgehend gelungene Mischung, gute Laune, faire Preise. So kann’s weitergehen – ich würde sagen, wenn beim nächsten Mal wieder zum Heidenfest geladen wird, sind auch wir sicher wieder dabei!

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger

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