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HEINZ STRUNK

Ort: Osnabrück – Lagerhalle

Datum: 02.02.2011

HEINZ STRUNK hat wieder ein Buch geschrieben und tingelt damit selbstverständlich auch durch die Landen. Auftakt der aktuellen Lesereise war die Osnabrücker Lagerhalle, die mit rund 250 Besuchern bis auf nahezu den letzten Stuhl besetzt war. Schließlich ist der Heinzer in der Hasestadt schon ein alter Bekannter und spätestens seit dem Erfolg seines Debüt-Romans „Fleisch ist mein Gemüse“, der vor sieben Jahren erschienen ist und 2008 verfilmt wurde, kennt man den Entertainer und Autor, der außerdem mit STUDIO BRAUN (gemeinsam mit Jacques Palminger und Rocko Schamoni) stets für große Erheiterung sorgt.

Mathias Halfpape aka HEINZ STRUNK war also in Afrika und hat daraus ein „Erfahrungskondensat“ geschaffen. So nennt der Hamburger in den einleitenden Worten, die er zu Beginn der Lesung an das überwiegend U30-Publikum richtete, seinen aktuellen Schmöker, den es zudem in einer vom Schriftsteller selbst gelesenen Hörbuchfassung gibt. Für den Abend stand ein Schnelldurchlauf durch die Geschehnisse auf dem Schwarzen Koninent auf dem Programm: Ganz nach dem Motto „Sonne, Palmen, Black Jack und Bürgerkrieg“, ließ der 48-jährige seine Fans an seinem Weihnachtsurlaub 2007 teilhaben, den er wie schon in den Jahren zuvor, gemeinsam mit seinem österreichischen Freund und Kollegen C. (hinter diesem einzelnen Buchstaben kann sich eigentlich nur Christoph Grissemann, der „Anzengruber“ aus „Immer nie am Meer“ verbergen) in der warmen Ferne verbrachte. In jenem Jahr war das Ziel der Wahl Mombasa/Kenia, wo Heinzer Ferien zu verbringen gedachte, die gekennzeichnet sein sollten durch Nicht-Erkrankung, körperliche Ruhe und keine Gewichtszunahme.

Natürlich kam alles ganz anders, wie das Auditorium in den folgenden knapp zwei Stunden erfahren durfte. Angefangen bei den kurzfristigen Urlaubsvorbereitungen, die durch jede Menge Sport und Alkoholverzicht (max. eine Flasche Wein pro Tag – also praktisch nichts) gekennzeichnet waren, um schnell noch einen vorzeigbaren Badehosen-Body zu formen, über das wetterbedingte Chaos bei der Anreise und die dadurch verspätete Ankunft Cs. am Pauschalurlaubsort, bis hin zu den bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die am zweiten Weihnachtsfeiertag (an dem die Präsidentenwahl stattfand) und in der darauffolgenden Nacht auch den Hanseaten und seinen alpenländischen Kumpel erreichten. Das Ganze wurde in bekannt vergnüglicher Weise von HEINZ STRUNK vorgetragen. Hatte er sich im Vorfeld noch für sein näselndes norddeutsches Idiom mitsamt „S“-Fehler entschuldigt, machte genau dieser haspelnder Lesestil den Charme des Live-Vortrages aus. Kumpel C. bekam von ihm außerdem noch eine besonders schöne Stimme verpasst und da die ausgewählten Buchpassagen auch inhaltlich einiges zu bieten hatten, war im großen Saal der Lagerhalle fast durchgängig ein Kichern, Schmunzeln und Lachen zu hören. Wenn Strunk das Wesen und die Physiognomie seines Gegenübers seziert, gibt es aber auch einfach kein Halten mehr. Genannt sei hier die Urlaubsfeindschaft Wolf – ein Ehepaar, von dem Heinz eigentlich gar nichts weiß, dem er jedoch mitsamt passendem Namen eine komplette Vita angedichtet hat und das allabendlich von Strunk und C. mit einem abstrusen Fragespiel (z.B.: „Würdest Du Dir für 750.000 EUR in den Bauch schießen lassen?“) aus der Hotelbar vertrieben wurde. Außerdem erklärte Heinzer alles Wesentliche über Automaten-Glückspiel und dass die hässlichsten Touristen aus Japan kämen, während die attraktivsten in Skandinavien zuhause seien. Allerdings müsse man hier die Finnen ausklammern, denn die seien sozusagen die Japaner Skandinaviens. Wenn dazu dann auch noch Beschreibungen von Striptease-Clubs kommen, vor denen passenderweise enthäutete Kaninchen hängen und Struck im Urlaub die Gleitzeit einführt, weshalb C. sich im Gegenzug zum Regenten erklärt, der aber gegen Zahlung von EUR 200,00 gestürzt werden könne, ist gute Laune garantiert, selbst wenn HEINZ STRUNK meinte, dass „Heinz Strunk in Afrika“ nicht so viel Anlass zur Heiterkeit böte, wie beispielsweise der 2009er Vorgänger „Fleckenteufel“, dafür aber nachhaltiger sei.

Die Osnabrücker machten nicht den Eindruck, als hätte es ihnen beim jüngsten Werk des wortgewandten Beobachters an Humor gefehlt und auch die Musikeinlagen, die in einer eigenwilligen Querflötenvariation von „Gimme Hope Joanna“ gipfelten, wurden mit Begeisterung aufgenommen. Die spitze Feder, mit der Strunk den unverhofften Erlebnis-Overkill zu Papier gebracht hat, gewann durch seine Versprecher an zusätzlicher Würze, mal ganz abgesehen von den gnadenlosen Dialogen zwischen ihm und C., die davon zeugen, dass sich hier zweifellos die Richtigen gefunden haben.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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