Konzert Filter

HEISSKALT – CITY LIGHT THIEF

Ort: Münster – Skaters Palace Cafe

Datum: 10.04.2014

Wenn INA MÜLLER sagt, dass es im Schellfischposten noch nie so laut, aber auch noch nie so geil gewesen sei, darf man das durchaus als Auszeichnung verstehen. Verdient haben sich dieses Lob im vergangenen Jahr HEISSKALT aus dem Ländle, die dort ihren Song „Hallo“ ebenso lautstark wie energiegeladen zum Besten gaben. Inzwischen ist nach zwei EPs im März die erste Full Length „Vom Stehen und Fallen“ erschienen, die selbstverständlich mit einer ausgedehnten Tour gefeiert wird. Zum ersten Mal in der Bandgeschichte hielt der Tourbus deshalb auch in Münster; doch war der Vierer nicht allein ins Cafe des Skaters Palace gekommen, sondern hatte sich Unterstützung aus Grevenbroich geholt.

Draußen war’s noch hell, da stand HEISSKALT-Gitarrist Philipp Koch schon auf der kleinen Stage, die wenig später für die sechs Jungs von CITY LIGHT THIEF schon fast zu klein war, um eben diese anzukündigen. Die Stadtlichtdiebe haben bereits 2003 noch unter dem Namen WHIS?! als Punk-Combo angefangen, sich jedoch 2009 in CITY LIGHT THIEF umbenannt und sich musikalisch stärker Richtung Post Hardcore/Post Punk orientiert. Von der Stammbesetzung fehlten heute Drummer Robert Matyjaszcyk und Bassmann Tobias „Bringo“ Brings, aber als versiertes Auswechselteam übernahmen Gaston und Casi die vakanten Positionen. Mit „Pioneers“ vom 2011er Longplayer „Laviin“ brachten sich die Herrschaften gekonnt in Stellung und waren in der kommenden halben Stunde der vollen Aufmerksamkeit des Publikums gewiss, das sich über einen hochenergetischen Auftakt des Abends freuen durfte. Mit „Of Armistice“ vom letztjährigen Silberling „Vacilando“ gingen die diebischen Mucker dann so richtig in die Vollen und Sänger Benjamin „Benni“ Mirtschin stellte sein Schreivermögen unter Beweis. Mensch und Material wurden hier keinesfalls geschont und deshalb schloss sich auch „Domino Sparrow“ nicht weniger treibend an. Mit der „rockigen Power-Ballade“ „Bones“ waren auch gewisse Dissonanzen und hallige Synthie:klänge verbunden, die Abwechslung in den Sound brachten und definitiv nichts für den nächsten Kuschelrock-Sampler waren. Auch wenn „In Full Swing“ zunächst ein wenig ruhiger startete, waren Ermüdungserscheinungen weder im Auditorium noch auf der Bühne zu erkennen, sodass mit viel Drive die Aufwärmphase bis zum Headliner genutzt wurde und selbst die doch als so zurückhaltend verschrien Westfalen ließen sich nicht lumpen und verzichteten im gut gefüllten Cafe nicht nur auf den sonst obligatorischen Sicherheitsabstand. Es wurde sogar selbständig mitgeklatscht (für den von Benni ausgelobten BACKSTREET-BOYS-Moment) und beim finalen „Punkt.Aus?Ende“ ließen die Zuschauer gar ihre Stimmen hören. Eine perfekte Einstimmung für HEISSKALT und wem jetzt noch nicht warm geworden war, hatte definitiv was verkehrt gemacht.

Setlist CITY LIGHT THIEF
Pioneers
Of Armistice
Domino Sparrow
Panica
Bones
In Full Swing
Driftwood
Punkt.Aus?Ende!

Dass am Dahlweg so viel los war, mag auch daran liegen, dass HEISSKALT Anfang 2013 mit JENNIFER ROSTOCK auf Tour waren und auch beim letztjährigen Hurricane konnten die Schwaben zur sonntäglichen Mittagsstunde schon vergleichsweise viele Zuhörer für sich verbuchen. Auftritte bei Circus HalliGalli und eben auch Inas Nacht rundeten die Medienpräsenz im vergangenen Jahr ab, was möglicherweise zumindest in Teilen auch für den Verkaufserfolg von „Vom Stehen und Fallen“ verantwortlich ist. Immerhin bis auf #29 hat es das Debüt gebracht und mit einer Nummer von diesem Album startete das Quartett auch gegen 21.00 Uhr, nachdem sich Drummer Marius Bornmann gleich mal ordentlich den Kopf am niedrigen Deckenvorsprung des ehemaligen Industriegemäuers gestoßen hatte. Seiner Spielfreude tat dieser bestimmt schmerzhafte Mauerkontakt jedoch keinen Abbruch und auch die drei Herren in der ersten Reihe hatten richtig Bock. Sänger und Gitarrist Mathias Bloech konnte zwar gar nicht verstehen, dass so viele Leute an einem Donnerstagabend das Konzert besuchten – das sah das Auditorium allerdings ganz offensichtlich völlig anders und ging direkt einmal steil. Es dauerte auch nicht lange, bis sich ein Mosh Pit gebildet hatte und Bewegung in den Laden kam. Auch auf der Bühne gab es nur selten so etwas wie Stillstand. Tieftöner Lucas Mayer und der Sechssaiter Philipp tauschten unermüdlich ihre Plätze und suchten die Nähe zum Publikum, das vom Kollegen Bloech auch schon mal mit Mineralwasserflaschen bedacht wurde. Die hatte die Crowd bei all dem Hüpfen und Springen auch durchaus nötig. „Alles gut“ war nicht nur ein Songtitel, sondern auch Motto des Abends, dem beim nachfolgenden „So Leicht“ eine Wall of Love verpasst wurde. Unter kräftigem Beifall wurde „Kaputt“ abgefeiert und „Nicht anders gewollt“ hatten es garantiert die Anwesenden, die mit der straighten Nummer im High-Energy-Level zum Schwitzen gebracht wurden. Es herrschte halt „Bewegungsdrang“ auf beiden Seiten des nicht vorhandenen Grabens, sogar den Mann hinter der Schießbude hielt es an dieser Stelle nicht mehr auf seinem Hocker, ehe es mit „Nicht gewinnen“ und „Dezemberluft“ eine kleine Verschnaufpause gab. Durchdringend und mit der Aufforderung, sich auch mal einfach bei passender Gelegenheit in den Arm zu nehmen, setzte „Gipfelkreuz“ den musikalischen Parforce-Ritt fort, bevor zu „Zweifel“ wieder gemosht werden durfte. Nach etwa einer Stunde kam das Ende des regulären Sets hier etwas abrupt, doch es gab ja noch Nachschlag.

Spätestens mit der ersten Zugabe „Hallo“ kochte die Konzert-Venue dann auch endgültig und nachdem die Zuschauerschaft zuvor schon eine gewisse Textsicherheit unter Beweis gestellt hatte, konnten hier dann tatsächlich sehr viele mitsingen. Von der gleichen EP wurde dann auch noch „Schatz (Du willst ein Lied, ich will ans Meer)“ vorgetragen, während CITY LIGHT THIEF abermals die Stage enterten und „Das bleibt hier“ in der ganz großen Runde vorgetragen wurde. Nach nicht ganz 75 Minuten verschwanden alle Beteiligten so schnell im Off, dass man beinahe meinen konnte, von einem Überfallkommando heimgesucht worden zu sein. Nun, wenn dabei mit so viel Schmackes die Post-Hardcore-Fahne hochgehalten wird, lasse ich mich gern überrollen und reibe mir im Anschluss die Augen, wer mir denn da gerade die Ohren frei gepustet hat. Es waren heuer CITY LIGHT THIEF und HEISSKALT, die ich beide mit Sicherheit auf dem Radar behalten werde.

Setlist HEISSKALT
Sonne über Wien
Der Mond
Identitätsstiftend
Alles gut
So leicht
Kaputt
Nicht anders gewollt
Bewegungsdrang
Nicht gewinnen
Dezemberluft
Gipfelkreuz
Zweifel

Hallo
Schatz (Du willst ein Lied, ich will ans Meer)
Das bleibt hier

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CITY LIGHT THIEF auf terrorverlag.com

Mehr zu HEISSKALT auf terrorverlag.com