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HELL ON EARTH TOUR 2008

Ort: Hamburg - Markthalle

Datum: 25.09.2008

WALLS OF JERICHO – CATARACT – ALL SHALL PERISH – THE RED CHORD – ANIMOSITY – STICK TO YOUR GUNS

Überraschend wenig üppig (wenn auch nicht schlecht) besucht war die diesjährige Ausgabe des HELL ON EARTH Tour Trosses. Sind dies erste Ermüdungserscheinungen des Konzeptes (Über 20 Euro bezahlen, auch wenn man womöglich nur eine Band richtig gut findet?)? Gibt es einfach zu viele solcher Veranstaltungen (NEVER SAY DIE und PERSISTENCE folgen ja auch dieses Jahr)? Ist das Line-Up zu wenig überraschend (ALL SHALL PERISH und WALLS OF JERICHO waren letztes Jahr ja auch schon dabei. Überdies waren beide Gruppen schon separat dieses Jahr in Deutschland, bei ALL SHALL PERISH (die für die von vielen vermissten EVERGREEN TERRACE eingesprungen waren) ist es noch nicht mal zwei Monate her, das sie in der Markthalle aufgetreten sind)? Haben die Kids nicht genug Kohle? Oder war es heute einfach ein nicht so guter Tag (denn das Publikum war bis auf wenige Ausnahmen auch wenig euphorisch…)? Eigentlich ist es aber auch müßig darüber zu philosophieren, denn die Anwesenden haben engagierte Bands auf der Bühne gesehen und die Luftqualität der Markthalle stieß endlich mal nicht in chinesische Großstadtdimensionen vor…

STICK TO YOUR GUNS hatten dann die Aufgabe pünktlich und unvermittelt um 19 Uhr den Reigen zu beginnen (der Durchschnitts-Hamburger über 21 arbeitet um diese Zeit sowieso noch). Die Band hatte schon viele Fans mobilisieren können, denn es waren Dutzende von STYG-Shirts im Publikum zu beobachten. Die mir bis dato unbekannten „Century Media“ Jungspunde (Drummer Casey Lagos darf in den Staaten sicherlich noch keinen Gerstensaft ordern) konnten aber auch mich positiv überraschen, ging doch der melodische Bastard aus New und Old-School (GORILLA BISCUITS und HATEBREED in einem Topf geschmissen) gut ins Ohr und wurde charmant präsentiert. Wäre der Sound wieder einmal besser abgemischt (sobald mehr als eine Gitarre auf der Bühne präsent ist, geht die PA grundsätzlich in die Knie) hätte man sicherlich die Feinheiten des Songwritings besser erkennen können… Trotzdem schöner Einstieg, auch wenn die Jungs einen späteren Platz im Billing durchaus verdient hätten (waren sie doch das erste Mal in Europa)!

ANIMOSITY hatten schon einen etwas besseren Sound am Start und legten mit ihrem sympathischen Death-Grind-Metal-Core einen inspirierenden Auftritt hin. Blickfang der Band (aus den Straßen von San Francisco) ist aber sicherlich Shouter Leo Miller, der ein geschmackssicheres und politisch korrektes Barack Obama Bling-Bling-Shirt mit fabelhafter Goldapplikation trug (solche Prints gibt es immer recht günstig auf der lokalen Kirmes…). Während die Rhythmus-Fraktion mit ihren Frickel-Parts und Thrash-Attacken beschäftigt war, lag es am Metal Justin Timberlake mit Schamhaarfrisur die Bühne zu rocken. Gelang ihm auch ganz gut, trotzdem waren die Zuschauer, bis auf einige unentwegte, noch in Lauerstellung und quittierten den Auftritt mit freundlichen Applaus. Hat Spaß gemacht!

THE RED CHORD bewiesen, was sie schon letztes Jahr auf der „Metal Blade 25th Anniversary Tour“ in den Raum gestellt hatten: Dass sie eine verdammt geile, regelrecht manische Live-Band sind! Da herrschte doch gleich eine ganz andere Stimmung vor der Bühne! „Schnauzer of Death“ Greg Weeks (der nebenbei auch noch ein Akustik-Country-Projekt hat!) quält den Bass wie kein Zweiter und läuft regelrecht Amok. Guy Kozowyk sieht aus wie der Hardcoreler von nebenan, während Brad Fickeisen (diesmal mache ich keine Witze über den Namen) und Mike McKenzie gestandene Metaller sind. Das alles macht aus der Band etwas ganz besonderes und trotz aller Frickelei und Weirdness kann man herrlich zu den verqueren Rhythmen abgehen und hat gleichzeitig was fürs Auge. Auch vor der Bühne gab es jetzt vermehrt Randale und so gehören THE RED CHORD zu den drei Gewinnern dieses Abends!

Was dann folgte, war vorauszusehen gewesen: ALL SHALL PERISH haben mal wieder gezeigt, wo der sympathische Hammer hängt! Zwar waren sie erst vor Kurzen in der Markthalle, hatten aber trotzdem einen Neuzugang an der Gitarre zu vermelden: Luke Jaeger (Session-Gitarrist und zudem bei SLEEP TERROR tätig) hat Ben Orum an der Gitarre ersetzt. Ob nur für die Konzerte oder komplett ist mir unbekannt. Jedenfalls lächelt der Mann genauso wenig wie Chris Storey, hat aber einen ungleich schlechteren Taste in Fashion (ziehen sie bitte die Bilder zu Rate…). Dafür scheinen die Beiden gitarrentechnisch auf gleich hohem Niveau zu sein, denn es wurde das klassische Duell der Solisten präsentiert! Flinke Finger allenthalben! Hernan „Eddie“ Hermida und Mike Tiner machen dafür umso mehr Alarm und der knuddelige Frontmann begab sich wieder auf Tuchfühlung mit den euphorisierten Fans. Diese machten im Graben erst einmal auf Galeere, obwohl AMON AMARTH nicht in Sichtweite waren. Lustig, und um einiges sympathischer als das folgende Kickboxen, welches wieder eine Beinahe-Schlägerei zur Folge hatte. Unschön… (dennoch gehe ich auf diese Unsitten nicht noch mal näher ein. Ich bin nur froh, dass ich nicht im Ruhrpott wohne…) Nuclear Blast sollten der Band mal ein paar Tantiemen ausbezahlen, trugen die Burschen doch exakt die gleichen Shirts wie noch vor ein paar Wochen. Wahrscheinlich hatten die Oaklander den Koffer noch gar nicht ausgepackt und sind im Moment auf der Neverending Tournee… Klasse Band, musikalisch anspruchsvoll, sympathische, Fan-liebende Asis. ALL SHALL PERISH sind eine sichere Bank, wenngleich ich an diesem Abend auch gerne EVERGREEN TERRACE gesehen hätte…

Ernüchterung trat dann bei den etwas ungünstig platzierten CATARACT ein. Die Stimmung konnten diese kaum halten, wurden die Thrash-Attacken zum Ende hin doch immer eintöniger… Front-Koloss Fedi gab sich sichtlich Mühe und suchte den Kontakt mit den Fans, trotzdem leerte sich der Innenraum im Laufe des Auftritts doch stetig. Man merkte der souverän aufspielenden Band an, dass 2008 das 10jährige Jubiläum zu verzeichnen war: Fehlerfrei und treibend wurden die Crossover (wie der Stil annodunnomal hieß, bevor irgendwelche Funk-Metal-Hybriden die Bezeichnung entwendeten…)–Tracks präsentiert, verhallten aber meist ungehört im Saale. Zwischendurch gab es zwar ein paar schöne Gitarren-Leads, aber eine gewisse Eindimensionalität im Songwriting trat dann doch zu Tage. Es wäre besser gewesen, die Band weiter vorne zu platzieren, da ASP und TRC doch um einiges besser bei den Anwesenden angekommen waren. Wenig aufregend, aber auch nicht schlecht… aber sicherlich kein Vergleich mit dem Orkan, der danach über die Bühne wegen sollte!

Trotz der Tatsache, dass WALLS OF JERICHO wohl an jeder Bushaltestelle dieser Republik mindestens zweimal gespielt haben, hatte ich es bisher nie auf die Kette bekommen, auch einmal zu solch einem Zeitpunkt vor Ort zu sein. War der Abend also eine Quasi-Entjungferung für mich und was soll man sagen: Candace und ihre Jungs haben es mir richtig besorgt! Candace ist ein Phänomen und das Original! Da kann sich Madame Brink von IN THIS MOMENT noch so anstrengen (vor allem nach dem erschreckend schwachen „The Dream“), Frau Kucsulain macht keine Gefangenen. Egal ob die Füße in ihrem Gesicht landen oder die Fans sie im Schwitzkasten haben, stets lächelnd und hoch motiviert fegt die Frau über die Bühne, dass eigentlich die komplette männliche Konkurrenz deklassiert wird. Immer wieder fordert sie Circle-Pits und Stage-Diver (aber auch Headwalker… gar nicht schön…) heraus und das willige Publikum tat, wie geheißen. Es schien, als sei die Markthalle aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Stimmungsfördernd kam hinzu, dass unter anderem ASP-Frontmann Hernan Hermida zwischendurch im Olympia-BDM-Oufit auf der Bühne auftauchte und eine „sexy“ Show vor den WOJ-Aufstellern bot! Großes Gelächter bei der (überraschten) Band und dem Publikum. Zum Abschluss sprangen die beiden Vortänzer noch in die Zuschauerreihen und ließen sich ausgiebig betatschen… Candace und Aaron flippten über die Bühne, auch Kerry King-Lookalike und Spielalike Mike Hasty zeigte sich von der aggressiven Seite. Trustkill wurde quasi gedisst, da die Band doch ausdrücklich darum bat, sich das Album auch gerne illegal herunter zu laden (Aaron Ruby erwähnte dies auch noch explizit im Interview). Nach gefühlten 30 Minuten war der Tsunami dann vorbei, die Band kam aber noch mal auf die Bühne, um „Revival never goes out of style“ zu schmettern. Bei dem „Bro Hymn“–Chor waren dann mehr Fans auf der Bühne, als davor und es wurde sich ausgiebig selbst gefeiert. Super! Dat is Hardcore, dat macht Spaß!

Bis auf CATARACT haben eigentlich alle Bands zumindest überzeugt, THE RED CHORD, ALL SHALL PERISH und natürlich WALLS OF JERICHO gehen aber als die großen Drei von der Bühne! Insgesamt also ein schöner, überraschend kurzweiliger Abend, mit kleinen Schönheitsfehlern. Nächstes Jahr sollte es aber auf jeden Fall ein paar Überraschungen im Line-Up geben!

Copyright Fotos: Michael Päben

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