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HELLFLAME FESTIVAL 2008

Ort: Osnabrück - Halle Gartlage

Datum: 20.09.2008

Seit einigen Jahren nun schon gehört das Hellflame Festival zu den Pflichtterminen, wenn es um extreme Musik geht. Und der Erfolg gibt den Veranstaltern recht. Denn mittlerweile gibt es in Lichtenfels einen südlichen Ableger dieser Show und man ist auch in der Lage, jedes Mal wieder neue Hammer-Bands zu holen, so dass man 2008 gar vom Stammladen N8 in die ordentlich große Halle Gartlage umzog. Der Grund dafür waren alleine schon die Black Metal-Helden von IMMORTAL, die zusammen mit den Thrash-Veteranen DESTRUCTION, den Black Metal-Durchstartern WATAIN sowie den Party-Königen TANKARD die Highlights markieren sollten.

SETHERIAL

Doch auch das Vorpgramm hatte es in sich. So begann für uns der Konzert-Tag an diesem sonnig-herbstlichen Samstag mit den schwedischen Schwarzkitteln SETHERIAL. Diese hatten vor gut 10 Jahren mit „Nord“, „Lords of the Nightrealm“ und „Hell Eternal“ verdammt starke Black Metal-Kost abgeliefert, wurden aber aufgrund dauernder Line Up-Probleme (u.a. wanderte Shouter Wrath aka Kris Olivius vor einigen Jahren endgültig zu NAGLFAR ab) immer wieder zurückgeworfen. Doch die beiden Band-Chefs Lord Kraath (derzeit Drums) und Lord Mysteriis (Gitarre) haben nun mit Basser Funestus, Shouter Infaustus und dem neusten Zugang Thurz (Gitarre) eine neue schlagkräftige Truppe zusammen und brachten sich mit „Death Triumphant“ wieder zurück ins Black Metal-Rampenlicht. Nun sind die Schweden endlich beim Hellflame angekommen und bewiesen in ihren leider nur 35 Minuten Spielzeit, warum sie grundlegend unterbewertet sind. Denn trotz des noch hereinfallenden Sonnenlichts entfachten die fünf Bösewichter ein Black Metal-Gewitter, das sich gewaschen hatte. Ob nun der krachende Opener „Among the Flames“, die von den zahlreichen Black Metal-Fans besonders abgefeierten „I Nattens Famn“ und „Hell Eternal“ oder die aktuelle Dampframme „Hellstorms over the Empyrean“: Diese packenden Black Metal-Attacken können locker mit den Großen der Szene mithalten und als die blutverschmierten und grimmig posenden Schweden nach einer engagierten und motivierten Show mit „Summon the Lord with Horns“ ihr Set beendet hatten, wurden sie zurecht mit viel Applaus bedacht. Leider hatte man noch keinen neuen Song im Gepäck, aber nach dieser Performance darf man sich auf das anstehende Album mehr als freuen!

TANKARD

Schon recht früh am Abend stürmten TANKARD die Bühne der Halle Gartlage, aber wie wir schon bei der Ankunft bemerkt hatten, war der Großteil der Anwesenden schon locker auf dem Pegel, denn man für eine TANKARD-Show braucht. Und die Frankfurter ließen sich auch nicht lange bitten, schossen mit „Zombie Attack“, „Chemical Invasion“, „Die with a Beer in your Hand“ oder auch „The Beauty and the Beast“ eine Party-Granate nach der anderen in die abfeiernden Menge. In dieser ging es auch richtig gut ab. Da wurde im Circle-Pit die „Stumme Ursel“ (Gummipuppe) geschwungen und BHs und Slips landeten auf der Bühne. So muss eine TANKARD-Show abgehen, auch wenn es nicht mal 18 Uhr ist! Front-Plautze Gerre ließ sich auch vom Ergebnis des Spiels Schalke – Frankfurt nicht die Stimmung vermiesen, feierte sich und seine eindrucksvolle Wampe und feuerte die Fans immer weiter an. Basser Frank hüpfte da auch mal eben in den Fotograben, während Gitarrero Andi für die druckvollen Thrash Metal-Riffs sorgte. So konnte man nur hoffen, dass die angetretenen Metaller den restlichen Abend noch gut überstehen würden, denn nach einer klassischen TANKARD-Party ist das nächste Ziel „Delirium“ normalerweise nicht weit!

WATAIN

Nach dem Bier durfte nun wieder dem Gehörnten gehuldigt werden. Die schwedischen Black Metal-Durchstarter WATAIN haben sich mit einem starken Album und imposaten Live-Shows an die Spitze der Black Metal-Szene gespielt und so war es nicht verwunderlich, dass es sich der Innenraum vor der Bühne schnell wieder mächtig füllte. Dieselbige war mit umgedrehten Kreuzen, Kerzen und Fackeln sowie einem Podest schon für die satanische Zeremonie vorbereitet und so legten die Schweden, die live u.a. den ehem. DISSECTION-Gitarrist Set Teitan in ihren Reihen haben, amtlich mit einem der größten Black Metal-Songs aller Zeiten los: „Legions of the Black Light“ herrschte sowas von unerbittlich und brachte zusammen mit weiteren Krachern wie „Satan’s Hunger“ und dem infernalischen „Sworn to the Dark“ die Meute sofort zum abgehen, moshen und dazu die satanischen Texte lauthalt mitzugröhlen. Mit dem älteren Kracher „The Golden Horns of Darash“ und Pyro-Flammen bewiesen WATAIN und inbesondere der auf dem Podest zwischen Feuer und Rauch posende Shouter E. Imposant, dass GORGOROTH sicherlich nicht die Könige der bösen Live-Shows sind. Und am heutigen Abend hatten die Schweden nicht mal die obligatorischen Tier-Innereien auf der Bühne verteilt. Starke Shows und starke Songs, nun bitte eine weitere Knaller-Platte damit die Nordmannen bald wieder in Tour sind! Aber erst sind die Schweden ja in den USA unterwegs, um ihrer satanischen Verse zu verbreiten!

DESTRUCTION

Die deutschen Thrash-Legende DESTRUCTION garantiert eigentlich immer gute Live-Shows. Dabei wirken sie allerdings mehr als oft recht routiniert, was zwar nach all den Jahren kein Wunder ist, aber doch auch mal ein wenig lustlos ausschauen kann. Doch mit dem neuen Album „D.e.v.o.l.u.t.i.o.n.“ im Gepäck sollte da genug Motivation am Start sein. Erstmal war allerdings etwas anderes voll am Start, nämlich die Lautstärke. Bei dieser waren DESTRUCTION heute ganz vorne mit dabei und so suchten nicht wenige irgendwas, was man sich als Lärmschutz in die Ohren stopfen konnte. Das getan und der Pegel weiterhin ganz oben… da konnte es im Pit auch wieder richtig abgehen. Kein Wunder, denn Thrash-Klassiker von „Nailed to the Cross“ über „Bestial Invasion“ bis hin zu den „Mad Butcher“-Songs gaben allen Grund dazu, mächtig abzugehen. Auch der Titelsong der letzten Langrille passte sich wunderbar ins Set ein und Frontsau Schmier versprach, bald wieder on Tour zu sein und dann noch mehr neue Songs und weiterhin viele Klassiker zu präsentieren. Und dann vielleicht auch etwas frischen Wind für die Show, denn auch wenn Saitenhexer Mike wieder ein Teufelsriff nach dem nächsten aus seiner Axt zirkelte, Schmier wie gewohnt durch altbekannte Ansagen und viel Thrash-Poserei brillierte und Drummer Mike an seinem Kit natürlich keine Gnade kennt, hing doch wieder die schon angesprochene Routine über der Show von DESTRUCTION. Keine Frage, diese Band ist auch nach all den Jahren noch immer einer der ganz großen Nummern im Metal, aber manchmal hat man schon den Eindruck, dass da noch mehr drin wäre… vielleicht beim nächsten Mal!

Eine sehr erfreuliche Tatsache an diesem Tag war, dass der Zeitplan mehr als gut eingehalten wurde. Doch was ich im Vorfeld schon merkwürdig fand, war die Pause von gut 50 Minuten, die zwischen DESTRUCTION und IMMORTAL aufgelistet worden war. Der Grund dafür wurde mir dann auch schnell klar, denn die 50 Minuten wurden von der IMMORTAL-Crew voll und ganz ausgenutzt. Das vorher bereits zusammengebaute Drumkit wurde in einer ewigen Prozedur eingerichtet und abgestimmt und der Guitar-Tech benötigte satte 30 Min. im die beiden Gitarren vom norwegischen Eiskönig Abbath einzustöpseln, zu checken und dann den Monitor-Sound bis aufs präziseste mit Bass und Schlagzeug abzustimmen. Ob das nun von der Band so verlangt wurde oder man einfach die Zeit auskosten wollte, keine Ahnung. Aber eines ist auch dem letzten Fan klar: Eine Black Metal-Band (und gerade auch IMMORTAL) braucht einen gewissen Grad an rohen Riffs und dreckigem Sound, wie die Fjorde den Schnee.

IMMORTAL

Was soll’s, pünktlich um 22 Uhr ging es dann endlich und klassisch mit „The Sun no longer rises“ los und auch bei IMMORTAL ist die anfängliche Reunion-Euphorie einer gewissen Routine gewichen. Die knarzig-humorigen und unverständlichen Ansagen von Front-Panda Abbath wirken mittlerweile genauso einstudiert wie die stapfenden Bewegungen des Gitarristen, welche zeitweise gar synchron mit Basser Apollyon (AURA NOIR) präsentiert wurden oder die Pause mitten in „Tyrants“. Da ließ sich der Meister der „Sons of Northern Darkness“ auch von einem auf die Bühne geworfenen knallroten BH (wohl ein Überbleibsel der TANKARD-Gaudie) nicht groß zu einer spontanen Reaktion bewegen. Aber gut, das alles soll ja nicht von der Hauptsache ablenken, nämlich dass IMMORTAL ein Garant für eine starke Black Metal-Show sind, welche mit einem Best of der Band-Diskography aufwartet. Dabei wurden neben old school-Hammern wie „Unholy Forces of Evil“ natürlich besonders die Hits „Tyrants“ und das unschlagbare „One by One“ abgefeiert, ehe is natürlich mit „Battles in the North“ und „Blashyrkh“ den erwarteten Gnadenschuss gab. So kamen IMMORTAL und brachten, was man von ihnen erwartet: Eine durch und durch starke Black Metal-Show mit allen Hits, die die Fans hören wollen und mit allen leicht humorigen Bestandteilen, was IMMORTAL halt zusammen so unvergesslich macht und bei jedem Festival zu einem Highlight werden lässt. Aber nun wird es wirklich mal Zeit für neue eisige Geschichten aus dem Norden, meine Herren!

Copyright Fotos: Andreas Fliss/ Michael Werneke

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