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HELLSONGS – NEO RODEO – LEO SKAGGMANSSON

Ort: Bielefeld - Bunker Ulmenwall

Datum: 27.09.2013

Die selbsternannten Erfinder des Lounge Metals – HELLSONGS aus Schweden – hatten sich mit neuer Sängerin im Gepäck in Bielefeld angekündigt. Ein schöner Anlass, das Wochenende in den Katakomben des Bunker Ulmenwalls einzuläuten. Schon bei der Hinfahrt sinnierten wir darüber, welches Publikum wir wohl antreffen würden. Aufgeschlossene Metaller? Die konnte man letztlich an einer Hand abzählen. Vielmehr fand sich ein junges, eher indie-affines studentisches Völkchen zusammen. Beim Einlass erfuhren wir dann, dass HELLSONGS mit NEO RODEO und LEO SKAGGMANSSON noch weitere Support-Acts mitgebracht hatten. Es sollte ein sehr familiär-freundschaftlicher Abend werden.

Als erster in den Ring stieg LEO SKAGGMANSSON (frei auf Deutsch: „der Sohn des Bärtigen“), was in diesem Falle hieß, dass er auf den irgendwo in der Mitte der Location platzierten Teppichen zur Klampfe griff. Der Göteburger Gitarren-Schluffi im Holzfällerhemd zupfte zur Einstimmung eine knappe halbe Stunde gepflegt auf seiner Akustischen (ab und zu mit Mundharmonika) und brachte seine kleinen Geschichten von der Liebe und dem Leben unters Volk. Zwischendurch holte er sich dazu Verstärkung von Simon und Jeremy (NEO RODEO) und zum Abschluss gab es einen Bluegrass-Klassiker im Duett mit HELLSONGS-Sängerin My. Warmherziger Applaus war sein Lohn, in der Fußgängerzone hätte es auch bestimmt gut im Gitarrenkasten geklimpert.

Setlist LEO SKAGGMANSSON
A small man
Who belongs to who
I’ve fallen deep
Comfort of the morning
Crooked pond
Can’t you hear me calling

Weiter ging es mit der Freiburger Kombo NEO RODEO. Die Labelkollegen der HELLSONGS liefen heute Abend nur in halber Mannstärke auf, die Sitzplätze im Tourbus waren halt limitiert. Einen Platz ergattert hatten Sänger Johannes mit seiner Gitarre, sowie Simon am Bass und Jeremy an den zum Teil mit einem Koffer improvisierten Drums. Es galt das im Frühjahr erschienene Debütalbum „Mein junges und sorgloses Herz“ zu promoten und schon gab es den Titelsong als Einstieg. Mit gängigen Rock n Roll- und Bluesmelodien bewegte das Trio sich oft nah an STOPPOK und wussten die Anwesenden mit Texten voller Frust und Ironie eine Dreiviertelstunde bei Laune zu halten. So gab es sowohl eine Ode an eine Karlsruher Kneipe („Abrahams Bar“) wie auch die Single „Meine Karriere und ich“ – eigentlich nach Aussage von Johannes ein Punk-Stück, aber heute als Ballade dargeboten. Das Publikum goutierte auch diesen Auftritt mit wohlwollendem Applaus.

Setlist NEO RODEO
Mein junges und sorgloses Herz
Nicht mehr ganz klar
Milchmann
Abrahams Bar
Meine Karriere und ich
Allein durch die Scheiße
Fleißiges Mädchen
Ganz sicher vielleicht

Inzwischen war es 22 Uhr, Zeit für den Hauptact des Abends. Nachdem HELLSONGS nach der Erkrankung ihrer Sängerin Siri Bergnehr fast das Handtuch geschmissen hätten, konnten sie mit My Engström Renman würdigen Ersatz finden. Die Dame erinnert optisch stark an Ex-Tatort Kommissarin Nina Kunzendorf, allerdings versehen mit einem stechenden Blick und oftmals fast dämonischem Augenrollen. Doch los ging es mit „Eyemaster“ (im Original von ENTOMBED) als gefühlige Pianoballade. Dafür stand eigens ein Flügel für Bandmember Johan bereit. Weiter ging es mit DIOs „Stand up and shout“, bei dem My schon etwas exaltierter agierte. Bandchef Kalle Karlsson an der Gitarre verband die Stücke mit launigen Ansagen in einer lustigen Denglisch-Mischung. Anscheinend vermisste er auch seine beiden Töchter und schmückte sich an diesem Abend mit einer bunten Kinderholzkette und ebenfalls kunterbunt lackierten Fingernägeln. Nach „Skeletons of society“ als warme Wohlfühlnummer zum Mitklatschen ging es nach einem Seitenhieb auf die Amis und ihrer Angewohnheit, für jeden Meter ihren SUV aus der Garage zu holen mit PANTERAs „Walk“ weiter. „Cold“ von AT THE GATES zelebrierte My als kleine Beschwörung, ehe Kalle mit einem Aufruf zu mehr Nachhaltigkeit die Eigenkomposition „Animal Army“ ankündigte, dargeboten mit sehr schönem Harmoniegesang der Beiden. Als Gruß aus Göteborg wollte er „Sin City“ von AC/DC verstanden wissen, das beim Publikum sehr gut ankam. Auch „Youth gone wild“ von SKID ROW wurde ordentlich abgefeiert, dem sich quasi als Höhepunkt „Thunderstruck“ wiederum von AC/DC anschloss. Sehr ruhige Töne schlug Kalle nun mit „Music took my life“ an, dem er eine Anekdote aus seiner Kindheit voran schickte, als er zwar mit Kopfhörern ausgestattet, aber trotzdem noch angestellten Boxen seiner Oma „Help me Rhonda“ von den BEACH BOYS in Dauerrotation zugemutet hatte. Um die Gleichstellung beider Geschlechter ging es nun in der Eigenkreation „Equality“, zu der nochmals Jeremy von NEO RODEO dazu stieß und die Bielefelder Fans ihre Gesangsqualitäten unter Beweis stellen durften. Abschluss des Sets war dann nach knapp 70 Minuten noch der „Iron Man“ von BLACK SABBATH. Doch die Bunkergemeinde wollte die Schweden nicht ohne Zugabe ziehen lassen und so gab Kalle zunächst ein Solostück zum Besten, ehe „Symphony of destruction“ den Abend ausklingen ließ. Müde, aber zufriedene Gesichter auf beiden Seiten, was will man mehr. Nun gönnen sich HELLSONGS drei Wochen Heimaturlaub, ehe die Tour Mitte Oktober weitergeht.

Setlist HELLSONGS
Eyemaster (ENTOMBED)
Stand up and shout (DIO)
Skeletons of society (SLAYER)
Walk (PANTERA)
Cold (AT THE GATES)
Animal Army
Sin City (AC/DC)
Youth gone wild (SKID ROW)
Thunderstruck (AC/DC)
Music took my life
Equality
Iron Man (BLACK SABBATH)

?
Symphony of destruction (MEGADETH)

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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