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HELLSONGS – TIM NEUHAUS

Ort: Osnabrück - Glanz & Gloria

Datum: 10.10.2009

Heavy Metal auf eine ganz andere Art versprachen zum zweiten Mal in Osnabrück zu Gast die HELLSONGS aus Schweden. Gitarrist Kalle Karlsson freute sich darüber, dass sich im Glanz & Gloria die Zuschauerzahlen im Vergleich zum Vorjahres-Gig verdoppelt hatten und vermutete, dass das Metal-Fieber doch stärker sei als die Schweinegrippe. Wobei man bei HELLSONGS im Grunde nicht von Metal sprechen kann. Die Skandinavier nennen ihren Sound selbst „Lounge Metal“ und der ist teilweise so verfremdet, dass vom Original nur noch der Text übrig bleibt. Von der HELLSONGS-Originalbesetzung ist in der Hasestadt allerdings auch nicht viel übrig geblieben: Mit der neuen Sängerin Siri Bergnéhr wurde stimmgewaltiger Ersatz für Harriet Ohlsson gefunden und statt Tastenmann Johan Bringhet, der während der laufenden Tour leider dringend zurück in die Heimat musste, bediente ein gewisser Christopher übergangsweise das Keyboard.

Der Herr in der schwarzen Kochjacke zeigte sich bereits gemeinsam mit dem Support TIM NEUHAUS und dessen Drummer „die Band Florian“ für ein Stück auf die Bühne. Bereits in den ersten 55 Minuten gab es im Glanz & Gloria akustische Sounds zu hören, die allerdings nun wirklich nichts mehr mit Heavy Metal zu tun hatten und samt und sonders aus der Feder des Berliners Neuhaus stammten. Die Musik beschränkte sich überwiegend auf eine akustische Gitarre und die Drums, hier und da kam auch mal ein Xylofon oder ein „Tisch“-Akkordeon zum Einsatz, während Tim beim Gesang bei einem Lied anfangs sogar aufs Mikro verzichtete. Häufig starteten die Songs eher ruhig, um dann doch wieder Tempo zu machen und so wie der rothaarige Bandleader in Rumpelstilzchen-Manier über die Bühne hüpfte, nehme ich an, dass er die eruptiven Ausbrüche in seiner eh sehr persönlichen Musik braucht. Für den impulsiven Schrammel-Indie im akustischen Gewand gab es freundlichen Applaus und tatsächlich ließen sich die Leute sogar näher an die Stage locken und sangen beim letzten Stück ganz ordentlich mit – auch wenn die Zuschauer in Frankfurt tags zuvor lauter gewesen sein sollen.

Da im Grunde nur das Drumkit weg geräumt werden musste, konnte es 15 Minuten später schon mit den Höllenliedern weitergehen. Inzwischen war es im Club tatsächlich ziemlich voll geworden und viele der Gäste trugen Band-Shirts, die sie als Fans der Kappellen auswiesen, die dem schwedischen Trio als Vorlage dienten. Genre-Größen wie IRON MAIDEN, SLAYER, METALLICA und AC/DC standen auf dem Programm, nur eben in einer ganz anderen Darreichungsform. HELLSONGS verpassten den Hard & Heavy-Nummern ein poppiges Gewand unter dem manchmal wirklich das Original komplett verschwand, was aber gerade den Reiz des Vortrages ausmachte. Entsprechend schnipste das textsichere Auditorium auch gern mal zum groovigen „Seek And Destroy“ von METALLICA mit den Fingern, ehe mit „Warpigs“ (BLACK SABBATH) ein erster melancholischer Höhepunkt anstand, der die vorausgegangenen kleinen technischen Probleme mit Rückkopplungen und Monitorstörgeräuschen umgehend vergessen ließ. So schnell konnte man den sympathischen Göteborgern sowieso nichts übel nehmen, so einnehmend wie der Dreier sich im Keller des ehemaligen Kreishauses präsentierte. Ganz vorn natürlich die quirlige Sängerin Siri im Glitzerlook mit Retro-Halsschmuck in Form einer Musikkassette, die energiegeladen über die Bühne wirbelte und die Anwesenden mit ihrer Stimme verzauberte, wenn sie oder Kalle nicht gerade kleine Anekdoten erzählten. Für zwei Songs („Runnung Free“ und „Losers And Winners“) wuchs das Trio zudem kurzfristig zum Quartett an. Bei diesen Gelegenheiten spielte Leo vom Merchandising die Dobro-Gitarre. Beide Tracks zeigten sich ausnehmend gefühlvoll, aber natürlich gaben HELLSONGS auch richtig Gas, etwa beim letzten regulären Track „10.000 Lovers (In One)“, den sie bei den norwegischen Hardrockern TNT „ausgeborgt“ haben. Nur waren hier keine kreischenden Langäxte zu hören, sondern eher jazzige und bluesige Barsounds, die sich auch beim finalen „Symphony of Destruction“ noch einmal wiederfanden.

Damit endete der wattebauschige Höllentrip auch schon nach 65 Minuten. Lautstark verlangte die Zuschauerschaft noch nach „The Trooper“, das HELLSONGS wohl bei ihrem letztjährigen Gig für heute in Aussicht gestellt hatten, doch daraus wurde leider nichts. Kalle erklärte, dass Christopher kurzfristig für den verhinderten Johan eingesprungen sei und ganz einfach nicht jeden Song drauf habe. Die Fans zeigten Verständnis und versorgten sich stattdessen noch mit dem einen oder anderen HELLSONGS-Erzeugnis am Merch, wo kurze Zeit später auch Kalle und Siri eintrudelten und Autogrammwünsche erfüllten. Ganz offensichtlich haben auch harte Metal-Jünger ein weiches Herz, das ihnen bei HELLSONGS mit Sicherheit aufgegangen ist. Eine gelungene Adaption, die nicht einfach klaut, sondern ganz neue Songs erschafft, die zeigen, dass so mancher Text eine Menge Tiefgang mitbringt, was in der entschleunigten HELLSONGS-Fassung erst richtig deutlich wird.

Setlist HELLSONGS
The Evil That Men Do (IRON MAIDEN)
Paranoid (BLACK SABBATH)
Seek And Destroy (METALLICA)
Warpigs (BLACK SABBATH)
Seasons In The Abyss (SLAYER)
Running Free (IRON MAIDEN)
I Just Want You (OZZY OSBOURNE)
Thunderstruck (AC/DC)
10,000 Lovers (In One) (TNT)

Run To The Hills (IRON MAIDEN)
Losers And Winners (ACCEPT)
Symphony of Destruction (MEGADETH)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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