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HELLTER SKELTER 2008

Ort: Peine - UJZ Gelände

Datum: 19.06.2008 - 21.06.2008

ÜBERBLICK

Auch wenn das Hellter Skelter Festival in diesem Jahr erst zum zweiten Mal über die Bühne ging, so wurde dennoch bereits expandiert: Besucher wurden nunmehr ganze drei Tage lang – anstelle von ursprünglich zwei – im niedersächsischen Peine musikalisch unterhalten. Konzept des Festivals ist es, mal mehr und mal weniger bekannten regionalen Bands, die zumeist aus Niedersachsen stammen, ein Forum zu bieten, und zusammen mit einigen Exporten aus anderen Gefilden wie Schweden und der Türkei ein insgesamt stilistisch abwechslungsreiches Programm zu bieten. Man konnte erkennen, dass die Veranstalter mit viel Hingabe an der Durchführung des Festivals geschraubt haben, wenngleich es natürlich den einen oder anderen organisatorischen Mangel zu verzeichnen gab, was sich aber grundsätzlich als Kinderkrankheit klassifizieren ließ.

Nach einer zugegeben etwas unkoordinierten Anfahrt – denn leider war nur eine Strecke ausgeschildert – erreichten wir das an einem Feldweg direkt neben den Bahngleisen recht versteckt gelegene Areal des unabhängigen Jugend-Kultur-Zentrums Peine, wo das Festival stattfinden sollte. Da kein Ordner und keine Beschilderung an der Fläche, die zugleich als Camping- und Parkplatz genutzt werden sollte, zu finden war, waren wir uns nicht ganz sicher, wo wir das Auto abstellen sollten. Denn da wir abends wieder weg fahren wollten, befürchteten wir zunächst, von später Anreisenden in Zeltburgen eingebaut zu werden. Wie sich jedoch – leider – zeigen sollte, war diese Angst absolut unbegründet, denn von den – so munkelte man – erwarteten 1000 Besuchern befanden sich zu Hochzeiten vielleicht 150 tatsächlich Erschienene auf dem Festivalgelände – und davon die Hälfte bestimmt bestehend aus Bandmitgliedern, Gästen und Presse. Wie bei einer Veranstaltung in einem Jugendzentrum nicht weiter verwunderlich, fanden sich diverse Besucher im Publikum, die recht jung an Jahren waren. Die Stimmung auf dem Festivalgelände war sehr familiär, was nicht nur an den geringen Besucherzahlen und dem idyllischen Gelände mit seinen vielen Bäumen lag, sondern auch an dem grundsätzlich netten Personal und der Auswahl der Verkaufsbuden, wozu u.a. auch ein Süßwarenmobil sowie ein Crêpe-Stand gehörte. Zu erwähnen sind an dieser Stelle noch die wirklich sehr fairen Getränkepreise von bspw. 2 Euro für 0,4l Bier – wenngleich so manche Tresenkraft ganz gemächlich erst einmal etwaige Privatgespräche führte, anstatt den Umsatz dadurch anzukurbeln, Kaufwilligen mehr Beachtung zu schenken. Weniger passend fand ich die Tatsache, dass auf dem Gelände kein Hundeverbot bestand, und Vierbeiner gab es dann leider doch so einige in den drei Tagen zu entdecken. Wenn auch die Meisten von ihnen einen recht zufriedenen Eindruck machten, so kann ich mir nicht vorstellen, dass es im Interesse des Gehörs eines Hundes sein kann, einem Metalfestival ausgesetzt zu sein. Hundeverbot beim nächsten Mal also ausdrücklich erwünscht!! Und als ob der mangelnde Zuspruch Musikinteressierter nicht schon genug war, so wurde das Hellter Skelter im wahrsten Sinne des Wortes über weite Strecken überschattet von Regenwolken, die sich meist zwar nur in zaghaftem Nieseln entluden, aber gleich am ersten Abend schon in einen starken Schauer mündeten. Was die Musik betrifft, so bot die stilistisch breite Palette an Bands verschiedenster Kaliber natürlich auch unterschiedlichste Level auf dem Sektor von musikalischem Können und Entertainment.

Insgesamt bleibt zu hoffen, dass den Veranstaltern weder finanzielle Mittel noch Moral fehlen, um das Hellter Skelter 2009 in eine weitere Runde zu schicken. Ich sehe hier viel Potenzial, um ein lauschiges, beschauliches Festival mit starker lokaler Note zu etablieren – was hoffentlich in Zukunft von Seiten des Publikums mehr Zuspruch finden wird.

TAG 1

SPLITHAMMER

Einige Minuten nach Zeitplan betraten die Lokalmatadore von SPLITHAMMER etwa gegen 18:10h die Bühne und eröffneten das Hellter Skelter Festival 2008 mit ihrem sehr rockig klingenden Set. Eingangs fanden sich leider nur etwa knapp über 20 Leute vor der Bühne ein, rund 20 weitere befanden sich insgesamt auf dem Gelände. Kein guter Start, so dachte ich mir, aber immerhin war ja Donnerstag und es ist ohnehin fraglich, ob es logistisch sinnvoll ist, Festivals zu sehr in die Woche zu setzen. Selbst, wenn wie in diesem Falle die Bands erst gegen Abend angesetzt waren. Der gebotene melodische Metal-Rock war gesanglich zugegebener Maßen zeitweise etwas schief und abgesehen von Gitarrist Daniel, der versuchte, ein wenig Stimmung zu verbreiten, stand der Rest der Besetzung doch recht steif auf der Bühne herum. Daran muss dringend noch gearbeitet werden, aber bei den Musikern mit ihren geschätzten Anfang 20 ist da sicherlich noch nicht Hopfen und Malz verloren. Immerhin hatten sich direkt vor der Bühne drei Herren platziert, die fast kontinuierlich das Haupthaar schwangen. Beim letzten Song „War dance“ zeigte sich dann auch bei anderen Besuchern die eine oder andere hektische Bewegung. Da der Auftritt mit der erwähnten Verspätung begann, mussten SPLITHAMMER ihren Gig für die Band unerwartet verfrüht abbrechen, was ich persönlich recht unklug vom Veranstalter fand. Mal eben 10 Minuten von einem 30-Minuten-Gig wegstreichen, das ist schon nicht so wirklich nett. Die Jungs guckten dann auch entsprechend sparsam. Fazit: Wirklich herausstechend aus dem Konglomerat des heutigen Underground-Hobby-Metals waren SPLITHAMMER nicht, aber sorgten dennoch für kurzweilige Unterhaltung.

SHOTGUN JUSTICE

Als nächstes betraten SHOTGUN JUSTICE als weitere lokale Band die heimische Peiner Bühne. Gleich zu Beginn stach die farbenfrohe Kollektion an Saiteninstrumenten ins Auge, die ja doch mit hellblau, dunkelblau und orange/ rot eher untypisch für härtere Gangarten ist. Insgesamt symbolisierte diese Regenbogenkollektion aber irgendwie die sympathische Art, die von SHOTGUN JUSTICE ausging. Zwei der Musiker trugen dann jeweils T-Shirts von DEICIDE und CRIPPER, was aber keinen Rückschluss auf die eigene musikalische Ausrichtung zuließ. Der Basser namens Bernd war zwar in einen recht unkleidsamen wadenlangen Schottenrock mit Tanzschuhen gehüllt und musste sich auch von Fronter Bernhard Sticheleien ob seines Outfits gefallen lassen, dennoch war besonders er guter Dinge. Die Passagen, wo Bernd den Leadgesang gesanglich unterstützte, gingen zudem i.d.R. wirklich ins Ohr. Präsentiert wurden Songs wie „Age of decay“, „Holy new order“ – welches mir besonders gut gefallen hat – und die Ballade „Lost between now and forever“. Musikalische Anleihen an die alten METALLICA bzw. eine deutliche 80er US-Metal-Prägung allgemein sind nicht zu verleugnen, gemischt mit vielen melodiösen Passagen. Auch der einsetzende leichte Regen konnte das – leider immer noch recht spärliche – Publikum zu Recht nicht vertreiben. Hier fiel mir dann auch erstmals der gute Sound auf, der auch in den nächsten Tagen ganz charakteristisch für diese kleine Open Air-Bühne werden sollte. Insgesamt haben mir SHOTGUN JUSTICE wirklich gut gefallen und ich würde sie mir sicherlich noch mal anschauen.

ARTIRILIUM

Im Anschluss betraten ARTIRILIUM aus Lengede um kurz nach halb acht die Bühne. Gleich kräuselte sich meine Stirn in Sorgenfalten, denn die beiden Herren im vorderen Teil der Bühne sahen schon ein wenig gewollt aus mit ihren langen Renegade-Ledermänteln, ein Mal kombiniert mit „cooler“ Sonnenbrille, im anderen Falle mit absolut unpassenden Turnschuhen. Eigentlich soll man sich ja nicht von der Optik ablenken lassen, aber wenn sich eine Band so präsentiert wie ARTIRILIUM, dann ist das schon ein Statement für sich. Und warum die Band in ihrer bisherigen Laufbahn so gute Kritiken – so war es zumindest dem Festival-Booklet zu entnehmen – eingeheimst haben sollen, das ist mir nach wie vor ein Rätsel. Mögliche Erklärung: Frauenbonus. Denn an den Drums, die durch den unglücklichen Bühnenaufbau weit hinten noch hinter einer Beleuchtungstrasse verborgen lagen, findet sich ausnahmsweise mal eine Dame. Wunderte mich eingangs, da eine weibliche Stimme auf kryptische Weise aus dem Off auf die Bühne vorzudringen schien. Der erste Song, „Terror“, begann gleich sehr unschön mit dem nahezu mantraesk wiederholten Wort „Terrorschock“ (so klang es zumindest) – zu dem Zeitpunkt war Gitarrist und Sänger Jörn übrigens auch noch dermaßen laut abgemischt, dass es einem fast die Gehirnwindungen zerbarst – und mündete in so brillante Textzeilen wie „die Geschütze feuern Munition“. Wow. Auch der folgende Titel „Observation“ mit Fragmenten wie „Überwachungsstaat“, „goldener Käfig“ und „Sicherheitskontrolle“ etc. war textlich eher wenig ansprechend. Zugegeben, wäre der Text auf Englisch gewesen, dann hätte das alles vermutlich nicht ganz so albern geklungen. Der Fluch der deutschen Sprache. Dennoch fand ich die Texte auch an sich schlichtweg plump, die intendierten Themen hätte man auch in Deutsch geschickter abfassen können. Dazu ist noch zu erwähnen, dass die gesangliche Leistung Jörns, wie das gesamte Stage Acting (soweit man davon überhaupt sprechen kann) ebenfalls eher mau war – die Instrumente allerdings beherrscht die Besetzung tatsächlich. Dennoch: Wir haben die Flucht ergriffen und andere Zuschauer sind – so muss man einfach mal konstatieren – gar nicht erst gekommen: Abgesehen von einer Fotografin fand sich wirklich niemand im Bereich vor der Bühne. Was absolut nicht verwundert. Mit Abstand die schlechteste Band des gesamten Billings.

FRAIL EMBRACE

Ziemlich auf die Pauke gehauen haben die Jungspunde von FRAIL EMBRACE, erneut aus Peine, mit ihrem aggressiven Metalcore. Auch, wenn Fronter Jake es zeitweise ein wenig übertrieb mit seiner Performance, so sorgten besonders er und Bassist Andy für ordentlich Stimmung auf der Bühne. Und auch vor der Bühne zeigte sich nun endlich so manche Publikumsreaktion, sei es in Form einiger bangender Gestalten oder einer Horde Teenager, die so etwas wie einen Moshpit entstehen ließ. Dass die Jahre der Musikschulbesuche bei FRAIL EMBRACE jedoch noch nicht allzu lange her sein können, wurde besonders deutlich bei Gitarrist Soeren, der die Gitarre bedrohlich hoch geschnürt trug. Dennoch: Der Gig war insgesamt wirklich überraschend professionell und wenn die Jungs dabei bleiben, dann kann da wirklich noch was draus werden. Die bisher veröffentlichte E.P. „Impressions“ jedenfalls hält interessant klingende Titel aus einer augenscheinlich recht breit gefächerten Themenpalette bereit, so etwa „Bring your momy some cookies“ oder „Click here for free Porn“. An diesem Abend sprangen FRAIL EMBRACE noch bis kurz nach 21h auf der Bühne umher.

ON HORNS IMPALED

Die gruseligen Mannen aus Hagen betraten nach einer absolut unkalkulierbaren Pausenzeit als einzige Black Metal-Combo des Festivals die Bühne. Nicht weiter verwunderlich eigentlich, dass kaum jemand da war, denn hier lief schlichtweg nichts mehr so recht nach dem vorherigen Umbaupausen-Schema. Erschwerend kam dann noch dazu, dass im Innenbereich des Jugendzentrums gerade die Fußballübertragung des Spiels Deutschland-Portugal lief und es zudem recht dolle regnete. Arschkarte, quasi. Ein paar hart gesottene Besucher fanden sich dennoch vor der Bühne ein, was die Band deutlich zu schätzen wusste. Insgesamt hat man während des Gigs schon gemerkt, dass sich ON HORNS IMPALED erst im August letzten Jahres zusammen gefunden haben, denn der Auftritt wirkte ein wenig statisch. Besonders Fronter Scapegoat muss deutlich mehr Showeinlagen bieten, sonst kann ein Corpsepaint wirklich schnell albern wirken. Präsentiert wurden Titel wie „God is dead“ und „Vampires blood“, ebenso wie eine Coverversion des Titels „Bite it you scum“ vom als solchen deklarierten „Rock’n Roll-Terroristen“ G.G. ALLIN. Ob sich ON HORNS IMPALED nach dem gleichnamigen Titel der grandiosen WATAIN benannt haben bleibt fraglich, scheint aber nahe liegend. Stilistische Anleihen sind hier und da zu verzeichnen, besonders bspw. bei „Satan Sleeps“, wenngleich zwischen beiden Projekten Welten liegen. Aber kann ja noch werden. Der Auftritt endete um 22:35h, nachdem der Titel „Perversion and Desaster“ zum Besten gegeben wurde.

HERETIC SOUL

Als Headliner des ersten Abends fungierten die Türken von HERETIC SOUL, die in ihrer heimatlichen – sicherlich recht überschaubaren – Metalszene in Istanbul den Status als Senkrechtstarter innehaben. Fronter Sarp ist in Natura dermaßen zierlich, dass man ihm seine 21 Jahre zunächst gar nicht glauben möchte und es schon erstaunlich ist, dass überhaupt so etwas wie Growls aus ihm heraus kommen kann. Dennoch muss ich hier gleich anmerken, dass seine Vocals live keinerlei Tiefe – weder in Stimmlage, noch in Resonanz – besitzen, was ich als deutliches Manko der Formation erlebt habe. Klingt dadurch insgesamt nur so halb gar, wenngleich die Jungs darüber hinaus schon gut vorgelegt haben. Präsentiert wurden Titel wie „Mental Decay“, „No Apocalypse“ und „Religion Separates“. Basser Gökhan ist erst seit Ende Februar mit von der Partie, scheint sich aber gut integriert zu haben und erwies sich als sehr engagiert auf der Bühne. Musikalisch wurde dem Publikum Death Metal der schnelleren Gangart mit einigen Groove-Einlagen geboten. Das klassische 1-2-3-4 zu Beginn eines Songs auf der Snare kam nicht zu kurz. Es blieb aber alles in geordneten Bahnen. Kopflose Raserei, oder gar unkontrolliertes Rumgedresche, wurde also zum Glück nicht dargeboten.

TAG 2

LANE

Bei LANE aus Bad Hersfeld handelt es sich um eine Truppe, die mit dem, Überbegriff „Altrocker“ tituliert werden kann – ohne dass das jetzt negativ gemeint sein soll. Dem entsprechen war der Stil der vier Herren auch sehr am klassischen Hard Rock orientiert. Souveräne Präsentation, ihre Instrumente beherrschen sie wohl. Klang alles sehr routiniert und die Melodien in den Refrains entpuppten sich als sehr einprägsam. Kurzweilige Unterhaltung, aber mehr auch nicht. Das sehr spärliche Publikum hatte sich an diesem recht sonnigen Nachmittag während des Auftritts LANEs relaxet im Gras auf der Veranstaltungsfläche vereilt und lauschte den Klängen. Zeitweise fruchteten sogar Interaktionsversuche der Band, so dass zwischenzeitlich auch schon mal im Takt mit geklatscht wurde. Gegen Ende des Sets wurde der Song „Turn me on“ gespielt, es folgte zudem eine Coverversion des 70er-Jahre-Klassikers „My Sharona“ von THE KNACK. Auf einem Stadtfest wären LANE vielleicht besser aufgehoben als nun hier auf dem Hellter Skelter, aber andererseits tat ihre Musik ja nun auch wirklich nicht weh und verbreiterte das stilistische Spektrum.

CALATHEA

Gleich nach den ersten Tönen der Gothic-Rocker CALATHEA war ich angenehm überrascht, da Sängerin Marketa – die übrigens erst seit Ende letzten Jahres mit von der Partie ist – nicht über die Genreübliche Sopranstimme verfügt, sondern einen Tacken tiefer zu singen pflegt, und das dann auch noch in einer angenehmen Stimmfarbe. Dass sie zudem auch wirklich singen kann, zeigte Marketa souverän: Sie beherrscht leise Töne ebenso wie kraftvolle Parts und schief hat hier wirklich gar nichts geklungen, was ich für einen Live-Gig schon recht beeindruckend fand. Die Tschechen, die nun einen Stopp in Peine machten, verfassen ihre Texte in Englisch und boten Songs wie etwa „Wish I could fly“, Heaven’s gate“, „Don’t“ und „Sad lines of nowhere“. Insgesamt klingt das Songmaterial von CALATHEA überaus stimmig und rund mit einem angenehm dezenten Keyboard. So war es auch überaus nachvollziehbar, dass es auf dem Gelände nun allmählich etwas voller wurde.

CRIPPER

Wie zu erwarten, lieferten CRIPPER aus der niedersächsischen Landeshauptstadt einen energiegeladenen Auftritt ab, der zum ersten Mal beim diesjährigen Hellter Skelter dazu führte, dass es richtig voll wurde vor der Bühne. Schon erstaunlich, wie folgsam die Festivalbesucher waren, als Fronterin Britta sie aufforderte, ihre Allerwertesten weiter nach vorne zu bewegen. Neben Titeln wie „Trapped“ und „Attention deficite“ wurde auch das neue „Fire“ dargeboten und es zeigte sich, dass old school Thrash Metal auch beim jüngeren Publikum Anklang findet. Als Aushilfsbasser hatte man kurzfristig Gerrit von der Combo SCHIERLING mit im Gepäck, der leider noch nicht allzu viele Titel drauf hatte, so dass sich der Gig mit nicht einmal 40 Minuten recht kurz gestaltete. Man hätte durchaus noch etwa 20 Minuten mehr Spielzeit zur Verfügung gehabt, die jedoch nicht gefüllt werden konnte. Ein wenig ärgerlich war das ja schon.

BLOODBOUND

Im Festival-Booklet mit einem gruseligen Black Metal-lastigen Foto angepriesen und ohne weitere stilistische Beschreibung war ich geradezu verdattert, als sich die Herren von BLOODBOUND um 20:43h auf der Bühne einfanden und mit ihrem sehr powermetaligen Repertoire begannen. Fronter Urban war mir dann auch zutiefst suspekt und deutlich zu sehr von sich selbst eingenommen – und zu allem Überfluss auch noch zu gesprächig zwischen den Songs. Was ja bei vielen Bands immer noch ganz nett sein kann, entpuppte sich hier als überaus penetrante Anekdötchen. Schier ewig lamentierte er darüber, dass er die Texte der älteren Titel nicht mehr wirklich beherrschte und viel wieder einstudieren musste. Bei großen Teilen des Publikums schien das Gefasel – ebenso wie die Musik – allerdings gut anzukommen, soviel sei Urban und seinen Mannen zugestanden. Während der rund einstündigen Spielzeit wurden Songs wie „Bless the unholy“ und „The tempter“ präsentiert.

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

Gegen 23:00h betraten DIE APOKALYPTISCHEN REITER, inzwischen mit einer Dame – Lady Cat-Man – an der Gitarre, die Bühne als Headliner des zweiten Tages. Alle Festivalbesucher kamen nun aus ihren Ecken hervor und drapierten sich vor der Bühne. Immer noch zu wenig für eine inzwischen absolut etablierte Formation wie die REITER, aber immerhin. Mehr war halt nicht da, und die Stimmung passte immerhin. Fronter Fuchs zeigte sich zudem zu keiner Zeit irritiert von oder unwirsch über die wenigen Besucher und insgesamt zog man den Gig souverän durch – wie bei den unzähligen anderen Festivals auch. Präsentiert wurden Titel wie „Riders on the storm“, „Friede sei mit dir“, „Revolution“, „Warum?“ und „Seemann“. Auch die neue Vorab-Single „Der Weg“ vom neu erscheinenden Album „Licht“ wurde live vorgestellt, ebenso wie der Titel „Es wird schlimmer“, bei dem schon erstaunlich viele Zuschauer lauthals mitgrölen konnten. Dr. Pest zeigte sich über weite Strecken sehr zahm und hatte heute auch keinen Gitterkäfig mitgebracht, sondern lediglich ein Gestell mit Schaukel dran (für ihn selbst) und zwei, drei weiteren Ketten mit Handschellen dran für potentielle Gefangene. Dazu zählte vorübergehend auch die Festival-Chefin, der gegenüber er jedoch sehr zaghaft agierte und sie auch bald schon wieder in die Freiheit entsandte. Ganz am Ende wurde dann noch die Schaumkanone hervorgeholt und die Menge damit beschossen. Man blickte auf viele glückliche Gesichter, so dass sich der Auftritt der APOKALYPTISCHEN REITER zusammenfassend als voller Erfolg deklarieren lässt.

SARDONIC

Beim Vorlauf zum Auftritt der Osnabrücker Deather SARDONIC wurden dann wieder ganz gravierende organisatorische Mängel deutlich. Zwar wurde nach dem Auftritt der APOKALYPTISCHEN REITER eine Durchsage vom Veranstalter gemacht, dass SARDONIC nun noch im Jugendzentrum auf der Indoor-Bühne spielen würden – nur wurde diese Durchsage dermaßen spät und beiläufig platziert, dass niemand mehr darauf zu hören schien. Die rund 40 Gestalten, die sich eingangs dann doch noch nach und nach im besagten Innenbereich platziert hatten, mussten dem nachfolgenden Gig bei voller Saalbeleuchtung beiwohnen, da die Bühnenbeleuchtung nicht angeschlossen worden war. Auch sollte SARDONIC ganz ohne Monitor spielen und erst nach geraumer Wartezeit wurde dann noch ein Exemplar für Fronter Jojo bereitgestellt. Solche Dinge hätte man doch eigentlich vorbereiten müssen. SARDONIC nahmen die ganze Sache dann weitestgehend mit Humor, was sich auch in einem gut gelaunten Publikum wieder spiegelte, und präsentierten Songs wie „Stalking the dead“, „Mutilated God“, „Surviving the abortion“ und ein PANTERA-Medley. Bei „Abulia“ enterte CRIPPER-Fronterin Britta die Bühne und griff zwischendurch immer wieder beherzt zum Mikro. Und wie auch CRIPPER hatten SARDONIC ganz kurzfristig einen Aushilfsbassisten mit dabei, Niels, der eigentlich bei PREDATOR anzusiedeln ist. Der Gig dauerte nicht ganz die offiziell zur Verfügung stehende Stunde, wurde aber mit zwei getrennt vom Publikum eingeforderten Zugaben garniert, „Roswell 47“ und „Fall of man“.

TAG 3

CUSTARD

Die Herner Power-Metaller von CUSTARD eröffneten ihr Set am späten Nachmittag. Auch wenn hier stilistisch nicht mein Geschmack getroffen wurde, so gestaltete sich der Gig doch als recht unterhaltsam und souverän. Besonders Fronter Olli, der bereits über eine erwähnenswert hohe Sprechstimme verfügt, sorgte mit seiner sympathischen Art und seinen kleinen Geschichtchen und Anmoderationen für den einen oder anderen Schmunzler. Präsentiert wurden Titel wie „Freedom for all“, „Chance“, „For my King“ und „I know you“, ebenso wie das WHITESNAKE-Cover „Creature“. Neben den diversen Festivalgästen, die es sich auch heute wieder im Rasenbereich auf dem Festivalgelände bequem gemacht hatten, hatte sich doch der eine oder andere Musikfreund direkt vor der Bühne eingefunden und lauschte den Westfalen, die sich genretypisch zwischen melodischen und temporeichen Soundstrukturen bewegen. Für Freunde des Genres unbedingt empfehlenswert!

EDDIE’S REVENGE

Die Herren der IRON MAIDEN-Coverband EDDIE’S REVENGE betraten gegen 20:45h die Bühne. Wie Sänger Markus zu Beginn verlauten ließ, sollte es schwerpunktmäßig um die „golden maiden years“ gehen. Also (welch Wunder) die 80er. Eröffnet wurde der Gig dann mit „Your time will come“. Insgesamt folgte ein Querschnitt von Klassikern. Songs, die jeder kennt und liebt – vorausgesetzt, man hat was für die eisernen Jungfrauen übrig. Das obligatorische „Scream for me…“ (in diesem Fall Hellter Skelter) durfte natürlich auch nicht fehlen. Eigentlich braucht man eine Best of-Setlist von Maidensongs nicht großartig zu benennen, der Form halber seien aber bspw. genannt: „Two minutes to midnight“, „Die with your boots on“, „Children of the damned“, „The Trooper” und “Fear of the dark”. Erwähnenswert sei noch angefügt, dass Bassmann Peter (in alter Steve Harris-Manier) stilecht mit gestreifter Stretchjeans auf der Bühne stand. Insgesamt schon recht authentisch und an diesem Abend für die meisten Besucher ein echter Garant für gute Laune.

SABATON

Um drei Minuten nach 23h enterten SABATON die Bühne. Für den deutlichen Großteil des Publikums des Hellter Skelter schienen die Schweden genau die richtige Wahl zu sein, um als Headliner des dritten Tages zu fungieren. Vor den Absperrungen wurde es – sofern das bei der insgesamt sehr geringen Besucherzahl möglich ist – richtig kuschelig und die Damen und Herren grölten die Lyrics i.d.R. erschreckend textsicher mit. Ich für meinen Teil war schon beim Soundcheck ziemlich angenervt, da SABATONs Keyboarder Daniel ziemlich rüpelhaft auftrat und nichts Besseres zu tun hatte, als ständig vollkommen unangebrachte sexualisierende Kommentare von sich zu geben. Der Begriff „Adoleszenz“ durchkreuzte meine Gedanken dann auch erneut äußerst hartnäckig, als Fronter Joakim beim Beginn des Gigs in Augenschein trat. Schon nach den ersten Momenten war ich äußerst abgeschreckt vom selbstverliebten Auftreten des Selbigen – obwohl er mit seiner unkleidsamen Weste, die eher in den Bereich Cypberpunk gehört, und seiner Cop-Sonnenbrille ziemlich bescheiden aussah und eher an einige der Plakate zu den vielen Competitions des Stefan Raab erinnerte. Gespielt wurden Stücke wie „The art of war“, „Into the fire“, „Wolfpack“ und „40:1“. Und natürlich „The rise of evil“, welches Joakim – ganz dem genannten Verhalten entsprechend – als Song über sein Genital ankündigte. Wo bin ich denn hier gelandet, dachte ich mir. Aber: Der Rest der anwesenden Besucher fand’s lustig, und so sollte ich mich vielleicht eher fragen, was bei mir falsch gelaufen ist. Insgesamt war ich tatsächlich froh, dass ohnehin eine zeitige Abreise zwingend angesetzt war, da am Sonntag Tagewerk auf dem Programm stand.

Copyright Fotos: Anne Zimmermann

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