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HELMET – TOTIMOSHI

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 13.02.2009

HELMET-Shows sind ähnlich wie Klassentreffen. Alle paar Jahre kommt man zusammen, trifft Leute, die man seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat, philosophiert über die gute alte Zeit und wie sich alles mittlerweile verändert hat, hebt zusammen einige weg, pogt zu alten Rock-Klassikern und vergisst einen Abend mal seinen Alltagsstress. Und die Band gehört dazu, als wäre es nie anders gewesen. So auch an diesem Freitag, dem 13.! So führte Page Hamilton seine legendäre Post Punk-Band HELMET wieder nach Bielefeld, um mit „alten Freunden“ ordentlich zu rocken. Und alle kamen sie: die alten Rockabillies, Punks, Metaller und solche, die dies mal waren und mittlerweile einen soliden Lebensweg eingeschlagen haben, aus dem sie endlich mal wieder ausbrechen wollten.

Doch bevor es soweit war, sollten TOTIMOSHI den Abend einleiten. Doch dies schien erstmal recht wenige Anwesende zu interessieren, denn im Raucherraum und draußen vor der Tür war wesentlich mehr los als vor der Bühne selbst. Das mag einerseits daran liegen, dass viele erstmal mit alten Bekannten bei dem einen oder anderen Bierchen alte und neue Anekdoten austauschten, aber auch daran, dass der bluesiger Stoner Rock des Trios aus Kalifornien niemanden so wirklich mitreissen konnte. Dabei verstehen Tony Aguilar, Basserin Meg Castellano und Drummer Chris Fugitt ihr Handwerk voll und ganz, sonst hätte HELMET-Chef wohl weder als Co-Producer mit am Album gearbeitet, geschweige denn die Band mit auf Tour genommen. Doch der bluesige Garagen-Rock mit seinem leichten Latino-Einschlag lief an den bisherigen Gästen doch recht klar vorbei. Zwar konnten die drückenden Rhythmen, die komplexen Bassläufe und die im ganzen leicht psychedelisch angehauchten Tracks nach und nach einige Leutchen vor die Bühne ziehen, mehr als aufmunternder Applaus und das ein oder andere mitwippen war aber nicht drin. An diesem Abend wollte einfach der Funke von Band nicht auf die Fans überspringen.

Ganz anders natürlich bei HELMET, die sich wohl einiges vorgenommen hatten (siehe Setlist). So legten Sänger/ Gitarrist und Mainman Page Hamilton und seine derzeitigen Gefolgsleute auch gleich lautstark und mit pumpenden Sound mit „Distracted“ und „Renovation“ los. Klar waren die ersten Leute im nun sehr gut gefüllten Forum so gleich in Bewegung und mit „Exactly what you want“ und “Like I care“ bekam man schon gleich zu Beginn die ersten Knaller vor den Latz gehauen. Das Ganze in einem brachialen Sound in dem die Gitarren nur zu drückten und auch die wuchtigen Drums für ordentlich Schub sorgten. Page Hamilton ist an sich als recht umgänglicher Zeitgenosse bekannt, der sogar über recht ordentliche Deutsch-Kenntnisse verfügt. Doch an manchem Abend kann auch der New Yorker mal genervt sein. Das ist allerdings ist wenig verwunderlich, waren doch unter den alteingesessenen Fans natürlich auch wieder Nervköppe, die schon von Start an vehement „In the Meantime“ forderten (nicht, dass es sowieso klar ist, dass der Song im Set ist) oder im vollstrunzenden Kopp direkt vor dem Sänger vor der Bühne stehen und penetrant nach diversen persönlichen Faves schrien, welche vom Bandchef aber überhaupt nicht geplant waren und auch nicht spontan gespielt werden wollten. So wurde der besoffene Kollege von Hamilton schlussendlich als „Du bist also die Strafe für alle meine Jugendsünden“ bezeichnet und dackelte angefressen zur Theke, um sich den finalen Abschuss zu verpassen. Hamilton dagegen orderte erstmal eine Runde Jägermeister für sich und die Band mit dem Hinweis, dass einen dieser Stoff jünger, schöner und vor allem die Frauen schnell schöner werden lässt. Passend beschäftigte sich der Ami dann kurz mit einem weiblichen Fan, welche er wohl schon von vorigen Gigs dieser Tour wiedererkannte. Da die Setlist nun natürlich völlig aus dem Plan war, improvisierte man nun spontan eine sehr eigene Version des wiederum von einem Fan vehement verlangten „Sinatra“, um dann endlich zu den nächsten Knallern „Diet Aftertaste“, „Ironhead“ und natürlich „Unsung“ zu kommen, die natürlich vor der Bühne recht ordentlich, wenn auch nicht zu euphorisch abgefeiert wurden. Dies war dem Fronter dann wohl nicht ausreichend, so wurde er nicht müde zu erwähnen, dass die Fans in Stuttgart tags zuvor doch eine ganze Ecke mehr mitgerockt hätten. Wahrscheinlich wäre dort wohl zumindest der erste von insgesamt drei Stage-Divern nicht vor der Bühne hart auf den Hallenboden geklatscht… In der kurzen Pause vor den Zugaben genehmigte sich die Band dann endlich den ersehnten Jägermeister, ehe es mit den obligatorischen Zugaben „Wilma’s Rainbow“ und natürlich „In the Meantime“ noch mal richtig zur Sache ging und zum Finale auch im Pit doch endlich mal richtig Bewegung aufkam.

Leider war die Setlist durch den etwas turbulenten Verlauf doch ordentlich aus den Fugen geraten, so dass mir in den gut 90 Minuten leider nicht mehr potenzielle Pflicht-Songs der Marke „Pure“, „Milquetoast“ oder „TIC“ zu Gehör kamen. Und auch trotz dem etwas ungewohnten Verlauf der Show wurde eines mehr als deutlich: HELMET rocken auch 2009 noch immer fett nach vorne, überzeugen durch einen motivierten wie auch souveränen Auftritt, einen mega-druckvollen Sound und vor allem hat Page Hamilton auch nach fast 20 Jahren Bandgeschichte immer noch sichtlich Spaß daran, Gassenhauer wie „In the Meantime“ oder „Unsung“ mit einer Energie runterzurocken als wären es die frühen 90er. Solange Page Hamilton Bock dazu hat, werden HELMET-Shows auch weiterhin Pflichttermine bleiben!

Setlist HELMET (geplant)
Distracted
Renovation
Exactly
Like I care
Driving Nowhere
Swallowing Everything
Bored
Ironhead
Speechless
Diet Aftertaste
Unsung

Role Model
Wilma’s Rainbow
In the Meantime

Milquetoaste
Pure
On your Way down
TIC
Blacktop
Harmless
Bad Mood

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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