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HERBERT GRÖNEMEYER

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 15.11.2012

Der Metal-Spezi Moses bei HERBERT GRÖNEMEYER??? Na sicher doch!

Wenn der größte deutschsprachige Pop/ Deutsch Rock-Künstler („Mensch“ – 2002 – ist das mit Abstand meistverkaufte Album der deutschen Musikgeschichte ever!) zudem noch in der Heimatstadt des Rezensenten gastiert, dann sollte man das nicht verpassen. Zumal der für GRÖNEMEYER eher intime Gig im Ringlokschuppen eine ganz besondere Note hatte, da zum 30-jährigen Bühnenjubiläum nur einige kleine Clubs in ausgewählten Städten auserkoren wurden, dieses Event präsentieren zu dürfen. Insgesamt nur 13 Gigs in 12 Städten (Wien zweimal), 10 in Deutschland und je einer in Österreich und der Schweiz, wurden abgerissen auf der „Blick Zurück – 30 Jahre: Halbzeit“-Tour, die man speziell den ganz ganz langjährigen Fans widmete. Jene durften dann auch die Setlist über Herbies Homepage bestimmen und aus einem Pool von 55 Songs ihre 25 Favoriten auswählen, es sollten auf dieser Tour nur Sachen gespielt werden, die schon Jahre oder gar Jahrzehnte nicht mehr in seiner regulären Setlist aufgetaucht sind! Ein Schmankerl sondergleichen, wie die unten aufgelisteten Songs beweisen. Die personalisierten Tickets gab es im Übrigen auch nur über Grönemeyers Homepage, alle Gigs waren selbstredend ausverkauft.

Und so sahen meine Frau und ich nach problemlosem und sehr freundlichem Einlass einen prall gefüllten, aber dennoch nicht überfüllten großen Saal im Rilo. Das buntgemischte Publikum war schon bester Stimmung und skandierte „Herbert, Herbert“, der sich ein wenig bitten ließ und statt wie geplant um 20 Uhr erst um kurz nach halb 9 unter lautem Jubel mit einem „Guten Abend Bielefeld“ und „Fisch im Netz“ loslegte. Mit sichtlichem Spaß in den Backen und sehr engagiert ging Herbert samt Band (die im Übrigen größtenteils schon seit den Anfängen 1982 dabei ist!) aus dem Stand mit Vollgas auf eine zweieinhalbstündige Zeitreise durch seine Diskografie. Stimmlich und instrumental gewohnt rockiger als auf Platte zündete man 24 selten gespielte und lange nicht gehörte “B-Perlen“, was den Musikern sichtlich Spaß bereitete. Unterstützt durch eine perfekt abgestimmte und sehr stimmungsvolle Lightshow ging es auf eine bunte Reise durch 30 Jahre Bühnen-GRÖNEMEYER. Der Meister selber hatte zwischen den Songs immer wieder sehr kurzweilige Anekdoten auf Lager (großartig, dass selbst bei einem solchen Megastar, der er ja mit „Bochum“ 1984 geworden war, die Plattenfirma die Folgeplatte „Sprünge“ bei der internen Vorstellung erst mal gar nicht verstand… haha!, auch gut: frühste Konzerte 1982 vor 2 zahlenden Gästen oder: „vor der Bühne sollten immer mehr Leute sein, wie auf der Bühne“ – folglich noch Gäste aus dem angrenzenden Kaffee eingeladen! Aller Anfang ist schwer…) und konnte mit diversen spaßigen Tanzeinlagen punkten. Stimmlich wie gehabt voll auf der Höhe, wenn auch einige kleine Texthänger und Improvisationen zu verzeichnen waren.

Trotz natürlich vorgetragener Gänsehaut-Piano-Balladen im Mittelteil der regulären Setlist, war, ist und bleibt GRÖNEMEYER ein Rocker. Natürlich nicht im Sinne der SCORPIONS, aber Schlagzeug, Bass und Gitarren bilden ein erdiges Fundament, bei dem er gerne und oft seine Mikro-Röhre auspacken kann. Wer´s nicht glaubt, der gebe sich nur mal das vollkommen geile „Für Dich da“! Nicht nur die dazugehörige Überscheibe „Bochum“ rotierte seinerzeit in „Heavy Rotation“ auf meinem Plattenteller, sondern später auch „Sprünge“ und „Ö“! Machte sich immer mal gut zwischen all den Metalplatten (yeah, Vinyl!). Da freute ich mir natürlich ein drittes Bein bei Krachern wie „Kinder an die Macht“, „Unterwegs“, „Tanzen“, „Komet“ oder „Bist Du taub?“. Da diese Tour ja für alteingesessene Fans gefahren wurde, durfte man sich natürlich auch über ganz frühe Werke freuen, denn „Bochum“ war 1984 ja schon seine fünfte Platte. Von der 1983 erschienen „Gemischte Gefühle“ wurden „Kaufen“, „Moccaaugen“ und „Diamant“ freudig gezockt und von der 82er-„Total Egal“ der Titeltrack. Die beiden ersten Werke „Grönemeyer“(1979) und „Zwo“(1980) wurden nicht berücksichtigt – leider. Immer wieder feine Soundtupfer brachten der Einsatz des Saxophons oder des Tamburins, letzteres von Grönemeyer grinsend selber bearbeitet. Die etwa 2600 Gäste waren jederzeit Lautstark zugegen, Herbert interagierte reichlich mit dem Publikum und die Stimmung hätte kaum besser sein können. Nach gut 2 Stunden hieß es mit dem musikalisch wie textlich grandiosen „Kinder an die Macht“ zum ersten Mal Abschied nehmen unter tosendem Applaus. Natürlich ließen sich die 7 Herren nicht lange bitten und so startete der erste Zugabenblock mit dem für Bielefeld gespielten „Ich will mehr“, welches das sonst an dieser Stelle präsentierte „Unbewohnt“ ersetzte. Nach einem fulminanten „Jetzt oder Nie“ und „Selbstmitleid“ ging es erneut in den Backstagebereich, aber der zweite Zugabenblock sollte umgehend folgen. Auf „Marie“ folgte das lautstark geforderte „Tanzen“ und nachdem „Heimat“ verklungen war hieß es mit dem ebenfalls lange schon geforderten „Unterwegs“ endgültig Abschied nehmen für heute Abend. In einigen Städten wurde gar noch ein drittes Mal die Bühne erneut geentert (mit „Ich hab Dich lieb“ und „Bloß geliebt“), dies blieb Bielefeld aber an diesem Abend verwehrt. Das Saallicht ging an, und rundum glückliche und freudige Fans verließen entspannt den Rilo.

Satte zweieinhalb Stunden bestes Entertainment fanden somit vorerst ein Ende. In dieser Form wird es eine solche GRÖNEMEYER-Tour wohl so schnell nicht wieder geben, es sollte etwas Besonderes sein und genau das war es auch! Jeder, der hier nicht dabei war, hat definitiv was verpasst. Vielleicht schafft es ja auf der nächsten Stadion/ Riesenhallen-Tour der eine oder andere ausgebuddelte Song in die Setlist, wäre wünschenswert. Danke Herr Grönemeyer, großartiger Abend!

Setlist
Fisch im Netz
Deine Liebe klebt
Ich dreh mich um Dich
Komet
Viertel vor
Letzte Version
Total Egal
Kaufen
Diamant
Moccaaugen
Kein Verlust
Bist Du Taub
Morgenrot
Für Dich da
Luxus
Haarscharf
Kinder an die Macht

Ich will mehr
Jetzt oder Nie
Selbstmitleid

Marie
Tanzen
Heimat
Unterwegs

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