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HERBERT GRÖNEMEYER

Ort: Bielefeld - Schüco Arena

Datum: 01.06.2008

HERBERT GRÖNEMEYER befindet sich mal wieder oder immer noch auf Tour mit seinem 4-fach Platin veredelten aktuellen Album „12“ (oder „ZWLF“ wie es in großen Lettern das Backdrop ziert) und unter 25.000 Zuhörern tritt er wahrscheinlich gar nicht mehr an, also hieß es heute: Auf zur Alm, auf in die Schüco-Arena in Bielefeld. Mitten im Wohngebiet platziert sind Parkplätze natürlich Mangelware, Parkplatzsuche und ein längerer Fußmarsch also vorprogrammiert. Das Wetter könnte für ein Open-Air Event nicht besser sein, blauer Himmel mit Schäfchenwolken und angenehme Abendsonne, als wir gegen 19.25 Uhr den Innenraum der Arena betreten. Herr DENDEMANN hat zu diesem Zeitpunkt seinen Job als Aufwärmer bereits erledigt und da hier pünktlich um 22 Uhr Schluss sein muss (und jede weiteren angefangenen 5 Minuten mit 20.000 Euro Strafe zu Buche schlagen, wie uns Herbert später noch verrät) ist auch mit einem pünktlichen Beginn zu rechnen. Rechts und links der Bühne sind Großbildleinwände installiert, auf denen nun eine große Uhr noch einmal das Thema „12“ aufnimmt und mit anschwellendem Applaus auf High Noon zutickt. Zu den Klängen eines orchestralen Intros betritt Herbert in weißem Hemd die Bühne, läuft einmal den Steg, der ins erste Drittel des Innenraums ragt auf und ab und beginnt den Abend am Piano mit „Leb in meiner Welt“. Mehr Schwung in die Bude kommt dann mit „Kopf hoch, tanzen“, ehe es mit dem Single-Hit „Stück vom Himmel“ weiter geht, natürlich opulent unterstützt von Herberts grandioser Liveband, zu der auch eine Handvoll Streicher gehören.

Eine gefühlte Ewigkeit schreibt Herr Grönemeyer schon Musikgeschichte und weit an die Anfänge ging es nun mit „Musik nur, wenn sie laut ist“. Das Publikum ist bunt gemischt von 6 bis 60 und für viele gehören bestimmte Grönemeyer-Lieder wohl zum Soundtrack ihres Lebens, wie „Halt mich“, für mich eines der schönsten deutschsprachigen Liebeslieder, das mir mit pathetischem Streichereinsatz einmal mehr die Tränen in die Augen treibt. Unangenehm, dass es zu diesem Zeitpunkt noch elendig hell ist, aber die Frau vor mir zückt auch ihr Taschentuch, wie tröstlich. Mit „Glück auf, Glück auf“ folgt nun „Bochum“ und verwandelt die Arena in ein Tollhaus. Es reicht, wenn Grönemeyer nur jede dritte Zeile singt, den Rest besorgen die Fans. Anschließend drückt der bekennende Fußballfan sein Bedauern über das üble Benehmen Bochumer Fans auf der Alm aus und wünscht unter zustimmendem Applaus des Publikums dem zu Schaden gekommenen Sicherheitsmann alles Gute. „Paßt zwar jetzt nicht: Aber jetzt kommt „Alkohol““ kündigt Herbert den nächsten Klassiker an. Es folgt aktuelles Material, unter anderem „Marlene“, das die AIDS-Problematik thematisiert. Doch zwischen ernsten Themen wird es auch immer wieder launig. „Ich sehe ja nicht nur gut aus, ich kann auch gigantisch gut Gitarre spielen“ lässt uns Herr Grönemeyer wissen und tritt mit „Spur“ gleich den Beweis an. Doch einige Minuten später stielt ihm ein Heissluftballon für einen Moment die Show, der majestätisch im Tiefflug die Arena überquert und da müssen alle 25.000 mal winken und der Herbert sogar auch. Natürlich hören wir auch noch „Mensch“, das der Herbert gar nicht aufhören will zu singen und auf „Bielefeld, Bielefeld“ kleine Operneinlagen gibt. „Männer“ lässt die Ränge weiter steppen, ehe die Musiker erstaunlich früh kurz nach 21 Uhr die Bühne zum ersten Mal verlassen.

Doch hier fällt ja bekanntermaßen erst um 22 Uhr der Hammer und so geht es nach einer kurzen Verschnaufpause weiter. Herbert trällert immer wieder „So schön, so schön“ und im ersten Zugabenblock gibt es dann „Demo“, „Was soll das“ und „Zum Meer“, ehe er sich erneut zurück zieht. Nach gefühlten 5 Minuten geht es mit „Land unter“ weiter und Herbert gerät ins Quasseln, besinnt sich dann aber schnell wieder, warum die Leute wohl gekommen sind: „Wir haben heute noch gar nicht zusammen gesungen“ Und nun singt das ganze Stadion (wohl in EM Erwartungsfreude) „Zeit, dass sich was dreht“. Abermals verlassen alle die Bühne, doch ein Blick auf die Uhr sagt, 3 Titel sind noch drin und so gibt es am Ende eines wunderbaren Abends noch „Flugzeuge im Bauch“, „Vollmond“ und „Zur Nacht“ und endlich kann man auch ein wenig die Lightshow genießen und ein paar Feuerzeuge und Wunderkerzen gegen den Abendhimmel ausmachen.

Hier stimmte also wieder mal alles, das Wetter, ein gut aufgelegter Herbert, eine tolle Liveband, satter Sound und gute Stimmung bei den Fans. Nur der große Rahmen und die Tatsache, den Herbert außer auf der Leinwand nur streichholzgroß wahrgenommen zu haben schmälert für mich ein wenig das Konzerterlebnis. An Duisburg oder Essen, wo ich vor 20 Jahren auf der Schulter meines ersten Freundes Aug in Aug mit Herbert und vielleicht 3000 anderen gegrölt habe, wo nach 2 Stunden ohne Unterbrechung die ersten Reihen gefragt wurden, was sie denn gerne als nächstes hören wollen und „Currywurst“ noch zur obligatorischen Zugabe gehörte, reichen derartige Großereignisse leider nicht mehr ran.

Setlist:
Leb in meiner Welt
Kopf hoch, tanzen
Stück vom Himmel
Musik nur, wenn sie laut ist
Halt mich
Bochum
Alkohol
Ich versteh
Marlene
Du bist die
Spur
Der Weg
Mensch
Bleibt alles anders
Männer
Liebe liegt nicht in der Luft

Demo (letzter Tag)
Was soll das
Zum Meer

Land unter
Zeit, dass sich was dreht

Flugzeuge im Bauch
Vollmond
Zur Nacht

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