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HERBERT KNEBEL (SOLO)

Ort: Osnabrück - Stadthalle

Datum: 07.06.2008

„Ich glaub mich holnse ab“, lamentiert HERBERT KNEBEL und genauso heißt auch das Solo-Programm des nörgelnden Frührentners aus Essen. Niemand mäkelt so brillant und unter Verwendung des wortwitzigen Ruhrpott-Slangs wie Herbert, der sich in endlosen Monologen über Diätwahn, Kontaktanzeigen, Talentshows, Modetrends oder das Gesundheitswesen auslassen kann. Sehr zur Freude des gemischten Publikums überwiegend jenseits der 35, das den großen Europasaal samt Empore weitgehend mit Beschlag belegt hatte. Und das trotz Eröffnung der Fußball-EM!

Dabei machte sich Herbert gleich mit dem Thema Fußball bei den Osnabrückern unbeliebt, schickte er den VfL doch in die 4. Liga, was er aber mit dem Umstand erklärte, das sein Heimatverein Rot-Weiss Essen dort zuhause sei. Sehr heimelig war auch das Bühnenbild, bestehend aus zwei Stühlen, einem 50-Jahre-Tischchen und einem verschlissenen Perserteppich. Fragte sich nur, warum zwei Stühle? Schließlich bestritt der Grantler ein Solo-Programm, aber das wird traditionell auch durch AFFENTHEATER-Gitarrist Ozzy Ostermann (Georg Göbel) an der Akustikgitarre bereichert. Eigentlich hätte Herbert gern auch mal jemand anderes zur Unterstützung gehabt, sogar die „Wildficker Drecksbuben“ hatte er neben Max Reger und Paul Kuhn gefragt, jedoch nur Absagen erhalten und so war dann doch wieder der alte Kollege mit von der Partie. Bevor Ozzy allerdings das erste Mal angetan mit einer sehr farbenfrohen „Bluse“ (O-Ton Herbert) in die Saiten greifen konnte, erzählte Kumpel Knebel von seiner „Verwandtschaft Zweiter Klasse“, will sagen seiner schreckhaften Schwägerin Ilona Schäfer, der er in „Alfons Hitchcock“- Manier mit einem langen Brotmesser auflauerte. Als Versöhnungsangebot wollte er mit ihr ins Kino gehen, natürlich in einen Kinderfilm, damit die Gute sich nicht gruseln musste und so viel die Wahl auf „Harry Pötter“, was sich im Nachhinein natürlich für alle Beteiligten als nicht besonders schlau erwies. Wenig erfolgreich war auch Herbert Bemühen, seinem Nachbarn Ottmar Otterbein vermittels Kontaktanzeige zu einer Partnerin zu verhelfen, dabei kennt sich ja nun wirklich niemand so gut mit dem anderen Geschlecht aus wie unser Herbert. Er selbst ist seit Jahren mit seiner Guste verheiratet, die immer wieder dem Diätenwahn erliegt. Nachdem sie auf der Kirmes erst das Kettenkarussell wegen Schlagseite von selbigem verlassen musste und anschließend beim Ponyreiten der Gaul unter ihr einknickte, sah sie sich im Spiegelkabinett in einem Zerrspiegel mit gertenschlanker Wespentaille, was zu dem Entschluss führte, die magische Kohlsuppe müsse es richten. Welche Begleiterscheinungen dies im Hause Knebel hatte, wusste Herbert sehr anschaulich zu erörtern… Genauso unterhaltsam ging es auch beim Spieleabend weiter. Weil das neumodische Spiel mit Ereigniskarten und Geheimjoker zu kompliziert war, griffen die Beteiligten wieder zum beliebten „Mensch ärgere mich nicht“, bei dem Herbert für die Spielfiguren seiner Guste eigens eine „Killerpuppe“ abstellte, die sie immer wieder ins Häuschen zurückschickte. Das muss auf die Frau Gemahlin einen erotisierende Wirkung gehabt haben, denn was Herbert zwischen 2.00 und 3.00 Uhr nachts für einen Herzinfarkt hielt, war seine Gattin, die den Nichtangriffspakt einseitig gebrochen hatte, allerdings auch beweisen konnte, dass nichts über Handarbeit made in Germany geht. Wie sprach’s der weise Rentner? „Auch bei einem Oldtimer muss der Vergaser mal frei geblasen werden, aber für den Berufsverkehr ist so ein altes Modell nix.“. Musikalisch erfuhren wir dann auch noch von der Affäre, die er einst mit Gustes drei Schwestern hatte, bevor er den Autoritätsverlust allenorten beklagte. Was seinem Kumpel Kurt Harras regelmäßig als St. Martin wiederfährt, erträgt dieser nur, indem er sich gemeinsam mit dem Pferd und dem Bettler betrinkt und auch der Lehrerberuf birgt inzwischen seine Tücken, so dass manche Pädagogen gar nicht mehr in die Klassenräume gehen, sondern per SMS unterrichten, weil die Blagen sonst eh nicht reagieren. Hart zu Gericht ging er auch mit dem diversen Talentshows, die ihn ganz unmittelbar betreffen, weil aus der Nachbarschaft Sandra Kokeschinski ihre Talente falsch einschätzt. Was die Älteren in der Siedlung für Fliegeralarm hielten, waren nur Gesangsübungen von „Sandra O.“, die zu Herberts Entsetzen sogar eine Runde weitergekommen ist. Eine „Eisenwarenkapelle“ wie METALLICA hätte solche Shows definitiv nicht nötig gehabt und würde das „Blockflötengesicht“ Dieter Bohlen noch nicht mal als Kartenabreißer einsetzen. Ein wahrer Dorn im Auge waren ihm auch einige Modeerscheinungen. So wie die „Installateurmode“ (extrem niedrige Leibhöhe, so dass Knebel sich angesichts der Arschritze auch schon mal fragt, ob schon wieder Weltspartag ist) und „Rollbraten“ in kurzen Leibchen, die vorn ein „Pierzing“ und hinten eine „Tätowation, die wie eine Gürtelrose aussieht“, freilegen. Da lobt er sich doch seinen Opa-Look, den er höchstpersönlich kreiert hat und zweifellos ist HERBERT KNEBEL ohne Kappe, beigefarbene Jacke und Hochwasserhose gar nicht vorstellbar.

Nach der Pause ging es weiter mit Herberts Erlebnissen mit Goldi, dem Hamster von Nachbarsjungen Dieter, den Knebel einige Tage in Pension hatte, weil der arme Junge mit seinen Eltern in den Osten musste. Leider passten die Biorhythmen von Goldi und Herbert gar nicht zusammen, weshalb der Hamster müde gemacht werden sollte. Das Unterfangen endete damit, dass der Hamster unter der Schrankwand hervor gesaugt, mit der Fusselrolle gereinigt, geduscht und trocken geföhnt werden musste. Aber immerhin herrschte nachts Ruhe! Auf ein ruhiges Örtchen wollte sich Herbert zurückziehen, als es für ihn ganz dicke kam: Erst kein Klopapier, dann pfeift der Wasserkessel, der Schlüssel der Klotür bricht ab, Flucht aus dem Klofenster und Wiedereintritt in die Wohnung über das gekippte Balkonfenster, was einen Polizeieinsatz auslöste. Klingt nach einem Katastrophenfilm mit „Brutze Willi“, aber die wahre Katastrophe ist das deutsche Gesundheitssystem, wie Knebel im Wartezimmer eines deutschen Krankenhauses feststellen musste, als er vom Wodka seines neuen weißrussischen Nachbarn Vitali blind geworden war, der sich dort allerdings sehr heimisch fühlte. Nachdem Ozzy noch mal ein instrumentales Intermezzo einlegte, erläuterte Herbert, wie es war als die Spüle unter Strom stand, bevor er ausrastete als er von seinem Erlebnissen in der Postbank-Hotline berichtete. Nichts ist schöner als ein „halsender“ HERBERT KNEBEL – das fanden auch die Osnabrücker, die sich der Lachtränen nicht mehr erwehren konnten. Manch einer der anwesenden Herren fand wohl auch seine eigene Gattin wieder als Herbert die „Urinenten“ beschrieb. Gemeint waren seine Frau Guste und deren Freundin Gerda, die an keinem Dixi-Klo vorbei kommen, ohne ihre nervöse, gereizte und entzündete Blase zu entleeren. Den passenden Song hatten Herbert und Ozzy selbstverständlich auch in petto, wobei in dem Medley natürlich „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ von MARIUS MÜLLER-WESTERNHAGEN nicht fehlen durfte. Viel entspannter war der Venedig-Trip von Herbert, Helmut Borsig und Kurt Harras. Letzterer hat als Polizist für freie Fahrt gesorgt, so war die Strecke ab Kreuz Breitscheid bis Venedig auf dem Standstreifen locker in sieben Stunden zu schaffen. Statt unnötiger Kleidungsstücke zum Wechseln, wurde der Kofferraum mit Bierkisten voll gemacht, da machen „Dosenpalast“ und „Langungen“ doch gleich doppelt so viel Spaß. Weniger witzig war der Umstand als Guste just in dem Moment krank wurde, als die heimische Auslegeware nach einem Verwandtschaftsbesuch aussah als hätte sich jemand von der al-Qaida mit seiner Knabbersammlung in die Luft gesprengt. Wie gut, dass just in diesem Moment ein Staubsaugervertreter an der Tür schellte. Dieser Umstand ließ Knebel wieder an den lieben Gott glauben, der einen Engel mitsamt Rohr auf die Erde geschickt hatte, um Herbert von seinen Sorgen zu befreien.

Inzwischen waren fast zwei Stunden vergangen und langsam wurde es für den rüstigen Rentner doch Zeit, von der Bühne zu kommen. Die Fans verlangten allerdings noch eine Zugabe, also berichtete Herbert noch von seinem Konzertbesuch. Es gab „Vier Waldi – Alle Jahreszeiten“ und tatsächlich war die Combo so gut, dass Knebel im Sommer geölt hat, dass ihm der „Saft in der Kimme zusammenlief“, welcher dann im Winter gleich mal fest fror. Als Serviceleistung wurden dann noch mal Fußballergebnisse nachgereicht , um mit einer weiteren musikalischen Darbietung zu enden: Die beiden Protagonisten des Abends stimmten „Gezz und für immer“ nach der Melodie von „Sole Mio“ an und sorgten für ein dramatisches Finale, das mit tosendem Beifall belohnt wurde.

Auch auf Solo-Pfaden sorgt HERBERT KNEBEL problemlos für gute Laune und unterhaltsame Stunden. Fans des AFFENTHEATERs dürfen sich übrigens auf ein neues Programm freuen. Im August wird „Love is in Sie Er“ Premiere haben und wir hoffen, das HERBERT KNEBEL, Ozzy Ostermann, Ernst Pichel und der Trainer dann auch in terrorrelevantes Gebiet einfallen.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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