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HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER

Ort: Osnabrück – OsnabrückHalle

Datum: 28.04.2012

Es schien ganz so, als sei der Frühling endlich in unsere norddeutschen Breiten gekommen, doch trotz des lauen Lüftchens, das um kurz vor 20.00 Uhr noch durch Osnabrück wehte, zog es jede Menge Leute nicht in den Schlossgarten oder die Außengastronomie, sondern in die benachbarte OsnabrückHalle. Grund dafür waren vier Rentner aus dem Ruhrpott, die da auf den Namen Herbert Knebel, Ozzy Ostermann, Ernst Pichl und „Der Trainer“ hören. Die Jungs stehen seit nunmehr 24 Jahren auf der Stage, um sich ein paar Kröten zur Rente hinzuzuverdienen und präsentierten im nahezu vollbesetzten Europasaal ihr zwölftes Programm mit dem Titel „Der Letzte macht dat Licht aus“.

Das Quartett – allen voran natürlich HERBERT KNEBEL – hatte sich mal wieder ordentlich Gedanken über Gott und die Welt gemacht und wusste auch musikalisch einmal mehr restlos zu überzeugen. Nach den ersten philosophischen Diskursen gab’s gleich einmal ein knackiges STATUS-QUO-Cover auf die Ohren, bei dem es nicht mehr „Whatever You Want“, sondern „Was immer jetzt kommt, dat wird ein Hit!“ hieß. Tatsächlich folgten in den kommenden 125 Minuten Bühnenshow ausschließlich Highlights, die es in sich hatten. Wenn Herbert K. schildert, wie er bei Starbucks versucht hat, einen Kaffee zu ordern, sind Lachtränen garantiert und das Pensionärsmedley mit Perlen wie „70 Jahr, graues Haar“, „Du kannst nicht immer 70 sein“ oder „Mit 70 hat man noch Träume“ brachte gar Reggae und Mundharmonika ins Spiel. Überhaupt war die musikalische Darbietung stilistisch breit gefächert. Da konnte es auch schon mal jazzig werden – inklusive Ausdruckstanz vom Bandleader persönlich, der seinen ganz großen Auftritt jedoch am Ende der Show hatte, als er im weiß-glitzernden Anzug (den er übrigens ELVIS PRESLEY Ende der 50er Jahre mal in Heidelberg geliehen hatte) „Suspicious Minds“ vom King zu Gehör brachte. Bis dahin sollte es jedoch noch ein wenig dauern und die Zeit wurde ausgiebig genutzt, um über den Sinn- und Unsinn von Urlaubsreisen zu schwadronieren. Natürlich mit der passenden Untermalung, wie etwa „Hauch mich bloß ab mit Argentinien“, das natürlich an „Don’t Cry For Me Argentina“ angelehnt war und mit dem Kollege Knebel seiner Frau Guste den südamerikanischen Staat als Fernweh-Ziel ausgeredet hat. Da produzieren nämlich unzählige Rinder unentwegt Methangas und das kann der patente Ruheständler seit Kindertagen selbst. Außerdem liegt nur in seinem Essen-Altenessen „der Gulliduft der Heimatstraße“ in der Luft. Wenn es ihn in die Ferne zieht, dann reicht Herbert der Essener Bahnhof oder er macht mal mit dem Auto einen Ausflug Richtung Aachen, das übrigens von Altenessen aus gesehen ziemlich nahe an Kassel liegen muss. Als Kind und auch gemeinsam mit seiner Gattin weilte Herr Knebel aber auch schon in Italien in der Sommerfrische, wo er als Alain Delon (gesprochen: Aläng Deläng) von Altenessen bekannt war. Daran hatte Ozzy Ostermann, dessen Körpermitte deutliche Kugelform angenommen hat und der wie üblich in einem äußerst attraktiven Outfit am Start war, allerdings seine Zweifel und machte gleich einmal vor, wie man mit Ausstrahlung und Charisma bei den Damen punktet. Mit dem Trainer an den Keys wurde es elektronisch und dank dem hüftkreisenden Ozzy am Mikro heiß, denn zu „Do You Think I’m Sexy“ und „Ozzy Cool“ versprühte der Gitarrenmann knisternde Ruhrpotterotik, die den Saal zum Kochen brachte. Vor der Pause berichtete Herbert noch im Alleingang vom Hasenrückenessen (den selbst totgefahrenen Hasen hatte er eigenhändig gebrutzelt) mit seiner veganen Enkeltochter Jackeliene, ehe er gemeinsam mit dem AFFENTHEATER mit krachender Intonation dem Problem des Blutzuckers auf die Spur kam. Die Vorlage „Brown Sugar“ war natürlich den STONES geschuldet und schon verschwanden die Altherren in der Garderobe, um sich für die nächsten 20 Minuten mit Süßigkeiten vollzustopfen.

Wieder zurück, stellten die rüstigen Rentner erstaunt fest, dass ihr vermeintlich einfach gestrickter Schlagzeuger Gedanken lesen kann und gemeinsam fasste man Herberts Zukunftsgedanken in dem Lied „Stell Dir vor, et gibt kein Kraftstoff“ in Abwandlung der JOHN-LENNON-Nummer „Imagine“ zusammen, um nach diesem eher ruhigen Intermezzo eine krachende Fußballhymne nach Art des Hauses rauszuhauen, die auf dem „Song 2“ von BLUR basierte. So in Stimmung gekommen, jagte der Vierer gleich noch sein „Rauch aus’er Wohnung“ („Smoke On The Water“ – DEEP PURPLE) hinterher, mit dem das reguläre Set um kurz nach 22.00 Uhr endete. Natürlich konnte es das noch nicht gewesen sein, schließlich war ja auch die anfängliche Frage, wer denn nun das Licht ausmacht, noch nicht geklärt und so kamen die Osnabrücker zunächst einmal in den Genuss eines ganz besonderen Elvis-Imitators, der in seiner Jugend auch ne Schmalztolle trug, jedoch auf Kappe umgestiegen ist, nachdem ihm vom vielen Brisk die Haare ausgefallen waren. Ganz großes Kino, das mit entsprechendem Applaus belohnt wurde! Nun nahte jedoch tatsächlich das unvermeidliche Ende, das mit der Bandvorstellung eingeläutet wurde. HANNES WADER lieferte mit seinem „Heute hier morgen dort“ die Vorlage für das melancholisch angehauchte Finale, für das der Trainer noch einmal an die Tasten wechselte und Ozzy Ostermann die Slide Guitar bearbeitete, bevor HERBERT KNEBEL höchstpersönlich das Licht der Bühnen-Tischlampe ausmachte und das Publikum Standing Ovations spendierte.

Fast ein Viertel Jahrhundert lässt Uwe Lyko nun schon HERBERT KNEBEL in seiner unnachahmlichen Art granteln. Meistens ist sein AFFENTHEATER mit dabei und nicht weniger erheiternd. Hinter Ernst Pichl (Bass & Gitarre) steckt Martin Breuer, Georg Göbel-Jakobi ist Ozzy Ostermann und Detlef Hinze macht den Trainer. Allesamt sind sie begnadete Musiker und Comedians, die auch in ihrem zwölften Programm einen Lacher nach dem anderen provozieren und dafür sorgten, dass nicht eine Sekunde Langeweile aufkam.

Glück auf!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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