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HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER

Ort: Bielefeld – Rudolf-Oetker-Halle

Datum: 14.11.2014

HERBERT KNEBEL und sein AFFENTHEATER sind wieder unterwegs. Sie sind Männer ohne Nerven und scheuen weder Risiko noch Gefahr – das seit jetzt bereits 26 Jahren und man muss neidlos anerkennen, dass Herbert Knebel, Ernst Pichl, der Trainer und Ozzy Ostermann in all den Jahren kaum gealtert sind. Okay, Ozzy hat ein wenig an Gewicht zugelegt und beim Trainer sind die Augen schlechter geworden, weshalb er eine neue Brille brauchte…

…was sich in der ausverkauften Rudolf-Oetker-Halle in Bielefeld allerdings auch als Problem erwies, denn plötzlich sah der Drummer sich überdeutlich mit 1.500 Augenpaaren konfrontiert, die ihm beim Spielen auf die Finger schauten und schon begann das Nerven flattern. Bandleader Herbert und die Kollegen wussten den Mann in der formschönen Trainingsbuxe jedoch zu beruhigen und so wurde erst einmal ein Lied angestimmt: „Wir tun euch jetzt rocken“ war dann auch so etwas wie das Motto des Abends, der sich gewohnt kurzweilig und lehrreich gestaltete. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass der Trainer gar nicht so dumm, sondern ein echter Stadt-Land-Fluss-Experte ist, der auch vor dem Buchstaben „X“ nicht zurückschreckt? Darauf gab’s natürlich auch gleich mal einen Song für das Superbrain, nachdem Herbert zuvor berichtet hatte, wie seine Gattin Guste im Rentenalter ganz unverhofft noch zum Seepferdchen gekommen war oder ihm Gustes Gier beim Inder das Leben gerettet hatte. Curry ist eben nicht gleich Curry und am besten kommt dieses Gewürz zur Geltung, wenn eine Wurst mit im Spiel ist, die deshalb auch gleich ein Lied gewidmet bekam. Aber auch das AFFENTHEATER hatte einiges zu erzählen. Von den alten Zeiten in der Eisdiele, wo die Jukebox (die man sich als 100 Kilo schweren I-Pod vorstellen möge) versteckte Botschaften ans andere Geschlecht sandte und die Jungs so heiß waren, dass sie das Eis schlicht zum Runterkühlen brauchten. Damals war Knebel der „Siedlungsking“ und ein echtes „Wild Thing“ – wie die gesamte Kapelle überzeugend zu Gehör brachte. Inklusive wildem Gehüpfe auf der Stage und grandiosem Gekreische von Ozzy und Ernst, die DEEP PURPLEs „Child In Time“ zu ganz neuem Glanz verhalfen. Gut, die Entspannungsübungen, die Ostermann (wie immer in einem traumhaft gemusterten Oberhemd und mit Feuer in den Hüften) für den Trainer vorführte, verfehlten ihre Wirkung komplett, aber die Kumpels trösteten den Gitarrenvirtuosen mit einem aufmunternd intonierten „Go, go, Ozzy, go!“.

Die lebenserfahrenen Pensionäre sind nicht nur begnadeten Musiker, wie sie mit treibenden Hillbilly-Sounds nach der Pause bewiesen, sie erteilen auch Altersheimen eine Absage: „Ich geh’ nicht in’n Sankt Franziskus“ hieß es im Protestlied gegen Verwahranstalten für alte Menschen. Stattdessen hat sich Herbert schon mal in einer Senioren-WG umgeschaut, wo er auch seinen Jugendschwarm Petra Schlecker wieder getroffen hat, aber eigentlich schlägt sein Herz ja nur für seine Guste, die deshalb auch die Knebelsche Variante von „Ring of Fire“ verehrt bekam. Okay, da wurden noch so einige andere Frauennamen in BILLY-JOEL-Manier aufgezählt, aber wie sang Herbert so schön: „Ich stand unter Feuer“, das musste wohl auch seine Ehefrau einsehen. Zur Not wird er sie einfach abgelenkt haben, das schont nämlich auch die Nerven und schließlich war der Mann mit der Kappe in seiner Jugend in allen großen Varietes zuhause. Sogar einen Zaubertrick hatte er für die Bielefelder noch in petto! Ja, HERBERT KNEBELS AFFENTHEATER war und ist auf der Suche nach den Abgründen des Lebens: „Born to be wild!“ war das Stichwort, auch wenn die Kondition langsam nachlässt.

Deshalb taumelte Ozzy für die Zugabe auch mehr auf die Bühne als dass er ging und Bassmann Ozzy gestand: „Ich kann nicht mehr!“ – Schluss war deshalb aber noch lange nicht, ein kurzer Blues musste zum Verschnaufen reichen, dann kam der King höchstpersönlich in die Puddingstadt – wiedergeboren im Körper von HERBERT KNEBEL, der seinen weißen Konfirmationsoverall im Altkleidersack wiedergefunden hatte. Der Schnitt und die goldfarbenen Applikationen des gefälligen Kleidungsstücks hatten seinerzeit bei den Kirchenvertretern zwar für einige Verwirrung gesorgt, doch Herbert wäre nicht Herbert, wenn er dem nicht souverän begegnet wäre. „Suspicious Minds“ war auf jeden Fall ein grandioses ELVIS-Cover und als die Truppe am Ende nach zwei Stunden Spielzeit verkündete, das Wichtigste sei, „von innen jung zu bleiben“, konnte das Publikum dem nur lautstark beipflichten.

Eines ist klar: HERBERT KNEBEL und sein AFFENTHEATER sind jung geblieben und lassen mit ihrer Show so manchen „Comedian“ verdammt alt aussehen. Der Ruhrpott-Charme des Vierers war, ist und bleibt unübertroffen und auch das neue Programm „Männer ohne Nerven“ überzeugt uneingeschränkt und zeugt von musikalischer Handwerkskunst und großartigem komödiantischem Talent. Wem da nicht ein Dauergrinsen ins Gesicht gemeißelt ist, der kann auch sonst nicht viel zu lachen haben. Die Protagonisten Uwe Lyko (Herbert), Martin Breuer (Ernst), Detlef Hinze (der Trainer) und Georg Göbel-Jakobi (Ozzy) haben jedoch ganz offenkundig immer noch großen Spaß daran, auf der Bühne zu stehen, sonst würden sie sich vermutlich zwischendurch nicht selbst ein Lachen verkneifen müssen, was die Jungs im Übrigen noch sympathischer macht. Mehr davon!

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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