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HURRICANE 2010 – TAG 1

Ort: Scheeßel - Eichenring

Datum: 18.06.2010

Es war wieder so weit: Das kleine Städtchen Scheeßel am Rande der Heide potenzierte seine Einwohnerzahl, indem sie zum Hurricane lud und mit 70.000 Besuchern konnten die Veranstalter am Sonntag sogar ein „Ausverkauft“ verbuchen. Das Wetter ist in der norddeutschen Tiefebene ja leider immer ein Glücksspiel und so wurde in den vergangenen Wochen und Tagen der Wetterbericht ganz besonders intensiv von der Festival-Gemeinde verfolgt, die sich donnerstags noch einen Sonnenbrand holen konnte, während ab Freitag leider eher Frostbeulen zu erwarten waren. Für mich stand an diesem Wochenende ein kleines Jubiläum an: Mein zehntes Hurricane in Folge. Damit habe ich zwar die ersten vier Ausgaben verpasst, aber es zeigte sich, dass die nicht ganz problemlose Anreise 2001 zum Nachfolger in 2010 passte. Waren es Anfang des Jahrtausends die mangelhaften Ortskenntnisse eines Neu-Bremers, der die Ankunft am Eichenring verzögerte, hielt mich dieses Mal die Dauerbaustelle A1 vom Festivalground fern.

BIFFY CLYRO

So musste ich dann auch auf die Optik der Jungs von BIFFY CLYRO verzichten, aber immerhin versüßten mir die drei Jungs aus Glasgow, die sich bereits 1995 zusammengetan haben, den Zeltaufbau, der sich als staubige Angelegenheit erwies. Nach Tagen der Trockenheit hatte sich der Heideboden entschlossen, dem Wind zu folgen und so lag das gesamte Festivalgelände unter einer dichten Staubwolke. Aber immer noch besser als Regen, der dankenswerter Weise erst am Ende des MANDO-DIAO-Gigs mit ein paar Tropfen einsetzen sollte, um dann über Nacht doch recht energisch an meine Zelthülle zu klopfen. Davon waren wir um 15.30 Uhr jedoch noch weit entfernt und wenn man den Augenzeugen glauben darf, mit denen ich gesprochen habe, lieferten die Zwillinge James (Bass & Gesang) und Ben Johnston (Drums & Gesang) sowie Simon Neil (Gesang & Gitarre) einen perfekten Start in das Hurricane-Wochenende, der sich mit einem Mix aus Experimental-Rock, Post-Hardcore, kratzenden und unvorhersehbaren Gitarrensätzen zu animalischen Schreien und herrlichen Harmonien wunderbar abwechslungsreich präsentierte. Schließlich war auch der „Hausbau“ schnell erledigt und es konnte ins Getümmel gehen.

ALBERTA CROSS

Mein erster Besuch galt der Red Stage, die sich in bewährter Manier in einem großen Zirkuszelt befand und für die frühe Stunde schon erstaunlich stark frequentiert war. Dies mag neben den niedrigen Außentemperaturen mit viel Wind auch dem Umstand geschuldet gewesen sein, dass ALBERTA CROSS in Deutschland keine gänzlich Unbekannten mehr sind und sich bei ihrem Besuch beim letztjährigen AREA 4 bereits in die Indie-Herzen gespielt haben. ALBERTA CROSS kommen ursprünglich aus Schweden, sind über den Umweg London jedoch in New York gelandet und boten eine Melange aus Southern Rock und Folk, die hier und da mit einem Hauch Gospel garniert wurde. Petter Ericson Stakee, Terry Wolfers, Sam Kearney, Austin Beede und Alec Higgins servierten solide Kost, die schnell in Bein und Herz ging. Insbesondere der Southern-Stomper „Rise From The Shadows“ vom 2009er Erstling „Broken Side of Time“ gefiel und wurde mit viel Applaus belohnt. Sänger, Gitarrist, Fronter und Songwriter Petter (wie immer mit Hut auf der langen Mähne) tauschte hier den Sechssaiter kurzfristig gegen ein Tamburin, bevor die Lederjacke in die Ecke flog und es mit knackigen Rhythmen zu Langaxt und Orgel weiterging. In dieser Qualität wünschte ich mir das gesamte Programm, mal schauen, ob mein Ansinnen beim Musikgott Gehör fand.

FRANK TURNER

Auf dem Prüfstand stand auf der Blues Stage als nächster Mister FRANK TURNER, der dieser Tage Festival-Hopping betrieb. Gestern noch im heimischen United Kingdom, war er jetzt beim Hurricane zu Gast, um morgen wieder eine englische Bühne zu bespielen, bevor am Sonntag das übrigens total verregnete Schwesterfestival Southside an der Reihe sein soll. Los ging’s vor Ort mit „The Real Damage“ vom 2007er Debüt „Sleep Is For The Week“, das der Brite zunächst allein mit seiner akustischen Klampfe intonierte. Zum Titelsong des letztjährigen Albums „Poetry of The Deed“ kam auch die vierköpfige Band dazu, um flott und mit einer Idee Irish Folk weiterzumachen. „Reasons Not To Be An Idiot“ ist 2008 auf „Love Ire & Song“ erschienen und war bestens geeignet, nach vorn zu rocken, ehe zu „Long Live The Queen“ der Drummer Nigel Powell seinen Arbeitsplatz verließ, um bei dem von Turners Akustikgitarre dominierten Song zum Mitklatschen aufzufordern. „Love Ire & Song“ ist auch der Titel eines langsameren Tracks, den FRANK TURNER im Gedenken an einen seiner alten Lehrer gemacht hat. Die irischen Anleihen waren nicht zu überhören, ebenso wie die Tatsache, dass Frank Sänger der Punkband MILLION DEAD war. Ein ähnliches Kaliber war „Sons of Liberty“, das vom grandiosen „The Road“ abgelöst wurde, welches vom sehr tanzbaren „Photosynthesis“ gefolgt wurde. Auch wenn die Akustik nicht wirklich optimal war, weil der Wind doch einiges weggetragen hat, wusste auch FRANK TURNER zu überzeugen. Wem die 40 Minuten nicht gereicht haben, kann sich übrigens beim Highfield oder AREA 4 Nachschlag holen.

Setlist FRANK TURNER
The Real Damage
Poetry of The Deed
?
Reasons Not To Be An Idiot
Long Live The Queen
Love Ire & Song
The Road
Photosynthesis

BAND OF SKULLS

Mich zog’s zurück ins Zelt der Red Stage, wo die BAND OF SKULLS bereits seit 15 Minuten Aufstellung genommen hatten. Es gab netten Indie auf die Ohren, der Spaß machte und zwischen sehr druckvoll und groovig changierte. Die Truppe existiert zwar erst seit etwa einem Jahr, bewies aber schon jede Menge Bühnenpräsenz und die „Twilight“-Fans werden die Mucke des flotten Dreiers bereits vom Soundtrack zum zweiten Teil der „New Moon“-Trilogie kennen, auf dem BAND OF SKULLS neben Größen wie MUSE, den EDITORS, THE KILLRS oder DEATH CAB FOR CUTIE vertreten sind. Mit ihrem Gig in Scheeßel dürften die Engländer Matthew Hayward (Drums), Russell Marsden (Guitar & Vocals) und Emma Richardson (Bass Guitar & Vocals) ihre Fanbase auf jeden Fall noch mal vergrößert haben, wenn ich den begeisterten Applaus richtig zu deuten wusste.

PARAMORE

Erstmalig war es jetzt an der Zeit, an der grünen Hauptbühne nach dem Rechten zu sehen. Inzwischen zeigte die Uhr 18.30 Uhr und es war bereits erstaunlich voll auf der ehemals grünen Rasenfläche. Der Grund für diesen Jungspund-Massenauflauf waren PARAMORE, die mit ihrem Emo-Pop-Punk ganz offensichtlich den Nerv der Youngsters getroffen hatten. Vielleicht lebt die Kapelle aber auch einfach den Traum aller Kids, als Schulband zu starten und plötzlich so erfolgreich zu sein, dass man von der eigenen Mucke leben kann. Ähnlich ist es der rothaarigen Miss Hayley Williams und ihren Mannen an den Instrumenten in Franklin/ Tennessee ergangen und zweifelsohne hatten die Amis mit ihren eingängigen Songs das richtige Material im Gepäck, um der Crowd einzuheizen. Es war eine dreiviertel Stunde mit eingängigen und frischen Songs, mit denen übrigens auch PARAMORE auf einem „Twilight“-Soundtrack zu hören sind.

ENTER SHIKARI

Schneller Stellungswechsel zurück zur blauen Bühne, wo ENTER SHIKARI bereits die volle Breitseite abfeuerten. Die vier Herren aus St. Albans/ Great Britain, die die Formation vor sieben Jahren aus der Taufe gehoben haben, bezeichnen ihren wilden Sound selbst als „Trancecore“, den sie am Eichenring mit ziemlichem Geballer unters Volk brachten. Nicht eben die gängigste Kombination, aber wirklich gut gemacht, wobei Sänger Roughton „Rou“ Reynolds auch die passende Stimme für die geshouteten und clean gesungenen Vocals sein eigen nennen kann. Für mich waren die Briten, die 2008 ebenfalls beim Hurricane vertreten waren, allerdings nur ein kurzer Zwischenstopp, denn eigentlich war ich auf dem Weg zur Red Stage.

KASHMIR

Dort waren die Dänen KASHMIR dran, die gleich mit ihrem Opener „Mouthful of Wasp“ bewiesen, dass es sich gelohnt hat, fünf Jahre auf das inzwischen sechste Album „Trespassers“ zu warten. Die Vorabsingle des im März erschienenen Longplayers umfing das Zelt mit treibenden Indie-Melodien, zu denen Sänger und Gitarrist Kasper Eistrup seine ungewöhnlich hohe Stimme erhob. Bereits seit 1991 sind unsere nordischen Nachbarn in Sachen Indie-Rock unterwegs. Zweifellos hätte das Quartett noch deutlich mehr geniale Songs spielen können, doch die Zeit war auf 45 Minuten limitiert und deshalb gab’s einen Best-of-Mix aus neuen und alten Sachen, dem sich u.a. noch das orgelige „Kalifornia“ vom 2005er Vorgänger „No Balance Palace“ anschloss, dem auch der Dancefloor-Filler „She’s Made of Chalk“ entnommen war, der mit viel Beifall bedacht wurde. „Melpomene“ (2003 auf „Zitilites“ erschienen) startete ruhiger, entwickelte sich dann zu einem stoischen Stomper, der schließlich vom ebenfalls etwas gemächlicheren „Still Boy“ abgelöst wurde, womit es noch einmal einen frischen Track für die Meute gab. Unter absolut verdientem Applaus beendeten die häufig mit den frühen RADIOHEAD verglichenen Dänen ihr Set – bleibt zu hoffen, dass dem Vierer langsam auch außerhalb der Heimat, wo sie sich inzwischen regelmäßig mit ihren Platten an der Chartspitze festsetzen, die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt wird.

SHOUT OUT LOUDS

Die meinige galt nun zunächst einer weiteren skandinavischen Abordnung, die ihre Instrumente auf der Blue Stage aufgebaut hatte. Die Rede ist von SHOUT OUT LOUDS, die nicht zum ersten Mal am Eichenring waren, dieses Mal jedoch neue Songs vom dritten Album mit dem programmatischen Titel „Work“ mitgebracht hatten. Den Anfang machte dann auch gleich der Opener dieser Langrille, mit dem die fünf Schweden schnell Fahrt aufnahmen. Das beschwingte „Go Sadness“ vom Erstling „Howl Howl Gaff Gaff“, das in Skandinavien bereits 2003 zu kaufen war, bei uns allerdings erst zwei Jahre später über die Ladentheke ging, beendete meinen halbstündigen Ausflug in solide Schrammel-Indie-Gefilde, in denen SHOUT OUT LOUDS zielsicher und mit einem deutlichen Hang zur rhythmischen Bewegung agierten.

DROPKICK MURPHYS

An der Green Stage stand nunmehr eine große Irish-Folk-Punk-Party an, wie sie nur gefeiert werden kann, wenn die DROPKICK MURPHYS als Zeremonienmeister fungieren. Auch wenn das Backdrop in Kathedralenfenster-Optik daher kam, war die Stimmung weniger sakral denn ausgelassen auf und vor der Hauptbühne. Wie gewohnt gab es das komplette energiegeladene Spaßprogramm der seit 1996 aufspielenden Bostoner, die kaum irischer sein könnten und ein Feuerwerk an Hits abfeuerten. Der „Sunshine Highway“ schien zwar nicht bis nach Scheeßel zu führen, aber bei dieser Band konnte man sich problemlos warm tanzen, denn nur selten gingen die beiden Sänger Al Barr (der erstaunlich gut deutsch sprach) und Ken Casey, der auch den Bass zupfte, gemeinsam mit den fünf weiteren Murphys vom Gas. Tin Whistle (Jeff DaRosa) und Dudelsack (Scuffy Wallace) taten ein Übriges, um für den passenden Irish-Folk-Flair zu sorgen, während die Rock-Fraktion für die härteren Klänge sorgte. Inzwischen dämmerte es gegen 22.00 Uhr auch, so dass die Lichteffekte ihre Wirkung tun konnten, während ein Kracher nahtlos in den nächsten überging. Ein Highlight war sicherlich das alte irische Volkslied „The Wild Rover“, das von den DROPKICK MURPHYS selbstverständlich in englischer Sprache angestimmt, vom Publikum jedoch mit der deutschen KLAUS&KLAUS-Fassung „An der Nordseeküste“ pariert wurde. Ich hätte mir noch „I’m Shipping Up To Boston“ gewünscht, doch blieb mir keine Zeit mehr, abzuwarten, ob der Song, den Martin Scorsese für den Soundtrack seines Filmes „Departed – Unter Feinden“ verwendet hat, ebenfalls auf der Setlist stand, denn dem Übel der Spielzeitüberschneidungen folgend, musste ich den DROPKICK MURPHYS vorzeitig den Rücken kehren, um K’S CHOICE in Gänze folgen zu können.

K’S CHOICE

Die ließen sich allerdings Zeit und legten erst um 22.30 Uhr mit einer viertelstündigen Verspätung und dem wunderbar schrammeligen „Hide“ los, um mittels „Perfect“ mit viel Drive jede Menge Emotionen zu transportieren. Das ist zweifellos auch die Spezialität von Sängerin und Gitarristin Sarah Bettens, die K’S CHOICE 1992 gemeinsam mit ihrem Bruder Gert, der ebenfalls am Sechssaiter und zudem am Keyboard aktiv ist, gegründet hat. Nachdem 2003 das Aus der Band bekanntgegeben wurde und sich die Geschwister Bettens diverser Solo-Projekte widmeten, kamen die Belgier im letzten Jahr wieder zusammen und seit diesem Mai gibt es mit „Echo Mountain“ auch neues Studio-Material des Fünfers zu kaufen. Genau wie „Perfect“ war auch das flotte „I Will Carry You“ diesem Silberling entnommen, wohingegen es mit „Butterflies Instead“ vom 1998er „Cocoon Crash“ ruhiger zuging und Sarah sich kurzfristig auch ihres Saiteninstrumentes entledigte. Die Klampfe durfte natürlich bei DER Hymne „Not An Addict“ nicht fehlen. Auch wenn der Song vom erfolgreichsten K’S-CHOICE-Album „Paradise In Me“ inzwischen 14 Jahre auf dem Buckel hat, ist die Nummer doch immer noch ein Garant für Gänsehaut, die von der guten Akustik und der passenden Lightshow noch verstärkt wurde. Zu Recht sind K’CHOICE nach wie vor eine der angesagtesten belgischen Kapellen und wenn das Quintett im November auf Clubtour nach Deutschland kommt, sollte man diese Gelegenheit auf gar keinen Fall verpassen.

DANKO JONES

Verpasst hatte ich jedoch die ersten 45 Minuten mit DANKO JONES, der den weiten Weg aus Kanada auf sich genommen hatte, um dem deutschen Publikum mal wieder so richtig einzuheizen. Gerade ist Longplayer #5 mit dem Namen „Below The Belt“ erschienen und auch wenn mich Mister DANKO JONES und seine gleichnamige Band in der konservierten Form zuletzt nicht hundertprozentig überzeugen konnten, war es wieder ein Fest, den schnodderigen Kanadier mit der schnellen Zunge live zu erleben. Bereits seit 1996 sind die DJ-Konzerte geradezu legendär, weil Rampensau Danko es einfach immer wieder schafft, seinen Sound aus Garage, Blues und Punk derart rockstarmäßig unter die Leute zu bringen, ohne dabei die musikalischen Qualitäten außer acht zu lassen, dass die Gigs einfach jedes Mal wieder ein großer Spaß sind. Ich hatte die Freude, mit dem knackigen „Invisibe“ begrüßt zu werden, bevor es (wie könnte es anders sein?) mit einem knochentrockenen Song über Sex jeder Art namens „Lovercall“ weiterging. Gut, wir waren beim Hurricane und beim „Indie-Ballermann“ gehört schließlich auch ganz viel Zwischenmenschliches in jeder denkbaren Konstellation dazu – insofern passte die Nummer genauso gut wie der Rotz-Rock’N’Roll von „Cadillac“. Wir halten fest: DANKO JONES machen weiterhin auf dicke Hose und das können sie und insbesondere ihr Fronter ganz besonders gut!

BEATSTEAKS

Headliner auf der Green Stage waren am Freitag die BEATSTEAKS aus Berlin, die bereits die Hälfte ihrer Setlist gespielt haben dürften, als ich um 23.35 Uhr dazu stieß. Sogleich schallte mir ein „Hey Du“ entgegen und es war weder zu übersehen noch zu überhören, dass hier vor großer Kulisse bereits eine riesige Party abging. Schließlich sind auch die Hauptstädter eine sichere Bank, wenn es um hochenergetischen Alternative-/ Punkrock geht, weshalb entsprechend mit der Unterstützung von drei Bläsern ordentlich Tempo gemacht wurde. Höhepunkt für einen gewissen Timo dürfte „Not Ready To Rock“ gewesen sein. Hier war der 20-jährige nämlich aus dem Publikum gefischt worden, um Sänger Arnim Teutoburg-Weiß am Mikro zu unterstützen. Auch wenn der Gast nicht ganz an das energische Organ des BEATSTEAKS-Fronters herankam, so hat er seine Sache doch wirklich gut gemacht. Bei „I Don’t Care As Long As You Sing“ könnte derweil ein Mädel aus der Menge weiche Knie bekommen haben, da sie sich unvermutet auf der Stage wiederfand und mit Arnim ein Tänzchen zu dem BEATSTEAKS-Klassiker wagen durfte. Mit einem Dank an Papa Teutoburg-Weiß und seine Plattensammlung, mit der Sohnemann offensichtlich sozialisiert wurde, verabschiedeten sich das Quintett für einen kurzen Moment, um mit ihrer Version des UB40-Hits „Red Red Wine“ und ihrem Kracher „Let Me In“ noch einmal amtlich nachzulegen.

MANDO DIAO

Langes Ausruhen nach diesem schweißtreibenden Vergnügen war nicht vorgesehen, denn zum Abschluss des musikalischen Live-Angebotes ging es zurück zur Blue Stage, um mit MANDO DIAO weiterzutanzen. Mit ihrem dritten Besuch beim Hurricane sind die Schweden inzwischen alte Bekannte, die es verstanden, die Festival-Crowd vom ersten Moment an in ihren Bann zu ziehen. Die Musik besitzt aber auch genau die Eingängigkeit, die es braucht, um sich sofort im Kopf festzubeißen und die Beine in Bewegung zu setzen ohne jemals langweilig zu werden. Entsprechend wurde die Band, die 1999 in Borlänge von Björn Dixgård gegründet wurde, euphorisch abgefeiert, immerhin gab’s mit „God Knows“ auch schnell den ersten Dance-Kracher für die noch nicht müde Indie-Gemeinde und auch in Sachen Fußball zeigten sich MANDO DIAO gelassen. Mussten sie vor vier Jahren eine 0:2 Klatsche bei der ebenfalls zeitgleich zum Hurricane stattfindenden WM hinnehmen, erklärte Gustaf Erik Norén, dass die schwedische Mannschaft in diesem Jahr einfach zu schlecht sei und deshalb gar nicht erst teilnehmen durfte. Dafür spielen MANDO DIAO in der Champions League! Egal, ob ein retromäßiges CHUCK-BERRY-Cover wie „Memphis, Tennessee” oder „Mr. Moon” von der ersten Langrille „Bring’ Em In“, das verhalten und mit Mundharmonika startete, um dann krachend in die Vollen zu gehen: Die Schwedenhäppchen haben den Bogen raus und sparten beim gitarrenverliebten „You Can’t Steal My Love“ auch nicht mit „Hurricane I live you!“-Rufen. Die wurden natürlich vom Auditorium entsprechend gewürdigt und spätestens zu „Mean Street“ und „Gloria“ hatte sich der Eichenring in einen Hexenkessel verwandelt. Dass die Combo im Anschluss um 1.35 Uhr im Off verschwand, konnte selbstverständlich nicht das Ende der Show bedeuten. Vielmehr kamen Björn und Gustav noch einmal mit zwei Akustikgitarren bewaffnet zurück, um ein kleines Akustikset zum Besten zu geben, zu dessen gutem Schluss auch die übrigen Musiker wieder eintrudelten, um mit „Long Before Rock’N’Roll“ und „Dance With Somebody“ ein amtliches Finale abzuliefern.

Setlist MANDO DIAO
Intro
The Quarry
God Knows
White Wall
Memphis, Tennessee (CHUCK-BERRY-Cover)
The Band
Mr. Moon
You Can’t Steal My Love
Give Me Fire
Down In The Past
Shepdog
Mean Street
Gloria

Akustik Set Gold & If I Don’t Live Today
Long Before Rock’N’Roll
Dance With Somebody

Besser hätte der erste Tag nicht enden können. Für die Unermüdlichen stand noch das Motorbooty-Discozelt bis in die frühen Morgenstunden offen; mich zog es stattdessen jedoch ins eigene Zelt, wo ich irgendwann doch den Regen auf die Außenhaut prasseln hörte. Nächtens sprach gegen ein wenig Wasser von oben allerdings gar nichts, so wurde wenigstens der Staub gebunden, der bisher über dem gesamten Gelände lag.

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