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HURRICANE 2011 – TAG 2

Ort: Scheeßel – Eichenring

Datum: 18.06.2011

Nach einer kurzen, aber einigermaßen erholsamen Nacht weckte mich doch tatsächlich die Sonne. Allerdings nur, um mich in Sicherheit zu wiegen, denn um 13.30 Uhr öffneten sich mit aller Vehemenz die himmlischen Schleusen über dem Eichenring, was schließlich auch dazu führte, dass CLOUD CONTROL nach nur einem Song die Instrumente wieder einpackten. Ausgerechnet die Band, deren Namen suggeriert, sie habe die Wolken unter Kontrolle, musste sich dem Wetter geschlagen geben. Aber der Tag war ja noch lang…

PETE & THE PIRATES

Musikalisch hatte der Samstag mit gut gelauntem Indie begonnen, für den PETE & THE PIRATES verantwortlich zeichneten. Der Fünfer aus Reading/ Great Britain präsentierte wie mit „Come To The Bar“ nicht nur ein nachvollziehbares Motto für das Hurricane, sondern auch die ideale Beschallung, um nach dem ersten Festivaltag und der vermutlich sehr kurzen Nacht im Zelt, wieder auf Touren zu kommen. Bassbetont und mit viel Melodie schloss sich „United“ an, insgesamt boten die Engländer einen flotten Sound mit viel Schmackes, der unvermittelt zum Mitklatschen animierte und Spaß machte. Nach 30 Minuten gab’s deshalb auch einen vergnüglichen Abschluss, der nur einen ganz dezenten melancholischen Unterton aufwies und mit einem letzten Aufbäumen der Langäxte die Jungs von der Blue Stage verabschiedete.

PULLED APART BY HORSES

Auf der Green Stage holzten zu diesem Zeitpunkt bereits PULLED APART BY HORSES alles nieder, was ihnen in die Quere kam. Mit einer Kombination aus gebrüllten Vocals und Indie-/ Alternative-Krachlatten machte das Quartett keine Gefangenen und vermochte auf diese Weise die ersten Reihen auch für einen Moshpit zu gewinnen. Auf der Setlist hatten die Herrschaften aus Leeds neben neuem Material auch Songs wie „Back To The Fuck Yeah“, oder „High Five, Swan Dive, Nose Dive“, bei dem trotz mehrstimmigem Gesang immer noch viel geschrien wurde. Dazu unternahm einer der Herren an der Langaxt einen gewagten Sprung von einem nicht ganz so hohen Monitorturm, bevor es mit einem neuen Lied etwas vertrackter, aber immer noch sehr krachend weiterging. „Yeah Buddy“ ließ es grooven, während Sänger und Gitarrist Tom Hudson weiterhin sein Organ strapazierte. Jaulende Gitarren begleiteten das blitzschnelle, punkige „Meat Balloon“, während sich der Himmel immer mehr verdunkelte. Da half es auch nicht, dass Tom zum kollektiven „Fuck Rain!“-Ausruf aufforderte. Zwar konnten PULLED APART BY HORSES ihren Gig mit der Vollgas-Nummer „I Punched A Lion In The Throat“ mit einer vollen Breitseite beenden, für CLOUD CONTROL fiel der Hurricane-Auftritt jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

SICK PUPPIES

Auch die SICK PUPPIES mussten sich mit dem Unbill des Wetters auseinander setzen, denn ihr Auftritt konnte erst mit 15 Minuten Verspätung starten. Auf die Ohren bekamen die hartgesottenen Festivalgänger krachenden Alternative-Metal, bei dem es nur eine Richtung gab: straight nach vorn und das mit viel Tempo. Dass dies durchaus auch stadion- und radiotauglich geschehen kann, bewiesen die Australier mit ihrem Hit „Maybe“, den ich bereits auf meiner Fahrt nach Scheeßel auf meinem Stausender NDR2 vernommen hatte. Aber auch mit ihrer Interpretation des RAGE-AGAINST-THE-MACHINE-Klassikers „Killing In The Name of“ wusste insbesondere Bassistin Emma Anzai zu überzeugen.

Setlist SICK PUPPIES
War
Cancer
Should’ve Known Better
Odd One
All The Same
Maybe
Killing In The Name of (RAGE-AGAINST-THE-MACHINE-Cover)
Riptide
You’re Going Down

WARPAINT

Auf der Blue Stage war der Zeitplan ebenfalls ein wenig aus den Fugen geraten, weshalb WARPAINT ihre Fans zehn Minuten warten lassen mussten. Zudem war der erneut aufgekommene Regen für einen kurzen Moment zum ungeliebten Begleiter des psychedelisch angehauchten Rocks des seit 2004 vereinten Quartetts geworden. Glücklicherweise war es das dann im Wesentlichen allerdings mit dem Nass von oben und es konnte mit weiblichen Vocals von Emily Kokal und getragenen Sounds losgehen, ehe es ans Eingemachte ging. Die temporeiche und schwungvolle Mucke brachte die Füße schnell zum Wippen und bei „Untertow“ kam sogar die Sonne wieder raus. Schwungvoll trafen bei den Kaliforniern druckvolle Gitarren auf geheimnisvoll-düstere Melodien, die sich stets sehr kraftvoll präsentierten und auf der Zielgeraden in feinem Gefrickel mündeten.

BRITISH SEA POWER

Weiter ging’s für mich auf der blauen Bühne mit BRITISH SEA POWER. Die legten mit „What’s In Control“ einen flotten Start mit dominanten Orgelsounds hin, bevor beim nächsten Song eine Geige ins Spiel kam. Ein solches Instrument hätte man nicht unbedingt unter dem Schlagwort Electro-Postpunk erwartet, doch die Fiedel passte durchaus ins Gesamtbild und so war wieder ausreichend Gelegenheit zum Tanzen, auch wenn die Briten es zwischendurch mal ein bisschen gemächlicher angehen ließen. Beim letzten Stück, das ich zu hören bekam, war zunächst sogar nur die Violine involviert, ehe das große gemeinschaftliche Geschrammel starten konnte, das zunächst in einer eher lieblichen Melodien mündete, die am Ende doch wieder im orgiastischen Gefrickel endete. Für mich war hier nach 20 Minuten Schluss, denn auf der Hauptbühne hatten sich MONSTER MAGNET angekündigt.

MONSTER MAGNET

Wie sich dort bald zeigte, hat Dave Wyndorf nichts von seiner Körperfülle verloren – glücklicherweise aber auch nichts von seiner Spielfreude und seinem Gespür für knackigen Stonerrock. Das Einzige, was einem ungetrübten Konzertgenuss im Wege stand, war der ziemlich miserabel abgemischte Ton, der zwar im Laufe des einstündigen Gigs besser wurde, jedoch insgesamt zu wünschen übrig ließ. Dafür wurde auf der Stage alles getan, um diesen Missstand auszuwetzen, wofür MONSTER MAGNET in cooler Slow-Motion starteten, jedoch entsprechend ihres Naturells alsbald in die Vollen gingen. Mit fetten Gitarren-Breitseiten wie bei „Dig That Hole“ vom aktuellen „Mastermind“-Silberling verschafften sich die Herren die nötige Aufmerksamkeit des zahlreich erschienenen Publikums, das natürlich insbesondere die MONSTER-MAGNET-Hymne „Space Lord“ abfeierte, doch bevor bei dieser Nummer sogar die Sonne zwischen den dunklen Wolken hervorlugte und das Festivalvolk ordentlich mitging, gab es noch einen hochenergetischen Abriss der MM-Diskografie, mit dem kaum Wünsche offen blieben – abgesehen von einem besseren Ton und etwas mehr Spielzeit. Schließlich sammelt sich in 22 Jahren Bandgeschichte ne Menge an…

FRIENDLY FIRES

Für die nächste Kapelle, die auf der benachbarten Bühne aufspielten, hatte ich allerdings nur wenig Zeit – das ewige Übel der Überschneidungen im Timetable. FRIENDLY FIRES aus St. Albans/ England hatten sich angeschickt, mit knackigen Dancesounds die Indie-Gemeinde in Bewegung zu halten. Mit Tracks wie dem Opener „Lovesick“, bei dem schon eifrig mitgeklatscht wurde oder auch dem an Sambaklänge erinnernden „On Board“ klappte dies auch ganz hervorragend, doch als das Trio bei „Skeleton Boy“ Jazz ins Spiel brachten, wusste ich, dass es für mich an der Zeit war, wieder einen Stellungswechsel vorzunehmen. Höchste Zeit sogar!

YOUNG REBEL SET

Ziel war zum ersten Mal an diesem Samstag das Zelt, in dem die rote Stage beherbergt war und auf der schon die Jungs von YOUNG REBEL SET unter farbigem Licht Aufstellung genommen hatten. Es sah ganz so aus, als wären die VACCINES gar nicht aufgetreten, weshalb man die Herrschaften, die Ende Mai mit „Curse of Love“ ihre erste Langrille beim Hamburger Label Grand Hotel van Cleef herausgebracht haben, etwas früher mit ihrem kongenialen Gig begonnen hatten. Die Herren Andy, Chris, Dave, Luke, Mark und Matty spielten schon etliche ausverkaufte Konzerte, obwohl sie noch gar kein Album draußen hatten und wer schon mal bei einem Auftritt der Folkrocker dabei war, weiß warum. Auch beim Hurricane war dies nicht anders und so wurde bis 18.40 Uhr eine riesige Party gefeiert, die schöner nicht hätte sein können. Der Sechser macht einfach mitreißende Musik, die uneingeschränkt Spaß macht und unmittelbar ins Bein geht. So geschehen beispielsweise bei „Measure of A Man“ vom besagten Debüt oder auch dem flotten „Rosie“. Aber auch auf jede Menge Emotionen verstehen sich die Mitglieder des YOUNG REBEL SETs, wie sie mit ihrer Pianonummer „Borders“ zu beweisen wussten. Bei „Fall Hard“ war das Tasteninstrument der Wahl eine groovende Orgel, zu der es Mattys angenehm nach Whiskey und Kippen klingenden Gesang zu hören gab. Unter dem Motto „Ein Zelt tanzt“ lässt sich wohl am besten die Stimmung beim mehrstimmigen „If I Was“ zusammenfassen. Das Stück begann zunächst eher verhalten, nahm dann jedoch erneut Fahrt auf und wurde mit tosendem Applaus belohnt. Für mich hätten die Jungs gern noch nachlegen können, doch um 18.40 Uhr war Schluss und das Auditorium wurde aus dem dunklen Zelt in den hellen Sonnenschein entlassen.

THE SOUNDS

Mein nächster Anlaufpunkt war einmal mehr die Blue Stage, die für die nächste Stunde in skandinavischer Hand sein sollte. Genauer gesagt in der Hand von Maja Ivarsson, Stimme, Gesicht und Körper der SOUNDS. Wie üblich, hatte das appetitliche blonde Schwedenhäppchen ein sehr knappes Outfit gewählt – ein Umstand, der evt. auch dazu beigetragen haben könnte, dass die Band vor ziemlich vollen Rängen spielte. Musikalisch gab es gewohnte Kost, die mit „It’s so Easy“ ihren Anfang nahm. Die Show bot viel Drive und natürlich sparte Fräulein Ivarsson nicht mit ihren Reizen. „Dance With The Devil“ ist bei ihr fast wörtlich zu nehmen, wobei man sich schon fragen darf, wie die Dame sich auf ihren hohen Absätzen überhaupt unfallfrei auf der Bühne bewegen kann. Auf jeden Fall heizte Maja mitsamt ihrer Band der Meute ordentlich ein, sodass „Seven Days A Week“ oder auch das druckvolle „Living In America“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert werden konnten. Offensichtlich war auch die Fronterin zwischenzeitlich ins Schwitzen gekommen, weshalb die Jacke in die Ecke – und ihr wenig später ein BH entgegen flog. Den hielt sie allerdings nur kurz an, entschied, dass sie mit dem Modell nichts anfangen konnte und warf ihn zurück in die Menge. Stattdessen gab’s THE-SOUNDS-Klassiker wie „Something To Die For“ oder auch „Painted By Numbers“ auf die Ohren, ehe der blonde Wirbelwind beim finalen „Hope You’re Happy Now“ noch einmal poste, was das Zeug hielt.

TWO DOOR CINEMA CLUB

Als nächstes standen Gäste aus Irland auf der blauen Bühne und tatsächlich könnte Sänger Ale Trimble einem Fremdenverkehrsprospekt für die Grüne Insel entsprungen sein. Der umtriebige Rotschopf und seine Mitstreiter legten einen druckvollen Start vor und animierten ihre Zuschauer innerhalb kürzester Zeit zum Tanzen. Dabei überraschte Alex mit verdammt hohen Vocals, die dem Gesang eine fast weibliche Note gaben. Der TWO DOOR CINEMA CLUB hat eindeutig nur temporeiche Blockbuster im Programm, zumindest hatten die Iren für ihren Auftritt in Scheeßel entsprechende Lieder ausgewählt. Mit dabei war auch neues Material – beispielsweise das flotte „Handshake“, bei dem Sänger auf Deutsch fragte, ob auch alle Spaß hätten, was mit einem zustimmenden Johlen beantwortet wurde. „Costume Party“ könnte für eine nicht unerhebliche Zahl der Besucher das alljährliche Hurricane-Motto sein, ging in der TDCC-Version jedoch mit aller Vehemenz ins Bein. Überhaupt scheint der Fronter ein guter Beobachter zu sein, denn schon bald entfuhr ihm ein „Hurricane, your crazy!“, bevor es mit „You’re Not Subborn“ fette Orgelklänge und flotte Indie-Langäxte auf die Mütze gab. Ein einsamer Sechssaiter läutete „What You Know“ ein, bevor nach diesem reduzierten Einstieg wieder die komplette Mannschaft für den mitreißenden TWO-DOOR-CINEMA-CLUB-Sound sorgte. Mit einem weitern neuen Song im Ohr machte ich mich auf den Weg zur Green Stage, die bereits seit etwa 20 Minuten von MY CHEMICAL ROMANCE bespielt wurde.

MY CHEMICAL ROMANCE

Die empfingen mich mit den Klängen ihrer aktuellen Erfolgssingle „Sing“, ehe es eingängigen Pop-Punk gab, dem bei „Teenagers“ Klaviergeklimper und knorrige Gitarren folgten. Hier ging’s mit waschechtem Rock’N’Roll weiter, der sich auch im folgenden Track „Helena“ fortsetzte. Sänger Gerald Way, der mit seinem pumuckelroten Haar jederzeit auch als Feuermelder anheuern kann, brach zu Beginn von „House of Wolves“ in wolfsähnliches Geheul aus, bevor er und seine Mannen es wieder krachen ließen. Wenig später sah man Gerald dann bei „Destroya“ am Boden liegen, während Klaviergeklimper und Trommelwirbel den knackigen Song einläuteten. Überhaupt zeigten sich die Amis hochenergetisch und brachten ordentlich Bewegung in den vollen Eichenring. „I’m No Okay (I Promise)“ versprach das Gründungsmitglied der 2001 ins Leben gerufenen Alternative-Rock-Combo und haute damit einen weiteren Stomper raus, der amtlich abgefeiert wurde. Die „Famous Last Words“ wurden von donnernden Drums und schneidenden Krachlatten-Stakkati begleitet, dann verabschiedeten sich MY CHEMICAL ROMANCE wieder von ihren deutschen Fans.

Setlist MY CHEMICAL ROMANCE (ab ca. 21.35 Uhr)
Sing
Bulletproof Heart
Teenagers
Helena
The Only Hope For Me Is You
House of Wolves
Destroya
Welcome To The Black Parade
I’m Not Okay (I Promise)
Famous Last Words

KASABIAN

Wer nicht wusste, was ihn als nächstes auf der Blue Stage erwartete, konnte es in großen roten Lettern auf dem Backdrop nachlesen: KASABIAN waren als vorletzter Act auf der blauen Bühne dran und es sollte ein energiegeladenes Unterfangen werden. Dafür sorgten Tom Meighan (Gesang), Sergio Pizzorno (Gitarre und Gesang), Chris Edwards (Bass) und Ian Matthews (Schlagzeug), die 1997 KASABIAN in Leicester gegründet haben. Irgendwer hatte Tom Meighan wohl gesteckt, dass er sich in Hamburg befände, immerhin hatte er aber erkannt, dass er nicht auf der Reeperbahn war und auch der Name des Festivals wollte ihm durchaus über die Lippen kommen Wir wollen aber auch nicht wirklich verlangen, dass ein englischer Musiker weiß, dass es überhaupt ein Nest namens Scheeßel gibt, das einmal in Jahr zur pulsierenden (kleinen) Großstadt wächst, um nach wenigen Tagen wieder in eine Art Dornröschenschlaf zu verfallen. An Schlaf war bei KASABIAN allerdings nun auch gar nicht zu denken, dafür war der treibende Sound einfach viel zu tanzbar und einladend, weshalb in den kommenden 70 Minuten auch viel Bewegung ins Spiel kam. Angefangen bei „Club Foot“ vom selbstbetitelten Debüt, dass 2004 den Weg in die Plattenläden fand, über das coole „Underdog“ vom letzen Studio-Output „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ aus 2009 oder dem krachenden „Shoot The Runner“, das 2006 auf „Empire“ erschienen ist. „Velociraptor!“ war ein Vorbote der neuen Platte und veranlasste zum ausgiebigen Kopfnicken, ehe Bläser die Gänsehautnummer „Take Aim“ einläuteten. Mit dem keyboardlastigen „Empire“ ließen es die Jungs etwas ruhiger angehen, bevor Mr. Meighan für „I.D.“ zum Schellenkranz griff und der Song langsam ins Hirn kroch. „Fast Fuse“ machte wieder mehr Tempo und wurde von der KASABIAN-Variante der Pulp-Fiction-Titelmelodie, dem schmissigen „Misirlou“ abgelöst. „L.S.F. (Lost Souls Forever)” widmete der Fronter im schwarz-rot-gestreiften Outfit den BEATLES, die nach seinem Dafürhalten Sex in Hamburg hatten. Hier schalteten KASABIAN einen Gang zurück und freuten sich, dass ihre Fans den Refrain auch allein singen konnten, um mit „Switchblade Smiles“ wieder in die Vollen zu gehen. Flotte Dance-Rhythmen offerierte derweil „Stuntman“, das nahtlos in das DONNA-SUMMER-Cover „I Feel Love“ überging. Sehr gelungen und nur noch gefolgt vom großen Finale, das mit „Fire“ bestritten wurde. So ein kleines wärmendes Feuerchen hätte ich mir auch durchaus gewünscht, aber immerhin haben KASABIAN, die sich übrigens nach Linda Kasabian benannt haben, die den Fluchtwagen für den Massenmörder Charles Manson gefahren hat, ja alles dafür getan, dass ich mich warm tanzen konnte. Vielen Dank dafür! Damit haben es KASABIN dann auch zu meinen Favoriten des Samstags gebracht.

Setlist KASABIAN
Club Foot
Where Did All The Love Go?
Underdog
Shoot The Runner
Velociraptor!
Take Aim
Empire
I.D.
Fast Fuse
Misirlou (Pulp Fiction Theme)
Vlad The Impaler
L.S.F. (Lost Souls Forever)
Switchblade Smiles
Stuntman
I Feel Love (DONNA-SUMMER-Cover)
Fire

INCUBUS

Schnell wieder rüber zur Hauptbühne, wo INCUBUS bereits die Hälfte ihres Auftrittes absolviert hatten. Als erstes bekam ich gleich etwas Neues zu hören, denn das sehr ruhige „In The Company of Wolves“ wird erst im Juli auf „If Not Now, When?“ erscheinen. Auch die Vorabsingle „Adolescents“ wird sich auf diesem achten Studioalbum der Amerikaner befinden, während das wunderbare „Drive“ vom 1999er „Make Yourself“ stammte. „Punch Drunk“ blieb den gefühlvollen Melodien treu, für die INCUBUS seit auch schon 20 Jahren ein verlässlicher Partner sind, ehe es mit „A Crow Left of The Murder“ vom gleichnamigen 2004er Album mit deutlich mehr Tempo zur Sache ging. Derweil schlug „Love Hurts“ vom „Grenade“-Longplayer wieder leise Töne mit jeder Menge Emotionalität an – natürlich erneut von den zahlreichen Zuschauern lauthals mitgesungen. „Under My Umbrella“ gefiel mit viel Schmackes, während „Promises, Promises“ einen weiteren Ausblick auf die neue Platte bot, der erneut sehr gefühlvoll ausgefallen war. Mit „Quicksand“ ging es bei INCUBUS noch einmal rund und auch „Megalomaniac“ wusste mit einem Mix aus schnellen und langsamen Passagen einmal mehr uneingeschränkt zu überzeugen. Als Zugabe hatten INCUBUS noch ihren Klassiker „Stellar“ in petto, zu dem ich mich allmählich wieder auf den Weg zur Blue Stage machte.

Setlist INCUBUS (ab ca 23.45 Uhr)
In The Company of Wolves
Adolescents
Drive
Punch Drunk
A Crow Left of The Murder
Love Hurts
Under My Umbrella
Promises, Promises
Quicksand
Megalomaniac

Stellar

KAISER CHIEFS

Hier waren die KAISER CHIEFS bereits in ihrem Element und luden zum wiederholten Male die Hurricane-Gemeinde zum gemeinsamen Tanz ein. Den Anfang machte „Everyday I Love You Less and Less“ vom 2005er Erstling „Employment”, bevor sich „Little Shocks” gewohnt eingängig anschloss. „Never Miss A Beat“ ist 2008 auf „Off With Their Heads” erschienen und präsentierte sich genauso treibend und tanzbar wie „Modern Way”. Einen Hauch fernöstlicher Exotik brachte „Long Way From Celebrating“ mit ins Spiel, ehe Sänger und Percussionist Ricky Wilson mit „Ruby“ die KAISER-CHIEFS-Hymne anstimmte. Zu diesem Zeitpunkt gab’s natürlich für die Anwesenden kein Halten mehr und der Song wurde gemeinschaftlich abgefeiert, während ich noch mal eine Bühne weiter zog und mich wenig später vor der Red Stage wiederfand.

Setlist KAISER CHIEFS (bis ca. 1.00 Uhr)
Everyday I Love You Less And Less
Little Shocks
Never Miss A Beat
Modern Way
Long Way From Celebrating
Man On Mars
Ruby

BRIGHT EYES

BRIGHT EYES ist ein Projekt von Conor Oberst, das 1995 in Omaha/ Nebraska gegründet wurde. Inzwischen sind an der musikalischen Umsetzung weitaus mehr Leute beteiligt, weshalb es auf der Zeltbühne auch durchaus voll war, als es mit dem spannenden Mix aus Indie Rock, Folk und Alternative Country losging. Gleich mit dem Opener „Gold Mine Gutted“ ließen es die BRIGHT EYES ordentlich krachen, während der Fronter Conor Oberst mit einem etwas seltsamen Umhang bekleidet, den Gesang beim folgenden „Lover I Don’t Have A Love“ mit einer Dame teilte. Übrigens war es für Mr. Oberst nicht der letzte Gig des Tages, er empfand seinen Auftritt als den ersten am frühen Morgen – ist halt alles Auslegungssache und man darf spekulieren, wie der junge Tag für ihn weitergegangen sein mag. Zunächst einmal gab’s jedoch noch jede Menge mitreißende Musik. Etwa das schwungvolle „Shell Games“, das gut mitgeklatscht wurde oder das recht getragene „Approximate Sunlight“, dem krachende Langäxte bei „Hailie Selassie“ folgten. Zwischendurch redete Conor zwar ziemlich wirres Zeug, aber seine Mucke ist wirklich über jeden Zweifel erhaben, wie er mit dem druckvollen „Take it Easy (Love Nothing)“ oder den groovenden Orgelsounds von „Four Winds“ bewies. Eine deutliche Country-Färbung besaß das getragene „Poison Oak“, das im Laufe des Vortrages an Dramatik und Drive zulegte und mit reichlich Applaus bedacht wurde, ehe flott schrammelende Gitarren und energiegeladene Bläser „The Calendar Hung Itself“ zu einem wirklich großartigen Lied machten. Gute Laune verbreitete auch „Arc of Time“, bevor die wilde BRIGHT-EYES-Version von Beethovens „Ode an die Freude“ mit Namen „Road To Joy“ das Publikum in Bewegung brachte. Für den gefühlvollen Ausklang des Abends bzw. beginnenden Morgens (ist ja alles eine Frage der Sichtweise) sorgte „One For You, One For Me“, dem noch ein Outro folgte, bevor die Boxen fürs Erste in dem großen Zirkusrund Ruhe gaben.

Setlist BRIGHT EYES
Gold Mine Gutted
Lover I Don’t Have A Love
Shell Games
Approximate Sunlight
Hailie Selassie
Take it Easy (Love Nothing)
Four Winds
Poison Oak
The Calendar Hung Itself
Arc of Time
Road To Joy
One For You, One For Me

Damit ging für mich auch der zweite Festivaltag zu Ende. Fürs Discozelt reichten meine Kraftreserven nicht mehr, 14 Stunden intensive Musikbeschallung müssen aber auch mal genug sein. Zumal eine unruhige, weil regnerische und stürmische Nacht vor mir lag (an den unvermeidlichen Lärmpegel gewöhne ich mich erstaunlicherweise immer sehr schnell, obwohl ich im heimischen Schlafzimmer höchstens Frösche quaken und Vögel singen höre). Nicht zu vergessen war selbstredend der finale Festivalsonntag, der noch mit einigen Leckerbissen aufwarten wollte, die es selbstverständlich topfit zu genießen galt.

Copyright Fotos: FKP Scorpio

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