Konzert Filter

HURRICANE 2014 – TAG 1

Ort: Scheeßel – Eichenring

Datum: 20.06.2014

Das HURRICANE wurde volljährig und 70.000 feierten mit! Bereits seit 1997 wird beim HURRICANE in Scheeßel gerockt, dass die Heide wackelt – und wenn man es ganz genau nimmt, gab in den Siebzigern schon die ersten Vorläufer jenes Festivals, das inzwischen Zehnzausende anzieht und gemeinsam mit seinem Zwilling im Süden, dem SOUTHSIDE, zu den größten Deutschlands zählt. Wie auch in den Vorjahren meldeten die Veranstalter frühzeitig „ausverkauft“, hochkarätige Musik war auch eingekauft worden, an Getränken und Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme sollte ebenfalls kein Mangel herrschen, musste nur noch der Wettergott beweisen, dass er ebenso wie die Festivaljünger ein echter Open-Air-Fan ist. Nun, wenn, dann ist Petrus von der hartgesottenen Sorte, denn die Temperaturen waren mit um die 15C° nicht unbedingt sommerlich und die zwischenzeitlichen kleinen Schauer brauchte es eigentlich auch nicht zur Abkühlung (wenngleich es auf dem Eichenring traditionell wieder ordentlich staubte) und so entschied schließlich der schwarze Himmel, mit welcher Kapelle ich mein 14. HURRICANE in Folge eröffnen sollte.

I HEART SHARKS

Die Wahl fiel auf I HEART SHARKS, denen ich beim Eröffnungsslot um 15.00 Uhr im weißen Acht-Mast-Zelt den Vorrang vor den zeitgleich spielenden THE DURANGO RIOT auf der Hauptbühne gab. Irgendwie wollte ich doch nicht gleich zu Beginn im Regen stehen und letztlich ist die deutsch-britische Combo aus Berlin ja auch keine schlechte Alternative. Das dachten sich auch die vielen Zuschauer, die das Tent zu dieser frühen Stunde bereits sehr gut füllten. Die Elektro-Popper luden sogleich zum Tanzen ein und das Auditorium wartete nur auf eben diese Gelegenheit. Mit den hymnisch-hallenden Synthie-Sounds von „Wait“, das auf dem aktuellen Album „Anthems“ zu finden ist, legten die Wahl-Hauptstädter einen gelungenen Auftakt hin und in diesem Sinne ging es auch in den folgenden 30 Minuten weiter. Die Indietronic-Klänge fanden samt und sonders direkt ins Bein, sorgten für gute Stimmung, reichlich Beifall und die erste Zugabe des Tages: Für „The World Is Yours“ vom 2011er Debüt gingen I HEART SHARKS noch mal in die Vollen, nachdem sie zuvor ein Foto ihrer Zuschauerschaft gemacht hatten. So konnte es problemlos weitergehen, aber es standen ja auch noch andere Stilarten auf dem Programm.

Setlist I HEART SHARKS
Wait
Suburbia
Summer
Karaoke
To Be Young
Neuzeit

The World Is Yours

DRENGE

Um davon einen Eindruck zu bekommen, brauchte es nur ein paar Meter zur nächsten Bühne. Ich entschied mich für die Blue Stage, wo es im Vergleich zum Zelt ein weniger leerer war und nur zwei Leute auf der Bühne standen. Es handelte sich um die beiden Brüder Rory (Schlagzeug) und Eoin (Gitarre und Gesang) Loveless, die 2011 ihren Bandnamen nach dem dänischen Wort für „Jungs“ abgeleitet haben. Bei den Gebrüdern Loveless stand krachender Blues-Rock und Post-Grunge auf dem Zettel, den man ganz offensichtlich auch als Duo mit der nötigen Portion Schmackes unter die Leute bringen kann. Im letzten Jahr ist das selbstbetitelte Debüt der beiden erschienen und als Beispiel für ihr energiegeladenes Songwriting sei an dieser Stelle „Gun Crazy“ genannt, bei dem die Boys definitiv nichts anbrennen ließen. Mit ihrem finalen „Running Wild“ bewiesen sie zudem einen dezent-psychedelischen Ansatz, der abermals mit schepperndem Leben gefüllt wurde.

FEINE SAHNE FISCHFILET

Ob man wohl an der Ostseeküste aufwachsen muss, um seine Ska-Punk-Kapelle FEINE SAHNE FISCHFILET zu nennen? Vielleicht sollten wir die sechs Herrschaften mal fragen, die mich an die Red Stage führten… Dort war es um 16.15 Uhr ebenfalls schon ziemlich voll und dass der Himmel seine Schleusen ein weiteres Mal öffnete, störte hier so richtig niemanden. Sänger Jan “Monchi” Gorkow und seine Mannen (inkl. Bläser-Sektion) gedachten sehr straight ihrer Jugend in der Pampa, spielten „Geschichten aus Jarmen“ für Monchis Frau Mama, wetterten mit „In unseren Augen“ gegen Nazis und servierten dank „Mit dir“ ein Liebeslied nach Art des Hauses FEINE SAHNE FISCHFILET. Mir wurde es ohne Dach über’m Kopf dann doch zu ungemütlich, weshalb ich etwas vor der Zeit wieder zur White Stage pilgerte, um dem Gig von CHUCK RAGAN entgegenzusehen.

CHUCK RAGAN AND HIS CAMARADERIE

Der Sänger der auf Eis liegenden Post-Hardcore-Formation HOT WATER MUSIC hatte mir erst vor drei Tagen die Freude bereitet, ein Headliner-Konzert in meiner Heimatstadt Osnabrück zu geben, doch ein halbes Stündchen CHUCK RAGAN AND HIS CAMARADERIE passt immer – zur Not auch täglich! Offensichtlich brauchte allerdings der Techniker, der für den Schriftzug mit dem Bandnamen auf der großen Leinwand im Bühnenhintergrund zuständig war, noch etwas Nachhilfe. So fiel dem Bandleader beim Soundcheck auf, dass er scheinbar mit den CAMADARIEN unterwegs war. Ein Fehler, der jedoch sofort ausgebügelt wurde und auch wenn der Sound nicht optimal war, konnte alsbald eine große Folk-Punk-Party gefeiert werden, die ihren Anfang mit „Nomad By Fate“ vom 2011er „Covering Ground“ nahm. Chucks Reibeisenstimme klang abermals nach unzähligen gerauchten Kippen und getrunkenen Whiskeys, während Jon Gaunt wie schon bei THE REVIVAL TOUR gekonnt die Fiedel bearbeitete. Ein weiterer alter Bekannter war Jo Ginsberg, der nach dem Start am Kontrabass für das druckvolle „Something May Catch The Fire“ (im April auf „Till Midnight“ erschienen) an den Stahlsaiter wechselte. Außerdem mit von der Partie: Drummer David Hidalgo jr. (SOCIAL DISTORTION, Ex-SUICIDAL TENDENCIES) und der Pedal-Steel-Gitarrist Todd Beene, der für den “Whistleblower Song” am klassischen Sechssaiter agierte. Hier täuschten die Amis zunächst Ruhe vor dem Sturm vor, um dann wieder amtlich durchzustarten und auch mit „Revved“ legten sie blitzschnell nach. Unterstützung gab’s hier am Mikro von Matt Goud aka NORTHCOTE, der mit CHUCK RAGAN & Co. aktuell auf Tour ist. Gleiches gilt für BILLY THE KID, mit bürgerlichem Namen Bill Pettinger, die wie Goud aus Kanada kommt und bei „Non Typical“ den Schellenkranz schwang und ihre Stimme erhob. Auf einer der Boxen stehend, heizte die kleine Lady den Leuten gehörig ein, bevor Jo seinen Kontrabass abermals auf das Feinste bearbeitete und mit „California Burritos“ („Feast Or Famine“ – 2007) bereits der letzte Song der Setlist mit viel Druck und Herzblut performt wurde. Als Dank gab es tosenden Applaus und ich muss mich korrigieren: 30 Minuten sind ganz klar zu wenig, meinetwegen hätte die Truppe noch geraume Zeit weiterjammen können.

Setlist CHUCK RAGAN AND HIS CAMARADERIE
Nomad By Fate
Something May Catch The Fire
Whistleblower Song
Revved
Nothing Left To Prove
Non Typical
Meet You In The Middle
California Burritos

THE SUBWAYS

So, jetzt aber mal rüber zur Green Stage, wo THE SUBWAYS ihr Publikum fest im Griff hatten. Gefühlt zählen Charlotte Cooper (Bass & Gesang), Billy Lunn (Gesang & Gitarre) und Drummer Josh Morgan ja bereits zum festen Inventar des HURRICANEs. Zumindest habe ich den Eindruck, dass sie seit ihrer Gründung 2007 irgendwie sehr regelmäßig am Eichenring zu Gast waren. Was aber keinesfalls verkehrt ist, denn die drei Briten, die sich bereits seit Ewigkeiten kennen (die Herren sind Brüder, Miss Cooper und Mr. Lunn waren lange ein Paar), sind immer ein Garant für eine gute Show. Für dieses Jahr ist auch eine neue Full Length angekündigt, von der es neben vielen alten Hits beispielsweise das treibende „Taking All The Blame“ zu hören gab. Nicht fehlen durfte aber natürlich auf keinen Fall die Nummer „Rock & Roll Queen“ vom Erstling „Young For Eternity“, mit der das Trio hierzulande nicht zuletzt dank der Verwendung in mehreren Werbeclips richtig durchstarten konnte. „We Don’t Need Money To Have A Good Time” taugte unter der Maßgabe, dass vorher schon Kohle für’s Festivalticket da war, durchaus als Motto für das beginnende Wochenende; definitiv passte aber die Aussage „It’s A Party“. Sowohl Band als auch Zuschauer waren ganz klar im Party-Modus und feierten gemeinsam was das Zeug hielt. Dazu gehörten wie bei „Celebrity“ (vom letzten Longplayer „Money & Celebrity“ aus 2011) dann auch die Hinsetz- und Aufspringspielchen, die Charlotte im silbernen Glitzertop mit ihren Fans veranstaltete.

Setlist THE SUBWAYS (ab 17.35 Uhr)
Kiss Kiss Bang Bang
Rock & Roll Queen
We Don’t Need Money To Have A Good Time
Taking All The Blame
At 1 AM
With You
Celebrity
It’s A Party

THE SOUNDS

Auf der blauen Bühne fraßen zwar deutlich weniger Leute der kessen Fronterin aus der Hand, doch auch diese Dame ist eine alte, immer wieder gern gesehene Bekannte beim HURRICANE. Die Rede ist von Maja Ivarsson, der blonden Sängerin der schwedischen Indie-Kapelle THE SOUNDS aus Helsingborg. Wie üblich, zeigte die 34-jährige viel Bein und auch hier wurde – ganz so wie man das aparte Schwedenhäppchen und ihre Mannen kennt – nicht lange gefackelt. Als ich dazu stieß, lag man mit dem ersten Track bereits in den letzten Zügen, doch auch mit dem schwungvollen „Living In America“ vom gleichnamigen Debüt aus 2002 ging es ziemlich steil. Flirrende Synthies begleiteten derweil „Shake Shake Shake“ vom 2013er „Weekend“ und „Painted By Numbers“ („Dying To Say This To You“ -2006) ging direkt auf die Hüften. Die Singspielchen, die Maja mit ihrem Auditorium initiierte, klangen zwar noch ein bisschen dünn, aber Spaß hatten die Beteiligten allemal. Der Elektro-Grummler „4 Songs & A Fight“ vom 2099er „Crossing The Rubicon“ hatte zwar nicht die zwingenden Ohrwurm-Qualitäten seiner Vorgänger, gefiel jedoch trotzdem und „No One Sleeps When I Awake“ vom gleichen Silberling brauchte dann ja auch die typischen THE-SOUNDS-Klänge zurück an den Eichenring. „Seven Days A Week“ machte erneut Druck und mit „Dorchester Hotel“ verabschiedeten sich die Skandinavier mit dezenter nordischer Melancholie.

Setlist THE SOUNDS
?
Living In America
Shake Shake Shake
Painted By Numbers
4 Songs & A Fight
No One Sleeps When I Awake
Seven Days A Week
Dorchester Hotel

FLOGGING MOLLY

Auf der Main Stage hatten sich zwischenzeitlich jede Menge Musiker eingefunden, denn FLOGGING MOLLY trieben dort ihr (Un-)Wesen. Sie hatten gerade ihre „Revolution“ ausgerufen, als ich gegen 18.45 Uhr zu der anberaumten Irish-Folk-Punk-Party kam. Auf dem Gelände gab es entsprechend auch kaum noch ein Halten – da sage noch einer, die Norddeutschen seien dröge. Banjo und Fiddle gingen aber auch quasi direkt ins Blut und ich habe mir von einem Iren sagen lassen, dass man sich dieser Musik auch gar nicht entziehen kann, weil der Takt genau dem menschlichen Herzschlag entspricht. Nun gut, wenn wir das auf die ehrwürdigen FLOGGING MOLLY beziehen, die 1997 in Los Angeles das Licht der Welt erblickt haben, war da zwischendurch auch ein bisschen Herzrasen mit im Spiel, doch es gab auch ruhige Momente, etwa bei „Saints & Sinners“. Bridget Regan, die bessere Hälfte von Sänger Dave King, blies zwischendurch die Tin Whistle, um die irische Anmutung noch weiter zu verstärken. „What’s Left of The Flag“ führte die hochenergetische Party zu einem weiteren Höhepunkt, bevor allgemeines Arme recken, gemeinsame Sangesübungen und kräftige Akklamationen zu „The Seven Deadly Sins“ den mentalen Ausflug in einen lauten irischen Pub beendeten. Merke: Becks ist Deutsch für Guinness! Mr. King vertritt vermutlich auch den Wahlspruch: „Hauptsache, es knallt!“.

CHVRCHES

Nein, ich habe mich nicht auf meiner Tastatur vertan. Das „V“ muss da wirklich hin, wird jedoch wie ein „U“ gesprochen. Für diese Schreibweise haben sich Lauren Mayberry (Gesang, zusätzliche Synthesizer), Iain Cook (Synthesizer, Gitarre, Bass, Gesang) und Martin Doherty (Synthesizer, Sampler, Gesang) entschieden, um sich im Internet besser gegen die unzähligen Einträge mit „Churches“ abzugrenzen. Ansonsten fanden sie den Namen einfach super, irgendwelche religiöse Hintergedanken hatten die Schotten nach eigenem Bekunden nicht. Auf jeden Fall wurde der flotte Dreier von der Meute im Zelt schon sehnlichst erwartet. Es war wieder voll im geschlossenen Rund und gleich mit den ersten Klängen von „We Sink“, das im letzten Jahr auf der ersten Langrille „The Bones of What You Belive“ veröffentlicht wurde, kam Bewegung ins Zelt. „Lies“ legte mit knackigen Rhythmen und lieblichem Gesang nach (insgesamt hätte man die musikalischen Zutaten etwas besser abmischen können), bevor Iain für „Lungs“ zur Gitarre griff und Lauren ihre Deutschkenntnisse zum Besten gab. Gesungen wurde jedoch in der Muttersprache und im Falle von „Under The Tide“ übernahm diesen Job ausnahmsweise Martin, der seine Tasten und Regler übergangsweise an Miss Mayberry übergab. Die hatte zuvor mit dem Band-Hit „Recover“ bereits ein Stakkato-Klatschen innerhalb der Zuschauerschaft provoziert und lieh auch dem zweiten Chartstürmer „The Mother We Share“ wieder ihre Stimme. In Glasgow weiß man mit Knöpfchen und Reglern ganz offensichtlich umzugehen, dementsprechend wurden CHVRCHES nach 45 Minuten auch mit viel Beifall verabschiedet.

Setlist CHVRCHES
We Sink
Lies
Lungs
Gun
Night Sky
Strong Hand
Science/Visions
Recover
Under The Tide
The Mother We Share

ELBOW

Draußen hatten die Landsmänner von ELBOW bereits die Green Stage okkupiert und servierten ihrem Auditorium den perfekten Soundtrack für ein kleines Päuschen. Die Band aus Manchester ist einfach wie gemacht für die großen Hymnen und durfte deshalb auch bei der Schlussfeier der Olympischen Spiele in London auftreten. Daraufhin stieg ihre letzte Single „One Day Like This“, die eigentlich bereits 2008 auf „The Seldom Seen Kids“ rausgekommen war, 2012 auf Platz 4 der britischen Single-Charts. Die Nummer durfte in Scheeßel natürlich nicht fehlen und markierte das Ende des Sets. Im Hintergrund prangte in Übergröße das Cover der aktuellen VÖ „The Take Off and Landing of Everything“, die im Frühjahr auch bei uns eine respektable Position 22 in den Albumcharts erreichte und von der das gefühlvolle „My Sad Captains“ performt wurde. Das rhythmusbetonte „Grounds For Divorce“ ließ es krachen und lud mit seinen Oho-Gesängen zum Mitgrölen ein und man mochte es kaum glauben: Die Engländer hatten die Sonne aus der Versenkung geholt! Besser spät als nie, beschien der Himmelskörper den Eichenring noch ein wenig, ehe sich langsam die Dämmerung über das Gelände legte.

Setlist ELBOW (ohne Gewähr)
Charge
The Bones of You
Fly Boy Blue / Lunette
New York Morning
Real Life (Angel)
The Birds
Grounds for Divorce
My Sad Captains
One Day Like This

THEES UHLMANN & BAND

Ein großes Dankeschön an die Eltern von Thees Uhlmann! Es ist nämlich nicht völlig auszuschließen, dass ihr Sohn nur deshalb an diesem Freitag auf der Blue Stage stand, weil sie ihm vor Jahren verboten hatten, zum HURRICANE zu gehen. Das führte nämlich dazu, dass Thees sich in seinem Jugendzimmer die Gitarre schnappte, die er mit dem mantra-ähnlichen Gedanken „Wenn ich schon als Gast nicht hin darf, dann steh’ ich da eben irgendwann auf der Bühne“ bearbeitete. Mit TOMTE hat der Grand-Hotel-van-Cleef-Mitbegründer das schon vor einigen Jahren wahr gemacht und auch mit seinem Solo-Projekt war er bereits 2012 auf der blauen Bühne zu Gast. Jetzt war Mama aber auch im Publikum und konnte sich selbst ein Bild machen, was ihre strenge Erziehung aus dem Jungen gemacht hat. Tja: Aus dem Kind ist doch was geworden! Zwar fehlte dem inzwischen 40-jährigen die Zeit für seine immer wieder kurzweiligen Stories, aber auch mit seiner Musik wusste der Wahl-Berliner einmal mehr voll zu überzeugen. Wie üblich begleitete ihn seine Live-Combo bestehend aus dem Gitarristen und Produzenten Tobias Kuhn, der auch bei der Entstehung der beiden Soloplatten „Thees Uhmann“ (2011) und „#2“ (2013) maßgeblich beteiligt war, dem zweiten Gitarristen Martin Kelly, Bassmann Hubertus Steiner, Drummer Markus Perner und Julia Hügel an den Tasten. Nachdem es zum Warmwerden „Weiße Knöchel“ gegeben hatte, stand dank „Die Toten auf dem Rücksitz“ Melancholie a la Uhlmann auf dem Zettel und zu „Vom Delta bis zur Quelle“ waren auch die ersten Publikumsgesänge zu vernehmen. Nach diesem Song über die Elbe wurde dem Dorf im Allgemeinen und Hemmoor im Besonderen gedacht. Die Rede ist selbstverständlich vom wunderbaren „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“, das gemeinhin besser unter dem inoffiziellen Titel „Hier komm’ ich her, hier bin ich geboren“ bekannt ist. Thees griff bei dieser Gelegenheit auch gleich mal zur Klampfe und gab zu „Am 07. März“ abermals den Tanzbär. Mein absoluter Favorit war und ist jedoch „& JAY-Z singt uns ein Lied“, zu dem gut der Kollege CASPER wie bei der Konserve den Rap-Part hätte übernehmen können. Schließlich war der feine Herr im Anschluss eh an derselben Stelle dran und hätte seinem Kumpel hier astrein aushelfen können. Daraus wurde leider nichts, aber auch im Alleingang (sieht man mal von den unzähligen Publikumsstimmen ab) bekam der blonde Barde das ganz gut hin. Musste sich der St..Pauli-Fan vor Jahren noch Bengalos für die HURRICANE-Show bei St.Pauli-Ultras organisieren, stellte ihm jetzt FKP Scorpio passend zur Nummer „Es brennt“ die Pyro-Show und ließ Feuersäulen auf dem Podium züngeln, während „Das Mädchen von Kasse 2“ guten Traditionen folgend wieder den Leuten gewidmet wurde, die beim HURRICANE arbeiteten und so dafür sorgten, dass die Besucher die Zeit genießen können. Interessant wäre sicher auch zu wissen, was sich Mutter Uhlmann denkt, wenn sie die Aufforderung „Schreit den Namen meiner Mutter“ hört. Nun, da wir ihren Vornamen nicht kennen, haben wir das mal sein lassen, wir hätten natürlich zu dem straighten TOMTE-Track auch einfach das universelle „Mama“ wählen können, da hören die Mütter dieser Welt ja alle drauf. „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ war wie üblich mit dem sog. „Gefangenenchor“ verbunden – was bedeutete, dass die Anwesenden die Uhh-Passagen übernahmen. Auf diese Weise wurde das Lied gemeinsam abgefeiert, ehe Thees für „Die Nacht war kurz (ich steh früh auf)“ (wie wahr!) zur Mundharmonika griff und am Ende gar in Schreigesang verfiel. Blieben noch „Zugvögel“ und die Versicherung, dass in der Kathedrale seines Herzens immer eine Kerze für seine Fans brenne. Warum kann eine Stunde eigentlich so rasend schnell vergehen???

Setlist THEES UHLMANN & BAND
Weiße Knöchel
Die Toten auf dem Rücksitz
Vom Delta bis zur Quelle
Lat: 53.7 Lon: 9.11667
Am 07. März
& JAY-Z singt uns ein Lied
Es brennt
Das Mädchen von Kasse 2
Schreit den Namen meiner Mutter (TOMTE)
Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
Die Nacht war kurz (ich steh früh auf)
Zugvögel

CASPER

Inzwischen war es empfindlich kalt geworden, weshalb ich mich gegen die KOOKS auf der Hauptbühne entschied und stattdessen meine Kleidung optimierte, um ohne Erkältung aus dem Projekt HURRICANE rauszukommen. Die Temperaturen waren jetzt, nach 22.00 Uhr, gerade noch zweistellig, fühlten sich aber für meinen verweichlichten Körper nur noch so an, als bewegten sie sich kurz oberhalb des Gefrierpunktes. Da war es gut, dass der Ostwestfalen-Export CASPER ein echtes Aufwärmprogramm versprach. Zunächst einmal hatten die Bühnentechniker die 45 Minuten Umbaupause gut genutzt, denn für den erfolgreichen Rapper war die Blue Stage in zwei Ebenen unterteilt worden, auf denen sich die Begleitkapelle verteilte und die zudem zwei separate LED-Leinwände bereit hielten. So sah man zu Beginn der Show unterschiedliche Bilder über die riesigen Bildschirme flimmern, ehe es mit „Im Ascheregen“ vom aktuellen Top-1-Album „Hinterland“ in die Vollen ging. Nahtlos schloss sich das flotte „Alles endet (aber nicht die Musik)“ an und auch „Auf und davon“ vom 2011er „XOXO“ machte – wenn auch bei reduziertem Tempo – amtlich Druck. Zu „Casper! Bumaye“ kam es zum ersten Massenhüpfen, bevor „Ganz schön okay“ den Reigen fast schon leise fortsetzte und sich auch „Ariel“ emotionsgeladen gab. Sah man zu „Der Druck steigt (Die Vergessenen Pt. 1)“ zunächst einmal nur einen Molotow-Cocktail auf der Leinwand, gab’s bald darauf auch (gewollte) Explosionen und reichlich Rauch und Qualm auf der Bühne. Selbige hatten sich irgendwann aber auch wieder gelegt und es hieß in Highspeed „Mittelfinger hoch“, bevor Lichtgewitter „Lilablau“ begleiteten. Klar, dass DIE CASPER-Hymne „So perfekt“ nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wurde und wer kam da auf die Stage nachdem „Die letzte Gang der Stand“ auch die hinteren Reihen zum Springen gebracht hatte? THEES UHLMANN! Der ist nicht nur bei dem Track „XOXO“ auf der Platte zu hören, sondern performte auch live mit CASPER und dessen Band. Zum ersten Mal stand daraufhin eine TOMTE-Nummer für ein gemeinsames Happening an. Nach CASPERs Bekunden gehört „Ich sang die ganze Zeit von dir“ zum festen Repertoire der Truppe, wenn der Gig gelaufen ist und jetzt stand sie mal mit dem Mann, der das Lied einst geschrieben hat, auf der Setlist. Schönes Ding, das von „Hinterland“ abgelöst wurde, bei dem zwar nicht die Bühne abgefackelt, aber immerhin ein großes Feuerwerk gezündet wurde. Neben dem Zelt ein Riesenrad, hier Feuerwerk, überall Fressbuden, wäre die Musik nicht, könnte man meinen, auf einem Rummel zu sein (obwohl – nein – Kirmestechno hatten wir heute nirgends). Der Kinderchor von „Jambalaya“ sollte dann schließlich so ziemlich das letzte sein, was ich an diesem Tag an Musik gehört habe, denn damit schloss CASPER seinen Auftritt um 23.50 Uhr.

Setlist CASPER
Im Ascheregen
Alles endet (aber nie die Musik)
Auf und davon
Casper! Bumaye
Ganz schön okay
Ariel
Der Druck steigt (Die Vergessenen Pt. 1)
Blut sehen (Die Vergessenen Pt.2)
Cas in Paris
Halbe Mille
Mittelfinger hoch
Lilablau
So Perfekt
Die letzte Gang der Stadt
XOXO
Ich sang die ganze Zeit von dir (TOMTE-Cover)
Hinterland
Jambalaya

Die Unermüdlichen konnten auf der Green Stage den letzten Klängen von ARCADE FIRE lauschen, hatten auf der Red Stage das Vergnügen mit BAD RELIGION und BRING ME THE HORIZONT, indoor zauberte das italienische DJ-Duo CROOKERS noch nach Mitternacht und MACKLEMORE & RYAN LEWIS standen nach dem Change Over auf der Blue Stage ihren Mann. Mal ganz abgesehen von der Konservenkost, die im riesigen Festzelt bis in die frühen Morgenstunden serviert wurde. Aber wenn CASPER mit seinen 31 Jahren schon glaubt, zu alt für Festivals zu sein, dann gehörte ich eindeutig ins Bett. Und zwar in ein richtiges! Also Rückzug ins Hotel und Akkus für den nächsten Tag aufladen.

Copyright Fotos: Anna Lena Maring

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CASPER auf terrorverlag.com

Mehr zu CHUCK RAGAN auf terrorverlag.com

Mehr zu CHVRCHES auf terrorverlag.com

Mehr zu DRENGE auf terrorverlag.com

Mehr zu ELBOW auf terrorverlag.com

Mehr zu FEINE SAHNE FISCHFILET auf terrorverlag.com

Mehr zu FLOGGING MOLLY auf terrorverlag.com

Mehr zu I HEART SHARKS auf terrorverlag.com

Mehr zu THE SOUNDS auf terrorverlag.com

Mehr zu THE SUBWAYS auf terrorverlag.com

Mehr zu THEES UHLMANN & BAND auf terrorverlag.com