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HURRICANE 2016

Ort: Scheeßel - Eichenring

Datum: 24.06.2016

Zum zwanzigsten Mal fand dieses Jahr das Hurricane Festival am Eichenring statt, das das kleine Dorf Scheeßel wieder einmal zum Beben gebracht hat. Allein schon mit den Headlinern RAMMSTEIN, THE PRODIGY und MUMFORD & SONS, haben die Veranstalter FKP Scorpio, MCT und Koopmann Concerts groß aufgefahren, aber auch das restliche Line-Up konnte sich sehen lassen.

Bei der Ankunft am Festivalgelände, waren wir doch etwas überrascht über die Massen, die noch unterwegs waren. Es dauerte etwas, bis wir mitbekamen, dass das Festivalgelände und die Campingplätze für über 2 Stunden wegen eines Gewitters geräumt werden mussten. Erst um 20.30 Uhr durften die Besucher ihre Autos verlassen und das Gelände wieder betreten. Der Anblick des Infields war grausig: ein Meer aus Schlamm erwartete das Festivalvolk und das war kein Wunder, denn auch schon am Vortag gingen heftige Schauer über die Region runter, sodass noch in der Nacht zum Freitag das Zelt mit der White Stage evakuiert werden musste.

Egal, ist halt Festival! Während auf der Blue Stage schon GENETIKK spielten, machten wir uns auf zur Main Stage, denn dort starteten THE HIVES ihren Auftritt. Und die Jungs um Sänger Howlin Pelle Almqvist, mit ihrem unverkennbaren Schwarz-Weiß-Look, machten das großartig. Jetzt war uns auch klar, warum der Regen aufgehört hatte: „THE HIVES stopped the rain“ schrie Howlin ins Publikum, das dieses erwiderte. Mit ihren Alternative-Hits, „Die All Right“, „Walk Idiot Walk“, „Tick Tick Boom“ und „Go Right Ahead“, heizten sie dem etwas kalt gewordenen Publikum richtig ein. Eine souveräne Show, kein Wunder, denn es war schließlich der sechste Auftritt von THE HIVES auf dem Hurricane – sie sind damit Spitzenreiter der gebuchten Bands.

Danach schnell rüber zur Blue Stage, denn ANNENMAYKANTEREIT hatten ihr Set bereits begonnen. Gefühlt waren alle Zuschauer des Festivals vor der Bühne versammelt, selten haben wir bei einem Neben-Act solch einen Auflauf erlebt. Es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, das die ersten Reihen fast nur aus weiblichen Fans bestanden. Die unglaubliche Stimme von Henning May fesselte die Besucher sofort und nicht nur ich fragte mich: Wie kann aus so einem Kerlchen so eine raue Stimme kommen. Alle Songs vom Debüt-Album „Alles Nix Konkretes“ wurden lauthals von den begeisterten Zuschauern mitgesungen. Die Band schien den Nerv des größtenteils jungen Publikums zu treffen. Aber mit ihrem Cover des BEATLES-Songs „Come Together“, zogen sie auch den letzten Zuschauer auf ihre Seite.

Auf dem Weg zur Main-Stage gönnten wir uns an der ellenlangen Fressmeile einen kleinen Snack, denn uns erwarteten die DROPKICK MURPHYS, die bereits die Bühne eingenommen hatten. Mit ihrem schnellen Folk-Punk haben sie 2010 und 2014 wohl schon Hurricane-Gänger für sich gewonnen, sodass sie einige Zuschauer um die Bühne versammeln konnten und spätestens beim „Never Walk Alone“-Cover sangen alle Männer mit. Jeff DaRosa, der Instrumenten-Virtuose der Gruppe, wechselt zwischen Banjo, Mandoline und Flöte hin und her. Eine schnelle und punkige Angelegenheit, mit der kratzigen Stimme von Sänger Al Barr, konnte begeistern.

Danach musste erstmal etwas entspannt werden, damit man bereit war für den Headliner des Abends. Um 0.15 Uhr wurde ein Countdown gestartet, der in einem großen Knall endete, als der Vorhang für RAMMSTEIN fiel. Was einem in den 90 Minuten geboten wurde, war der Hammer: ein Sound der alle Innereien durchknetete, Licht- und Pyro-Effekte auf höchstem Niveau und die Bandmitglieder gaben alles. Nach dem Auftakt „Ramm 4“ „Reise Reise“ und „Hallelujah“ folgte der erste Showeffekt. Bei „Zerstören“ trug Till Lindemann eine Pyro-Sprengweste, die am Ende in Flammen aufging und den Sänger in Rauch und Flammen verschwinden ließ. Bei „Feuer Frei“ stiegen drei Meter große Feuersäulen im Takt des Refrains in den Nachthimmel. 10 Meter entfernt spürte man noch die Hitze, die davon ausging. Aber bei „Du Hast“ schossen sie den Vogel ab! Dort feuerte Till Lindemann mit einer Pyro-Armbrust über das Publikum, begleitet von Raketen die einmal von der Bühne zum Soundtower und wieder zurückflogen. BÄÄM! Aber erst die Zugaben, mit „Sonne“, „Amerika“ und „Engel“ brachten mein Musik-Herz zum Glühen. Souveräne Show einer Combo, die von den Fans auf der ganzen Welt gefeiert wird und endlich auch wieder den Weg in die Provinz gefunden hat.

Danach trotteten wir auf dem Weg zum Auto an K.I.Z. vorbei… man muss ja nicht alles mögen. Morgen ist ja auch noch ein Tag, dachten wir und ein Stück des Weges begleitete uns noch Henning May, der jetzt zusammen mit K.I.Z. „Hurra die Welt geht unter“ performte. So in etwa konnte man den nächsten Morgen beschreiben.
Der nicht enden wollende Regen am Samstag machte allen Besuchern einen Strich durch die Rechnung, da das gesamte Festivalgelände unter Wasser stand. Über den Festival-Radiosender war man immer auf dem Laufenden und geschockt nahmen wir die Nachricht auf, dass das gleichzeitig stattfindende Schwesterfestival Southside in Neuhausen Ob Eck nach Starkregen und mehren Leichtverletzten schon nach dem ersten Tag abgebrochen werden musste. Auch hier in Scheeßel regnete es immer weiter und nach mehreren Verschiebungen des Einlasses, kam die finalen Ansage um 21.00 Uhr, dass der Samstag komplett ausfiele. Ohne Aussicht auf Besserung für den Sonntag, beschlossen wir schweren Herzens, die Heimreise anzutreten.

Dass der Sonntag dann doch wider erwartend stattfand, ist unter anderem dem THW und den vielen tatkräftigen Helfern des Festivals zu verdanken. Was die in der Nacht vollbracht haben – Wahnsinn! Trotzdem konnten viele Bands nicht auftreten und wir würden uns freuen, wenn sie nächstes Jahr wieder zum Line-up gehören würden.

Trotz des nicht mitspielenden Wetters – anscheinend ist das dieses Jahr mal wieder bezeichnend für die Open-Air-Saison – blieben die Festivalbesucher immer guten Mutes und ließen sich nicht unterkriegen. Ihrem Einfallsreichtum ließen sie freien Lauf mit beispielsweise Angeboten von Wattwanderungen alle 30 Minuten, einem Pils-Angel-Wettbewerb oder Schlauchbootfahrten. Alles in Allem war unser Besuch des Hurricane Festivals trotz der Wetterkapriolen lohnenswert und wir werden auch im nächsten Jahr wieder gerne dabei sein!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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