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ICH + ICH – DAS GEZEICHNETE ICH

Ort: Bielefeld - Seidensticker Halle

Datum: 17.04.2010

Ziemlich viele Egos waren am heutigen Abend in der Bielefelder Seidensticker Halle am Start. Sowohl vor als auch auf der Bühne. Denn als Support für ihre „Gute Reise“ Tour hatten sich ICH + ICH (wie üblich bei Live Auftritten ohne Annette Humpe) DAS GEZEICHNETE ICH ausgesucht. Und auch vor der Bühne war einiges los, denn mit gut 7250 Zuschauern war der Saal ausverkauft. Doch um dahin zu gelangen, mussten sich viele erstmal in die lange Menschenschlange einreihen die sich fast einmal um die Halle schlängelte. Bei bestem Frühlingswetter aber zum Glück kein allzu großes Problem.

Um Punkt 8 erloschen dann auch die Lichter und DAS GEZEICHNETE ICH, welcher ein großes Geheimnis um seine wahre Identität macht, durfte loslegen. Nun ja, loslegen ist vielleicht das falsche Wort, denn es fand sich nur ein einzelner Herr samt Tasteninstrument auf der Bühne ein. Durchaus erstaunlich, denn während des Supports für THOMAS D. und die PET SHOP BOYS im vergangenen Jahr hatte man noch eine ganze Band mit an Bord. An diesem Abend sollte die Begleitmusik nur aus der Konserve kommen und so konzentrierte ich mich auf den Herrn an den Tasten, welcher im folgenden das Publikum mit Gassenhauern wie „Halleluja“ und „Beste Zeit“ unterhielt. Mir persönlich war das ja zu schlageresk. Außerdem geht mir die intellektuelle Attitüde des Herrn irgendwie auf den Keks. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Einem Großteil der Zuschauer schien das Gehörte zu gefallen und ein bisschen passte es ja auch als Vor“band“ zu ICH + ICH. Nach einem eher kurzen Gastauftritt gab es dann höflichen Applaus und es sollte nun an der Zeit für den Hauptact sein, während der „Gezeichnete“ zum Schluss noch ganz Fan-nah Snippet-CDs und Autogramme verteilte.

ICH + ICH sind ja inzwischen gern gesehene Stammgäste beim Terrorverlag und so konnten wir uns natürlich auch den diesjährigen Auftritt in Bielefeld nicht entgehen lassen. Und erfreulicherweise hatte man auch gleich ein neues Album im Gepäck. Dafür musste leider die schöne Bühnendeko der letzten Tour zu Hause bleiben. So setzte man dieses Mal mehr auf den Einsatz von Lichteffekten und Projektionen im Hintergrund. Eingeläutet wurde das Ganze mit einem Streicherintro und einer Begrüßung seitens Adel, der sich wie immer sympathisch und gut gelaunt präsentierte. Zum Einstieg startete er mit „Einer von Zweien“ vom aktuellen Silberling „Gute Reise“, auf dem auch das Hauptaugenmerk im ersten Teil des Sets liegen sollte, denn direkt im Anschluss ging es weiter mit „Hilf mir“, welches auch auf jener Scheibe zu finden ist. Mit „Mach dein Licht an“ gab es dann einen ersten kurzen Abstecher zu den Anfängen von ICH + ICH, bevor mit „Pflaster“ der Hamster vor unserem Fenster toben durfte (hört euch die Textzeile „Es tobt der Hass da vor meinem Fenster“ mal genau an). Überall natürlich die obligatorisch kuschelnden Pärchen, die sich gegenseitig die Texte ins Ohr hauchten und sich verliebt anschauten, vorzugsweise aus der Ü30 Generation. Währenddessen sprintete Adel vorne über die große Bühne von der einen Seite zur anderen. Platz war ja genug da. Mit „Hallo Hallo“ und „Trösten“ wurde es dann zunächst wieder ruhiger, um danach mit „Stark“ in die jüngere Vergangenheit, sprich zum letzten Album, zu reisen. Im Anschluss daran erzählte uns Herr Tawil die Geschichte zu „Yasmine“ und wie er Gastsänger Mohamed Mounir kennen gelernt hat. Und dann gab es die große Überraschung des Abends, denn Mounir war eigens aus Kairo angereist, um auf der Tour den Song mit Adel zu performen. Zusätzlich zur Musik sorgte dann auch eine passende Projektion im Hintergrund für orientalische Stimmung. Und damit der „King of Egypt“ nicht nur für diesen einen Titel angereist war, durfte er im Anschluss noch eine Eigenkomposition präsentieren. Durchaus interessant und wirklich gelungen. In der Zwischenzeit hatte Herr Tawil samt Band sich in die Mitte der Halle begeben, um von dort „Was wär ich ohne dich“ zu intonieren, bevor es mit den Klassikern „Dienen“ und „Umarme mich“ weiterging. Wobei ersteres in einer interessanten und etwas aufgemotzten Version zu hören war. Gefiel mir gut. Daraufhin folgte dann aber gleich die nächste Überraschung, denn ICH + ICH nahmen sich eines bekannten TON STEINE SCHERBEN Songs an, namentlich „Halt dich an deiner Liebe fest“, welchen Adel gefühlvoll und passend interpretierte. Damit ging es dann auch schon fast dem Ende zu und so gab es noch „Universum“, „Nichts bringt mich runter“ und das allseits beliebte „“So soll es bleiben“ auf die Ohren, wobei bei letzterem das Publikum noch ein paar große Luftballons zum spielen spendiert bekam. Aber natürlich konnte das noch nicht alles gewesen sein und so wurden ICH + ICH zurück auf die Bühne applaudiert, wo es zunächst mit dem herzzerreißenden „Es tut mir leid“ weiterging. Dann kam etwas, was Herr Tawil auch schon bei der Herforder Sommerbühne im letzten Jahr präsentiert hatte, nämlich „Stadt“. Im Original eigentlich zusammen mit CASSANDRA STEEN gesungen, durfte hier die Backgroundsängerin und ihr Kollege noch mal alles geben und im gleichen Atemzug wurde von Adel dann noch schnell die Band vorgestellt. Weiter ging es mit dem obligatorischen „Vom selben Stern“, zu dem wir uns dann auf den Heimweg machten, um nicht in den Menschenmassen und Autoschlangen unterzugehen, welche mit großer Wahrscheinlichkeit nach dem Konzert die Ausgänge und umliegenden Parkplätze bevölkern würden.

Somit wäre das Versprechen eingelöst, auch bei der nächsten Tour wieder mit dabei zu sein. Und wie üblich hat es sich gelohnt. Zwar sind ICH + ICH Konzerte immer recht unaufgeregt, aber irgendwie auch sehr nett und danach fühlt sich die Seele immer ein bisschen gestreichelt. In diesem Sinne: Wir werden uns wieder sehen. Versprochen!

Setlist ICH + ICH
Einer Von Zweien
Hilf Mir
Mach Dein Licht An
Pflaster
Hallo Hallo
Trösten
Stark
Yasmine (mit Mohamed Mounir)
? (Mohamed Mounir Song)
Was Wär Ich Ohne Dich
Dienen
Umarme Mich
Halt Dich An Deiner Liebe Fest (TON STEINE SCHERBEN Cover)
Universum
Nichts Bringt Mich Runter
So Soll Es Bleiben

Es Tut Mir Leid
Stadt
Vom Selben Stern

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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