Konzert Filter

ICH + ICH – MY EXCELLENCE

Ort: Osnabrück - Stadthalle

Datum: 23.10.2008

Nachdem wir bereits im Januar das Vergnügen hatten, vom ICH + ICH-Gastspiel im Bielefelder Ringlokschuppen zu berichten, stand nun quasi – terrorintern gesehen – die Fortsetzung der „Vom Selben Stern“-Tour 2008 in Osnabrück an. Und man kann wahrlich nicht behaupten, dass das Duo mittlerweile aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden wäre. Ganz im Gegenteil, die aktuelle Single „Nichts bringt mich runter“ konnte die bisherige Erfolgsserie nahtlos fortsetzen. Doch wir waren ebenso gespannt auf den angekündigten Support, die Wiener MY EXCELLENCE besitzen nämlich das Potential, relativ groß durchzustarten. Nach einer halbwegs entspannten Anreise (abgesehen von einer Umleitung) durch die kalten/ düsteren Nachtwelten des Niedersächsischen Grenzlandes erreichten wir pünktlich den sterilen Betonbau im Herzen Osnabrücks. Mit uns ca. 3500 weitere Besucher, von denen die überwiegende Zahl dem weiblichen Geschlecht zugehörig war. Männer wurden überwiegend „nur“ als anhängliche Begleitung gesichtet. Ob langjährige Partner oder frische Liebschaften, beim kuschelig warmen ICH + ICH-Sound kommt jede Beziehungsform auf ihre Kosten…

Doch als der Zeiger auf die große 8 zugerückt war, tummelten sich zunächst 4 junge Österreicher auf der kniehohen Bühne, die mit einem Flügel und einem großen Backdrop recht angemessen dekoriert war. Bandgründer/ Sänger Richie Ulmer sowie seine langjährigen Freunde Chris Kolasinski, Michal Pint und Paul Schneider zelebrieren eine Mischung aus Pop Rock und Indie garniert mit klassischen Einflüssen, die bestens ins Ohr geht. Eine Stimme, die beizeiten an COLDPLAY oder auch mal PLACEBO erinnert, sehnsüchtige Melodien, ein paar „härtere“ Parts, das alles kompetent dargeboten von einer optisch auch nicht unansehnlichen Formation. Die Debüt Single „For God’s Sake“ (die einen Tag nach dem Konzert VÖ hatte) wurde genauso präsentiert wie der Opener des dazugehörigen Langspielers „Pomp’s Not Dead“. Das Publikum zeigte sich zumindest in weiten Teilen neugierig bis interessiert, auch der Merchstand wurde anschließend ordentlich frequentiert. Ein wenig mehr Selbstbewusstsein bei den Ansagen, gute Promotion und schon bald könnte der Name MY EXCELLENCE in größeren Lettern geschrieben werden. Vor allem, weil der Radio-kompatible Sound durch die Indie-/ Klassik-Einflüsse ein wenig vom gängigen Schema abweicht.

Nach einer halbstündigen Umbaupause sollte es dann kuschelig werden und ich erntete ein paar mitleidige Blicke umstehender Pärchen, da mein mitgereister Fotograf schon Richtung Fotograben entschwunden war und ich allein zwischen den zahlreich erschienenen Zuschauern stand. Das ist wohl Schreiberschicksal. Trotzdem ging unweigerlich das Licht aus und lenkte die Blicke wieder auf die Bühne. Hinter einem Vorhang, der zunächst alles verdeckte, konnte man zu den Klängen von „Ich und Ich“ nur ein Schattenspiel sehen, bevor er dann schlussendlich fiel. Zum Vorschein kam Adel samt Musiker und der ausgesprochen schicken Bühnendeko. Ballons, die verschiedenfarbig leuchteten, ein großer Stern und natürlich ein riesiges LED Display im Hintergrund, auf dem uns später Kerzenlicht, Sternenhimmel und Sonnenuntergänge präsentiert wurden. Annette Humpe, dem Rampenlicht eher nicht so zugeneigt, war auch dieses Mal nicht mit von der Partie und so wurden ihre Parts von einer anderen stimmstarken Sängerin übernommen. An dieser Stelle sei nur noch bemängelt, dass die Akustik der Osnabrücker Stadthalle doch etwas zu Wünschen übrig ließ und der Sound ziemlich blechern klang, aber das dürfte wohl die wenigsten der anwesenden Romantiker gestört haben. Weiter ging es mit „Wie konnte das passieren“ vom selbstbetitelten Debütalbum und an dieser Stelle fiel auf, dass das Stück, wie auch einige andere im weiteren Verlauf, etwas schneller und rockiger interpretiert wurde als auf CD. Gefiel mir eigentlich ausgesprochen gut, nachdem man sich darauf eingestellt hatte. Zwischendurch ernteten ICH + ICH immer wieder mehr als höflichen Applaus und auch ich muss sagen, dass mir Herrn Tawils gesangliche Leistung ausgesprochen gut gefiel. Pünktlich zu „Vom selben Stern“ war dann mein Fotograph zurückgekehrt und ich fühlte mich nicht mehr ganz so alleine, machte er sich doch besonders in den Refrainpassagen lautstark bemerkbar. Adel erzählte uns dann noch, dass man zum ersten Mal in Osnabrück spiele und es somit quasi eine Premiere sei, bevor er mit „Dienen“ den ersten Klassiker anstimmte. Dann wurden wir aufgeklärt, dass ja nun jeder seine „Dämonen“ hätte und dass es bei Adel das Nikotin wäre. In dem Zuge wurde dann auch gleich nachgefragt, wer sich schon mal zu Silvester als guten Vorsatz vorgenommen hätte, damit aufzuhören und ob es denn auch geglückt sei. Wenn ich mich nicht verguckt habe, waren nicht besonders viele erfolgreich. Weiter ging es mit „Wenn ich tot bin“, Herr Tawils Lieblingslied und gleichzeitig ein Liebeslied, wie er uns erzählte. So leistete er sich dann auch gleich einen Freudschen Versprecher, der das Publikum spontan zum lachen animierte. Es folgten „Fenster“, ein Bonustrack auf „Ich + Ich“ und das konsumkritische „Junk“ vom aktuellen Album. Und natürlich durfte auch „Umarme mich“ nicht fehlen, ist es doch eins der Lieder, welches man sofort mit ICH + ICH assoziiert. Bei „So soll es bleiben“ wurden dann alle dazu aufgefordert, ihren Schatz oder wer grad in der Nähe ist in den Arm zu nehmen und mitzusingen. Obwohl ich mir ja nicht sicher bin, ob es so gut kommt seiner/ m Liebsten „ich bin auf der Suche nach 100 Prozent…“ und „bis jetzt fühl ich nur die Hälfte, von allem was geht…“ ins Ohr zu hauchen. Schien aber außer mir keinem aufgefallen zu sein.

Nach 70 Minuten war der Hauptteil dann leider schon zu ende, aber natürlich wollten die Zuschauer die Band so schnell nicht gehen lassen und so hatte man sich für die Zugabe etwas besonders ausgedacht. Nachdem man von der Bühne verschwunden war, tauchte man auf einer kleineren Stage an der Seite der Halle wieder auf um drei Akustikstücke darzubieten. Plötzlich drängelten die fast uniformiert erscheinenden Damen (Blue Jeans, schwarze hohe Stiefel darüber, Bob Haarschnitt – die Megatrends) nach links, überrascht ob der plötzlichen Starnähe… Zunächst erklang das wunderschöne „Du erinnerst mich an Liebe“ und dann der RIO REISER Titel „Nur dich“. Als Begründung gab man an, dass man diesen Menschen persönlich sehr verehre und Annette auch gut mit ihm bekannt gewesen sei. Nach der aktuellen Single „Nichts bringt mich runter“ verschwand man dann zunächst wieder, nur um sich kurze Zeit später wieder auf der Bühne einzufinden und den zweiten Zugabeteil anzustimmen. Doch da waren wir schon auf dem Weg hinaus in die kalte Herbstnacht und Richtung Auto, denn vor uns lag ja noch ein nicht zu kurzer Heimweg und ein Arbeitstag, wenn auch der letzte der Woche. Auf jeden Fall hatten wir an diesem Abend ein schönes Konzert einer sehr konsensfähigen Formation gesehen und alle dürften sich glücklich und zufrieden auf den Heimweg gemacht haben. Ob es danach bei einigen zu Hause nach diesem kuscheligen Liederabend noch eine Fortsetzung gab, entzieht sich leider (oder zum Glück) meiner Kenntnis.

Setlist ICH + ICH (ohne Gewähr)
Ich und Ich
Wie konnte das passieren
Mach dein Licht an
Vom selben Stern
Dienen
Dämonen
Wenn ich tot bin
Fenster
Junk
Umarme mich
Stark
Trösten
So soll es bleiben

Du erinnerst mich an Liebe (unplugged)
Nur dich (unplugged)
Nichts bringt mich runter (unplugged)

Brücke

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ICH + ICH auf terrorverlag.com

Mehr zu MY EXCELLENCE auf terrorverlag.com