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ICH + ICH – NEIL HICKETHIER

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 30.01.2008

Einen besseren Moment für eine Tour konnte es für ICH + ICH eigentlich kaum geben. Die beiden Singles vom aktuellen Album („Vom selben Stern“ und „Stark“) gingen bzw. gehen weg wie geschnitten Brot, da war es nur noch eine kleine Überraschung, dass der Bielefelder Ringlokschuppen vorab das Wörtchen „ausverkauft“ über die Plakate kleben musste. 2600 Besucher, das ist schon ein Ausrufezeichen, das andere Formationen hier nicht setzen konnten. Gespannt war ich darauf, wie viele Chartfans anwesend sein würden, die lediglich die Radiotitel in ihrem Repertoire hätten. Doch bevor es soweit war, stand noch ein mir bislang gänzlich unbekannter Opener in der Warteschleife…

NEIL HICKETHIER, Wahlhamburger mit etwas eigenwilligem Namen, durfte bereits JULI und THE BOSSHOSS supporten, könnte also was dran sein an dem Herren, der bis zu diesem Zeitpunkt nur eine 2-Track-Single veröffentlicht hatte. Überraschenderweise war die Musikerschar um 20 15 sehr übersichtlich, welche die Massen in Wallung bringen wollte. Lediglich Neil und ein Gitarrist namens Kai standen da vor dem Backdrop, obschon man sonst eigentlich als Rockband aufläuft. Den genauen Grund hierfür gab der gutgelaunte Frontmann nicht Preis, der mit leichtem Nordish By Nature Akzent einige nette Anmoderationen parat hatte. Eine Rampensau scheint der gute Neil also zu sein und auch die Stimme konnte überzeugen. Gar nicht so einfach, nur mit Gitarre und Gesang Feuer unter den Anwesenden zu entfachen, aber das gelang recht ordentlich. 2 Mal griff Herr Hickethier dann auch selbst noch zur Klampfe. Mit der avisierten Single „Besser als Liebe“ (VÖ März 2008) oder „Wie du bist“ waren recht gefühlige Songs in der Setlist, leider wählte man als Abschluss den etwas härteren „Seemann“ aus, der so merkwürdig gebellt irgendwie nicht den richtigen Nerv traf. Dafür verteilten die beiden sichtlich zufriedenen Herren dann noch haufenweise CDs unter den Anwesenden, Marketing ist ja bekanntlich alles und vielleicht werden daraus noch mal gesuchte Sammlerstücke…

Nach dieser leidlich unterhaltsamen halben Stunde konnte es nun aber mit ICH + ICH losgehen oder eigentlich nur mit ICH, denn wie ja bereits vorher kommuniziert worden war, wollte Frau Humpe nicht auf die Bühne. Ihr Lampenfieber wäre zu groß und überhaupt sähe sie sich eher als Studiomusikerin. Finde ich persönlich nicht ganz so prall diese Entscheidung, denn man will auch nicht METALLICA ohne Drummer oder Gitarrist sehen. Zudem hat Annette ja nun einige wichtige Parts mit eingesungen. Aber sei’s drum, so konnte man immerhin gespannt sein, wie man dieses „Problem“ denn wohl lösen würde. Zumindest an Manpower hatte man nicht gespart, gleich 7 Herren plus Dame wetteiferten um die Gunst der Zuschauer. Drummer, Keyboarder, Bassist, 2 Gitarristen (von denen der Linke eher nach Glamrockband à la BIG BOY ausschaute) sowie 2 Backgroundsänger, weiblich/ männlich kombiniert. Diese übernahmen im folgenden Frau Humpes Parts, was zugegebenermaßen sehr gut funktionierte. Bis auf eine Ausnahme war auch die Stimmfärbung sehr ähnlich, so dass es hier absolut nichts zu kritisieren gab. Adel Tawil trat gutgelaunt nach vorne, um mit der Bandhymne „Ich und Ich“ den Reigen zu beginnen. Stimmsicher aber zunächst noch ein klein wenig schüchtern nahm der sympathische Sänger alsbald die Massen gefangen, es wurde auch schnell ersichtlich, dass einige mit den älteren Sachen nicht so vertraut waren, was aber im Laufe des Abends enthusiastisch überspielt wurde. Logischerweise bestand die Setlist aus Titeln der beiden Alben („Ich+Ich“/ 2005 und das aktuelle „Vom selben Stern“ aus dem Jahre 2007), womit sich schon ein sehr angenehmes Programm zusammenstellen ließ. Von den älteren Stücken stachen insbesondere „Dienen“, „Umarme mich“ oder „Wie konnte das passieren“ heraus, stimmungstechnische Höhepunkte waren aber vor allem die beiden bereits angesprochenen Singles, wo eifrig mitgesungen wurde. Adel war von seinem ersten Gig in der ostwestfälischen Metropole begeistert, wo er einst auf Klassenfahrt ein Mädchen kennen gelernt hatte, wie er uns verriet. Vielleicht war sie ja sogar anwesend und lauschte andächtig dem intensiven „Wenn ich tot bin“, von Tawil als Lieblingslied deklariert. Das meiner Meinung nach nicht so starke „Junk“, „Dämonen“ oder „Trösten“ setzten u.a. den Reigen fort, hin und wieder waren Parts etwas umarrangiert worden, um wohl dem neuen Bandgefüge Rechnung zu tragen. Die Bühne selbst war einfach aber sehr effizient mit Planeten und Sternen dekoriert, die in Verbindung mit den farbigen Moodlights im Hintergrund einige sehr schöne Momente hervorzauberten.

Schließlich wurde es auch an diesem Abend Zeit für das Ende des Hauptteils und eine Zugabe, die mit dem wunderbaren „So soll es bleiben“ eingeleitet wurde, zu dem einige ergriffen tanzten. „Felsen im Meer“ führte diesen innigen Moment weiter, auch wurde nun die Band vorgestellt und die Sängerin bewies noch ihr Talent als Violinistin, sehr emotionale Momente all dies. Beim abschließenden „Du erinnerst mich an Liebe“ kamen alle anwesenden Pärchen und die, die es noch werden wollten, dieser musikalischen Aufforderung zum Kuscheln gerne nach, so dass die Allermeisten aufgewärmt in die doch empfindliche nächtliche Kälte verschwinden konnten. Mit der Gewissheit, eine ehrliche und eindringliche Show gesehen zu haben, die mit dem vorhandenen Line Up vortrefflich funktionierte.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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