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ICH WILL SPASS – DIE NDW-SHOW

Ort: Bielefeld - Stadthalle

Datum: 28.01.2009

Das 80er-Revival hält ja nun schon etliche Jahre an und immer mit dabei: Die Hits der Neuen Deutschen Welle. Nun widmet sich ja sogar das Musical „Ich will Spaß“ im Essener Colosseum dem Flair dieser Dekade und da wollten sich wohl einige Chartbreaker von einst nicht gänzlich die Butter vom Brot nehmen lassen. Allen voran MARKUS, der am ehesten ein Copyright auf den Slogan „Ich will Spaß“ besitzt und unter gleichem Namen mit einigen Kollegen im Tross zurzeit durch Deutschland tourt. Eine Station hieß auch Bielefeld und als wir etwas verspätet in der Stadthalle eintrafen, hatte Markus bereits die Show mit dem Titelsong eröffnet. Ihm zur Seite Musical-Sängerin Anna Thorén, die nun gerade „Neue Männer braucht das Land“ und „Katharine“ intonierte, umringt vom 4-köpfigen „Ich will Spaß“-Damenballett. Für den passenden Sound sorgte eine Fünf-Mann-Truppe, die dem mitgereisten Fotographen teilweise bekannt vorkam. (Richtig, Holger Düchting zupft z.B. auch bei CHAMBER die Gitarre).

Doch das Ensemble hatte es schwer, war die Stadthalle leider nur mäßig besetzt. Und die, die da waren, klebten auch zunächst noch bleischwer an ihren Stühlen. Daran änderte auch FRL. MENKE nichts, die nun im türkisen, indisch angehauchten Dirndl ihren Auftritt hatte. Zu „Traumboy“ standen ihr recht unbeholfen zwei wie sie später erklärte vorher auserkorene Bielefelder Herren zur Seite, was dem ganzen eine (ungewollt?) komische Note gab. Das Publikum klatschte artig wie seinerzeit in der Hitparade und Ausrufe wie „Bielefeld –Ihr seid die Größten“ muteten zu diesem Zeitpunkt eher als Realsatire an. Nach ihren Hits „Hohe Berge“ und „Tretboot in Seenot“ gab die „Alice Schwarzer der NDW“ (so O-Ton MARKUS in der Anmoderation) auch noch „Schickeria“ und „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang zum Besten und nun kam endlich etwas Bewegung in die Anwesenden, die offensichtlich nicht alle nicht zur vordersten Partyfront gehörten.

Ich freute mich nun auf HUBERT KAH, der uns im Herbst 2007 zuletzt im benachbarten Harsewinkel über den Party-Weg gelaufen war und am heutigen Abend sicherlich mit der größten Hitdichte auffahren konnte. Mit sternförmig geschminktem linken Auge und distinguiertem Habitus schritt er mit großen Schritten die Bühne ab und ließ „Rosemarie“, „Erika“ und „Sternenhimmel“ erklingen, Titel, die mich auch heute noch gerne mitwippen und singen lassen. So ging es auch dem mitgereisten Fotographen, der zunächst ob all der schönen Motive gar nicht zur Ruhe kam, nun aber nicht weniger gestenreich als auf der Bühne neben mir seine Textsicherheit unter Beweis stellte (und auch noch den restlichen Abend stellen sollte). Es folgten nun in lockerer Runde vorgetragene Hits der NDW wie „Codo“, „Fred vom Jupiter“ oder „Major Tom“ zu dem Markus im Raumfahrtanzug auf die Bühne trat.

Nach einer kurzen Getränke- und Pinkelpause ging es auf der Leinwand, die auch schon im ersten Teil Ziel für nostalgische Projektionen war, mit dem Trailer des Films „Ich will Spaß“ weiter, den MARKUS 1982 zusammen mit NENA gedreht hatte. Passend dazu gab es im Anschluss als Eröffnung des zweiten Teils „Nur geträumt“ und „99 Luftballons“ von Anna Thorén dargeboten, schließlich im Duett mit Markus „Kleine Taschenlampe brenn“.
Als nächster Vertreter der NDW betrat nun Peter Hubert, Sänger der aufgelösten Band UKW die Bühne und sang eine Neuauflage von „Ich will“, äußerte sich kurz zur aktuellen Lage der Nation, ehe „Hey Matrosen“ mit flottem, weiblichem Matrosen-Ballett und das unvermeidlichen „Sommersprossen“ folgten. Nach ein paar Kalauer-Einlagen zusammen mit Markus, der heute Abend auch als Effenberg-Lookalike durchgegangen wäre, gab es dann die Party-Hymne „Flieger“, sowie das „Bruttosozialprodukt“.

Danach durfte HUBERT KAH noch einmal mit einer neuen, sehr getragenen Interpretation von „Wenn der Mond die Sonne berührt“ ran, ehe Alexander Kerbst, der in den vergangenen Jahren als Musical-Darsteller bei „FALCO meets Amadeus“ am Start war, heute für das Bielefelder Publikum äußerst gekonnt den „Kommissar“ gab. „Vienna calling“, das umstrittene „Jeanny“ und „Rock me Amadeus“ gehörten ebenfalls zur Setlist.
Zum Finale stimmte MARKUS dann den „König von Deutschland“ an, ehe für den GEIER STURZFLUG-Titel “Pure Lust am Leben“ alle Interpreten auf der Bühne zusammen kamen.

Als Zugabe gab es quasi einen Schnelldurchlauf des Abends, an dem man durchaus seinen Spaß haben konnte. Zwar traf nicht jeder Gag ins Schwarze, dienten Sätze wie „Boah, Du hast gerade aber ganz schön abgeräumt“ eher dem Zweckoptimismus der Akteure, doch konnten diese mit gekonnter und engagierter Gesangsleistung punkten und sich auf eine versierte Rockband im Hintergrund verlassen. Natürlich könnte man nun eine Grundsatzdiskussion führen, ob nun dieses Kaleidoskop einen adäquaten Querschnitt durch die Neue Deutsche Welle darstellte, manch einer der Gecoverten vermutlich gar nicht dazu gehören wollte, andere hätten zwingend erwähnt werden müssen, der Abend sich also auf die populärsten bzw. kommerziell erfolgreichsten Titel konzentrierte. Aber so wurde er auf jeden Fall seinem Titel gerecht. Ein wenig mehr Spaß und Impulsivität im ostwestfälischen Couch-Potato-Publikum hätte daher auf keinen Fall geschadet, so blieb das Gefühl, so gut wie alleine mitgegrölt zu haben. Gruß an die beiden tanzwütigen Damen, die sich am Saalrand eisern einem Sitzplatz verweigerten: Ihr habt die Fahne für OWL hochgehalten!

Ich will Spaß

Neue Männer braucht das Land
Katharine
Traumboy
Hohe Berge
Tretboot in Seenot
Schickeria
Skandal im Sperrbezirk
Rosemarie
Erika
Sternenhimmel
Fred vom Jupiter
Codo
Computerliebe
Major Tom

Nur geträumt
99 Luftballons
Irgendwie, irgendwo, irgendwann
Kleine Taschenlampe brenn
Ich will
Hey Matrosen
Sommersprossen
Flieger
Bruttosozialprodukt
Wenn der Mond die Sonne berührt
Der Kommissar
Vienna Calling
Jeanny
Rock me Amadeus
König von Deutschland
Pure Lust am Leben

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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