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IGNITE – DEATH BEFORE DISHONOR – BURNTHE8TRACK

Ort: Hamburg - Hafenklang/ Exil

Datum: 20.05.2008

Ich bin in einen Jungbrunnen gefallen… Ich war auf einem IGNITE Konzert. So etwa könnte man das Gefühl umschreiben, dass die Band live in einem auslöst. Hamburg kam ja dankenswerter Weise in den Genuss einer „Special Club Show“, da der Rest der Republik ja mit TERROR und STRUNG OUT betourt wurde. Wäre sicherlich auch nicht schlecht gewesen, aber ich habe von diesen Mega-Packages langsam die Nase voll. Lieber, so wie an diesem Abend, sich drei gute, sehr unterhaltsame Bands anzusehen, die eine vernünftige Spielzeit bekommen, als sich durch sieben 20minütige Auftritte quälen. So war es denn auch kein Wunder, dass das Hafenklang schon vorab ein „Nur Restkarten an der Abendkasse“ vermeldete und sich beim pünktlichen Einlass Szenen wie nach der Maueröffnung abspielten. So wurden denn auch ironischerweise zwei Sachsen, die vor mir standen, die letzten beiden Karten vor der Nase weggeschnappt. Wer hätte gedacht, dass es noch einmal so einen Run auf das leer stehende Karstadt-Gebäude, in dem das Exil des Hafenklangs beheimatet ist, geben würde?

BURNTHE8TRACK

Den Anfang machten die Kanadier BURNTHE8TRACK, die ja öfters im Schlepptau von IGNITE anzutreffen sind. Deswegen ergab es sich wohl auch, dass deren Gitarrist auf der Bühne als Aushilfe anzutreffen war. Dem Publikum schien die Band noch nicht allzu bekannt zu sein, oder man war schon im Begriff sich für das Kommende zu schonen, denn vor der Bühne tat sich, bis auf einzelne Kopfnicker, nicht viel. Mich konnte die Band auf jeden Fall schnell auf ihre Seite ziehen. Sänger Derek Kun hat zwar eine leichte Ähnlichkeit mit Ferris MC, kann aber ungleich besser singen. Halb gesungene, halb geschrieene Vocals, auf einem (post)-rockigen Hardcore-Fundament präsentiert, das Ganze intensiv vom Lockenkopf vorgetragen, das macht doch schon einmal Laune auf das Kommende. Grob einordnend könnte man den Sound der Band als IGNITE mit HOTWATERMUSIC, FOO FIGHTERS und leichten AT THE DRIVE-IN Einflüssen bezeichnen. Nicht die schlechtesten Vorbilder, die man sich suchen könnte. Auf jeden Fall eine sehr empfehlenswerte Band, von der man nicht zum letzten Mal gehört hat.

DEATH BEFORE DISHONOR

Die Brüder spielten letztes Jahr, genau wie IGNITE, auf der Persistence-Tour und hinterließen bei mir einen leicht lauwarmen Eindruck. Umso überraschter war ich über das geile Hardcore-Fass, welches die Bostoner, nach Western-Intro mit spanischen Gitarren, an diesem Abend aufmachten. So eine Musik gehört nun einmal in einen kleinen Club, um richtig zu funktionieren. Frontsau Bryan Harris war selten ohne Mitsänger auf der Bühne zu finden, und wurde einmal fast förmlich überrannt. Kurzweilige Hits wie „Count me in“ oder „Boston belongs to me“ sorgten für ordentliche Bewegung im Pit, den die Fans vom ersten Ton aufmachten, da macht alleine das Zusehen schon Laune. Die tätowierte Bande brachte den Old-School-Spirit formidabel auf die Bühne und so begannen auch die zuerst Unwilligen schnell in einen kleinen Veitstanz zu fallen, oder die Finger in die Luft zu recken. Schön war es zu sehen, dass dies mal wieder ein freundlicher Pit werden sollte, in dem jeder auf den anderen aufpasst. Die Jungs hatten also ganze Arbeit geleistet, da die Meute nun richtig heiß auf den kommenden IGNITE-Auftritt war. Überraschend gut und spaßig also der Auftritt von DEATH BEFORE DISHONOR: Party like it was back then in the local Jugendzentrum! Sauber!

IGNITE

Was bei Auftritten von IGNITE abgeht, kann man sich eigentlich schon vorstellen, wenn man sich nur die Tonträger zu Gemüte führt… aber die Energie zu spüren, die durch den Saal fließt, sobald die ersten Takte von „Bleeding“ aus den Boxen schallen, ist immer wieder ein Erlebnis. Die Band legte ebenfalls zum letzt jährigen Auftritt im Docks einige Schippen hinzu und bot das volle Programm, auch wenn die Setlist sich kaum verändert hat (wie wäre es mal mit einem neuen Album, Jungs?). Aber das ist eigentlich auch völlig egal, denn „Our darkest days“ ist nun einmal eines der besten Old-School-Posi-Core-Alben der letzten Jahre. Hit an Hit, bis die Stimme schon nach drei Liedern versagt (bei mir zumindest, sicherlich nicht beim durchtrainierten Zoli). Herr Teglas war gesanglich nach sieben Wochen Tour noch voll auf der Höhe, machte aber wie immer einen leichten Bogen um Stagediver oder Fans, die mit ins Mikro singen wollten (so wurde kurzerhand das Mikro vom Gitarristen ins Publikum gezogen). Für die etwas ältere Generation gab es das UNIFORM CHOICE Cover „Screaming for a change“, während für die (zahlreich anwesenden und ihren Platz an der Bühne standhaft verteidigenden) Damen, die Akustikgitarre ausgepackt wurde, um „Live for better days“ anzustimmen. Faszinierend zu sehen, dass IGNITE auch schon im Rockstardom angelangt sind, denn ansonsten gibt es auf Hardcore-Shows selten ein Drum-Solo zu bewundern, welches nebenbei erwähnt, sogar richtig gut war. „Sunday Bloody Sunday“ durfte natürlich auch nicht fehlen, genauso wenig wie die obligate Ansage von Zoli, wer sich denn das Album für lau aus dem Netz gezogen hat. Ich glaube, das fragte er letztes Jahr auch schon. Dieses Mal bemerkte er aber, dass es ihm nur darum ginge, zu wissen, ob die Fans sich auch die Texte einmal durchgelesen hätten. Ihm käme es oft so vor, als würden die Fans zwar lauthals mitsingen, wüssten aber nicht die um wahre Bedeutung seiner Lyrics. Guter Einwand. Aber mitsingen taten sie an diesem Abend alle. Selten war der Pit so angenehm, selten hatte ich in letzter Zeit so viele fremde Menschen im Arm. So sollte es eigentlich immer sein, wegen so einem Gefühl geht man eigentlich auf Hardcore-Shows. Traurig, das dieses Gefühl so rar geworden ist, aber was soll man erwarten, wenn das Aussehen mittlerweile wichtiger als die Musik geworden ist.

Nach einer Zugabe war denn auch schon Schluss und man stellte zufrieden fest, dass die Zeit wie im Fluge vergangen war. Drei gute Bands, tolles Publikum, tolle Stimmung. Eines der Highlights dieses Jahres, soviel dürfte schon einmal klar sein.

Copyright Fotos: Michael Päben

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