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ILL NIÑO – FOZZY

Ort: Düsseldorf - Zakk

Datum: 06.07.2011

Oh my… eben noch mit Sonnenbrand im Flieger aus Malta und wenig später schon vor der Showbühne des Zakk, Düsseldorf, auf welcher man Jahrzehnte ago in seiner aktiven Zeit selber Dutzende von Shows spielte… ach, das waren noch Zeiten, als man jung war…

…apropos “Zeiten”: Leider trifft man leicht verspätet am Ort des Geschehens ein, womit man nur noch die letzten zwei Songs des abendlichen “local supports” geniessen kann. Bedingt zumindest. Midtempo Deathmetal mit moderner Kante wird von 5 jungen Menschen, welche unter dem Banner HOPELEZZ firmieren, zelebriert und kann wenig überzeugen. Was aber neben dem unspektulären Songmaterial am ehesten an der unsicheren und bemüht wirkenden Performance liegt. Da ist noch massig Luft nach oben.

…apropos “Luft”: Die mitgebrachten 2-3 Dutzend HOPELEZZ-Fans haben die große Halle des Zakk schon mal auf Betriebstemperatur gejubelt, aber bei Wasser-Preisen von knapp 3 Euro stellt zumindest der Rezensent sofort das Transpirieren wieder ein und stellt sich bei den folgenden Darbietungen in das luftig ungefüllte hintere Drittel des Ladens. Grob geschätzt verlaufen sich an diesem Mittwoch eh nur knapp 120-150 Menschen in den Räumlichkeiten, viele davon sind wohl extra für den heimlichen Headliner FOZZY zugegen. Zumindest tragen sehr Viele Shirts der US-Hardrocker, als jene extrem einen auf dicke Hose machend zu einem QUEEN-Song als Intro die Bühne stürmen.

Die mir bis dahin bis auf Samplerbeiträge unbekannte Combo um ein muskelbepacktes Dieter Bohlen-Double am Mikro (Wrestler Chris Jericho!) hat die gesamte Show über mächtig Spass in den Backen und die “Menge” auf ihrer Seite. Hier wird posiert wie bei einer Stadion-Show, zu Klatsch- und Mitsing-Spielchen (erfolgreich) animiert und tight gerockt. Und bei einem gefälligen Sound zwischen HardRock und US-Metal à la FIVE FINGER DEATH PUNCH kann man schon mal über die extrem dünnen und in den Höhen angestrengt wirkende Vocals hinwegsehen. Der Rausschmeisser “Enemy” wird gefeiert und die Band mit viel Applaus verabschiedet… verdienterweise.

Die schwitzende Meute begibt sich fast kollektiv während der 30minütigen Umbaue in den Hinterhof, entweder um zu lüften oder aber dem Schweiß- noch Nikotingeruch hinzuzufügen. Pünktlich um 21:30 sind aber alle Personen/ Aromen wieder indoor, denn nun gilt es sich mal anzusehen/anzuhören ,wie die ehemaligen Latin Metal-Kings im Jahr 2011 so drauf sind. Gemessen am alt, müde, grau wirkenden und scheinbar erschreckend auseinandergegangenen Sänger erwartet man erstmal nicht viel. Der Sound ist druckvoll aber für so eine Location zu laut und somit leiden die Tranzparenzen. Nicht schlimm, denn der Barde versemmelt ziemlich viele der melodischen Momente im eigentlich highlightreichen Set. Dafür sind die growls/ grunts/ shouts schön fett (no pun intended!) und tief… man kann halt nicht alles haben. Anfangs scheint sogar die Saitenfraktion noch Gefallen zu finden am Austausch mit der feiernden Masse vor ihnen, jenes weicht aber im Verlauf immer mehr gelangweilten Standard-Posen und so zockt man sich routiniert durch die Hits der letzten 10 Jahre. “God save us” zum Beispiel darf genauso wenig fehlen wie “This is war”. Sogar die Stücke des aktuellen Albums fügen sich homogen ein. Nett. Weniger nett ist das durch technischen Problemen bedingte a) öftere Ausfallen der zweiten Gitarre, b) Gewusel von 1-2 Stagehands/ GitTechs zusätzlich zur 6-köpfigen Band auf der nicht üppig bemessenen Bühne. Highlight der Show ist aber für mich als Rhythmus-Fan das Drum/ Percussion-Duo im Hintergrund, welches, sich breit angrinsend und gegenseitig antreibend, ILL NINO unltra-tight durch das Program peitscht. Da schnalzt das innere Taktel mehrfach mit der Zunge!

Eine runde Sache also dieser Abend in der Landeshauptstadt. Leute gut drauf, Sound gut… nix zu meckern. Man wurde gut unterhalten. Fazit: Ein abgeklärter Headliner, der sich mit seiner Rolle als Dienstleister für Routiene-Hüpfrockshows abgefunden zu haben scheint, wird von einem spielgeilen Support übertrumpft.

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